Utopia (Doomsday Fanfiction)

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Emares
Retter(in) des Müllplaneten
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Utopia (Doomsday Fanfiction)

Beitragvon Emares » So 28. Aug 2016, 07:23

Willkommen zurück, oder hallo zum ersten Mal!
Wieder habe ich mich an die Tastatur gesetzt und das Ende von Doomsday verarbeitet – wenn Daedalic kein neues Spiel rausbringt, ist das jetzt aber wirklich die letzte Geschichte! ^^
Dieses Mal gibt es sogar eine kleine Einleitung:
Kurzbeschreibung hat geschrieben:Zukunfts-Goal wird von den Utopianern auf Deponia abgesetzt und irrt ziellos umher. Sie wird schon bald lernen müssen, dass es für das Überleben auf dem Schrottplaneten mehr braucht, als eine große Klappe. Und dass Handlungen auch Konsequenzen haben. Außerdem wird sie sich die Frage stellen müssen, ob sie im Leben noch ein Ziel hat und ob ohne dieses Ziel die Wirklichkeit überhaupt wirklich ist. Aber keine Angst - es gibt da noch jemanden, den scheinbar alle vergessen haben, mit dem man jedoch rechnen sollte. Und wer weiß!? Einige Charaktere aus bisherigen Geschichten werden sicherlich einen Gastauftritt haben.



Auch hier gilt wieder: die Figuren der Geschichte und die Welt sind geistiges Eigentum von Daedalic und basieren auf Deponia - The Complete Journey, sowie Deponia Doomsday. Ich habe mir nur die Inhalte aufgegriffen und damit gearbeitet! :mrgreen:
Auch hier erhebe ich selbstverständlich keinen Anspruch, im Sinne der kreativen Köpfe geschrieben zu haben!

Die Geschichte spielt parallel-chronologisch nach/neben meinen vorherigen Storys:

Argus' Aufstieg:
-Argus' Aufstieg
Die Elysium-Trilogie:
-Elysium
-Nie wieder Elysium
-Elysium Limerenzen
Die Toni-Tribute:
-Die Toni-Tribute
-Die Toni-Tribute klatsching Donna
-Die Toni-Tribute schöne neue Welt

Auch wenn ich verstehen kann, dass ihr lieber mit einer Geschichte zu Deponia Doomsday anfangt, verstehen kann man die Geschichte besser, wenn man die anderen Storys kennt!

Zuletzt noch einmal die obligatorische Warnung: auch wenn ich beim Schreiben viel Spaß hatte, ist die Handlung nicht selten düster und thematisiert Inhalte wie Rufus' Tod und dass auch wenn man jemanden einfach unbeachtet zurücklässt, es Konsequenzen haben kann – es gibt Leute, die mit sowas nicht klarkommen, solche sollten sie lieber nicht lesen!

Und natürlich: wenn es euch gefallen hat, oder nicht, würde ich mich auch hier freuen, wenn ihr meine Fanfiction kommentieren würdet! :)




Kapitel 1
Allein

Spoiler: show
Der warme Wind wehte ihr durch das Haar, als Zukunfts-Goal den Utopianern nachblickte, wie diese mit ihrer Zeitmaschine in einem Wurmloch verschwanden. Sie hatten ihr alles genommen: Jahre ihres Lebens, die Hoffnung, Elysium zu erhalten und Rufus; die Liebe ihres Lebens.
Sie wollte ihn retten, hatte das Umok, wie sie ihr Gefährt nannten, umgebaut, nachdem sie es gestohlen hatte und in der Zwischenzeit gestrandet war. Aber die Utopianer entdeckten ihren Versuch und drohten, sie beide zu töten, falls sie ihn nicht fallen ließe.
Ein Rufus vom Rücksitz platzte schließlich ins Geschehen und überzeugte sie beide, loszulassen, weil sie sich in einer Zeitschleife befanden, an deren Ende sie tot war und er simultan Deponia und Utopia zerstörte, um die hoffnungslose Situtation zu einem Ende zu bringen.
Außerdem hätte er sich einen Schnurrbart wachsen gelassen – das konnten sie beide nicht zulassen.
Ihr war kein Happy-End beschieden, nur die ultimative Option, dass sie beide losließen, die Möglichkeit einer provisorischen Aussprache. Und dennoch; es war längst nicht alles gesagt, was gesagt worden werden sollte.
Gab es noch einen Rufus, noch eine Goal? Hatten sie noch ein Happy-End in irgendeiner Zeitlinie erhalten!?“, waren Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, als die Elefanten, diese Schwachköpfe, in ihrem Toaster-ähnlichen Fahrzeug verschwanden. Aber es wäre egal.
Alle Zeitlinien, die für sie in Reichweite waren, alle Parallel-Universen, die entstanden, als diese unseligen Sprünge durch die Geschichte begannen, lagen entweder außerhalb ihrer Möglichkeiten, oder waren von den Konsistenzfeteschisten getilgt worden – sie würde es nie erfahren.
Ein tiefes Schnaufen durchzog ihre Lungen, als ihr die Sinnlosigkeit ihres Weiterlebens nun endgültig klarwurde. Sie hatten beide das kleinere Übel gewählt und dennoch fühlte sich dieser Sieg dadurch pyrrhisch und hohl an. Was ihr blieb, war nur die Existenz.
Und sie wusste nicht, ob sie diese überhaupt durchhalten konnte.
Auf Elysium hatte sie trainiert, war fit; aber das war Deponia: hier zu Überleben brauchte weniger physische Stärke, weniger Intellekt – man musste erfindungsreich, kreativ, improvisativ sein und... hinterhältig, wenn man alleine war.
Sie wandte sich vom Anblick der abgestürzten Raumsation ab, ihrer Heimat, die nun als Massengrab Freunde, Bekannte, Verwandte und treue Wegbegleiter umschlungen hielt, wie ein eisig kaltes Mausoleum. In der Abendsonne wirkte es fast schön, wie die ausgebrannten Türme der einst fliegenden Stadt aus dem Meer ragten. Nur würden die Deponianer bald beginnen, die Ressourcen für sich in Besitz zu nehmen, die diese Schatzkammer beherbergte. Auf diese Leichenfledderei konnte sie verzichten.
Mit beiden Händen packte sie den Überlebensrucksack, den die Elefanten ihr überlassen hatten. Sie hatte sich vor einiger Zeit Finger-lose Handschuhe besorgt, die etwas taktisch wirkten, auch wenn es mehr Mode war. Ihr elysianischer Anzug, ein weißer, Ärmel-loser Overall, hing ihr auf Höhe des Bauchnabels einfach über den Hintern. Den BH darunter hatte sie um ein blaugraues Unterhemd erweitert, in dem sie sich beweglicher fühlte. Obwohl der herabhängende Teil dagegen unpraktisch wirkte, wie eine zur Hälfte geschälte Banane, konnte sie sich nicht davon trennen. Die unfertige Lookänderung symbolisierte ihre Wandlung: gerade soweit verändert, dass sie ungeschliffener und rauer wirkte, aber nicht völlig von ihrer Vergangenheit entfernt.
Auch ihre Frisur hatte leiden müssen; während ihre feuerroten Haare einst über ihre Schultern flossen und dem flinken Mädchen hinterherwehten wie ein orangenes Banner, hingen nun nur noch zwei Stränen herunter, die das Gesicht einrahmten. Der Rest ihres Haupthaares war der Schere zum Opfer gefallen, nachdem sie Cletus angeschrien hatte. Ein Stirnband trennte die kurz geschorenen Haare über den Ohren von den kurz rasierten Haaren unter dieser Linie.
Er hatte sich als Rufus ausgegeben, um so nach Elysium zu kommen. Nachdem Rufus sich geopfert hatte, damit sie überlebte, wollte sie ihren ehemaligen Verlobten dafür leiden lassen, dass er es gewagt hatte, zu überleben und Rufus' Platz einzunehmen. In seiner Verzweiflung, Elysiums Untergang abzuwenden, hatte er sich schließlich in die Luft gesprengt. Im Sterben wollte er ihr gestehen, nicht ihr Geliebter zu sein, aber sie fauchte ihn in seinen letzten Sekunden nur an.
Bei der Explosion war ein Blitz neben ihr eingeschlagen und womöglich war es der Stress in dieser Situation, aber sie hatte einen Sterbenden in Grund und Boden gekeift.
Dieses Erlebnis war eine Wende in ihrem Leben, die neue Frisur sollte diese Wandlung symbolisieren, auch wenn sie bei rechtem Licht betrachtet einfach Mist war.

Das jedoch war nun nicht mehr ihre Sorge, der Wind fühlte sich gut auf ihrer Kopfhaut an und das nur, weil die Haare kurz und durchdringbar waren. Ein schönes Gefühl... irgendwie.
Sie ging einfach los, ohne Plan an der Küste entlang.
Wieder seufzte sie und atmete tief ein. Auf Elysium hatte sie saubere Luft zur Verfügung gehabt, frisch geschnittenes Gras konnte sie jederzeit zwischen ihren Zehen spüren, wenn sie wollte und klares Trinkwasser sprudelte in verschwenderischer Arroganz aus Springbrunnen.
Hier unten dagegen war das Grün spärlich, das Wasser rostrot und die Luft enthielt mehr kurzkettige Kohlenwasserstoffe, als das die Natur einmal vorgesehen hatte.
Die untergehende Sonne ließ die Temperaturen langsam absinken, von den typischen schweißtreibenden 35 – 40 °C am Tage auf angenehmere Nachttemperaturen.
Etwa acht Uhr musste es auf der Oberfläche jetzt haben. Da auf dieser Halbkugel gerade Sommer war, hatte sie demnach noch zwei bis drei Stunden die Abendsonne genießen können.
Also stapfte sie auch an der kleinen Siedlung, die in Metallrohre eines Müllhaufens geschmiedet war, welcher sich an der Küste befand, einfach vorbei.
Erst einmal will ich ihn finden“, dachte sie sich,
Ich werde ihn finden, mich von ihm verabschieden und ihn anständig begraben“, schließlich blieb sie für einen Moment stehen und schaute wieder zu ihrer alten Heimat,
und dann sehen wir mal weiter!
Es war mehr eine Ahnung, woher sollte sie auch wissen, wo er abgestürzt war, aber ihr Herz wies ihr den Weg durch die Unmengen an Schrott. Wie ein Geigerzähler fühlte es sich an, als klopfe es stärker, je näher sie ihrem Ziel kam. Er musste ja hier irgendwo sein; Elysiums Orbit war stationär, wo es abstürzte, musste schließlich auch alles gelandet sein, was von dort heruntergefallen war.
Alles... und jeder!

Vier Stunden später, sie war etwa 30 Kilometer gewandert, über Trampelpfade und mäßig freigeräumte Müllmassen, wurde es langsam aber sicher kalt. Eine unglaubliche Müdigkeit überkam sie und erinnerte daran, dass das Gefühl der Leere in ihrem Kopf nicht das einzige Befinden war, das ihr Körper simulieren konnte. Außerdem hatte sie tiefen Hunger.
Es nutzte nichts mehr, ihre Füße hätten sie kaum weitertragen können, so sehr sie sich dem traurigen Ziel auch entgegen sehnte. Außerdem drohte die Last ihres Rucksacks sie langsam aber sicher in die Knie zu zwingen – diese lächerlichen fünf Kilo. Sie setzte den Rucksack ab, um den Overall nach oben zuzuziehen und blickte sich um:
Ein kleines blaues Licht in der dunklen Einöde deutete auf Menschen hin. Vorsichtig stapfte sie in die Richtung. Ein dunkler Arkadengang trug die Last eines umgestürzten Schaufelbaggerrades und dazwischen funkte eine kleine Lampe über einer Tür den Schriftzug „Hotel altes Schächtelchen“ an.
Instinktiv ergriff sie die Klinke des Eingangs, doch dann stoppte sie. War das der richtige Weg?
Sie wusste nicht, ob sie irgendjemandem hier trauen konnte. Natürlich war sie auf nette Deponianer gestoßen: Doc, Bozo, Toni z.B.. Aber es war auch klar, dass diese Welt nicht nur gute Menschen bewohnten. Und überhaupt; hatte sie einen Plan? Sie hatte keinen blassen Schimmer, was sie hier tat.
Kommen Sie rein oder machen Sie die Türe frei“, hallte seine schrille Frauenstimme von innen und weckte sie aus ihrer Lethargie. Sie trat ein.

Drinnen saß eine kleine alte Frau mit einem Kopf-großen Dutt in einem glänzenden Ballkleid hinter einem schmutzigen Tresen. Goal blickte sich um und erkannte, dass flackernde Glühbirnen an den Stahlträgern den kreisrunden Saal schlecht erhellten. Aktphotos der alten Frau waren zwischen den Stützen angebracht, rechts neben der Türe hing das älteste, noch grau und im Uhrzeigersinn wurde die zunächst junge Frau immer ein Jahrzehnt älter. Sie drehte den Kopf und es wirkte so, als schmelze die Duttträgerin, was Goal erschauern ließ.
Wollen Sie die ganze Zeit da stehen und zittern?
Sie schüttelte den Kopf und ging an den Tresen. Coolness vortäuschend lehnte sie sich darauf vor,
Ich brauche ein Zimmer, aber zu erst muss ich dringend etwas essen!
Unbeeindruckt wandte sie Alte sich auf sie zu:
Wie wollen Sie das denn bezahlen, Schätzchen!?“, sperrte sie ihr linkes Auge weit auf.
Goal kramte etwas aus dem Hosenlatz ihres Anzuges. Dann legte sie drei Glaschips, zwei rote, einer blau, auf den Tisch.
Der Rest ist für Sie!
Was soll denn das sein!?“, hob sie einen Roten auf und Goal erwiederte:
Elysianische Spaßpunkte, eine der Währungen der fliegenden Stadt.
Ihr gegenüber zuckte nur mit den Schultern und warf das Glasspielzeug einfach achtlos hinter sich, sodass es durch den Raum prasselte.
Da muss ich Sie enttäuschen: seit das Ding abgestürzt ist, wimmelt es an unseren Stränden nur so von diesen Teilen. Das ist hier nichts wert!
Schlagartig wurde Goal klar, dass sie nicht nur alleine war, sondern auch über überhaupt keine Möglichkeit verfügte, Rufus' Wunsch nachzukommen, auf Deponia ein anständiges Leben zu verbringen. Wahrscheinlich war ihre einzige Chance, in einer Siedlung oder einem Dorf Obdach zu suchen und zu hoffen dass ihr dies nicht übel bekam. Ein enormes Risiko in einer fremden Welt – die einzige Ortschaft, die sie kannte und wo sie hoffen konnte gut behandelt zu werden; insbesondere wegen deren Verpflichtungen Rufus gegenüber, war Kuvaq. Und das lag etwa 5 Wochenmärsche entfernt.
Sie verlor augenblicklich ihre Lässigkeit, blickte die Wirtin mit halb offenem Mund an, dann langsam zum Fußboden, wieder schnell in ihre Augen. Sie blinzelte, schließlich drehte sie sich langsam, mit einer leichten Kopfwendung beginnend, zum Ausgang und stapfte mit herunterhängenden Schultern darauf zu.
Die Frau am Tresen runzelte die Nasenflügel, dann verfluchte sie ihre mitfühlende Art und rief:
Moment – kommen Sie noch einmal zurück!
Sie bewegte sich zurück.
Dieses Stirnband... es gefällt mir. Überlassen Sie es mir und Sie dürfen eine Nacht in der Himmelssuit verbringen und ich fülle Ihren Überlebensrucksack auf!
Auch wenn die gerade gezeigte Langsamkeit ihrer Bewegung das nicht ahnen ließ, stockte Goal trotzdem. Dieses Stirnband hatte Cletus-Rufus ihr auf Elysium geschenkt, als er sich noch Hoffnungen machte, mit seiner Ex-Verlobten doch wieder zusammen zu kommen. Auch wenn sie es damals einfach in eine Ecke ihres Zimmers geworfen hatte, wurde es nach seinem Tod dennoch ein Teil ihrer Frisur – es gefiel ihr gar nicht, war aber eine Art Sühne.
War sie wirklich bereit, sich davon zu trennen? Abzuschließen mit den Ereignissen auf Elysium, mit Cletus' Tod und somit dem Tod fast all ihrer Freunde? Und war sie bereit, sich vom letzten Style zu trennen, in dem Rufus sie gesehen hatte, bevor er in den Tod zu stürzte?
Es brauchte ein tiefes Einatmen, dann stimmte sie traurig zu, zog es über ihren Kopf aus und gab es der Frau. Diese sagte ihr, es gebe um 08:00 Uhr Frühstück, die Toilette sei im Erdgeschoss und ihr Zimmer befinde sich im obersten Geschoss. Goal ließ ihren Rucksack unten und ging in ihr Zimmer, in dem ein altes Sprungfederbett zwischen alten Kartons und Gerümpel stand.

Kapitel 2
Verletzt

Spoiler: show
Dunkelheit... hier herrschte nichts als Finsternis. Wie nur war er hier gelandet?
Er ahnte, dass er einige Zeit ohnmächtig gewesen sein musste, aber was er in dieser seltsamen Kiste machte, daran konnte er sich nun wirklich nicht mehr erinnern. Er wusste nur, dass er fürchterliche Schmerzen in Brust, Beinen und Armen hatte und hier zusammengekauert hockte, während er mit dem Kopf an eine Decke stieß. Armfreiheit war ebenfalls kaum vorhanden und irgendwelches Gerümpel stieß ihn von allen Seiten an.
Unter enormer Pein hob er den Kopf leicht an und bemerkte, dass über ihm eine Art Klappe war, die sich etwas öffnete und ein dunkles, diesig-blaues Licht einließ...

Es half nichts: auch wenn jede Bewegung schmerzte, musste er all seine Kräfte zusammen nehmen und sich irgendwie aus dieser misslichen Lage befreien. Langsam bewegte er eine Hand nach oben und drückte sie vorsichtig an eine Wand. Er spannte seine Muskeln an, soweit es ging und erhob sich ein Wenig, sodass der Deckel noch weiter aufging. Eben so bedächtig, wie er die erste Hand nach oben geführt hatte, griff er nun mit seiner Zweiten nach dem entblößten Rand. Zentimeter um Zentimeter erklomm er die in jeder anderen Situation so lächerlich wirkende Höhe. Als sein Kopf gerade herauslugen konnte und er begann, sich mit dem Unterarm ab zustüzen, fiel ein Feuerlöscher das Gerümpel herunter und knallte auf seinen Fuß. Der Schmerz ging unter in dem Meer aus Körpersignalen, welche seinen Leib fluteten. Doch die neue Haltung half tatsächlich; die müden Knochen wurden deutlich besser durchblutet und der Lebenssaft verdrängte zumindest den Schlaf aus Armen und Beinen.
Nach und nach gewöhnten seine Augen sich an die Umgebung und er erkannte, dass er sich in einer Art Gefährt befand, in einer Kiste hinter zwei Flugzeugsitzen. Vor ihm, hinter dem anderen Sitz, waren mechanische Geräte gelagert. Der Sitzplatz neben seiner Position versperrte die Sicht auf den Rest, also richtete er sich vollends auf.
Vor den Stühlen für die Piloten befand sich eine Art Luke, auf der in der Mitte ein Brett festgenagelt war und Licht drang durch ein Bullauge links daneben hinein.
Jetzt fiel es ihm wieder ein!

Rufus war eine Schrottlawine herunter gesurft und dabei gestürzt. Als die Utopianer, die ihn verfolgt hatten, abgelenkt waren, kroch er aus seinem Loch und versteckte sich in ihrer Zeitmaschine in der Kiste in der Rückbank. Hier hatte er das Bewusstsein verloren. Er wollte eigentlich Zukunfts-Goal warnen, damit diese nicht mit seinem Original-Ich auf Deponia stürzte und starb.
Aber wenn die Elefanten in ihre Heimat zurückgekehrt waren, wie er sich so langsam aus seinen Wachträumen zusammenreimte, dann musste er Erfolg gehabt haben. Goal hatte losgelassen, Original-Rufus war gestorben und konnte somit Deponia nicht gesprengt sowie Utopia gleich mit verwüstet haben.
Er... ein er musste also erfolgreich gewesen sein und deswegen hatte er wohl auch überlebt und war nun hier.

Soweit so unklar... was soll ich aber jetzt machen!?“, fragte er sich und sah sich gemächlich um. Vor ihm war ein Flugzeugfenster angebracht, welches jedoch zugezogen worden war. Behutsam und dennoch laut knackend wandte er sich der Wand in seinem Rücken zu. Auch hier war ein baugleiches Sichtfenster angebracht, nur spiegelverkehrt. Licht, wenn er hier etwas machen wollte, brauchte er mehr Licht. Also erhob er seinen rechten Arm über seine Schulter und ertastete den Schieber. Trotz der Spannung seiner Muskulatur, die ihn fast wieder das Bewusstsein verlieren ließ, schaffte er es, die Verdunklung hochzuziehen und weitere Beleuchtung in die Kapsel fließen zu lassen. Endlich konnte er den Boden vor sich deutlich erkennen und den Platz, den er hatte, um sich aus dieser Rümpelkiste zu befreien.
Also dann...“, wollte er über den Rand klettern, doch verlor das Gleichgewicht und plumpste zwischen die Sitze, wobei er erneut ohnmächtig wurde.

Wenig später erwachte er wieder. Noch auf dem Rücken liegend besann er sich dieses Mal schneller und stand, wenn auch unter gleichen Schmerzen, aber mit deutlich weniger Vorsicht auf. Noch einen Buckel machend sah er durch den diesigen Raum und ließ sich in den Sessel des linken Sitzes fallen.
Was ist denn das?“, schaute er an die Wand neben seinem Platz und erblickte einen roten Knopf. Auch wenn dieses Ding wahrlich verlockend war, wandte er sich zu der anderen Seite und bemerkte, dass es dort ebenfalls eine solche Taste gab.
Zu der Erkenntnis gelangt, dass es sich demnach nicht um die Selbstzerstörung handelte, weil es die ja immer nur einmal geben konnte, zögerte er keine Sekunde mehr und schlug seine Faust darauf.
Die Dichtung der Türe raunte und Druckluft zischte, als das Gefährt sich vor ihm öffnete. Er wurde kurz geblendet, denn mit dem Notausgang aktivierte sich ebenfalls die Beleuchtung des Umok.
Ein heller, fast engelsgleicher Schein ergoss sich nach draußen und machte den Blick auf platingraue Metallfliesen frei.
Mit einer ungeahnten Bedacht stemmte er sich auf, um einen Schritt auf den Holzsteg nach draußen zu tun. Doch er zögerte weiterzugehen – die Schattierung der Außenwelt stand in derartig krassem Unterschied zum Innenraum, dass es ihm fast so vorkam, als würde er vom Leben in den Tod treten und damit in die Vergessenheit.
Seit wann bist du so vorsichtig? Angst vor dem Tod kennst du doch gar nicht!“, machte er sich selbst Mut und tapste nach draußen. Wieder brauchten seine Augen einem Moment und dann konnte er vor sich eine riesige Metallwand sehen, mit einer Art Notausgang, welcher dieses bläuliche Licht von sich gab, das er zu Anfang wahrnehmen konnte. Die Wand ging sehr hoch, höher, als er seinen Kopf zu erheben vermochte. Weil sein Magen begann, wie Feuer zu brennen, griff er sich an den Bauch und drehte sich seiner Rückseite zu.

Neben der Zeitmaschine, aus der er gerade erst entkommen war, standen etliche Weitere, ebenso dahinter in Reih und Glied. Wenn auch mit leichten Abweichungen in Form und Bemalung, waren sie doch alle sehr ähnlich und erinnerten an eine Art Flugzeugstaffel aus alten Toastern.
Er musste sich in einem Hangar befinden, dachte er sich, als er langsam wieder zu der großen Wand humpelte. Und wo ein Notausgang war, da musste es auch einen Medizinkasten geben.
Einige schwerfällige Schritte auf das kryptische Zeichen über der Türe zu, konnte er es sehen: einen kleinen, graublauen Kasten neben dem Ausgang.
Erschöpft, gleichwohl mit starkem Willen lehnte Rufus sich an die Wand neben dem Kästchen und begann, daran herumzufummeln. Er wollte es gerade aufgeben, da brach der Haltestift und die Klappe sprang nach vorne auf, wodurch alles, Pflaster, Verbände, Alkohol, heraus auf den dunklen Boden fiel. Alles bis auf eine rosa Tube.
Auf der Tube war ein Elefantentotenschädel zu sehen und ein glücklich lächelnder Elefant rechts daneben, sowie einige Zeichen, die er nicht entziffern konnte.
Er mutmaßte, dass es sich um eine Art Salbe handeln musste, die Lebewesen heilen konnte... oder sie bis auf die Knochen auflöste.
Aber ist es zur inneren oder äußeren Anwendung!?“, rätselte er, während er die Tube aufdrehte. Die Portion musste nagelneu sein, denn sie war noch nicht auf gestochen. Mit dem Nagel in dem Deckel überwand der Antiheld dieses Hindernis jedoch schnell. Spontan entschied er sich für die Nutzung als Krem und drückte einen Tupfer auf seine rechte Hand aus. Er erkannte, dass sie die gleiche Farbe und Konsistenz hatte, wie Ziegenmilch mit Erdbeerstückchen, als er sie mit seiner Linken verrieb, da sickerte sie blitzschnell in seine Haut ein.
Ein gällender, stechender Schmerz riss ihn aus seinen Gedanken und er befürchtete, dass die Hand sich gleich bis auf die Knochen auflösen würde, da sah er, wie die blauen Flecken darauf verschwanden und im nächsten Moment verspürte er von dieser Hand nicht den Hauch eines Schadens.
Jetzt war er sich sicher: es war eine Heilpaste! Zügig, fast gierig, begann er, sich mehr und mehr von der Salbe aufzutragen.

Einige Minuten und diverse Krümmungen später hatte er das Wundermittel aufgebraucht. Es hatte nicht ganz gereicht, aber die schlimmsten Verletzungen, insbesondere die Lebensbedrohlichen waren getilgt.
So, das muss ausreichen!“, stolzierte er, wenn auch leicht geknickt, wieder zur Zeitmaschine. Seine Knochenbrüche und Blutungen hatte die Wundersalbe zwar geheilt, aber das Atmen fiel ihm immer noch schwer und sein Herz schmerzte mit jedem Schlag.
Lässig ließ er sich in den Sitz fallen und drückte den Knopf zwischen Piloten- und Beifahrerplatz.
Ein dumpfes Pipsen ertönte und signalisierte, dass die Maschine sich verweigerte, den Bildschirm herunterzufahren, mit dessen Hilfe man das Sprungziel auswählen konnte.
Was soll das?“, grummelte er und drückte erneut auf den Knopf. Doch wieder ertönte das gleiche Geräusch. Auch zwei weitere Drücker später verweigerte das Gefährt seine Zusammenarbeit und Rufus stand wieder aus.
Er ging zur nächstbesten Zeitmaschine und wollte sie gerade öffnen, doch erkannte er keinen Hebel oder Schalter. So schlug er mit beiden Fäusten dagegen.
Ich muss Goal doch sagen, dass es mir gut geht!
Was haben Sie hier verloren!?“, ertönte die Stimme eines Elefanten, welcher in der Bekleidung eines Wachmannes in der Tür des Hangars stand.
Rufus konnte nur noch: „Schrott“, sagen, da stürmte der Dickhäuter bereits mit erhobenem Schlagstock auf ihn zu.

Kapitel 3
Alles... nur ein Traum?

Spoiler: show
Was ist das denn?“, fragte Goal verwundert, als sie sich in einer Welt aus weißem Licht wiederfand. Sie hob ihre Hände und bemerkte, dass sie ihren alten Anzug anhatte, mit den weißen Handschuhen. Ein Kopfkratzen bewies jedoch, dass sie immer noch ihre neue Frisur auf dem Kopf trug, mit den zwei Strähnen und dem kurz geschorenen Hinterkopf.
Langsam ließ sie ihren Blick schweifen: nichts... nichts...
Plötzlich fiel ihre Aufmerksamkeit auf eine andere Gestalt. Eine Frau mit einem alten Mantel, sowie langem rotem Haar stand unweit von ihr und schien ähnlich desorientiert wie sie.
Die Frau bemerkte ihrerseits ihr Gegenüber und wandte sich ihr zu. Goal erschrak: unter dem Mantel trug die Frau ebenfalls einen elysianischen Pyjama, exakt der Gleiche, der auch sie bedeckte. Und noch mehr – die Frau sah wie ein gespucktes Spiegelbild aus; die selben Gesichtskonturen, ein etwas dunklerer Tein und Augenringe statt der rosigen Bäckchen... alles in allem war die Frau wohl etwa doppelt so alt wie Goal.
Wer bist du?“, fragte die Frau in einem bedachten Tonfall und ging auf sie zu.
Das Selbe könnte ich dich fragen“, antwortete sie trotzig, als ihr Gegenüber etwa einen Meter von ihr entfernt zum Stehen kam.
Ich bin Goal!“, verschränkte die Frau ihre Arme und hob skeptisch eine Braue hoch.
Goal ging irritiert einen Schritt zurück; war das eine Zukunftsvision? Ein unterbewusster Hinweis womöglich? Oder nur der übliche unzusammenhängende Schwachsinn, dem man sich im Traum so aussetzt?
Sie biss sich auf die Lippe und spürte den Schmerz, als sie die Augen wandern ließ.
Nein, dafür fühlt sich das einfach zu real an“, dachte sie sich und bemerkte, dass die andere Goal langsam den Kopf zur Seite neigte.
Ich bin Goal!“, hob sie trotzig den Kopf.
Doch die Frau ließ sich von dieser protzerischen Geste nicht aus der Ruhe bringen, sondern ging nur einen weiteren Schritt vor und drang so unangenehm in Goals Intimsphäre ein.
Mit so einer Antwort habe ich schon gerechnet“, griff sie sanft, aber gleichsam bestimmt ihr Kinn und drehte ihren Kopf zur Seite, „Was hast du bitte mit deinen Haaren gemacht, Mädchen?
Sie schlug die Hand beiseite und ohne genau zu verstehen warum, erwartete sie eine auf dem Fuße folgende Ohrfeige. Doch die Frau blickte nur streng; was ihr aber noch unbehaglicher war.
Ich bin Goal! Ich bin durch die Hölle gegangen und lasse mir von einer Halluzination nicht das Gegenteil einreden!“, wurde Goal lauter.
Wovon redest du bitte, Kind?“, verlor die Alte ihre Contenance nicht.
Ich habe meinen Vater und Rufus verloren, meinen Verlobten, Elysium, fast alle meine Freunde und jetzt bin ich auch noch auf Deponia gestrandet...“, redete sie sich in Rage, doch wurde sie unterbrochen:
Vater...“, lächelte die Frau, „...wie lange habe ich nicht mehr von ihm gehört.
Was redest du da!?“, ging Goal verwirrt einen weiteren Schritt zurück.
Ich habe Ulysses – unseren Vater – ebenso verloren wie du. Nur ist es für mich Jahrzehnte her... und Elysium werde ich wohl auch nie wieder aufsuchen können!
Elysium ist abgestürzt. Ausgebrannt. Tot!“, fauchte die junge Frau.
Die Ältere ignorierte ihren Tonfall blickte sich um und wies mit den Armen in die Leere:
Ein interessanter Traum! Will mein Unterbewusstsein mir etwa ein alternatives Ende bieten!?
Was redest du verrückte Alte da bitte!?“, wurde Goal langsam frecher, aber ihre Gesprächspartnerin unterband dieses Aufbegehren augenblicklich:
Pass auf, was du sagst, Fräulein!
Sie schien wütend, als ihr jüngeres Pendant jedoch schluckte, verflog dieses Auftreten.
Ich gehe mal auf dieses Gedankenspiel ein... konstatiere: du bist mein Parallel-Ich!“, lächelte sie Goal an, doch diese entgegnete trotzig:
Wenn überhaupt, bist du mein Parallel-Ich!
Red' du nur...“, drehte Parallel-Goal sich kurz von ihr ab, zwinkerte sie aber wieder an:
Na, wenn es dir Freude macht!
Ihr Blick wurde forschend, fast schon neugierig:
Du sagtest: Elysium sei abgestürzt!? Bei mir ist es sicher notgewassert.
Unbewusst ergab Goal sich dem Gedankenspiel, wohl auch weil man im Traum so manches leichter akzeptiert:
Es gab Bemühungen, die Notlandung einzuleiten... aber letztlich entschied man sich dagegen. Die Leute hielten an der Hoffnung fest, dass wir letztlich doch einen Weg nach Utopia fänden...
Lass mich raten: sie hielten wegen dir daran fest!?“, forschte die Ältere nach.
Lange Zeit habe ich das verdrängt, doch ja; nach Cletus' Tod war ich für die Elysianer das Symbol der Hoffnung und...“, schnaufte sie schweren Herzens, „sie hielten so lange daran fest, bis es zu spät war.
Langsam verstehe ich! Lass mich mutmaßen: du bist nach Cletus' misslungenem Gespräch nicht von einem Blitz getroffen worden!?“, beugte sich Parallel-Goal mit geradezu absurder Neugierde vor.
Wie kommst du darauf?“, ging Goal erneut einen Schritt zurück, nur um dann, wenn auch wenig selbstbewusst, wieder einen Halben vor zu tun, „Aber... es ist tatsächlich ein Blitz neben mir eingeschlagen, zum Glück bin ich unverletzt geblieben.
Ihr altes Gegenüber lachte laut auf, sodass sie erschrak, „Tja, da haben wir den Unterschied: ich bin vom Blitz getroffen worden und... das klingt jetzt sicher komisch... in der Zeit zurück gestürzt!
Weniger komisch, als du vielleicht denkst.
Was?
Ach nichts.
Sag mal...“, wirkte das Parallel-Pendant auf einmal ganz nachdenklich, „...was ist mit Cletus passiert, nachdem du ihn angeschrien hast?
Er“, blickte sie zu „Boden“, „wurde beerdigt.
Sie sah sich wieder in die Augen, „Im Blattgoldwald. Es war eine bewegende Zeremonie, bei der tausende Elysianer ihr Mitgefühl bekundeten... und ich musste heucheln, dass er Rufus wäre. Danach musste ich mich eine Stunde lang duschen, bevor ich mir nicht mehr verlogen vorkam.
Trägst du“, deutete die Alte auf Goals Stirnband, „deswegen sein Stirnband? Fühlst du dich schuldig?
Ich trage es nicht mehr“, fühlte sie sich fast ertappt, „Ich musste es eintauschen.
Vier Worte ließen sie aus ihrem Selbstmitleid erwachen: „Du bist nicht schuld!
Was?
Ich hatte ein halbes Leben Zeit, über vieles nachzudenken und dabei ist mir einiges klargeworden: ja, wir haben Cletus gequält, weil er an Rufus' Stelle überlebt hat. Aber sein Tod war unausweichlich und wenn wir ihn nicht gerettet hätten, wäre er im Rotor gestorben. Er hat sein Schicksal gewählt, nicht wir.“, legte sie ihre Hand auf ihre Schulter.
Ein halbes Leben für eine so egoistische Erkenntnis!?“, schüttelte sie die Hand ab.
Wenn du es auf eine andere Art verarbeiten willst, ist das deine Sache“, hob sie ihre Hände in einer Art Abwehrhaltung.
Hast du dich nie schuldig gefühlt?“, hakte die Jüngere nun nach.
Schuldgefühle können ein stetiger Begleiter sein... oder man lernt, damit umzugehen.
Goal fiel dazu nichts ein – was sie selbst verwirrte. Diese Antwort war schließlich gleichsam beides: ausgeglichen und zu einfach; jenachdem, wer es aussprach. Und diese Frau wirkte wirklich mit sich im Reinen.
Was...“, versuchte sie, ein anderes Thema in den Raum zu stellen, da sie hier nur verlieren konnte, „...ist nach dem Blitzschlag passiert?
Ich bin zurück gestürzt, in der Zeit. Ich habe Rufus ein gefühltes Dutzend Mal gerettet, aber immer glitt mir die Situation durch die Finger. Langer Rede kurzer Sinn: ich gelangte bis zu seiner Geburt zurück und arbeitete ab dann an einem Rettungsplan.
Du hast Jahre auf Deponia verbracht?“, hakte Goal nach.
Man gewöhnt sich daran“, lächelte Parallel-Goal ihrem jüngeren Ich zu,
Jedenfalls war ich dann im Flügel des Hochbootes und sprang ihm nach.
Bunjee-Seil?“, riet sie.
Fallschirm“, die Frau blickte zu dem imaginären Himmel, „Aber es klappte nicht; ich sah hilflos zu, wie er in den Tod fiel.
Ich hatte einen ähnlichen Plan und... auch er scheiterte“, versuchte nun Goal ihr älteres Ich aufzumuntern, „das ist nie schön. Aber dass du nach einem halben Leben der Planung gescheitert bist – wie bist du damit klargekommen!?
Gar nicht“, blickte sie zu Boden.
Wieso? Was hast du denn dann...
Deponia in die Luft gesprengt!“, grinste sie frech, fast teuflich.
Wirklich!?“, weiteten sich Goals Augen und sie ging nun zwei Schritte zurück.
Unwirklich“, normalisierte sich ihr Blick wieder, „Rufus hatte nämlich überlebt und mein Plan misslang“, sie wandte sich ab und begann erneut, aufzuzählen, „Dann war er in meinem Kopf, wir ließen uns klonen, waren geschlechtsgetauscht, ließen uns erneut klonen und leben jetzt glücklich und zurückgezogen.
In trauter Zweisamkeit!?“, musste das junge Ding unwillkürlich lächeln.
Naja, Viersamkeit... das verpolte Paar ist nicht mehr in die Presse gesprungen... das verkompliziert die Lage...
Aber –“, jetzt wollte Goal es wissen: „Happy-End?
Das kommt auf die Sichtweise an“, entgegnete sie, „Sag mal, Mädchen, hörst du dieses Pochen?
Beide blickten sich um, ein unregelmäßiges Hämmern ertönte und eine quäkende Stimme wurde immer lauter, während sie von den unbekannten Einschlägen fast von den Füßen geworfen wurden. Parallel-Goal verschwand, dann wurde alles schwarz.

