Deponia Doomsday: Ein Fazit [evtl. Spoiler]

Benutzeravatar
GSandSDS
Retter(in) des Müllplaneten
Beiträge: 129
Registriert: Do 8. Sep 2011, 00:29

Deponia Doomsday: Ein Fazit [evtl. Spoiler]

Beitragvon GSandSDS » Do 24. Mär 2016, 07:13

Eigentlich wollte ich ja kein neues Thema eröffnen, da ich (potentieller Blindfisch) aber mal wieder keines finden konnte, wo man sich ranhängen könnte ... Naja, gibt es das halt jetzt ... oder schlimmstenfalls ein Zweites. ;)

Nachdem ich das Spiel nun bis zum Ende gesehen habe: Wirklich tolles Spiel - wenngleich auch mit ein paar Macken. Die ganzen Szenen und Orte sind wie immer liebevoll gemacht. Die Rätsel sind im Großen und Ganzen nicht zu unlogisch, jedenfalls nicht unlogischer als sonst - und wenn es einem doch so erschien, dann meist nur deshalb, weil man vergessen hatte seinen Rufus-(Un-)Logik-Modus zu aktivieren. Lediglich an ein paar Stellen, gab es merkliche Schnitzer. So z. B. das Rätsel, wo man den Stern vom Himmel holen soll. Die Spielmechanik sagt einem eindeutig, dass man mit ihm NICHT interagieren kann (es fehlt das Interaktionssymbol), doch muss man das am Ende genau tun, sogar mehrmals, um ihn am Ende zu kriegen. Das mag bei einer optionalen Suche nach einem "Secret" ja ganz nett sein, aber hier geht es um keine Geheimnisse, sondern um ein Kern-Rätsel, das für das Weiterkommen des Spiels unabdingbar ist. Design-technisch nicht schön, da es den ganzen Spielfluss zum Erliegen bringen kann.

Grafisch ist das Spiel wieder mit viel Liebe zum Detail gemacht. Es gibt einfach nur durch das Betrachten der einzelnen Szenerien viel zu entdecken und auch eine Reihe Easter Eggs die man finden kann. Das ist zwar nicht unbedingt für das Spielen von Deponia Doomsday notwendich, aber dennoch immer wieder schön. Auch bei den Dialogen und dem (teilweise bitterbösen) Humor musste ich herzhaft lachen. Und wenn ich jetzt mal meine Nostalgiebrille absetze, die einige ältere Adventure-Klassiker über jegliche Kritik absolut erhaben macht - ja, zumindest ich persönlich finde, dass sich das Spiel hier an etlichen Stellen durchaus mit vergleichbarem Humor diverser alter Lucas-Arts-Spiele durchaus messen lassen kann. Ihr wisst schon, die Spiele, die in den Augen vieler eh "unanfechtbar" sind. Die Spiele aus der "guten alten Zeit" in der Adventures noch Adventures waren, ohnehin alles besser, und es noch den leckeren Schokokuchen von Oma gab. ;) Mein persönliches Highlight: Endlich Elysium als Spielsetting, nach drei Spielen Den-Mund-wässrig-Macherei der perfekte Zeitpunkt dafür. Es gab an einigen Stellen hier im Forum, glaube ich, Kritik, dass das Spiel letzten Endes nichts zur Gesamtgeschichte (Meta-Plot) beiträgt, da am Schluss das meist ja nie so wirklich passiert ist (je nachdem welche Zeitlinie am Ende die kanonische sein soll, was ja auch nicht klar ist), aber irgendwie hatte ich damit weniger Probleme als vielleicht einige anderen.

Etwas (negative) Kritik habe ich aber dennoch, das bleibt halt nicht aus. Nehmt's mir bitte nicht krumm:
Fangen wir mal mit etwas Kleinem an, und der geht direkt an Poki: Nur ein Huzza-Song? Komm schon! Da hätten mindestens drei Songs reingehört. Gab in den vorherigen Spielen doch auch mehr. Wir wollen alle (und mit "alle" meine - zugegeben - ich erst mal mich) deine Stimme hören. "The World needs more Huzza-Songs!" - Punkt. :D
Der zweite Kritikpunkt betrifft die letzten Spielmomente bis kurz vor dem Ende. Sie sind ... sagen wir mal etwas verwirrend. Klar, bei einem Spiel über mehrfach in sich geschachtelte und über diverse alternative Zeitlinien verlaufende Zeitschlaufen bleibt sowas vermutlich nicht aus, ebenso die etlichen kleineren Logikbrüche. Das ist halt das Los von Zeitreise-Geschichten. Aber dass beispielsweise kurz vor Schluss und völlig ohne Vorwarnung noch ein Letzter Rufus (der, der auf Elysium zurückgelassen wurde) eingeführt wurde, der dann auch noch den ganzen Logik-Knoten auflöst, riecht sehr nach einer Deus Ex Machina, die aus der erzählerischen Not heraus eingeführt wurde.