Goal öffnete ihre verkrusteten Augen und das erste, was sie sah, war das gealterte Gesicht der Wirtin. Bevor sie auch nur realisieren konnte, wo sie sich befand, packte diese sie am Ohrläppchen:
Können Sie mir verraten, was Sie hier gemacht haben?“, kniff sie in ihr Ohr, sodass sie ihr Gesicht schmerzerfüllt verzerrte.
Sie haben für eine Nacht bezahlt – und dann drei Tage durchgeschlafen; es reicht!
Noch immer nicht ganz wach, konnte die junge Frau sich nicht gegen den festen Griff der Alten wehren. Diese zog sie aus dem Bett, die Treppe hinunter und durch die Eingangshalle.
Dort saß ein kleiner, runder Mann mit Lederhose und einem alten Unterhemd am Tresen.
Der Griff löste sich und die Frau verschwand mit hektischem, gleichsam festem Schritt. Noch etwas wankend bemerkte Goal, wie der Mann sie anlächelte. Er stand auf, ging zu ihr und übergab ihr ein altes Kampfmesser in einer Gürtelscheide.
Sag' es nicht meiner Frau, Kind, aber ich glaube, das wird dir nun mehr nützen als mir.
Er legte es in ihre Hand und deckte die Andere darauf.
Pass gut darauf auf, es hat mir im Krieg treu gedient!
Dann eilte er rasch zu seinem Platz hinter dem Empfang und setzte sich, als wäre er nie aufgestanden. Goal begriff noch nicht, da trat seine Frau auch wieder ein, mit dem prall gefüllten Überlebensrucksack in der linken Hand. Geistesgegenwärtig versteckte sie das Messer hinter ihrem Rücken, da wurde sie auch schon am Kragen gepackt.
Mit der Rucksackhand öffnete sie den Ausgang und warf ihren ehemaligen Gast in der selben Drehung hinaus.
Goal landete auf ihrem Hintern, wobei sie das Messer fallen ließ, um sich abstützen zu können.
Sie konnte die ihr entgegengeworfene Überlebenspackung gerade noch auffangen, da knallte auch schon die Türe zu, mit den Worten: „Ausgecheckt!
Nun vollends wach, rappelte sie sich auf, legte den Gürtel so an, dass das Messer horizontal über ihrem Hintern lag, mit dem Griff nach rechts und warf den Rucksack über ihren Rücken, sodass er die Waffe verdeckte.
Dann ging sie los; sie hatte noch einen weiten Weg vor sich... da war sie sich sicher!
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Emares
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Re: Utopia (Doomsday Fanfiction)

Beitragvon Emares » So 28. Aug 2016, 07:26

Kapitel 4
Ein alter Feind

Spoiler: show
Es war schon später Mittag, als sie an der Absturzstelle des Hochbootes ankam: der runde Rumpf des Gefährts lag aufgerissen da. Stahlträger ragten aus dem Körper der zerschellten Maschine wie Rippen von aufgeplatztem Vieh und die Flügel lagen seitlich am Boden als hätte der Koloss von sich aus resigniert.
Goal erinnerte sich – in einem dieser verdammten Arme hatte sie ihn verloren. An diesem Rotor stand sie, als er losließ und dann, später, musste sie ihn auch noch noch einmal loslassen, als ihr Plan mit der Zeitmaschine misslang.
Sie merkte gerade, wie ihre Füße schmerzten und wie der Rucksack ihr ins Kreuz drückte – obschon sie bereits zwei Essenspausen gemacht hatte – da fiel ihr auf, dass jemand an einem der Flügel, welcher neben einem kleinen Tümpel zum Stehen gekommen war, provisorische Anbauten angebracht hatte.
Neugierig, dennoch mit der nötigen Vorsicht, stapfte sie auf das Wrack zu. Jemand hatte rings um das kreisrunde Rotorgehäuse Strukturen befestigt, die eine Art Mischung zwischen Zelt und Markise darstellten. Die Leinentücher waren dergestalt aufgestellt, dass sie alle auf eine Wartungstüre zu führten, welche offen stand.
Hallo?“, lugte Goal vorsichtig hinein, „Ist hier jemand?
Oh wie schön, ein Gast!“, grinste ein blondes Frauenzimmer Goal derartig unvermittelt an, dass sie Mühe hatte, nicht nach hinten umzukippen.
Das Mädchen hatte ähnlich rosige Bäckchen wie sie, langes, blond gelocktes Haar, welches in zwei dicken Strähnen das Gesicht einhegte und in einem dicken Zopf endete. Außerdem erinnerte irgend etwas an ihrer Gesichtsform sie unwillkürlich an Rufus.
Besonders fiel Goal jedoch das Gehirnimplantat auf, das die linke Schläfe der Frau zierte.
Diese beugte sich neugierig vor und die Elysianerin erkannte, dass sie einen organon-grünen Pullover mit ellenlangen Ärmeln trug, der die Schultern nicht bedeckte, sowie darunter ein schwarzes Top.
Äh hallo. Ich bin nur auf der Durchreise...“, versuchte sie, zumindest etwas zu sagen.
Herein, herein!“, wies die quirlige Frau sie an, durch die Tür zu kommen. Kaum war sie eingetreten, ging die Gastgeberin rasch los und Goal bemerkte, dass die Oberkleider über die schlanke Taille direkt unter den Gürtel einer schwarzen Hose flossen, welche auf der rechten Hüfte mit einer Art Rock versehen war, der das rechte Bein bedeckte. Seltsamerweise kam es Goal so vor, als wäre es der Stoff von Argus' Umhang, wie er hinter ihr herwehte, aber sie wusste einfach nicht, wo dieses Gefühl herkam.
Sie folgte, hatte aber Schwierigkeiten, Schritt zu halten und durch die Gänge mitzukommen. Vorbei an kalten Metallwänden, welche offensichtlich von der neuen Bewohnerin mit den verschiedensten Bildern von ihr und Leuten, welche Freunde und Bekannte sein mussten, dekoriert waren – Goal erhaschte auch kurz einen Blick auf ein Bild mit ihr und einem Organon – kamen sie durch eine weitere Wartungsöffnung durch ein kleines Wartezimmer in das Innere des Rotors. Über die zu Boden gebogenen Propeller war weiterer Stoff gespannt und bildete so einen großen Sonnenschirm.
Darunter war eine kleine Holztafel aufgestellt, mit abgebrochenen Stühlen aus dem Hochboot rundherum in den Boden gerammt.
Setz dich zu uns – ich hole noch schnell Limonade.
Goal setzte sich an den Tisch und bemerkte erst jetzt eine finstere Gestalt gegenüber von ihr. Mehr Mumie als Mann saß er in einem Rollstuhl. Auch wenn nur sein rechtes Auge, umgeben von verbrannter Haut, nicht von Leinen bedeckt war und er sich überhaupt nicht bewegte, starrte er sie dennoch durchdringend und düster an.
Sie erkennen mich nicht, nicht wahr?“, drückten sich zwei Bandagen auseinander und gaben die Mundöffnung frei. Es war eine kratzige, aber dennoch bekannte Stimme:
Sie wissen nicht mehr, wer ich war, oder?
Diese Stimme... woher kam sie ihr nur so bekannt vor...
Argus!“, wurde es ihr schlagartig klar und sie sprang auf.
Jetzt dämmert es!“, lächelte er, wobei er husten musste, „Aber keine Angst! Die einzige Bedrohung, die von mir für Sie ausgehen kann, ist die für Ihr Gewissen!
Was...“, stockte sie, während sie ihre Abwehrhaltung aufgab, „Was ist mit Ihnen passiert?
Was ist wohl mit mir passiert!?“, rollte er mit dem Auge, „Ich bin von einem Engel vom Himmel gestoßen worden und unsanft gelandet!
Auch wenn er begann, vor Erregung zu zittern, fing er sich für seine Verhältnisse doch sehr rasch wieder:
Als Sie mich zurückgelassen haben, bin ich mit dem Hochboot abgestürzt und von diesem verstrahlt worden.
Ich meine: wie haben Sie überlebt?“, hakte sie forsch nach.
In einer Notfallroutine stieß das Hochboot radioaktives Material aus und ich wurde verbrannt, aber ich hatte Pech: als es auf dem Boden aufschlug wurde ich aus dem Rotor geschleudert und landete in dem Tümpel vor unserem Haus.
Das klingt eher wie Glück“, antwortete Goal flapsig, aber mehr unbeholfen.
Ohne Strahlenvergiftung mag das der Wahrheit entsprechen, doch haben Sie schon einmal jemanden schmelzen gesehen?“, sein Blick wurde noch durchdringender, „Ich wollte dieses Schicksal nicht, aber ich musste ja in diesem stinkenden Gewässer landen: keine Knochenbrüche, kein Genickbruch, kein schneller Tod. Und zu allem Überfluss war die Explosion gerade einmal ausreichend, um für mich eine schöne kleine Lichtschow zu produzieren.
Aufzugeben, das klingt gar nicht nach Ihnen“, fast schon wirkte sie herausfordernd.
Es gibt einen Punkt, an dem auch ich mich geschlagen gebe und der war die Gewissheit auf dieses Siechtum! Deshalb blieb ich in dem kalten Wasser und füllte meine Lungen mit Flüssigkeit.
Der Plan funktionierte wohl nicht!?“, verschränkte sie skeptisch ihre Arme.
Nein, ich starb einfach nicht. Ob nun wegen des kalten Wassers oder meines Überlebenstrainings, es wurde einfach nicht schwarz um mich herum. Und dann wurde ich aus dem Wasser gefischt... von einer geliebten Person aus meiner Vergangenheit.
Er blickte zum Eingang, wo die junge Frau mit einem Tablett mit drei gläsern und einer Karaffe in den Händen stand und ihn verliebt anlächelte.
Ves, Schatz, du hast den Zucker vergessen“, seine Stimme ihr gegenüber wirkte fast melodisch und sie nickte nur und ging mit dem Tablett wieder zurück.
Sie kann nichts dafür, es ist einfach ihre Art. Aber dann traten die Auswirkungen meiner unnatürlichen Höhensonne in Erscheinung und jetzt kann ich nicht einmal mehr selbst ausscheiden.
Goal schluckte, weil sie ahnte, was nun kommen würde.
Ich will sie nicht allein lassen, aber jeder Moment meines Lebens ist eine unwürdige Qual“, er ballte die Fäuste, „Sie haben mich dem Tod überlassen“, dann schloss er die Augen und atmete tief ein.
Jetzt bringen Sie es zu Ende und erlösen Sie mich!“, sah er sie wieder an.
Für einen Moment war Goal erstarrt. Nie zuvor war Argus ihr so real vorgekommen. Nie erschien die grausame Konsequenz, ihn zurückgelassen zu haben derartig klar.
Langsam griff sie das Messer unter ihrem Rücken und zog es aus der Scheide.
Sie sah es sich an: ein schmaler, ergonomisch geformter Griff, mit schwarzem Stoff umwickelt endete in einem kleinen Ring, an den ein blau/rot geflochtener Faden angebunden war. Zur Schneide ging der Griff in einem Schwung in das Ricasso über, was mangels Parierstange den Handschutz gegen Abrutschen auf die Klinge darstellen sollte. Die eigentliche Schneide war etwa 14 Zentimeter lang, am Erl etwa daumenbreit und verjüngte sich zur Spitze gerade auf die Breite eines Fingers. Die Spitze ihrerseits verlief in gerader Kristallform. Von der Seriennummer abgesehen (38916) verfügte die Waffe über keine Verzierungen.
Während sie das Mordwerkzeug musterte, wanderten die unterschiedlichsten Gedanken und Gefühle hinter der Stirn entlang; er war ihr damals wirklich egal gewesen, aber sie fühlte sich dennoch für ihn verantwortlich und sie hatte oft genug bedauert, ihn einfach ohne ein Wort des Bedauerns zurückgelassen zu haben. Aber konnte sie das? Durfte sie ein Leben beenden, auch wenn sie damit Leid von jemandem abwenden konnte? Dass er sie dazu aufgefordert hatte, machte es nicht leichter.

Mit einem Ruck befreite sie sich von ihren Zweifeln, legte die Klinge in eine Art Hüftschuss-Anschlag, fixierte sie mit der Linken und stürmte auf den wehrlosen Argus zu. Oft genug hatte sie anderen die Entscheidungen über lassen; dieses Mal würde sie selbtständig etwas zu Ende bringen.
Die junge Frau war mittlerweile wieder zurückgekehrt und hatte zusätzlich drei Würfel Zucker auf das Tablett gelegt. Für einen Augenblick erstarrte auch sie, aber sie begriff deutlich schneller: mit ihrer Linken griff sie eines der vollen Gläser, gleichzeitig begaben sich die anderen Beiden, sowie die Karaffe auf den Weg nach unten.
Kurz vor ihrem Ziel rauschte dieses Gefäß an Goals Gesicht vorbei und zwang sie, zu stoppen, ebenso das Geräusch von zerbrechendem Kristall. Bevor sie erneut vorwärts rennen konnte, knallte das Silber auf ihre Stirn, was sie nun endgültig zurück taumeln ließ.
Keinen Schritt weiter!“, erhob die junge Frau entschlossen ihre Fäuste, nachdem sie ihre, nun deutlich verbogene, „Waffe“ beiseite geworfen hatte. Sie stand direkt zwischen der Elysianerin und Argus.
Diese schüttelte den Kopf. War es falsch, was sie fast gemacht hatte? Sie wollte ihn doch nur von seiner Last befreien. Erneut festigte sich der Entschluss dazu und sie ging wieder auf ihn los.
Mit erhobener Waffe wich sie einem Faustschlag aus und rempelte sich einfach an Vesna vorbei, so kurz vor ihrem Ziel.
Doch ihre Opponentin drehte sich mit einem kecken Hüftschwung und griff ihren linken Arm, während ihr „Rock“ sich um Goals Bein schwang.
Diese versuchte, sich mit einer kraftvollen Drehung ihrerseits Raum zu verschaffen, indem sie sie zu Boden warf. Doch durch den verbindenden Stoff kamen beide zu Fall.
Bringen Sie es endlich zu Ende!“, fauchte der Amtmann, sich in seinen Rollstuhl krallend.
Ein Gerangel entstand, da vernahm die Orbitelfe einen Schrei. Die Deponianerin strampelte sich frei und warf sich schützend auf ihren Geliebten. Ihre linke Hand blutete und sie warf Goal einen Blick zu, der klarmachte, dass sie ihn mit ihrem Leben verteidigen würde.
Lass uns endlich in Ruhe“, zischte sie, „Verschwinde!
Die Beinahe-Mörderin betrachtete ihre Klinge; es tropfte noch Blut davon. Sie erschrak und steckte es hastig zurück. Für Sekunden warf sie dem eigentümlichen Paar einen verwirrten Blick zu, dann schloss sie ihren Mund und rannte fort.

Einige Kilometer später kam sie an einem kleinen Birkenstrauch vorbei, welcher nur geringfügig größer als sie war. Der Anblick des Bäumchens veranlasste sie, stehenzubleiben und sie bemerkte jetzt erst, wie sehr ihre Füße schmerzten und wie sehr ihre Beine brannten. Auch wenn sie die ungeheure Neugier und die Freude, die Pflanze zu sehen, nicht genau verstand, legte sie den Rucksack ab und sich selbst fast unwillkürlich in dessen Schatten.
Erneut zog sie den Dolch. Getrocknetes Blut klebte noch in Streifen an der Klinge. In der Scheide war es zerrieben worden, geronnen und beim Herausziehen war es teilweise darin geblieben.
Fast hätte ich es getan:“, sprach sie mit sich selbst, während sie den eisenhaltigen Saft abbröselte, indem sie den Stahl über den schwarzen Stoff auf ihrem Handrücken rieb, „Beinahe hätte ich ein Leben beendet.
Sie richtete sich wieder auf und umklammerte ihre Beine, „Das bin doch nicht ich!
Aber er wollte es so – hätte ich es vielleicht doch tun sollen?“, neigte sie ihren Kopf.
Nur hätte ich sie dann beide gemeinsam töten müssen...“, drückte sie traurig den Kopf auf die Knie.
Plötzlich verdrängte ein stechender Schmerz in ihrer linken Schläfe die dunklen Gedanken aus ihrem Kopf und sie griff sich an ihren Bewusstseinsspeicher. Wenn sie einen technischen Schaden hatte, wer sollte das jetzt, hier draußen, reparieren!?
Würde sie mit ihrer Mission, diesem ziellosen Plan, jäh scheitern, weil sie einen Arzt brauchte?
Du bist nur überreizt, Mädchen! Das wird wieder!“, beruhigte sie sich selbst.
Wer war das?“, sprang sie auf und hielt das Messer bedrohlich vor sich her.
Ach so, ich rede ja nur mit mir selbst...“, erkannte sie und steckte das Messer zurück. Sie packte den Rucksack wieder auf ihre Schultern und ging weiter, nicht jedoch ohne sich noch von ihrem neuen, grünen Freund zu verabschieden.
Die Sorge um ihr Implantat nagte trotzdem noch bis zum Abendgrauen an ihrem Kopf und sie musste sich fragen, warum Rufus die Datasette nicht einfach aus ihrem toten Kopf geborgen hatte, um sie jemand Anderem einzusetzen... mit Donna hatte es ja schon einmal geklappt.
Als sie ihr Nachtlager aufbaute, vertrieb sie diese, nicht zielführenden, Gedanken; sie hatte immer noch einen langen Weg vor sich!

Kapitel 5
Eine Frau, zwei Beerdigungen

Spoiler: show
Am nächsten Tag machte sie sich früh auf den Weg. Die ersten Sonnenstrahlen erhellten die Umgebung gut genug und sie wollte endlich wieder warmwerden, nachdem der Schlafsack von der Wirtin sie kaum vor Kälte geschützt hatte. Außerdem hatte sie hier einfach nichts brennbares gefunden.
Nach einem ekligen Fertigei mit kaltem Instantkaffe und einer, zugegebenermaßen wenig elysianischen, Morgentoilette wanderte sie weiter.
Ihr Weg führte sie durch verschiedene, labyrintartige Schrottformationen und vorbei an Steilküsten aus altem Schutt und Beton, deren Schönheit ein Dichter in atemberaubende Prosa hätte fassen können. Doch alles war ihr egal, sie kannte nur noch ein Ziel, nur noch eine Aufgabe, nur noch eine Mission.
Und so erreichte sie am frühen Mittag einen riesigen Krater.
Seine Ausmaße waren enorm: er schien mehrere Hundert Meter im Durchmesser zu haben und die Kanten des Reliefs waren seltsam ausgeformt. Sand ging in Glas über, als hätte es hier vor Jahrzehnten eine verheerende Explosion gegeben.
Auch wenn bisher jedes Wunder sie kalt gelassen hatte; diese Formation zwang sie stillzustehen und ihre Blicke wanderten durch das tote Tal...
Eine Hand voll verendeter Schnabeltiere lagen an den Rändern und nur sehr wenige Pflanzen schienen es hier auszuhalten, doch da war noch etwas.
Sie setzte ihren Überlebensrucksack auf den Boden und kramte ein Fernglas daraus hervor.
Jetzt konnte sie es erkennen; zwei leblose Körper lagen etwa 0,5 Kilometer von ihr entfernt. Einer war als Deponianer verkleidet, mit einem dreckigen Mantel über einer Warnweste. Ein Anderer, ganz in weißen Stoff gehüllt, lag über einem Felsbrocken ausgebreitet dar. Und sie erkannte sogar sein Gesicht – es war Rufus! Der Original-Rufus, den sie vor einigen Tagen, durch die Zeitreise mussten es Monate sein, losgelassen hatte, um kein noch schlimmeres Ende heraufzubeschwören.
Endlich!“, jauchzte sie innerlich. Sie hatte ihn gefunden!
Gerade wollte sie den Abhang herunterspringen, hin zu seinem Leichnam, da stockte sie.
Er lag hier schon seit etlichen Wochen – wieso waren weder er, noch sein Vergangenheits-Ich aufgequollen!?
Ein Teil von ihr weigerte sich, es wahrzuhaben, aber das hier war Deponia. Nichts, was auf diesem Planeten starb, wurde derartig umsorgt, wie es in Elysium der Fall gewesen war. Simple Biologie hätte ihn verrotten lassen... zu einem unansehnlichen Etwas.
Was also konnte ihn, besser gesagt: sie beide derartig erhalten, dass sie nicht aufgedunsen und geplatzt waren!?
Rufus war zwar immer ein schlechter Esser. Deswegen nahm er kaum zu, doch darum war er auch nicht besonders stark. Es gab Zeiten, in denen er sich nur von einem Frühstück und einem Lolli ernährt hatte. Aber auch das erklärte nicht, warum er noch so gut aussah – für einen Toten.
Goal überkam eine Idee. Sie packte eine Zündholzschachtel aus ihrem Marschgepäck aus und sah sich um. Ein kleines, vertrocknetes Büschel Gras stellte die ideale Kombination dar.
Sie zündete eines der Streichhölzer an und steckte die Flamme in das Büschel.
Vorsichtig pustete sie Luft zu der kleinen Verbrennung. Das trockene Material begann zu rauchen, dann bildete sich Glut und schließlich brannte es lichterloh.
Jetzt war der Augenblick gekommen: mit einem gekonnten Wurf katapultierte sie es in den Krater. Direkt erloschen die Flammen. Aber das war nichts Ungewöhnliches, denn sie wurden durch den Luftzug von ihrem Brennstoff getrennt. Die lodernde Masse fiel weiter nach unten, fast in Zeitlupe und etwa zwei Meter über dem Boden ging auch die Glut einfach aus.
Ein Hinweis, trotzdem noch keine genaue Angabe. Es bedurfte eines genauen Beweises!
Wieder kramte sei in ihrem Rucksack: die Deponianer nahmen es doch immer so genau mit ihrer Funktionalität... da: ein Sturmfeuerzeug, in einer kleinen Tasche im unteren Bereich.
Kurz gönnte sie sich einen Schluck gefiltertes Wasser – es half ihr nicht nur, einen kühlen Kopf zu bewahren; der Essiggeschmack weckte sie vollends auf.
Sie öffnete den Deckel, schnippte das Reibrad und kurz nachdem der Feuerstein Funken sprühend zischte, trat eine kräftige Flamme aus dem Benzindocht aus. Um ihren Verdacht richtig testen zu können, musste es wirklich sturmfest sein, also blies sie gegen das Feuer.
Das lodernde Plasma rauschte im Zug ihres Atems, doch es blieb bestehen.
Also gut, jetzt wird es sich zeigen...
Sie warf das Hilfsmittel in den Krater und... es erlosch, noch bevor es den Boden berührte.
Auch wenn Goal dies vorausgesehen hatte, verzog sie doch ihre Miene: sie hatte hier einen riesigen, mit Kohlenmonoxid gefüllten, Gassee vor sich, welcher jede Verbrennung augenblicklich erstickte.
Darum war die Verwesung der Leichname verhindert worden und auch wenn es wie ein Vorteil erschien, dass sie Rufus weder verquollen noch ausgetrocknet wiederfand, stellte dieses Phänomen eine nicht zu überwindende Barriere für sie dar.
Würde sie das Tal betreten, wäre sie fast augenblicklich erstickt, sobald sie das schwere Gas einatmete, wie die toten Tiere am Rande des Abhangs eindrucksvoll bewiesen.
Die Windstille verstärkte zwar die Dichte dieser Anomalie – ob sie natürlich oder unnatürlich entstand, war dabei egal – aber sie konnte sich weder auf Wind verlassen, noch darauf hoffen, dass das Gas irgendwann von selbst verschwand. Irgendwo musste es eine Quelle geben, aus der sich diese Todesfalle nährte und selbst wenn starker Wind aufkäme und alles fortwehte, konnte niemand garantieren, dass sie genug Zeit hatte, die Toten zu bergen, bevor alles wieder zurückflösse.
Und so verlockend die Aussicht war, sich in eine ewige Umarmung mit ihrem Liebsten zu begeben; dafür hatte er nicht sein Leben geopfert.

Goal sah sich um: der Krater war zwar einen guten Kilometer im Durchmesser breit, jedoch war der Rand nur etwa zehn Meter hoch. Wenn sie es schaffte, diesen Wall einzubrechen, könnte das Gas sicher ablaufen und es wäre mehr oder minder ungefährlich, die Todeszone zu betreten.
Sie selbst stand auf einem höheren Buckel des Dammes, der die Umgebung vor dem toxischen Stoff schützte, doch unweit von ihr war ein großer Schaufelradbagger über einer besonders dünnen Stelle exponiert. Die Maschine ihrerseits war verrostet und hätte sich nicht mehr bewegt, aber die Lage des Baggerrades war dermaßen günstig, dass er womöglich ein Loch in die Einhegung reißen konnte, das zur „Belüftung“ ausreichte.
Wieder durchwühlte sie den Rucksack und tatsächlich fand sich etwas Nützliches: eine Dynamitstange, was auch immer die in einer Überlebensausrüstung zu suchen hatte, sowie einige Kerzen, ein Schnorchel und eine Angelschnur.
Ein Plan reifte in ihrem Kopf, wenn auch sehr vage. Sie nahm das Dynamit plus die restlichen Streichhölzer, sowie eine Kerze und marschierte zu dem Bagger. Als sie ihn nach einer Viertelstunde erreicht hatte, erklomm sie die Sprossen der Metallkonstruktion. Eine Metallkiste lag wie ein Schatz verlockend vor ihr und auch wenn sie es sich nicht erklären konnte, öffnete sie sie, geradezu zwanghaft, umgehend. Ein einige hundert Meter langes Seil lächelte sie wie eine gigantische, giftige Kobra an.
Das wird noch einmal nützlich werden!“, warf sie es von dem metallenen Dinosaurier.
Eine kleinere Kordel darunter steckte sie sich in die Tasche.
An der Stelle angekommen, an der der Radausleger mit dem Oberbau verbunden war, baute sie eine Art Zeitbombe auf: die mit Wachs an einer sehr labilen Stelle befestigte Kerze war weiter unten mit dem Zündkabel umwickelt. Die junge Frau zündete mit einem Streichholz die Kerze an und machte sich schnell aus dem Staub. Gerade als sie das Seil wieder auf den höheren Wall geschleppt hatte, war die Kerze bis auf die Zündschnur herunter gebrannt, entzündete diese und verursachte damit schließlich die eigentliche Explosion.
Der Koloss erzitterte unter der Wucht und für einen Moment befürchtete die junge Elysianerin, dass es nicht geklappt hatte. Da krachte das Schaufelrad laut jaulend zu Boden. Es schnitt sich wie ein warmes Messer durch Butter in den Kraterrand und riss die Mischung aus Lehm und Schrott bis auf den Boden auf. Dann stürzte der gesamte Stahlkoloss um, was die riesige Narbe in der Landschaft noch weiter aufbrach. Goal konnte auch in der Mittagssonne noch brennendes Plastik sehen, welches aber kurze Zeit später augenblicklich erlosch – das Gas floss heraus.
Nun musste sie warten: nach unten konnte sie nicht, weder in das Tal, noch außerhalb davon, denn das massenhaft ausströmende Gas stellte eine tödliche Bedrohung dar.
Am frühen Abend wollte sie es also versuchen. Sie band eine der Kerzen an die Angelschnur und ließ das brennende Leuchtmittel mittels eines Metallstabes vorsichtig hinab. Sie ging erst am Boden aus. Das bedeutete zwar, dass die Gefahr gemindert, gleichwohl eben nicht ausgeschlossen war. Sie würde sich mit dem Schnorchel dort bewegen können, dennoch konnten eine ungünstige Brise, Restkonzentrationen CO und eine erhöhte CO2-Konzentration immer noch ihr Ende bedeuten. Sie ging auf und ab und überlegte. Wie konnte sie beide Toten bergen, ohne sich zu lange dort aufzuhalten? Selbst für den Weg brauchte sie zehn bis zwanzig Minuten, wenn sie sich beeilte wohlgemerkt. Sie trat auf eine Platte und diese ratterte laut.
Das ist es!“, hob sie die Platte aus dem Dreck. Sie war etwa 1,5 Meter lang und einen Meter breit, mit einem Griff am Ende. Sie band das Seil aus dem Bagger an diesem Griff fest, setzte sich die Maske auf und rannte, das Metallteil hinter sich herziehend, los.
Bei den beiden Rufi angekommen, hievte sie diese auf die Platte und merkte, dass ihr langsam schwindling wurde. Eine aufkommende Migräne machte sie zusätzlich stutzig, weshalb sie die Luft anhielt und rasch auf die sichere Höhe zurückrannte.
Dort angekommen, riss sie sich die Maske vom Gesicht und begann, erneut in ihrer Überlebensausrüstung herumzukramen. Ein Inhalator kam hervor, sogar mit einem großen O2 Zeichen darauf – diese Ausrüstung hatte einfach alles. Sie inhalierte die Krebs-fördernde Luftmischung ein, nur zur Vorsicht und als der Schwindel langsam verflog, besann sie sich wieder auf ihren Plan.
Sie zog am anderen Ende des Seils und Ruck für Ruck kamen die Toten ihr näher, bis sie sie schließlich, nach einiger Zeit, zu sich hochgezogen hatte.
Endlich!“, brach sie in Freudentränen zusammen, „Endlich habe ich euch gerettet!
Dann beugte sie sich über die beiden und streichte Original-Rufus über die Wange.
Aber es ist noch nicht vorbei, wir müssen weg hier – weg von diesem verfluchten Ort!“, blickte sie ihn streng fordernd an. Zielstrebig sammelte sie zwei Rohre aus dem Schrott der Umgebung und band sie mit der Kordel an die Platte, so fest sie sie eben strammgezogen bekam.
Schließlich legte sie den Rucksack wieder an und schleppte die Beiden hinter sich her.

Es begann gerade, dunkel zu werden, als sie sich endlich wieder sicher fühlte. Sie kam an einem knorrigen alten Pflaumenbaum an, welcher aus dem lehmigen Schrott ragte und bei dem immerhin zwei Drittel der Krone grün waren – eine extrem gesunde Pflanze auf dieser Welt.
Hier sind wir richtig!“, lächelte sie den Beiden zu und löste die Verschnürung. Aber sie war noch nicht fertig; kein wildes Tier sollte ihn in Stücke reißen. Wenn, dann wollte sie ihn richtig zur Ruhe betten. Aber sie würde Licht brauchen.
Der Baum bot eine gute Brennstoffquelle: wegen des trockenen Klimas lagen lauter alte, trockene Äste und Stämme, die aus ihm herausgebrochen waren, um diesen herum. Unweit von diesem zu einem kleinen Haufen aufgebracht, würden sie ein kleines, aber feines Lagerfeuer bieten. Kaum hatte sie die potentielle Feuerstelle mit Steinen eingekreist, suchte sie die Zündhölzer, doch sie hatte sie verloren und zu allem Überfluss auch das Sturmfeuerzeug vergessen.
Eine Magnesiumfackel aus der Ausrüstung musste es tun. So erleuchtete, nachdem sie den Zünder abgerissen hatte, eine rote Flamme aus der Metallröhre die Umgebung, auch wenn sie unter die Äste gelegt wurde.
Jetzt begann die eigentliche Arbeit, auf die sie sich so lange hinbewegt hatte und die sie gleichsam so sehr fürchtete...

Sie zögerte. Bis gerade eben fühlte sich sein Tod so... unwirklich an. Bis eben hatte sie noch mit Rufus geredet, als wäre überhaupt nichts gewesen, als wären sie noch beide auf Deponia, um den Organon von der Sprengung des Planeten abzuhalten, doch jetzt musste sie sein Grab ausheben.
Sie seufzte, auch das würde sie schaffen – sie musste es.
Ihr Blick schweifte: neben ihr lagen die beiden Rufi, als würden sie nur schlafen. Um sie herum ragten Eisenstangen und Blechhauben aus dem sandigen Boden. Da war es; eine Stelle, die nicht bedeckt war.
Goal stapfte, leicht lustlos zu dieser Stelle und kniete sich hin. Dieser Rucksack hatte alles – Leuchtmittel, Nahrung, Wassersäcke, sogar Sprengstoff und eine Sauerstoffkartusche. Nur einen Klappspaten hatte niemand eingepackt. So schob sie den Boden mit bloßen Händen zur Seite, schaufelte fast wie ein Hund und die ersten dreißig Zentimeter ging das sogar sehr leicht, dann wurde der Boden lehmig und nichts ging mehr.
Wieder schaute sie sich um und ihr Augenmerk fiel auf einen kleinen Metallträger, gerade groß genug, um damit zu schaufeln, aber leicht genug, um ihn hochheben zu können. So barg sie den Schrott und schaufelte, mehr schlecht als recht, weiter, während die Sonne vollends am Horizont unterging.
Schließlich, im faden Schein des Lagerfeuers und einem gleißenden Sternenhimmel, war es endlich vollbracht. Ein kleines Doppelgrab; eine anderthalb mal zweieinhalb Meter breite Kuhle mit der Tiefe von rund einem Meter – provisorisch und simpel, aber so gut es ging.
Nun war es so weit. Während die Buddelei noch eine nette kleine Zerstreuung war, wurde sie jetzt erneut von der Wirklichkeit eingeholt.
Nun“, setzte sie ein falsches Lächeln auf, obschon sie innerlich wusste, dass er sie nicht hören konnte, „bist du bereit für deine letzte Reise?“, die Worte dienten mehr ihrer Aufmunterung, als dass sie wirklich mit ihm plauderte.
Sie beugte sich zu Original-Rufus herunter, nahm seine linke Hand und legte sie über ihre Schulter. Mit einem Ruck hievte sie den leblosen Freund auf, fast als würde sie ihn nur stützen. Er sah wirklich aus, als fehlte ihm nichts und jetzt musste sie wirklich lächeln.
Tja, jetzt bist mal du bewusstlos und nicht ich!
Sie griff seine Rechte und drückte sie.
Komm schon“, nahm sie wieder tief Luft, „wir bringen das jetzt zu Ende!
Das Geplapper begann, in eine echte Konversation überzugehen, zumindest vom Gefühl her...
Dann brachte sie ihn in die Grube und legte ihn sanft auf den Rücken. Sie faltete seine Hände unter seiner Brust und stand wieder auf.
Doch während sie ihm den Rücken zudrehte, merkte sie, wie ihre Bewegungen langsamer wurden und völlig zum Erliegen kamen. Sie konnte nicht mehr weiter, ihr Körper unterband es einfach. Ihr war nicht klar, was gerade passierte, sie spürte nur noch den schnellen Schlag ihres Herzens, als würde sie gleich tot umfallen. Es war beinahe wie eine urtümliche Kraft, die aus ihrem Inneren brüllte: „Keinen Schritt weiter!
Plötzlich wurden ihre Augen glühend heiß und warme Tränen flossen an ihrer Nase vorbei, um auf den kalten Boden zu tropfen. Schluchzen erlöste sie aus der Schockstarre und sie hastete zu dem Toten in seinem Grab und warf sich zu ihm in den Staub.
Sie hob ihn hoch auf ihren Schoß.
Das kannst du doch nicht!“, begann sie, ihn zu wiegen wie eine arme Mutter ihr totes Kind,
Du darfst mich doch nicht einfach einsam zurücklassen!
Du hast einfach aufgegeben“, vergrub sie ihr Gesicht in seinen fettigen Haaren,
und mich alleine gelassen!
Sie hob ihren Kopf, nun mit einer deutlichen Schmierschicht und sah in sein Antlitz:
Ich weiß, dass es nicht anders ging und mir ist klar, dass das die einzige Möglichkeit war, mich zu retten, aber was ist denn mit mir?
Niemand hat mich gefragt, ob ich überhaupt alleine überleben will...“, sie wurde lauter,
...und ob ich der Meinung wäre, dass Deponia es verdient hätte, weiter zu bestehen.
Du hast mich nicht einmal gefragt; nicht eine Minute daran gedacht, einen Alternativplan zu spinnen!“, zischte sie ihn an, „Es gab doch immer einen Weg – du hättest mich klonen können oder meine Datasette in Donna einsetzen können.
Aber ich“, begann sie erneut, mit ihm vor und zurück zu schaukeln, „musste mich natürlich mal wieder mitreißen lassen – als wäre ich gar nicht dazu in der Lage, eigenständige Entscheidungen zu treffen!
Sie schaute flehend zum Himmel, die Zähne knirschend zusammengepresst.
Wäre es denn so viel verlangt gewesen, dass wir uns auch nur einmal unsere Liebe gestanden hätten?“, streichte sie ihm über die Backe, „Ich liebe dich nämlich!
Sie beugte sich zu ihm herunter und gab ihm einen letzten Kuss. Dann verdrehte sie jedoch die Augen, denn jeder natürliche Instinkt in ihr strebte von dem Geschmack des Toten fort.
Weißt du noch, wie wir deine beiden Klone begraben haben?“, bettete sie ihn erneut,
Da war es nicht so schwer, da blieb ich nicht alleine zurück...
Sie legte erneut seine Hände gefaltet auf seinen Bauch und lächelte ihn an:
Machs gut!
Als sie aufstand, erschrak sie, sie hatte den Rückbank-Rufus völlig vergessen.
Entschuldige“, ging sie zu ihm und griff unter ihn, „dich habe ich völlig vergessen!
Sie legte ihn genau neben sein Zukunfts-Ich, aber mit den Händen neben den Körper.
Wir kannten uns noch nicht, aber danke“, erhob sie sich wieder,
für die Rettung Deponias und mir.
Auch wenn ich dich dafür hasse, dass du mich in dieses einsame Leben gezwungen hast!“, drückte sie die letzten Tränen aus ihren Augen.
Wenn diese Utopianer mir jemals vor die Flinte kommen, drücke ich ohne mit der Wimper zu zucken ab!“, verfinsterte sich ihre Mine kurz, dann begann sie, die Freiräume um die Beiden mit dem Sand von der Oberfläche auszufüllen. Sie zog bzw. zerrte eine Motorhaube aus dem Schrott der Umgebung und wollte sie gerade auf die Toten setzen, da hielt sie inne. Sie nahm dem jüngeren Rufus dessen Halsband ab und legte es sich selbst an, seine Mütze zog sie ihm nur aus und platzierte sie an den Rand des Grabes. Schließlich deckte sie die Beiden ab und füllte den Rest des Lochs mit dem Lehmboden aus. Dann trat sie den Grund kurz fest. Sie stellte sich, die Kappe erneut aufgenommen und in ihren verschränkten Händen haltend, direkt davor. Sie hielt noch einige Minuten im flackernden Schein des lodernden Feuers Andacht, schlussendlich wandte sie sich mit einem einfachen „Lebt wohl!“ ab und musste sich die Kopfbedeckung an die Stirn drücken, um nicht erneut in Tränen auszubrechen.
Sie warf noch etwas Holz in das Feuer und schmiegte sich, beinahe widerwillig, in den Schlafsack, zu einer letzten, provisorischen Totenwache.
Nun... war sie wirklich allein.

Kapitel 6
Momentchen mal!

Spoiler: show
Goal öffnete ihre Augen und da war es wieder: das weiße Nichts.
Dieses Mal jedoch stand ihr Parallel-Ich frontal vor ihr und sah sie fordernd an.
Wo warst du?“, neigte sie leicht ihren Kopf.
Wenn diese Träume jetzt zur Gewohnheit werden, musst du lernen, pünktlich schlafen zu gehen!“, sie interpretierte das schuldbewusste Gesicht ihres Gegenübers miss.
Ich habe ihn beerdigt...“, gestand sie traurig ein.
Seit Stunden laufe ich hier schon auf und ab – Augenblick, was?“, stolperte die ältere Frau über ihre eigenen Worte.
Rufus... Ich habe ihn gefunden und ihm ein Grab gemacht!
Geht es dir gut?“, versuchte sie, sich zu beruhigen und legte eine Hand auf ihre Schulter.
Es geht“, setzte sie ein falsches Lächeln auf, „Es fühlt sich nur so unwirklich an, weißt du?
Sie begann, herumzulaufen, aber es war mehr ein Taumeln, „Eben unterhalte ich mich noch mit ihm, als wäre er noch am Leben und bumm: ist er auch schon weg.
Parallel-Goal folgte ihr mittlerweile. Sie versuchte, sie zum Stoppen zu bringen und streifte über ihren Arm.
Ich wünschte, ich könnte etwas tun, damit du dich besser fühlst!
Das Ende!“, blieb sie ruckartig stehen.
Wie bitte?
Du hast mir das letzte Mal nicht gesagt, ob du ein Happy-End hattest.
Würde es dir denn helfen?“, hob sie eine Augenbraue.
Zumindest würde es nicht schaden.
Ich hatte ja schon gesagt: man kann es so oder so sehen.
Was genau heißt das, seid ihr nun zusammen?“, das hatte Goals Neugierde geweckt.
Ja, sofern man mit diesem Kerl je richtig zusammen sein kann. Wie gesagt: es gibt ja auch noch das andere Paar. Eigentlich wollten wir uns aufteilen, sodass ein Duo in trauter Zweisamkeit in Kuvaq wäre und das Andere nicht sähe.
Was ist schiefgelaufen?“, hakte die junge Frau skeptisch nach.
Die Welt ist schiefgelaufen. Wir zogen es vor, nicht in Rufus' Heimatdorf zu leben. Nicht, dass wir keine Münze hätten werfen können, aber wir wollten uns von der Welt zurückziehen. Und in einer Wallfahrtsstätte für Elysianer war das nicht möglich.
Ich nehme an, es ist ziemlich verrückt bei euch?“, musste sie unwillkürlich grinsen.
Du machst dir ja keine Vorstellung!“, lächelte sie zurück, „Argus nannte uns eine Plage für diese Welt.
Argus lebt?“ Sie erinnerte sich an den Schatten von einem Mann, den sie in Bandagen gehüllt wiedergetroffen hatte. Er hatte wohl einen bleibenderen Eindruck bei ihr hinterlassen, als sie sich eingestehen wollte.
Du siehst mich genau so überrascht, wie du es bist“, obwohl die ältere Frau sich ein Lächeln aufzwang, wusste ihr jüngeres Pendant, dass es über große Schuldgefühle hinwegtäuschen sollte, „Er hat überlebt und ist zum Anführer des Widerstandes geworden.
Dieses Mal wandte sie sich von ihr ab, doch nur für kurze Zeit.
Die Bezeichnung „Widerstand“ ist in diesem Fall kaum mehr zutreffend“, ihr Blick wurde wieder entschlossener, „Genau genommen hat er diese Truppe zu etwas geformt, das man seinen neuen Organon nennen kann. Obwohl die Klone die Bevölkerung immerhin nur drangsaliert haben.
Und wieso lädst du dir das auf deine Schultern?“, die Frage war forsch, jedoch nicht unbegründet.
Weil ich, und das wurde mir durch unsere Gespräche um so klarer, immer das Gefühl hatte, dass es ohne meine Anwesenheit nicht so weit gekommen wäre. Du hast die Rebellen mit keinem Wort bedacht. Ich vermute, bei dir ist er tot?“, sie sah ihr Spiegel-Ich an, als würde sie sich selbst herausfordern.
Er ist nicht tot“, erneut erinnerte sie sich an den Mann im Rollstuhl, „Aber ein Wrack. Ich bin ihm gestern erst begegnet. Er sah wirklich schlimm aus.
Siehst du? In meiner Realität hat er einen falschen Körper bekommen und sich selbst kopiert“, ein fast schon schadenfreudiges Grinsen machte sich auf ihrem Mund breit, „Nunja, seit Toni auf ihn geschossen hat, ist es besser geworden.
Du...“, holte sie sie wieder aus ihren Gedanken, „Ich wollte...
Sie zögerte. Obschon sie hier strenggenommen mit sich selbst redete, fiel es ihr dennoch schwer, sich sich selbst zu offenbaren.
...ihn abstechen...
Was hat er denn getan?“, fragte sie, fast nach einer Rechtfertigung suchend.
Nichts“, entgegnete sie, „er hat mich sogar darum gebeten – weil er vom Hochboot verstrahlt wurde.
Seltsam, nicht wahr!?“, sie ignorierte ihren Gewissenskonflikt, „Das Einzige, was ich dort anders gemacht habe als du, war die Türe zu einem Wartungsschacht offen zu lassen.
Hast du mir nicht zugehört?“, es war ein völlig anderes Selbstvertrauen, mit dem die junge Frau ihr nun Paroli bot, „Ich habe dir gerade erzählt, dass ich einen wehrlosen Mann umbringen wollte. Ist das bei dir schon normal geworden!?
Nein“, schlug es ihr kühl zurück, „Ich war bereit viel Schlimmeres zu tun. Aber du wolltest nur Sterbehilfe leisten – du wolltest es aus Mitgefühl tun, nicht aus Kaltherzigkeit!
Und damit wäre es abgehakt!?
Wieder erschien ihr diese Antwort viel zu leicht.
Natürlich nicht. Doch das kannst nur du selbst dir beantworten: Jetzt wo du ihn nicht umgebracht hast – würdest du es wieder versuchen?
Ich weiß es nicht...“, dachte sie laut nach, „Aber ich kann seinen Wunsch schon verstehen, dass die Schmerzen aufhören.
Also: würdest du besser von dir denken, wenn du diese Gedanken nie gehabt hättest!?
Ich glaube nicht. Es macht mir nur klar, dass Deponia nicht so einfach ist, wie ich gedacht hatte...
Siehst du?“, lächelte die ältere Goal die Jüngere fast schon paternalistisch an, „Das Einzige, was dir das Geschehene über dich sagt, ist, dass das Leben außerhalb Elysiums nicht so schwarz weiß ist.
Danke“, grinste sie zurück, „das hat mir wirklich geholfen!
Du musstest dich der Sache nur stellen!
Du bist mir aber immer noch ausgewichen“, jetzt wurde sie frech, „Hattest du ein Happy- End?
Genau genommen habe ich nur den Roten Faden verloren!“, wandte sie ein.
Das ist doch Haarspalterei!
Vielleicht legst du Wert auf so etwas, wenn du in mein Alter gekommen bist.
Das Ende, Goal!“, es wirkte beinahe so, als hätten sie die Rollen getauscht.
Für uns gab es ein Happy-End, für Deponia weniger und das ist es“, schaute sie sich tief in die Augen, „was mich manchmal zweifeln lässt, ob ich es verdient habe.
Womöglich können wir nur entweder glücklich sein, oder uns für das Wohl anderer aufopfern...“, rätselte die junge Frau.
Beeindruckend!“, grinste die Ältere breit, „Dass ein Traum eine solche Komplexität aufweisen kann!
Ist das vom Prinzip nicht der selbe Gewissenskonflikt, den du bei mir gerade so einfach abgetan hattest!?“, diese Frage wiederum erschien ihr sehr gerechtfertigt.
Möglich, ich bin ja du.
Dann bist du gar nicht weise – du hast es dir nur einfach gemacht!?
Natürlich ist es leichter, so etwas zu jemandem zu sagen. Aber meinst du nicht, dass du durch dieses Nachhaken deine heilsame Lektion daraus kaputt machst?“, ein Konter – gewissermaßen.
Immerhin musstest du nicht gerade zwei Rufusse beerdigen!“, warf sie, leicht verletzt, zurück.
Augenblick:“, drang sie wieder in ihren inneren Radius ein, „zwei Rufi!? Hat er sich wieder geklont?
Nein, einer war der, der losgelassen hatte und einer der, der mich auf diesen Widerspruch zwischen Glück und Allgemeinwohl aufmerksam gemacht hat.
Und wo bitte kam der her?
Er...“, sie wurde langsamer, irgendetwas arbeitete gerade in ihrem Hinterkopf: „...war auf der Rückbank der Zeit...
Sie stockte. Schlagartig wurde ihr etwas klar.
Hallo!?
Dieses Mal begann die junge Goal, sich aufzulösen und damit...

...wachte sie ruckartig auf.
Ihr Herz schlug fest, drehte fast durch in ihrer Brust.
Sie schaute in das Lagerfeuer: zwischen den wenigen verbliebenen Glutstückchen tanzten vereinzelt Flammen. Sie konzentrierte ihr Augenmerk auf eine der kleinen Entitäten und sah zu, wie sie vor und zurück, hin und her waberte.
Langsam beruhigte sie sich. Ihr Herzschlag wurde langsamer und ihre Atmung wieder flacher. Ihr fiel auf, dass sie ganz schön geschwitzt hatte. Das Feuer war eine Wohltat für ihre Knochen.
Behutsam und vorsichtig richtete sie sich auf. Sie bemerkte, dass sie immer noch Rufus' Kappe in der linken Hand hielt.
Ihr Blick wandte sich zum Sternenhimmel.
Du verdammter Hund!“, sprach sie in Gedanken nach Utopia.
Ein Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, wie sie es nie wieder für möglich gehalten hatte,
Du bist noch am Leben!
Etwas keimte in ihr auf, das sie für tot wähnte, seit sie seinen Leichnam zur letzten Ruhe gebettet hatte: das Gefühl, wieder ein Ziel im Leben zu haben.
Sie würde ihn wiedersehen und wenn sie die Hölle selbst überwinden musste, das würde sie schaffen!

Plötzlich vernahm sie ein gurgelndes Zischen. Ein Knacken in der dunklen Umgebung schreckte sie aus ihren Gedanken.
Halt!“, sprang sie auf und zog ihr Messer, „Wer ist da?

Kapitel 7
Epilog

Spoiler: show
Rufus ahnte von alledem nichts, als er seine verkrusteten Augen öffnete.
Es war dunkel, gerade hell genug, dass er alles in fadem Grau sehen konnte. Vor ihm waren dicke Stahlplatten an der Wand montiert, die ihn finster anblickten. Er wälzte sich auf die andere Seite, wobei das gemütliche Kissen unter ihm laut raunte. Man hatte ihn wohl auf eine Pritsche gelegt, mit einem dunklen Brett als Unterlage und einem weißen Bezug. Er schaute durch den Raum:
Fliesen bildeten den Boden, auch die anderen Wände waren auch mit den massiven Platten versehen und an der Decke funkelte eine Glasabdeckung auf, wo eine Lampe angebracht sein musste, aber sie war erloschen.
Mittig in seinem Appartement trennten Gitterstäbe seine Hälfte von der Anderen. Licht drang nur durch einen Türschlitz, seinem Bettlager gegenüber, hinein.
Es schmerzte in seiner Stirn. Der Dickhäuter hatte ihn wohl doch stärker am Kopf getroffen, als er gedacht hatte. Das Letzte, an das er sich erinnerte, war ein Knall und der Anblick des Hangarbodens, welcher rasend schnell auf ihn zuflog.
Die Utopianer mussten ihn danach aufgesammelt und in diese Zelle gebracht haben...
Er ließ sich auf den Rücken kippen und lugte zur Decke.
Wie sollte er jetzt hier bloß raus kommen?
In diesem Raum war nichts, mit dem er sich hätte befreien können; kein Gegenstand, keine Schwachstelle.
Und er wusste noch nicht einmal, welches Schicksal ihm nun blühen würde – die letzten Utopianer, die er getroffen hatte, wollten ihn schließlich auslöschen und umbringen...
Würden sie ihn unter sich aufnehmen? Oder würden sie ihn einfach aufhängen!?
Diese Ungewissheit war quälend, doch da war ja noch was – Goal.
Er konnte das Gefühl nicht loswerden, dass sie mittlerweile wusste, dass er noch am Leben war. Auch wenn er es nicht genau erklären konnte, es war ihm jetzt irgendwie klar. Nur konnte er sich darauf verlassen?
Reichte dieses Gefühl wirklich aus?
Und selbst wenn, wollte er doch mehr.
Er wollte sie wieder in seine Arme nehmen, sie festhalten und nie wieder loslassen.
Allein der Gedanke daran ließ ihn lächeln, aber es war nicht nur das.
Seine Gefühle waren diametral, entgegengesetzt, aufwühlend unterschiedlich:
er hoffte immer noch und gleichzeitig erkannte er etwas in sich, das ihm bisher unbekannt war – Hoffnungslosigkeit.

Was wird die Zukunft nur bringen?

Die Türe öffnete sich. Er drehte seinen Kopf zur Seite und wurde vom eindringenden Licht geblendet. Er sah auf den Boden, wo sich ein helles Quadrat – von Gitterstäben unterbrochen – abzeichnete, wo die Beleuchtung von außerhalb hinstrahlte. Jetzt erst bemerkte er, dass der Boden in hellem Grün gefärbt worden war. Dumpf stapfend erhob sich darin die drohende Silhouette eines Elefanten auf zwei Beinen. Rufus konnte die Gestalt in der Tür nicht genau erfassen, aber am Boden sah, er, dass das linke Ohr der Gestalt leicht zerfleddert war.
Also gut, Mensch!“, schnauzte eine quäkige Stimme, „Dein Schicksal ist nun beschlossen...


Ende




Addendum (Extempore)

So, jetzt habt ihr die ganze Geschichte gelesen und womöglich auch noch die anderen Storys; die Nummerierung in den Titeltexten macht das chronologische Orientieren in dieser Hinsicht ja leicht.

Utopia ist in dieser Reihe auf jeden Fall etwas anders: Elysium und die Toni-Tribute spielen in einer Parallel-Welt, die zwar nach Goodbye-Deponia existieren könnte, aber durch Doomsday einen Bruch erfuhr.
Argus' Aufstieg könnte noch in den kanonischen Rahmen passen – diese Geschichte ist ja, neben dieser hier, auch die Jüngste, aber ich habe mich dagegen entschieden, meine Geschichte Null mit Utopia zu verknüpfen...
Einige der Aussagen bzw. Dialoge basieren auf den Vorgeschichten. So lasse ich Zukunfts-Goal mit Parallel-Goal diskutieren – da ist es sicherlich gut, wenn man die richtige Reihenfolge eingehalten hat, aber ich hoffe, es ist nicht zu verwirrend, wenn nicht!

Utopia als solches sollte zweierlei sein: als mir klar wurde, dass ein Rufus noch unter der Rückbank ist, als die Utopianer wieder heimfliegen,
Bild
dauerte es nicht sehr lange, bis ich dazu eine Geschichte schreiben wollte... die aber gleichsam auch die Letzte sein sollte.
Deshalb auch das offene Ende. Goal erkennt, dass sie noch eine Chance hat, Rufus zu erreichen und wird von mindestens einem Fewlock überrascht. Rufus dagegen ist bei den Elefanten eingekerkert und sie wollen ihr Urteil verkünden.
Der Leser soll sich selbst eine Vorstellung machen, wie es weitergehen wird – es gibt noch Hoffnung, Rufus ist nicht tot, gleichsam scheinbar unerreichbar.

Womöglich hat Doc die Idee, über die Zwischenzeit nach Utopia zu wandern.
Vielleicht nutzen sie die Planetensprengerbomben dazu, die Fewlocks von dort zu vertreiben.
Eventuell kommt Goal so zu Rufus, der begnadigt worden ist!?

Oder Rufus entkommt, zerstört mit einer Zeitmaschine Utopia und erreicht Goal.
Wenn sie ihn geklont hätte, könnte er sich sogar den ganzen Tag mit einer Miniatur von sich selbst streiten...

Sicherlich viel Potential für originelle und lustige Fanfictions – aber das werde ich nicht mehr umsetzen, irgendwann muss auch mal gut sein! ^^

Was bleibt mir noch zu sagen?
Danke fürs Lesen und ich würde mich auf freuen, wenn ihr bei den anderen Geschichten reinschaut!
Über Lob, Kritik und Fragen wäre ich sehr froh
und macht es gut.


Schöne Grüße
Markus
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus


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