Der dritte Punkt geht wieder direkt an Poki und betrifft erneut den Huzza-Song. Meiner Meinung nach ist das der schwerste Schnitzer im Spiel, und was das traurige ist, es ist nicht mal ein klassischer Game-Design fehler, sondern geht in eine ganz andere, sehr unschöne Richtung. Poki, jetzt mal unter uns, so ganz im Vertrauen: Man beleidigt seine eigene Spieleschaft nicht. Vor allem bezeichnet man sie nicht als [Zitat] "blickvernebeltes Miststück" [Zitat Ende] oder (de facto) Heulsusen. Ja, ich weiß, es gab teilweise vielleicht etwas unerwartet harsche Kritik am Ende von Deponia 3 (Stichwort: Fehlendes Happy End), und ja, manch einer hat sich bei seiner Kritik wie ein Kind aus der Grundschule aufgeführt oder ist selbst beleidigend geworden ("Äbbibäh! Das Spiel ist Scheiße, das Ende ist Scheiße, Poki ist Scheiße... Mimimimimimi!"). Aber weißt du, ob einige von denen vielleicht nicht genau das waren: Grundschulkinder? Und selbst wenn nicht, selbst wenn es berechtigt wäre, diese Leute so harsch anzugehen ... du weißt nie, wen du mit diesem Song erreichst. Neben wahren "Heulsusen" gab es durchaus Leute, die sachlich und konstruktive Kritik geübt haben und sich im Ton alles andere als vergriffen. Und es gab und gibt Leute, die ihre Kritik vielleicht nie öffentlich gemacht haben, sondern sich ihren Teil einfach nur gedacht. Sie alle werden mit dem Song letzten Endes angesprochen. Er differenziert hier nicht. Im schlimmsten Fall trifft er sogar alle Spieler. Himmel, Poki! Das kannst du doch besser ... jedenfalls glaube ich das jetzt mal.

Benutzeravatar
Ascenos
Clown(in) der Traurigkeit
Beiträge: 1
Registriert: Di 29. Mär 2016, 18:55

Re: Deponia Doomsday: Ein Fazit [evtl. Spoiler]

Beitragvon Ascenos » Di 29. Mär 2016, 19:23

Ich finde die Reihe dezent gesagt enttäuschend.

Schon in Goodbye Deponia hat er sich nicht für Goal geopfert, wie einem vermittelt wird, sondern für Cletus, da er wusste, dass Goal grüne Unterwäsche trägt und daher beweisen konnte, dass er selbst Rufus ist. Der Tod von Rufus wirkt erzwungen.

Und nun, da wir diesen unnötigen Tod endlich ausbügeln können, passiert was? Er wird als unausweichlich dargestellt was keinerlei Sinn macht, da wir zum Beispiel nicht mal das Zeitrückdrehen direkt aufhalten mussten, nachdem die Fewlocks nicht mehr produziert werden konnten. (Der Computer hatte keinen Aluminiumhelm mehr auf, weshalb er keine Fewlocks mehr hätte produzieren können.) Wir hätten einfach nach einem Aluminiumhelm suchen können und ihm Goal geben können. Nach dem nächsten Reset hätte Goal ihre Erinnerung und wir hätten wieder nach einem meisterhaften Plan suchen können.

Des weiteren gibt es die Schabeltierszene, bei der man Goal-Schnabeltier Rufus-Schnabeltier in die Anomalie folgen sieht, nachdem Rufus-Schnabeltier sich für ihre Freiheit unfreiwillig opfert, woraufhin Babys aus der Anomalie kommen. Die einfach nur fies ist, wenn man sich dann das Ende anschaut. Sie deutet ein Happy-End an, was es nicht gibt. (solange kein Teil mit Goal als Hauptcharakter rauskommt, was seltsam wäre)

EDIT: Also nur das Ende der Reihe finde ich enttäuschend, nicht die Reihe selbst. Diese ist hervorragend

Benutzeravatar
Ande
Erzeuger(in) des Ohrenschmalzes
Beiträge: 11
Registriert: Mo 11. Nov 2013, 20:20

Re: Deponia Doomsday: Ein Fazit [evtl. Spoiler]

Beitragvon Ande » So 15. Mai 2016, 20:14

GSandSDS hat geschrieben:Der dritte Punkt geht wieder direkt an Poki und betrifft erneut den Huzza-Song. Meiner Meinung nach ist das der schwerste Schnitzer im Spiel, und was das traurige ist, es ist nicht mal ein klassischer Game-Design fehler, sondern geht in eine ganz andere, sehr unschöne Richtung. Poki, jetzt mal unter uns, so ganz im Vertrauen: Man beleidigt seine eigene Spieleschaft nicht. Vor allem bezeichnet man sie nicht als [Zitat] "blickvernebeltes Miststück" [Zitat Ende] oder (de facto) Heulsusen. Ja, ich weiß, es gab teilweise vielleicht etwas unerwartet harsche Kritik am Ende von Deponia 3 (Stichwort: Fehlendes Happy End), und ja, manch einer hat sich bei seiner Kritik wie ein Kind aus der Grundschule aufgeführt oder ist selbst beleidigend geworden ("Äbbibäh! Das Spiel ist Scheiße, das Ende ist Scheiße, Poki ist Scheiße... Mimimimimimi!"). Aber weißt du, ob einige von denen vielleicht nicht genau das waren: Grundschulkinder? Und selbst wenn nicht, selbst wenn es berechtigt wäre, diese Leute so harsch anzugehen ... du weißt nie, wen du mit diesem Song erreichst. Neben wahren "Heulsusen" gab es durchaus Leute, die sachlich und konstruktive Kritik geübt haben und sich im Ton alles andere als vergriffen. Und es gab und gibt Leute, die ihre Kritik vielleicht nie öffentlich gemacht haben, sondern sich ihren Teil einfach nur gedacht. Sie alle werden mit dem Song letzten Endes angesprochen. Er differenziert hier nicht. Im schlimmsten Fall trifft er sogar alle Spieler. Himmel, Poki! Das kannst du doch besser ... jedenfalls glaube ich das jetzt mal.

Sehr richtig! Als jemand der mit dem Ende von Teil 3 sehr unzufrieden war fühle ich mich sowohl beleidigt als auch unverstanden.


Zurück zu „Deponia Doomsday“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste