Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction)

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Emares
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Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction)

Beitragvon Emares » So 6. Sep 2015, 17:30

Ein freundliches Hallöle euch allen,

nicht erschrecken, hier kommt meine letzte große Deponia-Fanfiction nach den ersten beiden:
Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung)
Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)
Spoileralarm! Erst solltet ihr die Spiele spielen, dann die Vorgänger lesen! ;)

Die Toni-Tribute sind dann schließlich noch eine kleine Kurzgeschichte, die nach Elysium Limerenzen spielt, falls ihr es noch nicht statt seid, wenn ihr hier durch seid! ;)

Der Titel, Elysium Limerenzen, deutet es schon an, es ist eher eine Beziehungsgeschichte, wem neben der teils sehr realistischen, düsteren Handlung Zärtlichkeiten wie Knutschen zu stark an der Wirklichkeit sind, der sollte es sich nicht durchlesen!

Auch hier sind das Universum und die Charaktere geistiges Eigentum von Daedalic, ich erhebe weder Anspruch auf sie, noch darauf, dass die Geschichte, so sehr ich auf kanonische Handlung geachtet habe, die Ideen der Originalgeschichte widerspiegelt.

Die Namen „Rufina“ und „Goaler“ stammen auch nicht von mir, die stammen wohl aus der Netzgemeinde der Depoia-Fans, Google hilft da, den Ursprung zu finden – ich fand diese Namen nur sehr viel passender als die nach Obst klingende Rufusine oder den Auftragskiller Herr Ziel.

Um nicht zu sehr zu spoilern kommen die restlichen Anmerkungen an den Schluss,
viel Spaß beim Lesen!



Elysium Limerenzen

Rufina schreckte wie eine Sprungfeder aus ihrem Albtraum auf und saß kerzengerade mit in die Bettdecke gekrallten Fingern da. Sie keuchte und blickte sich um: sie war in Tonis altem Zimmer, die Wände waren weiß, die Einrichtung schlicht. Sie lag auf einem Futon, welches als Doppelbett ausgelegt war, mit blauem Bezug und grünen Kissen. Neben dem Bett, welches wohl mal eine Schlafcouch gewesen sein musste, deren Füße abgebrochen waren, schlief ein Kaktus unter einem großen Bullauge.
Da das Fenster sich nicht öffnen ließ, war unten in der Türe gegenüber davon eine größere freie Stelle eingebaut, die nur von einem Maschendraht innen und ein paar Latten außen notdürftig verdeckt wurde und durch welche kühle Nachtluft eindrang.
Die Deponianer lüfteten meist nachts, weil die Temperaturen tagsüber in dieser Gegend durch die vielen Metallteile gerne auf unangenehme 40 °C stiegen und zudem ohnehin niemand etwas besaß, was sich zu stehlen lohnte.
Der Vollmond schien durch das Bullauge auf das Bett und sie erhaschte das Aufblitzen des Fallbeils, das Toni vor seiner Reise nach Elysium über der Tür befestigt hatte. Eigentlich sollte es Rufus, ihr früheres Ich, davon abhalten, den Raum zu betreten, nachdem sie sich getrennt hatten, aber es war so gut befestigt, dass selbst sie es nicht mehr entfernen konnte und nach seiner Abreise einfach mit zwei dicken Schrauben gesichert hatte.
Sie merkte, dass sie immer noch von ihrem Albtraum erschreckt war und keuchte. Sie legte die Hand auf den Ausschnitt des Schlafanzuges, den sie in Tonis Haus gefunden hatte und den sie wohl zurückgelassen hatte, weil darauf Clowns abgebildet waren. Sie ertastete eine Strähne ihres langen, braunen Haares, die beim Hochschnellen wohl über ihre Schulter geschwungen worden war und nun im Schweiß auf ihrer Haut klebte.
Langsamer atmend spürte sie ihren Herzschlag. Bommbommbommbommbommbommbommbomm, er wurde langsam ruhiger und sie konnte die einzelnen Herzschläge differenzieren, Bommbomm-bommbomm-bommbomm... bommbomm...
So war es besser. Sie lehnte sich zurück und stützte sich mit den Händen nach hinten ab, um nicht umzukippen. Dabei schloss sie die Augen und streckte ihren Rücken. Wobei sie durch ihren Mund tief Luft holte und diese für einen Moment hielt. Ein Lächeln legte sich auf ihr rundes Gesicht und um ihre geschlossenen, dicht bewimperten Augenlider unter den kräftigen Brauen bildeten sich Fältchen.
Dann atmete sie aus und öffnete die Augen zur Hälfte. Sie ließ ihren Blick über das im Mondlicht gebadete Bett wandern. Ihr wurde klar, dass sie sich im Traum mehrfach gedreht hatte, denn die Bettdecke war ihr fast komplett um die schlanken Beine gewickelt.
Neben ihr lag dadurch eine geliebte Person ohne Decke im kühlen Zug der eindringenden Nachtluft.
Sie griff ein Stück der mit Delfinen verzierten Bettdecke, die auf ihrem Schoß lag und streckte vorsichtig die Beine, um sich aus der Umklammerung der um sie gewickelten Decke zu befreien.
Mit einem leisen Plumps legte sie sich auf die Seite und zog die Decke mit der freien Hand über ihren Partner, während sie sich an ihn heran robbte.
Sanft schmiegte sie sich an den schlanken, großgewachsenen Männerkörper in dem dünnen, elysianischen Schlafanzug. Doch er zog sich nur mit einem müden Brummen zusammen. Als sie ihre Hand behutsam auf seinen Rücken legte und andeutete, ihm den hinteren Taillenschlitz seines ärmellosen Ganzanzugs herunterzuziehen, zuckte er zusammen.
Keine Angst!, dachte sie, während sie ihre Hand nach kurzem Zögern langsam und zärtlich an ihm hinauf gleiten ließ, bis sie die Bettdecke wieder verließ. Sie musste sich etwas strecken, als sie sich auf den anderen Arm aufstemmte, um seine schulterlangen, roten Haare von seinem Hals gleiten zu lassen und ihn dort zu küssen.
Sie hatte gerade die Augen geschlossen, strich mit ihrer flachen Stupsnase über sein Ohr und wollte mit den Fingerrücken über seine rosige Backe fahren, da stöhnte er genervt: „Rufinchen, ich muss morgen vor den Bürgerrat treten. Ich habe keine Lust auf Kuscheln!“
Rasch hob sie ihren Kopf und blickte ihn verärgert an. „Du sollst mich nicht so nennen, Herr Ziel!“
Er missbilligte diesen Namen, das erkannte sie, als eine seiner dünnen, roten Augenbrauen wenige Millimeter hochzog und seine kleine Nase sich ganz leicht rümpfte.
Sie hob ihre Brauen und legte einen hilfsbedürftigen Unterton an den Tag: „Ich hatte einen Albtraum“, „Hab' ich gehört!“, entgegnete er spürbar genervt.
„Ich war mit Toni zusammen – aber Toni war ein Mann und wir haben uns gestritten, hier.“
Er atmete gereizt Luft aus. „Toni ist auf Elysium! Deshalb sind wir hier ja auch untergekommen.“
„Ich weiß“, erhob sie sich, „aber wir haben uns gestritten und ich verstand nicht warum“, sie blickte kurz auf die Decke, dann schaute sie ihn wieder an, „und dann hat Toni geweint und mich angeschrien, ich hätte eine Fehlgeburt gehabt.“
Sie wurde etwas panischer. „Und … und dann kam Wenzel rein und er war die Fehlgeburt – was bedeutet das?“
„Leg dich hin und schlaf, Rufina!“, entgegnete er kontrolliert, aber mit harschem Unterton.
Sie verzog den Mundwinkel und schloss verächtlich die Augen. Dann wandte sie ihren Kopf von ihm weg und drehte sich in einer Folgebewegung auf die andere Seite, mit dem Rücken zu ihm.
Bei dieser raschen, ruckartigen Bewegung ließ sie die Hand, mit der sie ihn eben noch streichelte, auf das Bettlaken fallen. „Gute Nacht, Goaler!“, murrte sie in einem gekränkten Tonfall.
Sie blickte noch einige Sekunden nachdenklich auf ihre Hand, dann zog sie sie an sich, rückte die Decke bis an ihr Kinn und kuschelte sich wie ein Hund in die Decke.


Einige Stunden später wurde Rufina wieder wach. Goaler war leichtfüßig aus dem Bett geglitten, aber die Zimmertüre hatte gequietscht und sie wurde auch von kleinen Geräuschen schnell wach.
Sie öffnete ihre müden Augen zu Schlitzen und lauschte seinen Schritten. Sein Einteiler bedeckte seine Füße nicht und seine Schuhe stellte er stets jeden Abend neben den Kleiderständer im Zimmer. So ging er mit blanken Zehen leise tapsend über die glatte Oberfläche des unebenen Bodens.
Tapp, Tapp, Tapp... Sie dachte zunächst, er würde auf das Dixiklo nebenan gehen, welches zwar primitiv war, im Vergleich zu den Sanitäranlagen auf Elysium, aber hier in Kuvaq puren Luxus symbolisierte.
Doch dafür waren es zu viele Schritte und sie drehten sich, als ginge Goaler die Treppe hoch.
Tatsächlich wurden die Schritte oben wieder lauter, als Goaler Rufus' altes Zimmer betrat und von dort nach draußen ging.
Rufina rappelte sich langsam auf. Müde streifte sie die Bettdecke von sich und versuchte aufzustehen. Weil sie mit einem Fuß in der Decke hängen blieb, hielt sie kurz inne, befreite den Fuß und ließ beide Füße in ihre Schnabeltierpantoffeln gleiten.
Goaler hatte sich geweigert, sich so etwas anzuziehen, aber mit den Pelzdingern, die laut seiner Meinung nur deswegen so billig, weil potthässlich waren, konnte sie prima schleichen.
Noch etwas wacklig auf den Beinen ging sie vorsichtig nach oben. Gerade als sie an ihrem ehemaligen Schlafalkoven vorbei wankte, konnte sie ihn draußen sehen. Er hatte die Brücke, die von dem turmartigen Gebäude ausging, überquert und sich gegenüber auf den Vorsprung gesetzt, mit dem Rücken zum Haus.

Rufina erinnerte sich, wie ihre, damals seine, Reise hier begann. Auf dem Balkon unter dem Vorsprung hatte Rufus damals eine Fluchtkapsel aufgebaut und eine Rakete installiert, mit der er sich auf einen Organon-Kreuzer schießen wollte.
Von dort wollte er nach Elysium gelangen. Elysium, die damalige Oberschicht, bewohnte eine gleichnamige schwebende Stadt, sauber, rein und das schiere Gegenteil des Schrottplaneten Deponia.
Diese Oberschicht kontrollierte den Planeten durch den Organon. Das war eine Art Klonarmee, die den Großteil der Zeit auf Organon-Basen und der Kreuzertrasse stationiert war, auf einer Ebene auf Pfeilern über Deponia. Deswegen nannte man sie auch die Mittelschicht. Doch sie wurden weniger von Elysium kontrolliert, als es den Anschein hatte. Kurz nachdem er erfuhr, dass der Organon den Planeten sprengen sollte, fand er heraus, dass der Organon das nicht einfach so tun wollte, zumindest nicht mit sich auf der Oberfläche.
Er brachte außerdem in Erfahrung, dass er ein Prototyp war, zusammen mit Cletus von Elysium und Argus vom Organon, welche von jemandem namens Hermes noch vor dem Organon erschaffen wurden.
Von alledem aber wusste er seinerzeit noch nichts, als er sich auf den Kreuzer schoss – schmerzhaft, wie man sich rückblickend hätte gedacht haben können.
Auf dem Kreuzer traf er Goaler, damals noch Goal, eine rothaarige Frau und verliebte sich in sie...

Rufinas Gedanken wurden unterbrochen, als Goaler seufzte.
Sie bemerkte erst jetzt, dass er zusammengesackt dasaß, die Schultern nach vorne gebeugt und die Unterarme auf die Oberschenkel gestützt. Sonst nahm er ständig diese Haltung an, bei der er die Schultern zurück lehnte, den Bauch gerade hielt und die Hüfte vorstreckte, immer das Gewicht nur auf einem Bein ruhend.
Auch wenn sie sein Gesicht nicht sehen konnte, wirkte er traurig. Sein Haar wehte im trägen Wind und sie erkannte mehr als nur eine Träne, die kurz im Mondlicht aufleuchteten, um dann in der Dunkelheit zu verschwinden.
Er blickte auf zu Elysium, das diese Nacht wie ein Edelstein zwischen den Wolken thronte.
Auch wenn sie am Liebsten zu ihm gegangen wäre, um ihn in den Arm zu nehmen, zog sie sich vorsichtig und leise zurück und legte sich wieder schlafen.


Am nächsten Morgen schallte Gizmos Morgenansage durch die Ecken des, in einen Schrottcanion gebauten, Dorfes: „Es ist jetzt fünf Uhr morgens. WEITERSCHLAFEN!“ und Goaler öffnete seine verkrusteten Augen. Er rieb sich den Schlaf aus ihnen und legte die Arme auf die Bettdecke, während er die Decke anstarrte. Ein Geruch stieg ihm in die Nase: Rauch und flambierte Pfannkuchen mit Sirup und Hühnchen und... Rauch!
Während Goalers Herz nervös höher schlug, als er darüber nachdachte, dass der Geruch bedeutete, dass Rufina weiter unten im Turm mit brennbaren Substanzen kochen musste, öffnete sich die Türe zu ihrem Zimmer. Sie stieß sie mit dem Hintern auf, ihr endzeitmäßiges Outfit mit Sicherheitsweste, brauner Hose und Piratenstiefeln ohne den alten Mantel bereits angezogen. Rückwärts trat sie ein, ein Frühstückstablett in den Händen.
„Ich habe Frühstück gemacht“, lächelte sie ihn an, verschmitzt, aber ehrlich, als sie das Tablett auf seinen Schoß setzte.
Zu sehr kamen Erinnerungen an das letzte Frühstück in ihm hoch, das Rufus damals noch für ihr richtiges Ich gemacht hatte, zumindest soweit sie das rückverfolgen konnte: ein undefinierbares, verbranntes Etwas mit herausragenden Knochen und einem Auge. Das Auge bewegte sich, was die unwillkürliche Vermutung erzeugte, es lebe noch.
Er blickte, die Mundwinkel noch verzerrt ob der Erinnerung, auf das Tablett vor ihm.
Von dem Teller darauf lächelten Pfannkuchen mit flambiertem Sirup ihn an, daneben Hänchengeschnetzeltes, zugegebenermaßen etwas angebrannt und nicht wirklich ein 100 %iges Frühstück, aber es sah doch ansehnlich aus.
Rufina stand neben dem Bett, eine Hand präsentierend auf das Tablett gerichtet, die andere Hand höflich hinter ihrem Rücken, ihr ehrliches Lächeln wurde langsam angestrengt und zwang ihn zu einer Reaktion.
Er nahm Messer und Gabel vom Tablett und schnitt sich ein Stück aus den flambierten Pfannkuchen. Als er die Gabel zum Mund erhob, zögerte er. Für einen Moment hielt er inne, doch ihr Blick forderte es geradezu heraus. Er legte es vorsichtig in seinen Mund und... nachdem er ein, zwei mal gekaut hatte, schmeckte es... gut!
Begierig nahm er noch einen Bissen und noch einen dritten. So gut hatte er lange nicht mehr gegessen und er wollte in diesem Moment weder wissen, wo die Zutaten für dieses Frühstück herkamen, noch wollte er erfahren, wie es zubereitet worden war.
Plötzlich jedoch hielt er inne, blickte sie an und hob eine Augenbraue. „Das ist gut... Aber womit habe ich das verdient!?“, fragte er skeptisch.
„Ich hatte das Gefühl, du hast Heimweh“, lächelte sie ihn noch gezwungener an. Er atmete tief ein und wieder aus, kontrolliert durch die Nase, dann fragte er sie, beide Augenbrauen wieder gesenkt: „Das ist doch nicht der wirkliche Grund, oder?“
„Es gibt keinen Grund, ich wollte bloß nett...“, wollte sie ihn beschwichtigen, doch er hakte nach: „Wirklich?“
Sie senkte die Schultern und hauchte aus. Wohl wissend, dass sie ertappt war, schaffte sie es dennoch nicht, ihn anzublicken. „Ich habe dich gestern Abend gesehen.“
Als sie ihn doch wieder ansah, war sie sichtlich zum Heulen aufgesetzt, aber zu stolz dazu, „Ich habe gesehen, wie du Elysium angesehen hast!“
Er merkte, wie sie Tränen unterdrückte, aber dennoch schwoll ihre Nase hörbar an: „Ich habe Angst. Angst, dass ich dir nicht mehr genug geben kann. Angst, ob die Interpretation meiner Erinnerungen korrekt ist und meine Liebe zu dir echt!“
Er verstand und legte das Besteck wieder auf das Tablett. „Ich habe auch Zweifel, aber meine Liebe zu dir ist echt. Auch wenn ich es nicht erklären kann“, er zwang sich zu einem Lächeln, „Das ist es nicht!“
Er deutete ihr an, sich neben ihn zu setzen und sie nahm, wenn auch zögernd, sein Angebot an. Sie schmiegte sich an ihn, schloss die Augen und legte ihren Kopf auf seine Brust. Trotz ihrer neuen Rollen legte sie ihre Hand auf seine Schulter, besitzergreifend wie Rufus, er legte seine Hand um ihre Hüfte und nahm mit der anderen Hand die Ihre.
Ein sanftes Lächeln zeichnete sein Gesicht ab, als er ihre Hand wieder losließ und nach der Gabel griff.
Er steckte sie in ein Stück Pfannkuchen, das er zuvor abgeschnitten, aber nicht mit auf die Gabel gepackt hatte und tunkte es in den Sirup, der mittlerweile immer weiter auf den Teller lief. Dann führte er die Gabel sanft zu ihrem Mund, zog das Stück verführerisch über ihre Lippen und steckte es in ihren Mund.
Er legte die Gabel auf den Teller, atmete mit dem Blick auf die Pfannkuchen kurz ein, hielt die Luft an und schloss die Augen. Er erfühlte mit der Hand ihr Gesicht, wandte es zu sich und versuchte, sie zu küssen.
Ihre Münder berührten sich und er spürte, wie sich ihre Lippen zu einem Lächeln formten, während er den Sirup auf ihrer Haut schmeckte. Angespornt durch ihr Einverständnis packte er sie an ihrer Achsel und wollte sie weiter zu sich ziehen, da spürte er, wie sie seinen Kinnbart berührte und spürte, wie sich die Haare gegen seine Haut drückten.
Ruckartig löste er sich, was ein Schmatzen verursachte, aber kein Angenehmes. Während Rufina verdutzt die Augen öffnete, noch etwas erstarrt, gestand er es ihr: „Ich kann das nicht!“


Verwirrt saß sie auf dem Bett, die Augen weit aufgerissen, die Brauen hochgehoben und immer noch einen Kussmund geformt. „Wöh... äh – was kannst du nicht?“, blinzelte sie ihn an, der sich noch immer von ihr abgewandt hatte.
Er zögerte, doch dann drehte er seinen Kopf zu ihr, wandte sich langsam auf sie zu, um ihre Hände an den Fingerspitzen zu ergreifen. Sie sah, wie er sich auf die Lippen biss, Schluchzen vermied.
„Ich“, schluckte er, „Ich liebe dich doch auch. Jedenfalls bin ich mir da wirklich sicher mittlerweile. Aber...“ Die Worte fielen ihm sichtlich immer schwerer: „... es ist wirklich schwer.“
Für einen Moment musste Rufina wieder an die Kausalkette denken, die sie beide hier her geführt hatte. Nachdem Rufus damals einigen Ärger mit Goals Hirnimplantat verursacht hatte und sie sich mal von ihm ab und dann wieder ihm zugewandt hatte, waren sie schließlich auf dem letzten Hochboot nach Elysium gelandet, zusammen mit den Organon.
Dort trafen sie Goals Vater, Ulysses, der Argus daran hindern wollte, Elysium einzunehmen, der das Hochboot zum Sinken brachte und die Planetensprengung einleitete. Argus, Cletus und Rufus schafften es, die Sprengung Deponias abzuwenden, sie waren aber in einer ausweglosen Situation und da Goal nur einen retten konnte und die Zeit knapp wurde, ließ Rufus sich fallen, um sie zu retten.
So ging sie mit ihrem eigentlichen Verlobten, Cletus, nach Elysium – zusammen mit dem Organon, fast allen Freunden von Rufus, aber auch ohne ihren Vater und Argus – und Rufus.
Auf Elysium zwang sie Cletus aus Rache in Rufus' Rolle zu schlüpfen. Bei einem Experiment tötete er sich dann versehentlich selbst und die fiel in der Zeit zurück, bis zu Rufus' Geburt. Sie tat alles, Rufus' Schicksal abzuwenden, aber es misslang. So verlor sie dermaßen die Fassung, dass sie Deponia nun doch sprengen wollte...
Da sie dabei aber schwer verletzt wurde, musste der gefallene Rufus sie retten und so landete er in ihrem Kopf. Sie suchten Hermes auf, um ihre Bewusstseine wieder zu trennen und sich neue Körper zu verschaffen.
Deshalb waren sie hier und in dieser Situation: der Prozess ging schief, unter anderem weil Argus sich klonte und Goals alter Körper zurückbleiben musste, um ihnen den Rückzug zu sichern. Das war aber nicht alles. Ihre Gedächtnisse wurden so aufgeteilt, dass sie keine Erinnerungen mehr an den jeweils anderen hatten und Hermes schaffte es doch tatsächlich, ihre Geschlechter zu vertauschen.
Pfuscher!, dachte Rufina, als sie sich an diese Ereignisse zurückerinnerte, in Gedankengeschwindigkeit – tatsächlich waren nur wenige Sekunden vergangen.
„Du gibst dir wirklich Mühe, das weiß ich und ich finde es wirklich beeindruckend“, holte er sie aus ihren Erinnerungen, als er fortfuhr, „Aber ich weiß nicht, ob das reichen wird. Ich habe wirklich Angst, dass es nicht reicht.“
Um ihn aufzumuntern versuchte sie, seine Hände stärker zu ergreifen, aber er wich zurück.
„Du magst kein Problem damit haben, dass wir in falschen Körpern stecken und am Anfang dachte ich, dass ich es auch schaffen kann. Ich spürte, wie mein veränderter Hormonhaushalt mich auch anders fühlen ließ und dachte es könne klappen...“
Er schnaufte tief und schwer und presste die Brauen zusammen. „Aber es geht einfach nicht. Ich liebe dich und wenn wir nachts kuscheln, schließe ich die Augen und stelle mir vor, du sähest so aus wie auf den alten Fotos. Aber dann spüre ich... Dinge... die nicht da sein sollten, wo sie sind.“
„Ist das der Grund, warum du die Dusche abgelehnt hast und nie deinen Overall ablegst!?“, fragte sie, den Kopf näher zu seinem streckend.
„Aus dem und ja, auch wenn ich es wirklich süß finde, dass du ein Wochengehalt gegeben hast, damit wir Wenzels Zwergenbefeuchter benutzen konnten... Als ich dich unter der #brause sah, konnte ich es einfach nicht!“
„Dein anderes Ich ist nicht so verklemmt!“, grunzte Rufina ihn an, auf die alte Datasette anspielend, die sie von Hermes erhalten hatten und auf der noch die Bewusstseine von Rufus und Goal lagerten und die sie ihm hin und wieder einlegte, wenn einer von ihnen eine Frage zu ihrer einstmaligen Beziehung hatte.
Etwas beleidigt richtete er sich auf und fauchte sie an, dass sie sich solche Komplimente auch sparen könne. Beide rümpften die Nase, hoben das Kinn und wandten ihre Köpfe voneinander ab. Für einige Augenblicke verharrten sie mit geschlossenen Augen und heruntergezogenen Mundwinkeln in dieser Position. Plötzlich aber drehten sie ihre Köpfe fast synchron wieder zueinander und blickten sich immer noch grimmig an.
„Ich habe mir wirklich Mühe gegeben“, bemerkte sie, „Ich helfe Gizmo in Tonis Laden aus und verdiene so auf ehrliche Weise Geld. Ich kümmere mich sogar etwas um den Haushalt, auch wenn mir das gar nicht liegt. Und ich habe seit Wochen nichts mehr angezündet – weißt du, wie schwer das für mich war?“
Sie wirkte wirklich gekränkt und das war ein Zustand, der bei ihr sehr selten auftrat. Sie, besser Rufus, ihr altes Ich, war schon oft eingeschnappt gewesen, beleidigt. Doch immer war letztlich klar, dass es seine Schuld gewesen war und so war es mehr eine Verteidigungshaltung als ein echtes Gefühl. Obwohl Goaler sie so eigentlich noch nicht kennen gelernt hatte, merkte er sofort, dass das Wesen, welches Angesicht zu Angesicht neben ihm lehnte, wirklich verletzt war.
„Entschuldige bitte, ich wollte dir nicht wehtun! Aber ich weiß, dass ich das weiterhin werde und das kann ich einfach nicht mehr zulassen.“
„Du willst mit mir Schluss machen? Das überlebe ich nicht! Bitte, bitte, bit...“ Sie war verzweifelt, aber er stoppte sie, indem er seinen Finger auf ihren Mund legte und sie beschwichtigte.
„Neinnein, keine Angst. Das will ich nicht, aber ich habe einen Plan und der wird auf dich wahrscheinlich verrückt wirken...“, sagte er, wobei er den Finger wieder wegnahm und sie ihn mit offenem Mund und großen, feuchten Augen ansah.

„Damit sind wir bei dem Grund, aus dem ich nachts draußen sitze und nach Elysium schaue ... Bald wird Elysium auf Deponia zurück stürzen und notlanden, da ohne die Planetensprengung einfach keine Energie aufgebracht werden kann, um die Reise nach Utopia zu gewähren.“
Auch wenn Ihnen beiden eben noch zum Heulen zumute war, lenkte dieses Thema ihren Fokus so gekonnt um, dass Rufina ihn nun in gespannter Neugier ansah.
Goaler zog eine Menge Rotz hoch, dann fuhr er fort: „Hermes hat Mist gebaut, das sehen wir beide so. Und Deponia stinkt, darum habe ich aber kein Heimweh. Auf Elysium lebt ein Mann, 'Ares' sein Name und er ist Hermes älterer Bruder.“
Während sie nachdenklich dreinblickte, erzählte er weiter: „Dieser Ares ist kein Spezialist für das Klonen, er versteht sich auf Gehirnforschung.“
„Das hilft uns aber nicht bei unserem eigentlichen Problem.“ Rufina war skeptisch.
„In gewisser Weise schon: Hermes kann uns unsere alten Körper zurückgeben, aber Ares könnte es schaffen, dass wir uns wieder erinnern und vielleicht reicht das ja!“
„Und wenn nicht?“, „Dann werden wir eben irgendwie zu Hermes gehen und uns unsere alten Körper zurückholen!“
„Also“, fasste sie noch einmal zusammen, während sie sich neben ihm aufsetzte, „wir müssen es nur irgendwie schaffen, Elysium zu kapern, wenn es notlandet. Da holen wir unsere alten Erinnerungen zurück und wenn das nicht reicht, gehen wir zur Klonanlage und zwingen Hermes, uns unsere Körper zurückzugeben. Und dabei kämpfen wir uns durch Organons, Rebellen und jede Menge Schrott.“
Sie blickten einander ernst an, dann grinste sie. „Klingt doch ganz einfach!“
Sie mussten beide lachen und sie legte ihren Kopf auf seine Schulter, woraufhin er den Seinen auf ihren Kopf legte.
„Ich weiß, es ist schon spät“, sagte sie mit einem Augenaufschlag, „aber wollen wir nicht noch dieses Frühstück platt machen?“
Sie mussten beide wie kleine Kinder lachen, dann fingen sie an, das mittlerweile nur noch lauwarme Essen zu verputzen.


Zeitgleich in Porta Fisco, der ehemaligen Organon-Hauptzentrale, ging einer der Argusse gerade eine Wendeltreppe hinauf. Es war der originale Argus, den Goal seinerzeit im Hochboot zurückgelassen hatte und der nach dem Absturz so schwer verletzt war, dass sein Gehirn nur in dem Körper eines hirntoten Organon-Soldaten überleben konnte. Deswegen hatte er im Gegensatz zu seinen drei Klonen auch helle Haut und blondes, kurzgeschorenes Haar und die normale Uniform eines Organon-Soldaten: ein dunkelgrüner Mantel und dunkelgraue Schuhe mit schwarzen Handschuhen und schwarzer Hose sowie einem Schulterschutz in Grau. Von seinen einfachen Brüdern aber unterschied er sich dadurch, dass er an der Uniform einen dunkelroten Umhang befestigt hatte, der unter seiner raschen Bewegung hinter ihm herwehte. Außerdem zierte neuerdings eine blaue, aus drei großen Fäden geflochtene, Schulterschnur seine Uniform.
Auf dem schier endlosen Weg nach oben wurde er von Goals altem Körper verfolgt, der nun weniger aggressiv wirkte, aber dessen zuckende Unterbrechungen im natürlichen Bewegungsablauf immer noch davon zeugten, dass die Bewusstseinsdatasette von Donna, der wahnsinnigen Anführerin des unorganisierten Verbrechens, sich in ihrem Kopf befand. Sie trug nur noch den gleichen elysianischen Pyjama, den auch Goaler trug, ärmellos, weiß mit dunkelblauem Reißverschluss vorne, hinten mit dem dunkelblauen Halbreif, der die Stelle dezent verbarg, an der man die Hose z.B. für den Toilettengang öffnen konnte. Die Stiefel und sichtbare Teile der Unterbekleidung waren hellblau, wobei die Sohlen und Verschlüsse der Stiefel dunkelblau gehalten waren. Ebenso waren die Knöpfe der weißen Handschuhe in dunklem Blau gestaltet.
Sie hatte Goals gealterten Körper, was sich besonders deutlich dadurch zeigte, dass das braune Haarfärbemittel, das Goal seinerzeit brauchte, um sich unter den Rebellen unauffällig bewegen zu können, mittlerweile aus ihrer Frisur wuchs. Donnas Verstand zeichnete sich jedoch auch darin ab, dass sie die dunkelblaue Haarspange schief trug, ein Ende hing über einem Ohr, das andere Ende lag unter dem anderen Ohr.
Sie folgte Argus mit verzerrtem Gesicht, die Mundwinkel nach unten gezogen, die Augen unterschiedlich weit zugekniffen, die winzige Nase gerümpft und die Brauen stetig in unterschiedlicher Höhe positioniert. Durch diese Mimik wirkten Goals rote Bäckchen als wären ihre Augen blutunterlaufen. Im Gegensatz zu Goals Haltung wirkte die von Donna primitiv, in sich zusammengesackt. Sie ließ die Schultern nach vorne hängen und hatte die Arme so gedreht, dass sowohl die Ellenbogen als auch die Hände nach außen zeigten. Hin und wieder eckte sie im schmalen Treppenhaus an der Wand an, was sie mit Wortneuschöpfungen wie „Ahuap“ kommentierte.

Als sie das Ende der Treppe erreichten, ging der Weg in einen schmalen Gang über. Von Rechts strahlte Licht durch eine Kreuzer-Andockstation in den mäßig beleuchteten Flur. Argus blickte für einen Moment in das grelle Licht. Sein Kopf neigte sich angespannt vor und sein Blick verfinsterte sich, während er die Fäuste ballte.
Er schloss die Augen und drehte sich linksum in Richtung des dunklen Korridors und sein Umhang folgte ihm wie Wasser in einem Strudel. Im Schatten öffnete er wieder die Augen und ging unvermittelt weiter. Donna folgte ihm. Das andere Ende des Flurs wurde von einer zweiblättrigen Tür gebildet, vor der zwei Wachen in Nischen standen. Die Wachen waren in die typische Uniform der Rebellen gekleidet: ein blauer Overall mit dunkelblauen Stiefeln, eine vorne offene Warnweste darüber. Auf dem Kopf trugen die sichtlich eingeschüchterten Männer orangene Helme mit blaugrünen Schutzbrillen.
Argus musste, als er seine Hände auf die Türe legte, über die Ironie der Geschichte nachdenken: der Widerstand wurde ursprünglich von Janosch in seinem Keller gegründet und von Rufus zu einer schlagkräftigen kleinen Gruppe gegen den Organon geformt. Später dann übernahm dessen Ziehvater die Kontrolle und wollte den Widerstand gegen Elysium selbst einsetzen, was misslang. Argus hatte nun, da fast keiner der Gründer dieser Gruppe mehr auf Deponia war, die Kontrolle übernommen und formte sie zu seinem eigenen kleinen Organon. Und er gab sich kaum Mühe, daraus ein Geheimnis zu machen... Tja, Menschen sind doch immer wieder gleich, dachte er sich, als er die Türe zu seinem vorübergehenden Thronsaal öffnete.
Es war eine Waffenkammer, nicht allzu groß, dafür jedoch wesentlich besser beleuchtet als der Gang, aus dem er kam. Seine Augen wurden zunächst geblendet, so wie er es für Abgesandte vorgesehen hatte, aber er ignorierte das Brennen. Links und rechts an den Wänden waren zu unterst Plasmagewehre in nummerierten Halterungen angebracht. Darüber waren Plasmapistolen befestigt und darüber lagerten Verbrauchsgegenstände wie Munition, Granaten, Gasmasken und Pflegemittel in Regalen. Ganz weit oben war Material eingelagert, das man seltener benötigte und das deswegen meist nur Staub ansetzte. Erreichbar war jedes Teil im Regal über Leitern, welche rollbar waren und die man platzsparend in den Wänden versenken konnte. Momentan war nur eine der Leitern ausgefahren und stand zu an der linken Wand etwa in der Mitte des Raumes. Hinten, unter der Hauptbeleuchtung der Waffenkammer, waren vier Throne aufgestellt, simple Konstrukte aus Metall mit Armlehnen und hohen Rückenlehnen mit Lederpolsterung.
Seine drei Klone saßen in der Mitte des Raumes an einem Tisch, den man in den Boden einlassen konnte und auf Schemeln, die ebenfalls bei Bedarf im Boden verschwinden konnten.
Die Männer unterschieden sich kaum von ihm, sie hatten dunklere Haut, braunes Haar und die Hosen der Uniformen waren grün statt schwarz, die Handschuhe dunkelrot statt schwarz. Außerdem hatten sie metallene Schulterstücke auf den Schulterstützen.
Wie er trugen sie ihre Helme nicht, obwohl er in seinem vorherigen Leben als Anführer des Organon seinen Helm und die damit verbundene Atemmaske praktisch nie ausgezogen hatte, hatte er es sich angewöhnt, dieses Kleidungsstück nicht mehr zu tragen.

Sie blickten ihn an, als er hineinplatzte, stoppten das Gespräch, als wären sie ertappt worden und mit kalter Wut fragte er sie, warum sie ihn nicht zu dieser Besprechung eingeladen hatten.
Diese Anfrage ignorierend wandte sich einer der Klone wieder seinen Brüdern zu. „Unseren Technikern zufolge wird Elysium in schätzungsweise 34 Stunden den kontrollierten Sinkflug einleiten müssen und etwa zwei Stunden später im rostroten Meer notwassern oder es wird in der Atmosphäre verglühen.“
Argus rümpfte die Nase und setzte sich auf den freien Platz, während Donna neben der Eingangstüre stehen blieb und hin und wieder zuckte.
„Wir müssen unsere Truppen mobil machen und darauf vorbereiten, Elysium einzunehmen, wenn wir...“ wollte gerade ein anderer Klon fortfahren, da schlug Argus mit geballter Faust auf den Tisch und Donna schrie auf: „Reißt ihnen die Augen aus!“.
„Ich habe gefragt, warum ich nicht eingeladen wurde, verdammt noch mal!“
Die drei Klone blickten ihn für einen Moment mit Unverständnis an, dann antwortete der Dritte: „Wir gingen davon aus, dass Sie lieber die Klonanlage kontrollieren wollten...“, doch er wurde wieder harsch unterbrochen.
„Wieso sollte ich das wollen? Ich habe den Widerstand in Besitz genommen, ihr existiert bloß, weil ich jemanden benötigte, der wie ich ist. Ich ging davon aus, dass ich der beste und vertrauenswürdigste Vertreter für mich sein würde. Deswegen seid ihr hier.“
„Sie sind Argus“, sagte der zweite Klon.
„Ja verdammt, was soll dieser Blödsinn?“, entgegnete Argus harsch.
„Wir sind auch Argus“, sagte wieder der Dritte.
Seine Augen verfinsterten sich, als wieder der erste Klon das Wort ergriff: „Streng genommen sind wir mehr Argus, als Sie das jemals wieder sein können!“
„Wie bitte!?“, zischte Argus.
„Verstehen Sie uns nicht falsch! Wir sind Ihnen dankbar dafür, dass Sie uns fähigen Kommandeuren das Kommando überlassen haben, aber wenn wir Sie ansehen, sehen wir keinen von uns.“, sagte der zweite Klon.
„Wir sehen einen Organon-Soldaten, jemanden, der Befehle empfängt, nicht erteilt!“, ergänzte der dritte Klon, aber bevor Argus ihn angreifen konnte, präzisierte er: „Natürlich haben wir die gleichen Gehirne, aber versetzen Sie sich bitte in unsere Lage!“
„Dass Sie sich mit dieser Verrückten angefreundet haben, macht es nicht besser!“, fügte der Erste hinzu, was Donna mit „Ahuap, ahuap!“ kommentierte.
„Ich bin Argus! Ich habe den Organon über Jahre regiert, ich habe uns nach Elysium gebracht und diese Rebellentruppe gehört mir, mir ganz alleine!“, sagte Argus hasserfüllt.
„Jetzt nicht mehr!“, antworteten ihm alle drei gleichzeitig, doch statt sie anzugreifen stand er nur ruhig auf und ging zur Türe. Als er sie geöffnet hatte, blickte er sich um zu seinen Klonen und sagte trocken: „Wir werden sehen!“, dann wandte er sich an Donna: „Kommen Sie, Fräulein Donna, wir kehren zu unserer Klonanlage zurück!“
Er ging und sie folgte ihm, streckte den Klonen aber noch die Zunge raus und machte dabei Furzgeräusche, um dann dem stolz erhobenen Hauptes gehenden Argus hinterherzuhüpfen.
Die Klone setzten ihre Planungen weiter fort, als die Tür sich automatisch schloss.


Von diesem Konflikt ahnten Goaler und Rufina nichts, während sie ihren Aufgaben im Dorf nachgingen. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt, an ihr Beziehungsproblem zu denken, als dass sie dabei wirklich bei der Sache sein konnten. Als er gerade in einer Gemeindesitzung im Rathaus beiwohnte, half sie Gizmo in Tonis altem Laden.
Als diese das Dorf verlassen hatte, um sich bei den Rebellen zu melden, hinterließ sie ihr Geschäft, in dem sie verschiedenen Kram wie Angelhaken, Anker und Bleigewichte verkauft hatte. Gizmo, der ursprünglich Feuerwehrmann, Polizist und Notarzt des Dorfes war, hatte sein Repertoire um das eines Händlers erweitert und den Shop in 'Gizmos Gerümpel' umbenannt.
Als Goal mit Rufus in ihrem Implantat vor einiger Zeit das Dorf besucht hatte, hatte Gizmo sie gerettet, weil sie vor Durst zusammenbrach. Da dann Rebellen die Wasserquelle des Dorfes einnehmen wollten, brach die Vergangenheit des alten Mannes als Soldat hervor und er verteidigte seine Freunde und Bekannten.
Auch wenn er seine alten Funktionen in der Notfallstation nicht mehr wahrnehmen konnte und für einen alten, dürren Mann mit zu großen Kopf, Überbiss und schlechten Zähnen nun zu häufig Kleidung mit Tarnfleckmuster trug, blieb er der Händler der Gemeinde.
Gizmos fischähnliches Gesicht blickte auf Rufina, während diese gerade Kisten hinein trug, die am Morgen geliefert worden waren. Sie wirkte nachdenklich, schaute mit trägem Blick auf den Boden vor sich, während sie eine Kiste nach der anderen in den kleinen Laden verfrachtete und zu einem Turm aufschichtete.
Als sie die letzte Kiste hinein geschafft hatte, legte sie ihre Hand auf die oberste Kiste und ließ sie für einen Moment ruhen. Ihr Blick schweifte durch den Raum. Verschiedene Tische und Regale zierten die Wände gegenüber und rechts vom Eingang. Hier wurden Schrauben, Muttern, kleine Sticker mit lustigen Sprüchen und anderer Krimskrams, aber auch Wasserflaschen, recyceltes Besteck und sonstige nützliche Dinge feilgeboten.
Links neben der Tür war ein kleines Fenster, das tagsüber immer offen war und darunter stand immer noch die mittelgroße Mühle, mit der ihr altes Ich seinerzeit 'Medizin' für Goal hergestellt hatte.
Rechts neben der Türe stand der Tresen des Ladens, der sich von dieser Wand zur Gegenüberliegenden erstreckte.
Über dem Tresen wiederum hing an der Wand neben der Tür eine Stange, auf die Rufus damals einen verräterischen Papagei gesetzt hatte, wo nun aber die Lampe hing, die früher Gizmos Einsatzfunktionen anzeigte, als er sie noch auf dem Kopf trug. Hinter dem Tresen stand Gizmo neben der Kasse. Toni hatte dort immer einen Stuhl aufgestellt, aber er bevorzugte es, zu stehen.
Etwas weiter hinter dem Tresen führte eine Leiter auf eine Plattform über diesem Platz. An dem Haken, der die Decke neben der Leiter zierte, hing früher Tonis alter Militärmantel, doch nun hatte Gizmo die Anzeigetafel, die einst seine Brust zierte, sprichwörtlich an den Nagel gehängt.
Sie erschrak, als sie sein Starren bemerkte. „Rufus“, er nannte sie noch immer bei dem Namen ihres früheren Ichs. „Du bist heute so merkwürdig. Du hast noch keinen dummen Spruch über unser Sortiment losgelassen“, wirkte er nachdenklich.
Mühsam zwang sie sich ein Lächeln ab. „Darf ich heute früher Schluss machen?“
Gizmo erschrak über diesen Anfall von Höflichkeit. Er setzte sich auf den Tresen und überquerte ihn, dann fühlte er ihr an die Stirn – kein Fieber.
„Ich muss heute in Ruhe Inventur machen, da störst du nur. Du kannst heute gehen, aber unbezahlt!“
„Danke“, nickte sie ihm zu, was ihn zusammenzucken ließ. „Geh jetzt bitte, du fängst an, mir Angst zu machen!“

Sie ging aus dem kleinen Geschäft heraus, von Außen sah es wie eine Hütte aus, mit einem halben Zylinder aus Metall als Dach. Sie befand sich auf einer kleinen Veranda, Kakteen zierten die Plattform und den Grund davor. Eine Rollstuhlrampe führte von einem Abgrund ohne Geländer direkt zur Türe des Ladens. Kuvaq war in einen Schrottcanion gebaut und die Gebäude lagen auf verschiedenen Ebenen, welche über Stege verbunden waren. Die Architektur selbst war von der Not auf Deponia geprägt worden: alles war aus Schrott gebaut und die meisten Dächer bestanden aus den gelben Gehäusen alter Räumfahrzeuge, welche ihrerseits nach langem Dienst zu Schrott geworden waren.
Das neue Zentrum des Dorfes war jedoch ein Springbrunnen, welcher von Wenzel kurz nach Rufus Abreise installiert worden war und welcher Trinkwasser für das ganze Dorf bereitstellte. Wasser war in dieser Welt mitunter wertvoller als Geld, weswegen es auch zu Konflikten mit wichtigen Gruppen wie dem Widerstand kam, aber darum ging es jetzt nicht; Rufina hatte gut gefrühstückt und gut getrunken ebenfalls. Auch die Morgentoilette war bereits vorüber und dennoch: bei aller Bescheidenheit brauchte sie noch etwas Anderes – etwas, das Menschen schon seit Jahrhunderten antrieb. Ihre Aufmerksamkeit lag auf dem Rathaus.
Dieses überragte die meisten Gebäude, es war mit einer Turmuhr versehen und mit einem kuppelartigen Regendach vor dem Eingang. Es lag neben dem Zugang zum dorfeigenen Minensystem, das in den Schrott führte und in welchem die Bewohnter früher, bevor man hier Wasser fand, ihren Wohlstand erwirtschafteten, indem sie Brauchbares bargen. Neben dem Minenschacht wiederum lag das Portal zu der Ortschaft, sodass man direkt von dort entweder die Kumpel erreichen oder weiter durch gehen konnte, um in das Rathaus zu gelangen.
Und das tat sie, sie schritt ohne Umweg in den Vorraum, wo einst Lotti als Sekretärin des Bürgermeisters saß und dann durch den Flur zum Versammlungsraum.

Als sie den Saal betrat, blieb sie im Eingang stehen. Es war ein großer Raum unter einer maroden Kuppel, welche hauptsächlich von den Wänden getragen wurde. Aber auch Dinge wie ein altes Güllefass, welches vertikal aufgestellt worden war und nun als Rümpelkammer diente, stützen die Konstruktion zusätzlich ab. Das Licht der Morgensonne drang links von ihr durch Arkaden sowie ein großes rundes Loch in der Wand in den Raum und erhellte ihn klar und rein. Sie stand unter dem Türrahmen, welcher von einem Bogen gebildet wurde, über welchem eine Uhr thronte, die ihre Funktion schon lange verloren hatte. Links und rechts neben dem Eingang zierten zwei Säulen den Zugang und auf ihnen wuchsen prächtige Pflanzen. Genau genommen waren es vielleicht nicht einmal Pflanzen, sondern etwas Großes, von dem die Dorfältesten ihnen erzählt hatten, dass es unartige kleine Kinder fräße, als sie noch klein waren... Aber es war grün und es wuchs, also: Pflanze – oder so.
Der Eingang mündete direkt in einen Weg auf die Bühne zu, welcher von barrierefreien Erhöhungen flankiert wurde, auf welchen Sitzgelegenheiten angebracht waren. Je drei Reihen von gepolsterten Sitzen boten dort Platz. Unter Anderem bestanden sie aus alten Kinosesseln, Autositzen – weder zusammenpassend, noch eklektisch und wurden laut Goaler ohnehin kaum genutzt von diesen 'politisch faulen Affen'.
Wie sonst auch saßen nur eine Hand voll Zuschauer auf diesen Rängen, die geistig auch noch kaum anwesend waren und allem Möglichen ihre Aufmerksamkeit widmeten, nicht aber dem Geschehen auf der Bühne vor ihnen.
Dort stand Bürgermeister Lotek, ein alter Mann in Schlafmontur, gerade an dem Rednerpult und gab seine wenig geordneten Gedanken zum Besten, während einige Würdenträger zusammen mit Goaler auf 'Sitzgelegenheiten' Platz genommen hatten.
Sie verschränkte die Arme und lehnte sich gegen die Wand, als sie darüber nachdachte, dass Goal einst auf dieser Tribüne auf diesen Kisten aufgebahrt worden war. Es war eine Erinnerung an sie, somit bei der Sortierung in seinen Kopf gegangen, aber aus den Erzählungen der Wesen von der Datasette wusste sie, dass Rufus einst an die bewusstlose Goal getreten war und sich Hals über Kopf in sie verliebte. Das erklärte auch das warme Gefühl in ihrem Bauch, wenn sie hier verweilte – was sie ohnehin nur wegen Goaler tat.
Dieser wollte gerade, sichtlich genervt von dem nichtssagenden Schlaflied des Bürgermeisters, aufstehen und Selbigen weg drängen, da erblickte er sie.
„Kurze Pause, bitte!“, sagte er zu Lotek, welcher die Unterbrechung dankend annahm und im Stehen einschlief.
Der offizielle Weg zum Podium führte durch einen Ausgang unter der runden Aussparung, durch die Licht in den Raum gelangte, raus aus dem Gebäude und außen entlang durch den Notausgang auf die Bühne. Goaler ignorierte diese deponianische Konstruktion. Er sprang herunter und ging auf Rufina zu, welche ihre Körperhaltung öffnete und ihrerseits ein paar Schritte auf ihn zutapste.
Kurz bevor sie aufeinanderprallten, nahmen sie sich an den Händen und falteten sie leicht erhoben.
Da er fast einen Kopf größer als sie war, blickte er sie mit leicht vorgebeugtem Kopf sanft lächelnd an. Sie dagegen lächelte verlegen, den Kopf auch leicht gesenkt und nur mit den Augen nach oben blickend in einer ungewohnt unterwürfigen Haltung. „Ich musste dich sehen, ich...“
Sie wurde harsch von einem Mann unterbrochen, der in den Raum geplatzt kam und mit schriller Stimme schrie: „Elysium stürzt auf Deponia, wir werden alle sterben!“


Der Mann keuchte, er schien einen weiten Weg bis hier her gerannt zu sein und musste sich kurz erholen. Als er sich wieder aufrecht stellte, konnte man erkennen, dass er eine blaue Postuniform anhatte, mit grauem Hemd und roten Flicken an den Ärmeln, sowie einem roten Nierenschutz. Dass er aber nicht im Dienst war, erkannte man am Fehlen der Postmütze, die ansonsten eine große Glatze in seinem braunen Haar verdeckt hätte. Goaler und Rufina lösten je eine Hand von der Anderen und gingen, immer noch händchenhaltend auf den Mann zu, zusammen mit den anderen Anwesenden, die sich um ihn zu versammeln begannen.
Sie blickte ihm ins Gesicht. Er hatte einen, unter seiner winzigen Nase unterbrochenen, Schnurrbart, lange Koteletten und sein Haupthaar war nach hinten lang gewachsen und in den zugeknöpften Stehkragen gesteckt. „Der Spanner – äh... Postbote“, entfuhr ihr beim Gedanken an die Gestalt, die seinerzeit in Porta Fisco im Fenster von Bozos Familienresidenz steckengeblieben war.
Da er sie nicht erkannte, erklärte er ihnen, dass drecksikanische Wissenschaftler festgestellt hätten, dass Elysium sich darauf vorbereite, auf Deponia notzulanden und schon bald in das Rostrote Meer fallen würde.
Seine Aufgabe wäre es nur, sie alle darauf hinzuweisen. Nachdem man ihn auf Deponia zurückgelassen hatte, fügte er noch an, bevor er sich auf der Stelle umdrehte und sie wieder verließ.

Goaler war extrem ruhig, insbesondere in Anbetracht der baldigen Erreichbarkeit seiner alten Heimat. Er stand für einen Moment nur da und blickte nachdenklich auf den Boden. Sie fühlte, wie seine Hand die ihre immer weniger fest hielt, also drückte sie sie und wollte ihn gerade zu sich herum schwenken, da löste er sich gänzlich. „Warte hier, ich bin gleich wieder da“, sagte er und bevor sie reagieren konnte, war er auch schon aus dem Saal gerannt.
Sie ging ihm langsam hinterher, blieb aber unter dem Regendach vor der Türe des Rathauses stehen, da sie nicht genau wusste, wohin er verschwunden war. Sie sah auf die Pinnwand, an der hier immer wieder 'interessante' Zettel angeschlagen waren, z.B. Neuigkeiten über die Verstopfung von Loteks Katze. Sie lehnte sich gegenüber der Pinnwand auf eine Brüstung. Als sie noch Rufus war, fand er hier stets brennbares Material, doch Goaler zuliebe versuchte sie, ihre Kleptomanie im Zaum zu halten. Und das war gar nicht so einfach, wie es klang; überall erblickte sie nützliche Sachen und Dinge, die sich auf spaßige Art und Weise kombinieren lassen würden, was aber deren Besitzer weniger witzig fänden. Für jemanden wie sie war Deponia ein einziger großer Spielzeugbastelkasten.
Für einen Moment atmete sie tief aus ob der Schandtaten, auf die sie aus Liebe verzichtete, da kam er auch schon aus dem Minenschacht, der das abgelegene Haus von Toni mit dem Dorf verband. Sie schaffte es kaum, sich vom Geländer zu lösen, da packte er schon ihre Hand. „Komm mit!“, gab er ihr mit einem breiten Lächeln zu verstehen und zerrte sie in Gizmos Laden.
Sie verstand nicht, aber freute sich doch ihn so glücklich zu sehen und versuchte ebenfalls zu lächeln, als sie den Laden betraten. „Hallo, Goal! Und ich dachte, du wolltest dir heute freinehmen, Rufus...“, wollte der alte Mann, hinter seinem Tresen aufblickend, sagen.
Aber Gizmo konnte seinen Satz nicht beenden, da knallte Goaler eine ganze Hand voll Zlottis auf den Tresen und gab ernst zu verstehen, dass sie eine Überlebensausrüstung bräuchten.
Während Gizmo und Goaler sich in eine Mischung aus Feilschen und Beratungsgespräch begaben, blickte sie aus dem Fenster und dachte nach. Elysium würde also auf Deponia landen und Goalers Eifer war offensichtlich auf die Erfüllung seines Plans gerichtet, ihnen nicht bloß ihre alten Körper, sondern auch ihre originalen Erinnerungen zu beschaffen.
Sie war traurig, da sie sich eingestehen musste, ihren Liebsten seit langer Zeit nicht mehr so voller Leben gesehen zu haben, denn laut ihrer Persönlichkeit auf der Original-Datasette brauchte die alte Goal wohl kein explizites Ziel zu ihrem Glück – ganz im Gegensatz zu ihr.
Sie erinnerte sich, wie sie von Klein auf nach oben zum Himmel geschaut hatte, damals noch als Junge, immer nur nach der Aussicht auf den Luxus der fliegenden Stadt sehnend... bis er Goal traf – oder besser: fand. Natürlich waren solche Erinnerungen schwer zu interpretieren, wenn man sich nicht an die Person erinnern konnte, weil man in ihrem Kopf gewesen war und bei der Bewusstseinstrennung entsprechende Bilder verloren gingen, aber sie hatte nicht nur ihre Erinnerungen, sie hatte auch Hilfe durch Rufus' Bewusstsein, das sich ebenfalls noch auf Goals alter Datasette befand.
Ihr war unwohl bei dem Gedanken, dass sie quasi die Rollen getauscht hatten und er offensichtlich zu wenig von ihrer Beziehung hatte, als dass er allein mit ihr glücklich sein konnte, aber sie würde ihn dabei unterstützen, nach Elysium zu gelangen.
Als sie sich gerade der Ironie dieser Begebenheiten klar wurde, bemerkte sie, dass ihr Blick nach unten gewandert war, sie schüttelte den Kopf und erhob ihr Haupt wieder, sodass sie erneut nach draußen schaute.
Wir müssen nach Elysium, dachte sie, Da holen wir uns unsere Erinnerungen zurück. Dann geht es zur Klonanlage und da bekommen wir unsere Körper zurück. Und dann werden wir endlich, sie seufzte, glücklich sein!
Ihr Herz wurde schwerer, als sie sich dabei ertappte, ein Hoffentlich... anfügen zu wollen, das nun die anderen Gedanken zu verdrängen begann, wie ein Ohrwurm. Da tippte Goaler sie an und gab ihr lachend zu verstehen, dass der Handel abgeschlossen war und sie ihm helfen musste, zwei Überlebensrucksäcke, zwei Schlafsäcke, und eine Überlebensbauchtasche zu tragen. Kurz nachdem sie die Sachen geschultert hatten, verließ er, ohne zu zögern, den Laden. Sie blieb unter dem Türrahmen stehen und drehte sich Gizmo zu. Mit einem erzwungenen Lächeln sagte sie: „Mach's gut, Gizmo!“, dann verließ auch sie das Geschäft und folgte Goaler zu ihrem Haus.
Dort packten sie nur das Nötigste ein, zusätzliche Konserven, Klopapier, Unterwäsche, einige Erinnerungsstücke. Als Rufina ihren Mantel überzog, den sie in letzter Zeit häufiger am Nagel hängen gelassen hatte, wollte Goaler wissen, wozu sie den alten Lumpen mitnehme.
„Wir werden ihn noch brauchen, glaube mir – wir werden ihn noch brauchen!“, sagte sie ernst, dann fügte sie scherzhaft hinzu: „Außerdem ist das 25-Stück-Inventar darin drei Überlebensrucksäcke wert!“
„Dann hol deinen Müll doch mit“, rollte er mit den Augen.

Nachdem alles eingepackt war, gingen sie wieder zum Dorfzentrum. Sie füllten dort noch schnell ihre Wasserflaschen am Springbrunnen, dann ging die Reise auch los. Ohne sich zu verabschieden schritt er durch das Dorftor, doch Rufina blieb auch hier stehen, sah sich noch einmal um und seufzte. Als Rufus Kuvaq verließ, hatte er noch viele offene Rechnungen, aber nichts, das ihn wirklich an diesen Ort binden konnte, bei Rufina war es anders, sie hatte seine Schulden abgearbeitet, hatte nach und nach Verantwortung zu übernehmen gelernt, die Rufus nie zuvor akzeptiert hätte und war fast an ein geordnetes Leben in Zufriedenheit geraten. Sie würde es vermissen, bei Gizmo zu arbeiten, um Abends zu Goaler zu kommen...
Dann drehte auch sie ihrer Wahlheimat den Rücken und wanderte mit ihm den langen Weg hinunter in Richtung der Schrottmienen, die die Ebene Kuvaqs mit dem Rest Deponias verbanden. Die Abendsonne leuchtete ihnen den Weg.


Während sie über den Müll sowie durch Krempel gingen, auf einem Weg, manchmal nicht mehr als ein Trampelpfad, ging Goaler voraus und schwieg die Meiste Zeit. Auch wenn Rufina versuchte, die Zeit mit Pfeifen und Gedudel zu verkürzen, kam ihr sein Schweigen dennoch komisch vor und so zwang sie sich nach einer Weile dazu, ihn zu fragen.
„Du bist so still“, begann sie, „möchtest du mir nicht sagen, warum wir so überstürzt aufbrachen – ist ungewöhnlich für dich!“
Er versuchte, Zuversicht zu heucheln, aber das gelang ihm mehr schlecht als recht. „Elysium wird bald im Rostroten Meer landen, in der Nähe der unteren Aufstiegsstation. Soweit weiß ich noch von den Besprechungen.“
Er wandte sich leicht zu ihr, „Wir wissen also schon einmal, wo wir hin müssen, das brauchen wir nicht zu planen“, dann drehte er den Kopf wieder nach vorne und wirkte nachdenklicher, „Was mich aber nervös macht, ist der Widerstand.“
Er blickte nach oben zum Himmel, wo Elysium immer noch thronte. „Wenn die Deponianer über die Notlandung Bescheid wissen, dann tut Argus das schon lange – und wir reden von Argus hoch vier.“
Er straffte die Schultergurte, dann legte er die Hände auf den Gurt der Bauchtasche. „Argus, da wirst du mir sicher zustimmen, wird noch in eiskaltem Hass auf Rache sinnen. Weil er zurückgelassen wurde, weil er immer schlecht behandelt wurde und/oder, weil er ohne Kampf nicht leben kann; er wird Elysium angreifen!“
„Ahm, ahm“, nickte sie ihm zu.
„Ich gehe davon aus, dass er so bald wie möglich angreifen wird und wenn der Organon erst einmal mit dem Widerstand in Kämpfe verwickelt ist, wird es für uns keinen Weg mehr nach Elysium geben. Wir müssen vor dem ersten Gefecht dort eintreffen, wenn die Leute da noch naiv genug sind, uns überhaupt anzuhören.“
„Wie viel Zeit, glaubst du, haben wir?“ Sie hatte einen Frosch im Hals.
„Ich schätze Argus so ein, dass er Elysium in die Zange nehmen will. Er wird Truppen nahe Elysium aufmarschieren lassen, an der unteren Aufstiegsstation und auf einer Insel in der Nähe. Der schwimmende Schwarzmarkt fällt weg, da bekommt so schnell niemand Kontrolle rein, also bleibt noch Isla Obacht. Elysium wird ungefähr zwischen der Aufstiegsstation und dem Schwarzmarkt landen, von Isla Obacht bis Elysium wird es also rund doppelt so weit sein, wie von der Aufstiegsstation aus.“
Er fing zu gestikulieren an, als zähle er an seinen Fingern. „Elysium wird eine Flutwelle erzeugen, die jeden Landungsversuch unmöglich macht, die Truppen können zwar per Schiff auf Isla Obacht und per Kreuzer an der Aufstiegsstation postiert werden, sie sind aber zeitweise daran gebunden.“
Er blieb kurz stehen, „Gehen wir von einer Geschwindigkeit von 600 km/h aus...“
Keine höhere Mathematik bitte, stieß sie ihn weiter, „Hmpf, na gut, gehen wir mal davon aus, dass Isla Obacht etwa eine halbe Stunde nach dem Knall getroffen wird, der Strand vor der Aufstiegsstation eine Viertelstunde früher... Argus kann seine Truppen nicht früher losschicken, als dass die Boote von Isla Obacht schon den halben Weg gemacht haben, gehen wir mal von 50 km/h Geschwindigkeit aus... 5 Stunden müssen sie unterwegs sein, bevor die anderen los können – das ist unser Zeitraum!“
„Moment“, wunderte sie sich, „du willst auf dem Meer sein, wenn die Welle kommt!?“
„Du nimmst das Wort 'Welle' zu wörtlich! Am Strand ist sie verheerend, auf hoher See kaum bemerkbar.“
„Was sollte Argus dann daran hindern, Elysium früher anzugreifen?“, fragte sie frech, doch er winkte ab, „Mit dem Angriff wäre es nicht getan, Elysium ist eine Raumstation und damit leicht zu befestigen. Argus weiß das und er weiß, dass er seine Truppen wird verpflegen müssen, er kann es sich nicht leisten, die Versorgungslinien zu gefährden und bei der Logistik zu schlampen, seine Planungen werden wesentlich langfristiger sein!“
„Also“, rekapitulierte sie, „wir müssen zur Aufstiegsstation, da klauen wir dem Widerstand ein Boot und machen uns auf nach Elysium?“
Er führte zwar an, dass er es lieber als „Leihgabe“ sehen würde, aber er stimmte im Großen und Ganzen zu, während sie im Zwielicht wandernd die alten Petroleumlampen auspackten.

Es war schon längst dunkel geworden, da fing es erst an, kühl zu werden. Das Licht ihrer Lampen wies ihnen den weg, spärlich flackernd. Sie waren zwei Lichter in einer blaugrauen Landschaft und die erhellten Schrottteile und Kakteen kontrastierten die Umgebung. Rufina blickte sich um, während Goaler nur auf den Weg achtete, da ging ein Zittern durch seinen Körper.
Sie lenkte ihren Fokus auf ihn, er versuchte sichtlich, unwillkürliches Zittern zu unterdrücken, aber trotz des großen Rucksacks und Schlafsacks auf seinem Rücken war es klar erkennbar.
„Wollen wir unser Nachtlager aufschlagen?“, deutete sie vorsichtig an.
„Nein, wir müssen weiter!“, versuchte er ab zuwinken, doch sie blieb dabei: „Wir sollten wirklich das Nachtlager aufschlagen. Du hast nichts davon, wenn du zusammenbrichst und außerdem trägst du ja auch den elysianischen Pyjama...“
„Ich kannte mal jemanden, der war angeblich mal 78 Stunden auf den Beinen“, wollte er den Spieß umdrehen.
„Ich bin ja auch super, aber wir reden hier von dir und wir werden jetzt unser Nachtlager aufschlagen“, „Werden wir nicht!“
Sie wirkte streng, „Werden wir doch, da vorne kommt eine kleine Lichtung mit einem Baum. Da lassen wir uns nieder!“
„Was bringt es, sich mit einem Verrückten zu streiten?“, sah er ein, „Der Klügere gibt...“
Er hielt kurz inne, als er den Baum sah. „Wieso habe ich gerade das Bild von meinem alten Körper vor Augen, der in einer Schubkarre unter diesem Baum sitzt!?“
Dieser Satz weckte Schuldgefühle in ihrem Kopf, aber die Erinnerungen dazu fehlten.
„Wieso werde ich von Bienen angegriffen!?“ Da sie dazu keine Antwort wusste, versuchte sie abzulenken und schubste ihn weiter. „Keine Ahnung, jetzt sind jedenfalls keine Bienen mehr im Baum, oder sie schlafen, also los!“
Sie ließ ihren Rucksack einfach von ihren Schultern rutschen und fast ungebremst auf eine Motorhaube hinter sich klatschen, dann half sie ihm. Sie nahm ihm seinen Schlafsack ab und er setzte den Rucksack langsam und behutsam auf den Boden. Sichtlich müde packte er den Schlafsack aus und rollte ihn auf. Nachdem sie seine Lampe gelöscht hatte, füllte sie Petroleum aus ihrem Rucksack in ihre Lampe und stellte sie neben sein Schlafquartier.
Als sie ihr Nachtlager aufbaute, postierte sie es parallel zu seinem, so dass sie die Lampe flankierten. Sie lächelte ihm zu, als sie ihren Rucksack an das Kopfende legte und ihren Mantel abstreifte. Dann hechtete sie mit einem einzigen Satz in den Sack und strampelte noch wenige Minuten angestrengt wie ein Hund. Sie legte sich auf die Seite, ihm zugewandt und wollte ihren Rucksack als Kissen verwenden, was jedoch so aussah, als hätte sie sich den Hals gebrochen.
Er nahm sich mehr Zeit, kletterte vorsichtig in seine Schlafgelegenheit und streckte sich darin. Nachdem er die Decke über seine Schultern gezogen hatte, bemerkte er erst, wie sehr ihm seine Beine wehtaten. Er blickte nach oben zu den Ästen des Baums. Einige Blätter ließen sich im Lampenschein noch als lebendig erkennen, einige waren verdorrt, aber insgesamt war er sehr kahl und wirkte sterbend.
„Duu, Goaler?“, unterbrach sie ihn. Er drehte seinen Kopf zu ihr und legte sich auch auf die Seite, benutzte aber seine Hände als Unterlage statt des Rucksacks. Im Schein der Petroleumflamme und mit dem dunklen Hintergrund wirkte Rufina noch unheimlicher. Sie hatte die Brauen gesenkt und schaute ernst zu ihm. „Glaubst... glaubst du, wenn wir unsere Erinnerungen zurück haben, wird alles besser!?“
Er dachte über eine Antwort nach, doch sie hakte nach: „Mit unserer Beziehung und so, meine ich. Vielleicht werden wir nicht die Möglichkeit bekommen, unsere alten Körper zurück zu erhalten...“
Er versuchte, zuversichtlich zu klingen: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, sonst würde ich dich nicht der Gefahr dieser Reise aussetzen!“
„Du weißt doch, ich bin robuster, als ich aussehe!“, grinste sie ihm zu.
„Du hast recht, aber ich glaube trotzdem, dass alles Gut wird.“ Überrascht merkte er, wie ehrlich seine Worte klangen und scheinbar reichte das auch, denn sie schloss die Augen und versenkte ihren Kopf im Schlafsack, sodass fast nur noch ihr dichtes, langes Haar herausragte und wünschte ihm gute Nacht.
„Gute Nacht“, antwortete er, schloss die Augen und legte sich wieder auf den Rücken.
Obwohl er noch sorgenvoll nachdachte, schlief auch er schnell ein.
Zuletzt geändert von Emares am Mo 28. Mär 2016, 12:05, insgesamt 6-mal geändert.

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Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction)

Beitragvon Emares » So 6. Sep 2015, 17:32

Sanfter Wind, das Gezwitscher von Vögeln. Goal vernahm es und öffnete langsam ihre Augen. Ein strahlend blauer Himmel mit flauschigen Wolken breitete sich vor ihr aus. Sie lag unter dieser malerischen Komposition, ihre Haare lagen wie orangene Flüssigkeit von ihrem Kopf ausgebreitet und sie spürte die kratzende Berührung von Gras, auf dem sie ruhte. Sie gestattete es sich kurz, die Augen wieder zu schließen und diesen Moment zu genießen, dann richtete sie sich auf. Eine intakte Landschaft breitete sich um sie herum aus. Plätschernde Bäche flossen durch grüne Täler, dichte Wälder bedeckten die Berge und Sträucher voller Früchte rundeten das Gesamtbild ab. Überall kreuchte und fleuchte das Leben. Ein junger Mann stand einige Meter von ihr entfernt. Er hatte ihr den Rücken zugekehrt und die Arme hinter Selbigem verschränkt. Er hatte Rufinas Mantel an, außerdem ihre Mütze, ihre Hose und ihre Schuhe. Nur seine Haare waren zwar buschig, braun und fettig, aber nicht annähernd so lang, reichten gerade bis unter seinen Kopf.
Er blickte in Richtung einer weißen Stadt, welche in einiger Entfernung aus dem Boden ragte. Elfenbeinfarbene Türme und Häuser fügten sich sanft in die große Ebene ein, auf der sie errichtet worden waren. Die dortigen Menschen hatten viele kleine Gärten mit Getreide, Gemüse und Obstbäumen angelegt, welche durch Hecken unterteilt wurden. Sie erkannte das Zentrum der Stadt als das in den Boden versunkene Elysium. Doch es war undeutlich, sie konnte es nicht genau erkennen.
Der Mann registrierte sie, „Ah, du bist wach!“ Seine Stimme war merkwürdig vertraut, dennoch nicht zu beschreiben. Sie verstand, was er sagte, hätte aber nachträglich nicht beschreiben können, ob das Gesprochene hoch oder tief, kratzig oder sanft, laut oder leise war. Und dennoch durchdrang die Stimme sie und verursachte ein unheimliches Kribbeln auf ihrem Rücken.
„Ist das nicht toll?“, fuhr die Stimme, die mit einer Gestalt im Nebel vergleichbar war, fort, „Wir haben es geschafft, wir sind auf Utopia!“
„Rufus?“, riet sie. „Freust du dich nicht, Goal?“, fragte der Mann, ohne sich umzudrehen, „Jetzt können wir für immer glücklich sein!“
Goal bemerkte eine große, rote Blüte neben sich. Sie war wie eine umgedrehte Glocke, ungefähr faustgroß. Sie wusste nicht warum, aber sie richtete ihre volle Aufmerksamkeit auf die Blume. Ein grün glänzender Kolibri flog sie an. Sie bemerkte, dass der Vogel, je mehr sie ihren Fokus auf ihn lenkte, immer langsamer flatterte. Flapp, flapp, flapp... flapp... dann stand er still in der Luft. Sie blinzelte und das Tier war verschwunden.
Da begriff sie, „Ein Traum – ich träume bloß!“
Der junge Mann sackte zusammen, „Ja, du träumst.“
Er drehte sich um, ihr Herz schlug schneller. Sie erkannte ihn jedoch nicht, er war verschwommen. Mit einem ängstlichen Lächeln streckte sie ihm ihre Hand entgegen, als er sich ihr näherte und ihr aufhalf.
Wieder auf den Beinen sah sie jedoch nur Rufina vor sich und sank vor Schreck wieder zusammen.
Diese kniete sich vor sie. „Darf ich dir eine Frage stellen?“
Goal nickte. „Glaubst du, das ist es wert?“
Sie stutzte. „Glaubst du, wir brauchen so etwas?“, hakte Rufina nach.
Während sie über die Frage nachdachte und welche Antwort sie darauf geben sollte, brach Goal plötzlich der Boden unter den Füßen weg und sie fiel in einen dunklen Abgrund.
Rufina stürzte ihr nach und Goal griff ihre Hände, sodass sie sich an ihr festhalten konnte. Sie lächelte auf Goal hinab, die langsam und grausam abglitt.
„Ich kann mich nicht mehr halten, du hast zu glitschige Finger...“
„Das macht nichts!“, entgegnete Rufina, „Pass auf mich auf!“
Dann verlor Goal den Halt und fiel in die Schwärze.
Sie versuchte, wieder etwas zu erkennen, doch das Einzige, was sie erblickte, war das Rostrote Meer, welches immer näher auf sie zuraste. Ein Platschen, das Gefühl, herumgewirbelt zu werden, den Anblick von Luft, die der Lunge entflieht und die in Blasen einer immer dunkler werdenden Oberfläche entgegen schweben.
Wieder öffnete sie die Augen, Schmerz durchzog sie, sie lag erneut auf dem Rücken, bewegungslos.
Die kleinen Aufbäumungen, die ihr gelangen, ließen das Gefühl von Blut spüren. Geronnenes Blut in ihrer Kleidung, ihren Ärmeln, ihrer Hose, ihrem Hemd. Ein frohes Gefühl überdeckte ihren Schmerz, das Gefühl, dass sie in Sicherheit war, auf Elysium, ohne sie.
Verwirrung machte sich breit, sie konnte das Erlebte nicht verstehen. Zwei Gestalten beugten sich über sie, im schummrigen Sonnenschein schwer zu erkennen. Helft mir, sie war nicht fähig, es auszusprechen, da endete der Traum.

Am nächsten Morgen wurde er von Flüchen und Schmerzschreien geweckt. Er öffnete die Augen, nur um sie schnell wieder schmerzverzerrt zu schließen, weil er offensichtlich schlecht gelegen hatte und seine Knochen schmerzten. Dann blickte er zu Rufina auf, die im Morgengrauen wild um sich schlug.
Als seine Augen, noch kratzig vom Schlaf langsam besser sehen konnten, erkannte er, dass sie von Bienen umschwärmt wurde.
„Was hast du da angestellt?“, schrie er sie an, als er sich aus dem Schlafsack strampelte.
„Ich wollte nur etwas Honig zum Frühstück“, antwortete sie hektisch, „Greif dir den Schlafsack und deinen Rucksack und dann weg hier.“
„Keine Sorge“, schrie sie ihn an, weil er sich umblickte, „Ist alles eingepackt!“
„Die Bienen sind alle tot, ja klar!“, murrte er sie an und sie machten sich hektisch davon.


Sie rannten noch eine ganze Weile, Rufina voraus, Goaler hinterher, den hinterherwehenden Schlafsack noch einige Zeit in der Hand. Dann holte er sie ein und brachte sie durch einen kleinen Schubser zu Fall.
„Entschuldige, aber ich hätte dieses Tempo nicht mehr lange durchgehalten“, schnaufte er, während er den Schafsack in die dafür vorgesehene Tasche packte und auf seinen Rucksack legte.
„Schon gut“, rappelte sie sich auf, „ich habe schon Explosionen, Kaktusse und Toni überlebt...“
„Kakteen“, korrigierte er sie. Sie wollte gerade eine freche Antwort ausstoßen, da deutete er nach vorne. „Erkennst du diesen Ort?“
Sie folgte seinem Zeigefinger und erblickte „Das Schrottminensystem.“
Genau genommen sogar die Stelle, an der sie zuletzt in die Schrottmienen gegangen waren. Sie konnten sogar schon das Zelt des Sehers erkennen. Der hatte sie seinerzeit, als sie beide noch in Goals Körper waren, betäubt, eingesperrt und wollte sie verkaufen – für eine Banane.
Nach kurzer Rast und nachdem sie ordentlich gefrühstückt und getrunken hatten, sahen sie sich um, doch es war kein fahrbarer Untersatz zu finden. „Wir müssen vorsichtig sein!“, bemerkte sie, als sie an dem Zelt vorbei gingen. Es war gut in Stand gehalten worden, was darauf hindeutete, dass der Seher immer noch hier sein musste. Er nickte ihr zu, als er seine Petroleumlampe auspackte und anzündete.
Wieder ging er vor und sie war hoch erfreut, dass sie in die kühlen Schächte gingen, jetzt, wo es, noch am Vormittag, bereits begann, brütend heiß zu werden.

Sie versuchten, der Strecke zu folgen, die sie damals zusammen gefahren waren. Nur waren sie da noch motorisiert und fuhren bloß auf den Schienen. Jetzt gingen sie zu Fuß durch die Tunnel und Schächte, die wesentlich akzentuierter waren, als die verschwommene Masse, die seinerzeit an ihnen vorbeigerauscht war.
Plötzlich sahen sie ein anderes Licht, weiter vor ihnen im Tunnel. Es kam auf sie zu und eine hohe, kratzige Stimme näherte sich. „Die Ankunft des Zerstörers ist nah, nah, nah...“
Es war ein kleiner, dürrer Mann in zerfetzten Lumpen. Er hatte einen großen Glatzkopf, den ein breites Grinsen und ausgeprägte Wangenknochen zierten. „Das Pfeifenkopfmännchen!“, sagten sie beide synchron. Da sie den Seher immer so abfällig bezeichneten, nahmen sie sofort eine gespanntere Haltung ein. Goaler stellte sich breit auf, den rechten Fuß nach vorne, die Fäuste geballt. Rufina hob einen Fuß auf Höhe des anderen Knies, die Hände zu einem Karateschlag erhoben – eine sinnlose Haltung, die schon der junge Rufus immer annahm.
„Oh, ihr seid es!“, grinste der Seher sie an, jetzt sah man erst, dass er eine Lampe auf dem Kopf trug und einen schweren Rucksack schleppte. „Keine Angst, ich bin euch nicht böse!“
Sie hatten ihn selbst in den Käfig gesteckt und zurückgelassen. „Die Menschenhändler konnten mich ohne ihr Bike nicht wegschaffen und so ließen sie mich hier. Als ich nach einiger Zeit den Schlüssel auf dem Käfig fand, konnte ich mich befreien.“
„Warum solltest du uns also nicht böse sein!?“, wollte sie wissen.
„Weil ich hier auf Gold gestoßen bin!“, strahlte er sie an und griff nach hinten in seinen Rucksack.
Er holte einen großen, weiß glitzernden Stein hervor. Rufina blickte Goaler an, „Was ist das?“
„Quarz“, flüsterte er ihr zu. „Ist das wertvoll?“, „Gar nicht, der Organon nutzte es, um mit einigen Zutaten wie Zement Beton zu mischen...“
„Ich verkaufe das Gold natürlich nicht, ich häufe einen riesigen Schatz an!“, sagte der Seher stolz.
„Womit hältst du dich dann über Wasser?“, wollte Goaler wissen.
„Beim Goldgraben stoße ich auf olles Silber, das verkaufe ich hin und wieder und decke mich mit Vorräten ein.“, strahlte er ihn an.
„So ein Dämlack“, grinste Rufina Goaler an, „das sieht doch nicht einmal aus wie Gold.“
„Sähe Golderz auch nicht aus“, stauchte er sie zurecht, „Golderz muss noch raffiniert werden.“
„Ohne euch wäre ich nie auf diesen Schatz gestoßen!“ Der Seher wirkte äußerst dankbar, weswegen sie ein schlechtes Gewissen bekam.
„Weißt du, das ist eigentlich...“, wollte sie sagen. „Eigentlich war es uns eine Freude, dass es für dich gut ausgegangen ist!“, unterbrach Goaler sie.
„Was soll denn das?“, wollte sie wissen, doch er flüsterte ihr nur ins Ohr: „Der Kerl ist glücklich, lass ihm doch seinen wertlosen Schatz, besser wird es für ihn wohl nicht mehr werden, seit er seine Fähigkeit verloren hat...“
„Das ist nett! Aber ich kann euch nicht gehen lassen, ohne mich zu entschuldigen!“, sagte er und drückte ihnen je einen Kieselstein in die Hand. Sie bedankten sich mehr oder minder ehrlich und gingen weiter.

Etwas später ging die Lampe aus und sie waren in völliger Dunkelheit gefangen. „Warte!“ Rufina erfühlte das Ersatzpetroleum und sie füllten es vorsichtig nach. Sie fühlte seine Hände und er hörte das Blubbern in dem kleinen Metallkanister. „Ein Feuerzeug, wir brauchen -“, sagte er, aber sie drückte seine Hände. „Warte, ich habe hier eins“, flüsterte sie fast schon, sodass sie von dem Geraschel in ihrem Mantel beinahe übertönt wurde.
Sie fand es und holte es aus dem Mantel, doch dann stoppte die Bewegung hörbar. Sie legte ihre Hände auf die Seinen und führte sie, zusammen mit der Lampe, langsam nach unten. Er wusste nicht direkt, was sie bezweckte, gab der Führung leicht nach unten nach, doch dann hörte er das ledrige Knittern ihres Anzuges, das auf ihn zukam und dann spürte er ihre Lippen auf seinen Lippen.
Sie hatte den Kopf schräg gelegt, so dass ihre Gesichter quer zueinander lagen und keine Gefahr bestand, dass er seinen Kinnbart spürte. Daran dachte er in diesem Moment aber auch gar nicht, er fühlte nur, wie ihre leicht rauen Lippen zunächst gespitzt auf seine trafen. Als er ihre Geste langsam, aber entschlossen erwiderte, entspannte sie sich kurz, bevor sie wieder forsch vorstieß. In diesem Moment waren sie nicht Goaler und Rufina, in diesem Moment waren sie Goal und Rufus. Für gefühlte Sekunden erforschten sie ihre beiden Münder, fühlten nur die Berührung und hörten nur das sanfte Atmen des Anderen und spürten ihren eigenen schnellen Herzschlag.
Dann streichelte sie mit ihrer Hand über seine Wange und zog sich in einer Bewegung so schnell und überraschend zurück, wie sie auf ihn zugekommen war. Er blinzelte für einen Moment überrascht in der vollkommenen Schwärze, fühlte sich für einen Augenaufschlag als Individuum, herausgerissen aus einer absoluten, übergeordneten Ganzheit – völlig verloren. Ein Reiben und Zischen zeugte von der Benutzung des Feuerzeuges und Sekundenbruchteile später wurde er von dem Leuchten der Flamme geblendet.
Sie zündete die Lampe an und grinste: „Na, wie war das?“
Nachdem er sich wieder gefangen hatte, antwortete er frech: „Gut, fast so, als wärst du kein hübsches Mädchen!“
Sie runzelte die Stirn und blickte ihn böse an, doch er griff ihre Hand mit der Hand, die nicht die Lampe trug und sie mussten beide verlegen lächeln. Händchenhaltend gingen sie weiter durch das verzweigte Netz der Minenschächte.


Eine Ess- & Trinkpause später, am Späten Nachmittag erreichten sie das Ende des Schienennetzes: wieder standen sie vor einem provisorischen Prellbock, mit Sitzpolstern versehen. Als ihre Augen sich ans Licht anpassten, konnten sie noch mehr sehen. Der Schacht endete aus einer Art Turm, über ihnen führte ein Steg entlang. Rechts neben ihnen lag eine Verkleidung vom Turm, die wohl mal das Chassis eines Fahrzeugs war und links neben ihnen wiesen alte Schilder auf einen Abgrund hin, der nur dürftig durch ein Geländer gesichert wurde. Und hinter den Schildern, nach Unmengen an Schrott thronte sie – die untere Aufstiegsstation.
Eine Organon-Kreuzertrasse führte von Westen in den großen Turm, der sich verjüngte und wohl schon einmal schwer beschädigt worden war. Eine Reihe freiliegender Stahlträger im oberen Drittel zeugte entweder von heftigen Kämpfen oder aber von einem großen Unfall. Dieser Schaden nahm stellenweise die Hälfte des Querschnitts des Turms ein und die leicht zur Seite geneigte Plattform auf ihm zeigte, dass er diesen Schaden nur notdürftig überstanden hatte.
Ein abgerissenes, großes Tau lag neben dem Turm und mündete ins Rostrote Meer, hin zu dem Propellerflügel eines ehemaligen Hochbootes.
Rufina erinnerte sich, hier hatte sie Doc und Bozo getroffen, als sie zum ersten Mal bei der unteren Aufstiegsstation war. Die Beiden hatten im Schutze der Trümmer des zerstörten Hochboots angelegt und sich um Goal gekümmert.
Sie machte sich auf den Weg zur Aufstiegsstation. Sie stieg über die abgetrennte Verkleidung am Turm und wollte gerade unter den Schienen hindurch klettern, die kurz nach dem Prellbock zerrissen waren, da wandte sich Goaler an sie.
„Wir waren schon einmal hier!“, bemerkte er. „Ja, als ich in deinem Kopf war!“, antwortete sie.
„Nein, ich meine davor...“, er hatte eine Hand auf den Prellbock gelegt und die Andere tastete an seinem Oberschenkel. „Hast du mir nichts zu sagen?“
Mit einem nicht näher erklärbaren Gefühl der Unsicherheit antwortete sie: „Ich weiß nicht genau, was du meinst...“
„Wieso sehe ich dann das Bild von mir, wie ich bewusstlos und über dieses Ding gehängt daliege!?“
Sie begriff: Goal musste wohl so dagelegen haben, als Rufus sie im Minebike hierher geschafft hatte.
„Ähm, selbst – selbst wenn du von da einen blauen Fleck her hattest, nach dem Klonprozess hast du ihn ja nicht mehr!“, druckste sie, worauf er schnippisch feststellte, „Phantomschmerzen nicht mitgerechnet, nicht wahr?“
Sie versuchte, sich nichts anmerken zu lasen und ging weiter, er kletterte ihr hinterher. „Auf nach Elysium“, sagte sie mit erhobenem Zeigefinger, während sie beide über den Schrott und Müll krackselten. „So kommst du mir nicht davon!“ Er warf eine Konservendose nach ihr, als sie bemerkte, wie die Rebellen eine Ebene neben der Aufstiegsstation paniert hatten. Das war genug Ablenkung und während sie weiter nach unten gingen, überlegten sie sich, wie sie nun an dem Widerstand vorbei ein Boot ergattern konnten.
Sie gingen weiter, wurden aber durch den Parcours aus Weggeworfenem so sehr verlangsamt, dass sie nahe der Aufstiegsstation bereits sehen konnten, wie die Sonne langsam begann, unterzugehen.

Unvermittelt blieb sie stehen und blickte zum Himmel. „Siehst du das?“
Er blieb stehen und sah ebenfalls nach oben. Es war kaum nötig, die Augen anzustrengen, um zu verstehen, was sie meinte – Elysium, die fliegende Stadt, sonst eine feste Konstante am Himmel, bewegte sich sichtbar!
Und Elysium wurde größer. Die Türme der weißen Stadt, allen voran der zentrale Hauptturm, um den sich die Anderen schlängelten, waren gut sichtbar, wirkten wie ein Gegengewicht zum Unteren Teil, der mehr wie ein umgedrehter Kreisel auszusehen schien. Mit dieser unteren Spitze voran raste Elysium auf Deponia zu, was ein rot-blaues Flackern erzeugte, das auf das Wirken einer Art Energieschild hinwies. Dann wurde es noch schneller und verwandelte sich in eine Art Sternschnuppe, raste weit weg ins Meer und erzeugte einen hellen Lichtblitz am Horizont. Sie mussten sich beide die Augen zuhalten, weil das Licht selbst durch ihre geschlossenen Augenlider im Schädel brannte. Nach Sekunden, die wie Minuten wirkten, verschwand der grelle Schein so rasch, wie er entstanden war. Für einen Moment wirkte die Umgebung pechschwarz, obwohl die Sonne noch leuchtete.
Goaler strengte seine Augen an, in der Ferne konnte er seine alte Heimat erkennen und sie war noch so strahlend wie zuvor, nur ragten jetzt lediglich die Hochhäuser der Stadt über den Zenit.
Rufina blickte derweil auf eine Stoppuhr, die sie aus ihrem Mantel geholt hatte. „Komm schon, wir müssen die Gelegenheit nutzen und runter zum Strand!“, packte sie ihn an der Hand.
Sie hatte Recht – die Rebellen hatten sich wegen der Flutwelle wahrscheinlich im Turm verschanzt und würden jetzt erst einmal nur auf das Meer blicken, aber sie würden diese Gelegenheit nutzen müssen. Während sie über Rohr und Autobatterie stolperten, versank die Sonne gerade im Meer. Sie stoppte abrupt, blickte wieder auf ihre Uhr und hielt ihn fest, da er ansonsten weitergelaufen wäre.
„Achteinhalb!“, sagte sie und bevor er reagieren konnte, hielt sie ihm die Ohren zu.
Eine Schallwelle, die auch unter ihren fürsorglichen Fingern noch laut erschien und durch Mark und Bein ging, raste über sie hinweg. Überrascht von diesem Erlebnis taumelte er, doch sie warf ihn hinter einer schützenden Baggerschaufel zu Boden, riss ihren Mantel vom Körper und schmiss sich schützend über ihn, den Mantel so haltend, dass nur noch ihre Stiefel hinausragten.
„Was machst du?“, wollte er konfus wissen, doch sie schrie ihn nur an: „Zehneinhalb Minuten. Ich kann dich gerade nicht verstehen. Hilf mir, den Mantel über uns festzuhalten und halt die Luft an!“
Er begriff gerade, dass sie noch von der Druckwelle taub sein musste und auch wenn er es nicht verstand, folgte er ihren Anweisungen.
Und wie bestellt rollte eine Wolke aus glühend heißem Wasserdampf über sie hinweg, die er an den Körperteilen brennen spüren konnte, die nahe der Berührungspunkte lagen, die der Mantel mit dem Boden bildete. Es brannte und er biss sich auf die Lippen, um nicht loszulassen oder einzuatmen.
Die Wolke raste über sie hinweg, fast so schnell wie die Schallwelle, dennoch erschien es ihm wie eine Ewigkeit, zumal sie noch einen Moment liegen blieben, um sich nicht der heißen Atmosphäre auszusetzen.
Erst als er spürte, wie sie begann, sich mit den Fingern nach draußen zu tasten, wusste er, dass es vorüber war. Sie kletterte von ihm herab und legte sich in einem lässigen Schwung den Mantel wieder an. Er brauchte etwas länger, um sich aufzurappeln. Schwitzend bemerkte er die feuchte, schwüle Luft, die eben noch trocken war und jetzt nach Salzwasser schmeckte. Er fuhr sich durchs Gesicht, um den Schweiß abzuwischen. Als er die Hand wieder herunternehmen wollte, bemerkte er, dass sie von Bluttropfen rot gefärbt war. Erschreckt fühlte er sich an die Stirn, aber er konnte keine Verletzung feststellen, dann deuchte es ihm und er blickte erschreckt zu Rufina.
Sie hatte ihm mit Blick auf die Aufstiegsstation, der sie schon sehr nahe gekommen waren, den Rücken zugedreht. Als sie sich wieder zu ihm wandte, die Hände angeberisch auf die Hüften gelegt, sah er, dass Blut aus ihren Ohren über ihre Wange gelaufen und ihm wohl ins Gesicht getropft war.
Besorgt trat er zwei Schritte auf sie zu und ihr breites Grinsen wich, als er ihr über die Backen wischte und das Blut entfernte. Etwas lauter rief sie ihn an: „Ach das. Keine Angst. Das hatte ich schon öfters, das gibt sich schnell wieder!“
Über so viel Zuversicht verfügte er nicht, doch er wollte wissen, woher sie wusste dass das passieren würde. Sie schrie ihn immer noch an. „Das war etwas, das die Alten als Surge bezeichnet haben, habe ich mal versehentlich verursacht.“
Sie zeigte Richtung Elysium und sie gingen langsam weiter, während er sie vorsichtig an den Oberarmen hielt. „Die schnellsten dieser Ereignisse erreichen fast Schallgeschwindigkeit und da wir gerade Zeugen wurden, wie Elysium auf Deponia gestürzt ist, ging ich von dem extremsten Ereignis aus!“
Als sie sich löste, griff sie seine Hand und zog ihn schneller zur Aufstiegsstation, aber nicht in dessen unteren Eingang, sondern in die Röhre, die einmal ein Kabel eines Hochboots gewesen sein musste. „Die Flutwelle wird nur noch wenige Minuten brauchen, komm mit, ich habe da so eine Ahnung.“

Sie rannten durch das Kabel in die Bucht, die von den Resten des Hochboots gebildet wurde und erreichten sie im Zwielicht. Die Streben der abgestürzten Maschine bildeten einen Anblick, der Rippen eines gestorbenen Ungeheuers glich und am Strand stand doch tatsächlich eine kleine Figur in einer Organon-Uniform.
Eine Kinderstimme ertönte: „Hallo Rufus! Hallo Goal!“
Sie gingen vorsichtig auf die 50 cm große und 30 cm breite Figur zu. Weiße Haut und blonde Löckchen glänzten im Dämmerlicht, während ein großer Schal im fahlen Wind tanzte und eine seltsame Mischung aus Mikroskop und Taucherbrille verdeckte die Augen.
„Wenzel!“, schrie Rufina.
„Ja Rufus, ich bin es. Ich habe euch seinerzeit gesehen, als der Klonprozess vollendet war. Ich wusste, dass ihr das so nicht stehen lassen konntet und ich war mir sicher, dass ihr hier herkommen würdet...“
„Was machst du hier, Wenzel?“, brüllte sie und er beantwortete es bereitwillig, unwissend, dass sie ihn gar nicht verstehen konnte. „Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich Hermes niedergeschlagen habe...“
„Und warum bist du so angezogen?“, unterbrach sie ihn erneut lautstark.
Er fing an zu begreifen, „Hast du dir etwa mal wieder nicht die Ohren zugehalten?“
Ohne ihn zu hören, verstand sie, dass er sie durchschaute, jetzt war es an der Zeit für einen guten Bluff. „Ich will bloß das Puzzle zusammenfügen.“, sagte sie etwas leiser.
„Na gut, als Hermes eines auf den Kopf bekam, musste er natürlich Fehler machen. Ich bereue meine Mitschuld an eurer Misere, wo wir doch mal Freunde waren.“
„Kein Ding!“, riet sie und er erzählte weiter, „Ich habe euch ein Gefährt besorgt“, trat er zur Seite und deutete auf ein motorisiertes Kanu, „Damit sollten wir quitt sein!“
„Sauber!“, schrie sie. „Aber ich möchte euch um etwas bitten. Ich will nicht, dass Toni was passiert, deswegen habe ich mich freiwillig für die erste Angriffswelle gemeldet. Sagt ihr bitte, das ich berechtigt bin, mit Elysium zu verhandeln und das ich sie... dass ich sie...“
„Klaro!“, unterbrach sie ihn wieder und sie wollten sich gerade ins Kanu setzen, da hielt Wenzel Goaler am Arm fest.
„Eines noch: wenn wir uns wiedersehen, werden wir Feinde sein“, „Jaaa, Brokkoli!“
Verwundert sah Wenzel sie an, dann deutete er an, los zu müssen und rannte fort.
Sie setzten sich, Goaler startete den Motor und dann fuhren sie mit einem Affenzahn los.


Drei Meilen vor Elysium fing der Motor an, zu stottern. Das Stottern paarte sich mehr und mehr mit metallischem Krach und dann fiel er gänzlich aus. Sie konnten die Türme der Stadt im Mondschein funkeln sehen, als sie Paddel aus dem Bootsinventar auspackten und zu rudern begannen. Der Anblick war prächtig, die organische Verbindung von elfenbeinfarbener Architektur mit kristallblauen Gläsern sowie hängenden Gärten schien nicht von dieser Welt zu sein und vermittelte einen Eindruck von „der guten, alten Zeit“, als Deponia noch keine einzige Müllkippe war. Die Tatsache, dass hier Unmengen an totem Meeresgetier an der Wasseroberfläche trieben, bildete einen schaurigen Kontrast dazu und je näher sie der Stadt kamen, desto mehr Kadaver tummelten sich im Ozean.
„Ekelhaft, der Gestank ist kaum auszuhalten!“, sagte er, als er mit seinem Ruder durch ein dutzend Schrottkrabben glitt und rümpfte die Nase. Sie, die langsam wieder etwas verstehen konnte, entgegnete nur, dass das wohl normal sei, wenn man mit Dynamit fischt. Auf die Frage, wann sie denn mit Dynamit gefischt habe, tat sie wieder so, als könne sie nichts hören.
Der Erschöpfung nahe erreichten sie schließlich die einstmals fliegende Stadt. Der untere Teil war völlig in Deponia eingeschlagen, sodass nun die mittleren Promenaden als eine Art Hafen um die Stadt herum fungierten. Es dauerte nicht lange, da bemerkte ein Organon-Soldat das kleine Kanu.
„Halt, wer da?“, brüllte er mit erhobener Waffe. Goaler legte die Hände auf ihre Schultern, und gab ihr zu verstehen, sie solle sitzen bleiben, dann stand er auf.
„Wie Sie sehen können, bin ich Elysianer“, präsentierte er sich mit erhobenen Händen, „Ich erbitte Einlass!“
Zu dem einen Organon hatten sich weitere Soldaten hinzugesellt und hinter ihnen trat auf einmal eine junge Frau nach vorne.
„Sie sind kein Elysianer, der mir bekannt wäre!“, sagte die junge Frau und nahm eine Zigarette aus dem Mund.
Rufina musterte sie. Sie hatte einen blauen Overall mit dunkelblauen Stiefeln an, darüber eine orangene Warnweste. Ihre linke Hand war auf ihre Hüfte gestemmt, die Rechte mit der Zigarette erhoben. Sie hatte eine schlanke Taille, aber eine breite Hüfte, starke Beine und eine beachtliche Oberweite. „Moment mal, das ist doch der Hintern, wegen dem ich damals mit ihr zusammengekommen bin!“, sagte sie, Goaler dabei noch verwirrt und eifersüchtig zugleich machend. Der Blick wanderte zu ihrem Gesicht. Zu einem Zopf zusammengebundene, blonde Locken betonten das schöne, aber von Stress gezeichnete Gesicht mit Sommersprossen.
„Toni!“, sprang sie auf, ihn fast aus dem Gleichgewicht bringend.
„Rufus?“, hob die Frau eine Augenbraue und ließ die Zigarette fallen, „Nein, nicht Rufus... aber irgendwie schon -“
„Ich würde ja gerne länger plaudern, aber ich fürchte, dafür haben wir weder die Zeit, noch willst du es dir anhören.“ Toni runzelte die Stirn, der Rest ihres Gesichts blieb skeptisch, also fuhr Rufina fort, „Wir haben einiges durchgemacht – du hast wegen mir einiges durchgemacht und es tut mir leid, wenn dir das Unannehmlichkeiten wie Verbrennungen, Nachbarschaftskriege und Psychoterror bereitet hat.“ Tonis andere Augenbraue ging ebenfalls hoch. „Ich will dich nicht zurück, ich will nicht, dass du mich zurücknimmst, aber wir brauchen deine Hilfe; dringend!“
„Na gut“, sie wies die Organon an, die Beiden aus dem Wasser zu fischen.
Noch während sie sich an die Seile hingen, blickte Rufina zu Toni auf und grinste sie an, „Alles wieder gut?“
Toni sah sie ernst an. „Es wird nie wieder gut sein“ und drehte sich von dem Rand der Ebene ab, sodass sie aus Rufinas und Goalers Blickwinkel verschwand. Schließlich rief sie laut: „Aber es ist ein Anfang!“

Während Goaler ein seltsames Gefühl beschlich, so viele Organon um sich herum zu haben, in seiner Heimat wohlgemerkt, baute sich Rufina stolz und prahlerisch vor Toni auf, die Beine weit auseinander stehend, die Hände auf die Taille gelegt. „Du hast dich... verändert.“, bemerkte diese trocken und abweisend. „Danke, du dich kein Bisschen – trotzdem schön, dass du da bist.“
Das Letzte Mal, als Rufus so etwas gesagt hatte, nahm Toni ihre Zigarette aus dem Mund, blickte grimmig drein und fauchte: „Verpiss dich!“ Dieses Mal aber zeichnete sich für ein Augenzwinkern lang ein kaum sichtbares Lächeln ab, das zu sehen, warum auch immer, Rufina glücklich machte.
Goaler schob sie jedoch zur Seite. „Wir haben andere Probleme. Argus hat den Widerstand übernommen und wird Elysium bald belagern.“
„Moment, was? Argus? Mein Widerstand?“, wollte Toni wissen. „Was habt ihr denn erwartet? Ihr wolltet Elysium ja schon sprengen. Der heutige Widerstand folgt offensichtlich jedem“, Rufina wirkte ungewohnt streng.
„Aber deshalb sind wir nicht hier, wir wollen Ares sprechen“, unterband er die elektrisierte Stimmung zwischen den Beiden. „Wieso das? Der verrückte alte Mann kennt sich nicht mit plastischer Chirurgie aus.“
„Es geht auch um unsere Erinnerungen“, betonte er. „Na gut, 279!“, ein Organon stand stramm, als seine Nummer genannt wurde, „Bringen Sie diese Leute zu Ares. Ich muss Pläne zur Verteidigung erstellen.“ Toni steckte ihre Zigarette zurück in ihren Mund und drehte sich von ihnen weg.
Der Soldat wollte sie gerade 'abführen', da wandte Rufina sich ein letztes Mal an Toni: „Warte“, Toni drehte sich genervt zu ihr, „wir haben Wenzel getroffen. Er sagte, er sei bevollmächtigt, in Argus' Namen Verhandlungen mit dir zu führen – du musst einen schweren Einfluss auf ihn ausgeübt haben!“
„Tja, so scheint es“, sagte sie und blickte nachdenklich auf den Boden.
„Was ist damals zwischen euch beiden passiert?“, schreckte sie sie aus ihren Gedanken, doch bevor sie antworten konnte, hatte Goaler sie schon weitergezogen. „Ist es OK für dich, dass wir in dein altes Haus gezogen sind?“, rief Rufina ihr noch zu, doch sie winkte schon genervt ab.

Der Organon eskortierte sie an einer Wand mit gotischem Eingang vorbei, vor dem zwei andere Soldaten standen. Sie hatten die Arme verschränkt und lehnten an der Wand. Goaler erkannte das Gebäude wieder. An der hohen Decke des Bogens konnte man noch immer Ruß erkennen. Hier war vor einiger Zeit Goal eingetreten, nachdem Cletus, als Rufus verkleidet, sie zu sich gebeten hatte. Hier hatte ihr ehemaliger Verlobter verzweifelt versucht, eine Maschine zu bauen, mit der Elysium nach Utopia gelangen sollte.
Cletus war gescheitert, ein Blitz ging durch sie und sie wurde durch die Zeit zurück geschickt, bis sie schließlich nach Rufus' Geburt auf Deponia strandete. Jedoch war es das nicht, was Goaler beim Anblick dieses Ortes beschäftigte. Er musste daran denken, dass Cletus in diesem Moment von einem Stahlträger getroffen worden war und dass sie ihn im Moment seines Todes beschimpft hatte. Als sie es jedoch begriff, schlitterte sie bereits in der Zeit zurück.
Ihm wurde klar, dass er bis jetzt keinen anständigen Gedanken an den Mann verschwendet hatte, den sie immerhin heiraten wollte, bevor sie Rufus traf. Und ihm wurde klar, dass die Bitterkeit seitdem nie aus ihr bzw. jetzt ihm gewichen war. Er war so resigniert, dass er kaum bis gar keine Rücksicht auf Andere nahm. Er war sogar immer noch bereit, im Zweifel für seine Ziele, die er nicht einmal genau definieren konnte, zu töten. Als Goal wollte er einst sogar Deponia sprengen, damit Elysium nach Utopia gelangen konnte.
Weil er kurz inne gehalten hatte, stieß Rufina im Gehen in seinen Rücken. Sie bemerkte, dass ihn etwas beschäftigen musste und legte ihre Hand auf seine Schulter. Er drehte sich zu ihr und sie lächelte ihn an. Hast du mich wirklich verdient?, zweifelte Goaler an sich. Er erinnerte sich wieder an den Traum, in dem er auf Utopia war. War es sein Gewissen gewesen, das ihn angewiesen hatte, sich um seine große Liebe zu kümmern und auf sie aufzupassen?
Schlagartig wurde ihm bewusst, dass er sich bis jetzt mehr in Selbstmitleid gesuhlt hatte, nicht wirklich von Empathie gequält wurde und eine kleine, idealistische Stimme wurde wieder stärker in ihm.
„Worauf warten Sie?“, riss die nörgelnde Stimme des Organon ihn aus seinem inneren Zwist. Seine Entschlossenheit gewann wieder die Oberhand, löste die, sich jagenden, Gedanken ab und er redete sich ein, dass sie jetzt so weit gekommen waren, dass sie jetzt nicht mehr umkehren dürften.
„Auf nichts!“, antwortete er und sie gingen weiter.

Elysium verfügte nicht nur über den großen, diamantförmigen Teil, der das Zentrum bildete, sondern auch noch über zwei Nebeninseln, welche zuvor um die Stadt herum schwebten. Kleinere Gebäude und Türme befanden sich auf diesen tellerartigen Gebilden, die sie wie umgedrehte Kronleuchter aussehen ließen. Nach der Landung waren es wortwörtlich Inseln geworden, über riesige, begehbare Taue verbunden mit der Hauptinsel. Nachdem der Organon sie durch einen dieser Zugänge geführt hatte, waren sie auf einer der kleineren Inseln angekommen.
Zu Rufinas Überraschen war die Oberfläche hier, zwischen den Gebäuden, von golfrasenartigem, grünem Gras bedeckt. Sie wurden zwischen die Gebäude geführt , die wie die Verzweigungen einer Schneeflocke um einen großen, zentralen Platz angeordnet waren. Auf diesem Platz stand ein kleines Haus, welches wie die Häuser in Kuvaq aus Schrott erbaut worden war, der perfekte Platz für einen Einsiedler – oder das Gegenteil?
Beim Anblick des Hauses, welches kleiner als Tonis alter Laden war, stockte Rufina der Atem. Erst jetzt realisierte sie, dass sie auf Elysium war, sie, Rufus! Und noch mehr erschreckte sie... dass es ihr egal war. Sie blickte zu Goaler und ergriff seine Hand. Konfus drehte er sich zu ihr um und sie lächelte ihn an. Diese Geste fast völlig ignorierend stieß er die Türe auf. Der Organon stellte sich neben den Eingang und deutete an, hier zu warten.
Im Haus war eine bucklige Gestalt dabei, die Unordnung tausender Gläser und Bücher, die bei der Landung aus den provisorischen Regalen gefallen waren, zu beseitigen. Er hatte schmutzige Kleidung an, mehr Stofffetzen als echte Textilien. Grunzend wühlte er mit seinen dürren, dreckigen Armen in dem Chaos, da bemerkte er dass Licht durch die Tür eindrang.
Ruckartig drehte sich der bucklige Mann zu ihnen hin und ein unsagbar hässliches Gesicht blickte sie mit offenem Unterbiss und weiten Glubschaugen an. Eingerahmt wurde der ohrlose Kopf von verfilzten, langen, grauen Haaren und Rufina erschrak, hielt sie Hermes nun für gutaussehend im Vergleich mit dem schnaufenden Etwas vor sich.
„Woher kennst du den denn?“, flüsterte sie Goaler zu. „Der Mann ist eine Legende! Er hat die Datasetten erfunden, ist damit reich geworden. Aber als er mit dem Erfolg nicht klar kam, hat er sich hier in dieser Hütte zurückgezogen.“
„Er hat euch also diese Dinger angedreht und sich dann an den einzigen Ort in Elysium zurückgezogen, wo sich keine Datasetten finden!?“
„Ich unterbreche die Jungspunde ja nur ungerne“, unterbrach der Alte das Geflüster, „aber ich habe mich nicht vor meiner Schöpfung versteckt!“
Er deutete auf die zerbrochenen Glasbehälter um sich herum, „Ich stehe mitten in den Scherben meiner Arbeit!“
Wälzend bewegte er sich zu einem Regal und holte eine Schatulle heraus. Er öffnete sie und Polsterwolle kam zum Vorschein. Nach einigem Gewühle traten eine Hand voll Glasstifte mit verschiedenfarbiger Flüssigkeit, je einem Knopf an der einen und einer Schnittstelle an der anderen Seite hervor.
Während er sie hochhielt, deutete er auf die verschiedenen Farben: „Die Roten speichern Erinnerungen, die Blauen zeichnen die Persönlichkeit auf.“
„Ja klar“, drängte Rufina sich in den Vordergrund, „Warum nehmen wir nicht ein völlig überflüssiges System, das empfindlich ist und Leuten gegen jede Vernunft in den Kopf transplantiert wird und ersetzen doch einfach Metall und Plastik durch Glas!?“
Sie machte eine wegwerfende Geste nach hinten und verschränkte dann die Arme, was er mit einer abweisenden Geste konterte.
„Das neue System besteht zu großen Anteilen aus Panzerglas und die Gelatine darin ist praktisch störungsfrei. Das Beste ist aber: man kann sie raus nehmen, ohne die Persönlichkeit vom Körper zu trennen! Diese Dinger zeichnen tatsächlich nur auf!“
Goaler stupste sie an und sie trat einen Schritt vor. Die Nase rümpfend gestand sie ein: „Na gut, wir haben da ein Problem und du wirst uns helfen!“
Er legte die Glasstäbchen wieder in die Schatulle und wühlte weiter, „Ich verstehe nichts von Chirurgie!“
In stillem Erschrecken blickten sie sich an und er fuhr fort. „Es ist nicht schwer zu erkennen, dass du eigentlich ein Junge sein müsstest und du ein Mädchen – das hat mein Bruder verbockt, richtig?“
„Das ist tatsächlich wahr, aber nicht unser Anliegen...“, wollte Goaler das Gespräch wieder anstoßen. „Du warst die junge Elysianerin, der ich mein letztes Mark 1 Implantat eingebaut hatte, oder?“
Goaler ignorierte diese Anfrage, sprang hinter Rufina und kramte eine Datasette aus einer der Rucksacktaschen. „Es wurde notwendig, dass er Teile seines Gehirns in meine Datasette übertrug. Er musste aber seine Persönlichkeit mitübertragen...“
„Ich verstehe, du hattest einen Stromschlag, nicht wahr?“, grinste er ihn an, „Eine typische Schwäche des alten Systems.“ Dann ging er an einen Schreibtisch und packte eine Apparatur aus. Er riss die Datasette aus Goalers Hand, „Das ist wahrscheinlich das Backup“ und legte sie in die Schnittstelle der Apparatur. Bunte Lampen leuchteten auf, Piepser waren zu vernehmen.
„Und weil die Persönlichkeiten auf dieser Datasette sich zu lange aneinander gewöhnt hatten, wurden sie bei der stümperhaften Trennung so zerrissen, dass ihr keinerlei Erinnerungen an den Anderen habt, aber die Erinnerungen des jeweils anderen, die euch betrafen, wurden auf euch übertragen, richtig geraten?“
Sie waren überrascht, wie schnell dieses optische Wrack begriff. „Dann ist es wohl sehr schwer, die Persönlichkeiten auf dieser Datasette zu trennen?“
Er wirkte ungehalten, als hätten sie ihm das Vertrauen entzogen. „Für einen Versager wie meinen Bruder vielleicht, aber für mich ist es ein Klacks – erst recht mit den Datasetten Mark 2!“
„Ich habe einige Bedenken“, gab Goaler zu verstehen, „Wir wollen hier den doppelten Inhalt einer Datasette auf vier Module übertragen. Was ist, wenn da etwas durcheinander gerät?“ Seine Bedenken waren begründet, würde Rufina sich doch nie einen Datasettenschlitz einbauen lassen und sich der Klonprozess somit später im Falle einer Verwechslung nicht mehr umkehren lassen.
„Diese Stäbchen werden mit meinen patentierten Clips verbunden!“ Er fügte sie mithilfe eines simplen steckbaren Plastiksystems mit seitlicher Sichtscheibe zusammen und grinste.
„Wir können anfangen“, erhob er seinen Zeigefinger.
„Wird sie bei den Prozess zerstört?“, fragte Rufina.
„Die Datasette wird dabei zerstört und nein, ich werde keine weitere Sicherheitskopie anfertigen. Kopien von Kopien zu erstellen, das ist die Schundarbeit meines werten Bruders!“
Sie schluckten beide und Goaler redete mit Frosch im Hals: „Dann brauchen wir noch einen Moment!“

Goaler saß auf einem Stuhl unter einem Dachfenster, welches Mondlicht in den Raum dringen ließ, als Rufina vor ihm kniete und ihm ernst ins Gesicht sah. „Bereit?“
Er lächelte sie an und nickte, dann drückte sie auf seine Schläfe. Mit einem Klack trat die Datasette aus und er fiel bewusstlos nach vorne. sie drückte gegen seine Brust, damit er nicht nach vorne stürzte, dann griff sie die Datasette an seinem hängenden Kopf und legte die Andere ein. Mit einem Piepsen erlangte sein Körper wieder ein Bewusstsein.
„Wo bin ich?“, fragte er mit femininer Stimme und sie antwortete: „Bei Ares.“
„Warum sind wir hier?“, fragte er mit nun maskuliner Stimme. „Wir wollen eure Bewusstseine trennen, dieses Mal richtig, damit die Erinnerungen besser übertragen werden können und keine Falschübertragung eintritt.“
„Warum kniest du dann noch so blöde vor mir?“, wollte die männlichere Stimme wissen. „Weil diese Datasette dabei zerstört wird und die neuen Datasetten nicht mehr in deinen Port passen!“
„Du meinst, wir könnten nicht mehr zurück und wären für immer getrennt?“, fragte die weiblichere Stimme, obschon es nur eine rhetorische Frage war. „Ja.“
„Ich muss zugeben, auch wenn ich es am Anfang nicht wollte, habe ich mich trotzdem daran gewöhnt, so eng mit dir zusammen zu sein“, fuhr die weibliche Stimme fort und die Männliche pflichtete bei, „Ich auch.“
Er blickte zu Boden, um entschlossen wieder aufzublicken. „Es war eine Schöne Zeit“, sagte eine undefinierbare Stimme, „aber es muss sein! Lasst uns keine Zeit verschwenden, sonst überlegen wir es uns noch anders!“ Sie nickte ihm zu.
„Wo sind wir hier eigentlich?“, wollte die männliche Stimme noch wissen. „Auf Elysium – auf Deponia!“, antwortete sie.
Die maskuline Stimme wurde unruhig, „Ich will es sehen!“ „Dafür haben wir keine Zeit, Elysium ist gerade gelandet, aber der Widerstand steht kurz davor, die Stadt einzukesseln!“
er hob seine Hand, doch die andere Hand legte sich auf sie und bettete sie in seinem Schoß. „Glaub' mir“, sagte Rufina, „du wirst hier nie wieder hinkommen können. Wenn du es jetzt siehst, wirst du dem hier wieder für den Rest deines Lebens nachtrauern.“
Sie legte ihre Hände auf seine Schultern, er senkte den Kopf und willigte ein. Ohne lange zu warten, drückte sie auf seine Schläfe und tausche die Datasetten zurück.
Ares hatte bereits einige Apparaturen aufgebaut und bat die Beiden, vor der Türe zu warten, weil „der Künstler bei der Arbeit nicht gestört werden will!“
Kaum hatten sie das Haus verlassen, hörten sie auch schon Gepiepse, Geklakker und das Geräusch einer Mikrofusionssäge.
Sie hatten sich bei dem Organon neben der Tür an die Wand gelehnt, sagten nichts und beobachteten den Mond beim Untergehen, da ging auch schon die Türe auf und Ares bat sie hinein. Auf dem Tisch neben den Apparaturen lagen zwei der neuen Datasetten und Goaler stürzte darauf zu. „Woher sollen wir wissen, wer wer ist!?“
Ares stieß ihn beiseite, nahm beide Datasetten und steckte eine in einen der Schlitze der Apparaturen. Ein rosanes Licht leuchtete auf, er nahm sie heraus und schrieb 'Mädchen' darauf. Bei der anderen Datasette blinkte das Licht blau, das war Rufus.
„Und das hat auch wirklich funktioniert?“, wollte Rufina wissen. Er prustete aus und gab ihnen zu verstehen, zu verschwinden. Goaler packte die Datasetten tief in seinen Rucksack, dann schulterten sie beide ihre jeweiligen Rucksäcke.
„Ach ja, das müsst ihr noch mitnehmen“, er streckte ihnen seine Hand mit einer Datasette entgegen, „Das sind die Pläne, die mein Bruder brauchen wird, damit er den neuen Datasettenschlitz nachbauen kann!“ Goaler nahm die Datasette an sich und blickte darauf. Eine Allzweck-Datasette, zu mehr als einfachen Datenträgern taugen die wohl nicht mehr...
Sie wollten gerade hinausgehen, da rief er ihnen nach: „Ach und könntet ihr Hermes etwas sagen?“ Sie drehten sich um, „Das mit seinem Kopf tut mir mittlerweile leid!“ Sie nickten synchron, dann gingen sie heraus.

Als sie wieder an die Stelle geleitet wurden, an der sie angelegt hatten, musste sich Goaler geradezu dazu zwingen, nicht zu bleiben und in Erinnerungen zu verweilen. Von hier war Goal aufgebrochen, hierher war sie mit Cletus zurückgekehrt. Hier war Cletus gestorben und sie in der Zeit zurück gestürzt. Und hierher würde er wahrscheinlich nie, nie wieder zurückkehren können...
An der Anlegestelle war Toni im Morgengrauen damit beschäftigt, die Verteidigung zu organisieren. Sie war zu beschäftigt, um sich zu verabschieden und für einen wehen Moment blickte Rufina ihr nach. Dann kletterten sie zu ihrem Kanu, doch plötzlich schrie eine tiefe Männerstimme von oben. „Wartet!“, rief eine stämmige Gestalt ihnen zu.
Ein bärtiger Kopf mit einer Hakennase und einer Müllsammlerkappe lugte über den Rand zu ihnen, dann kletterte eine breite Gestalt herunter und ließ sich schwer in das Wellen schlagende Kanu fallen. Die Figur hatte ihren krausen Bart unter einen ärmellosen Staubmantel gesteckt, der mehrfach geflickt worden war und aus dem die langen Ärmel eines dunkelgrünen Pullovers herausragten. Eine Funkanlage war mit zwei Gurten auf seinen Rücken geschnallt.
Rufina drehte sich zu ihm um und erkannte ihn als „Bozo!“
„Ich komme mit“, schnauzte er, „wenn ich noch eine Diavorstellung mit meinen Babybildern anschauen muss, reiße ich mir die Haare aus!“
„Aber hier ist nicht nur deine Familie, sondern auch deine Freundin“, bemerkte Goaler.
„Ist mir egal, die machen mich verrückt – allesamt! Mit ihren Demütigungen, den Beleidigungen von Opa und dem anderen Mist. Ich habe fertig!“
Rufina sah ihn schräg an, „Sag mal, wunderst du dich eigentlich nicht?“
„Dass ihr so ausseht, wie ihr ausseht?“, blickte er sich um, dann zuckte er mit den breiten Schultern, „Ist bei euch doch nichts Besonderes. Ihr habt euch echt verdient!“
„Nagut“, sagte Goaler und Rufina beendete mit erhobenem Ruder den Satz: „Auf zum Schwimmenden Schwarzmarkt!“
Sie drehte sich zu ihm um und drückte ihm das Ruder in die Hand. „Du ruderst!“, grinste sie, als ein Schnaufen hinter Bozo ertönte, da Goaler die selbe Idee, nur etwas später gehabt hatte. Bozo willigte ein und sie paddelten wieder los.
Als sie die Stadt umrundet hatten, konnten sie am Horizont im Norden bereits die ersten Schiffe erkennen. Schweren Herzens zogen sie weiter, begleitet mit dem Widerhall „Da kommen sie, auf geht’s, Männer!“ von Toni.


Am späten Morgen erreichten sie den Schwimmenden Schwarzmarkt – und das nicht zu früh, denn auf hoher See hatten sie bereits ihr letztes Trinkwasser aufgebraucht. Eine langgestreckte Ansammlung von Schiffskörpern breitete sich vor ihnen aus, auf denen verschiedene Elemente angebracht waren. In der Peripherie befanden sich weniger ansehnliche Schiffe. Industrie, Halden, schlecht gepflegte Häfen waren hier aufgebaut. Die Mitte wurde von Wohngebäuden gebildet, welche sich um einen zentralen Marktplatz sammelten. Die Wohngebäude hatten zumeist gelbe Wände und rote Dächer. Der Baustil wirkte mit vielen Bögen und Arkaden romanisch. Über den allgemeinen Wohnvierteln thronte ein großes Boot mit einem Turm, worauf edlere Gebäude gesetzt schienen, in welchen die Oberschicht dieses Ortes wohnte. Und alles war durchsetzt von grünen oder gelben Werbetafeln – trinkt Plörre, Docs Werkstadt und wählt Seagull, konnte man darauf lesen.
Seagull, dachte Rufina und rümpfte die Nase. Ihr Ziehvater hatte Rufus damals auf Deponia zurückgelassen und wollte nach Elysium, in der Oberstadt Belle Vue fand er ihn dann wieder. Dieser Kerl hatte ihn zurückgelassen und fühlte sich nicht einmal schuldig, dann versuchte er ihm Goal auszuspannen – insgeheim. Damit er sie an den Organon verkaufen konnte. Sie schüttelte den Kopf. Das war Vergangenheit. Seagull, der ihm in Zeiten schlimmster Not gesagt hatte, nicht sein echter Vater zu sein, war nun tot und damit war auch seine üble Art von dieser Welt getilgt. Dennoch vermisste sie die Zeiten, in denen er sich noch liebevoll mit seiner Frau um den kleinen Rufus gekümmert hatte.
Der laute Rumms, den das Kanu am Pier erzeugte, holte sie endgültig aus ihren Gedanken.
Sie blickte auf. Ein Fischer saß auf dem Holzpier, der von luftgefüllten Eisenfässern über Wasser gehalten wurde. Er hatte es sich in einem Sessel bequem gemacht und starrte konzentriert auf das Wasser, in das er seine Rute ausgeworfen hatte.
Laut holpernd sprang sie aus dem Kanu, das dabei fast kenterte und schrie den Fischer mit offenen Armen an: „Haaaaaaaaaaalloooooooooooooow!“
Der Fischer zuckte zusammen, alle Fische machten sich aus dem Staub, er drehte den Kopf langsam zu ihr, dabei Mund und Augen immer größer werdend. „Nein, nicht du! Und auch noch eine Oktave höher... bitte, bitte, mach dass du wieder wegkommst!“
„Na, wie geht’s, alte Rostlaube?“, grinste sie ihn mit unverminderter Lautstärke an, während sie ihm so fest auf die Schulter klopfte, dass seine Köderbox ins Wasser fiel.
Der Fischer fing fast zu weinen an, als Bozo gerade Goaler auf den Steg half. Dieser ging forschen Schrittes auf Rufina zu, nahm im Vorbeilaufen ihr Ohrläppchen und zog sie schmerzhaft hinter sich her mit den Worten „Dafür haben wir jetzt keine Zeit“.
Er zog sie durch das Eingangsportal und sie standen vor einer Art Hubschrauber-Landeplattform. Die Plattform war über Stege und Planken mit der Umgebung verbunden und führte geradewegs zu einem kleinen, lila angestrichenen Schuppen, auf dem ein Stromgenerator knatterte. „Gullivers Gully“ stand auf dem Schild neben dem Eingang und Rufina watschelte mit den Worten „Schpelunkäh!“ darauf zu. „Nein, wir haben keine Zeit zu vertrödeln, wir müssen einen Weg nach Porta Fisco finden!“, stoppte Goaler sie.
Bozo, der ihnen hinterher getrottet war, sagte, er habe eine Idee und führte sie, über Klein Venedig, von wo Goal einmal in Donnas Körper ein U-Boot gestohlen hatte, das eine klaffende Lücke zurückließ, zu dem Haus seiner Freundin Bambina. Es war ein in den Farben Rosa, Blau und Metallic gehaltener Verbund aus einem Hausboot und diversen Schwimmkörpern, die den großen Anbau über Wasser hielten. Gut ausgestattet mit Kanonen und einem zusammengesetzten Totenschädel mit rot leuchtenden Augen an der Eingangstür hieß die Hütte sie willkommen. „Ich bereite hier alles vor, ihr müsst aber einen Seitenschneider aus Docs Labor besorgen!“, wies er sie überraschend selbstbewusst an.
„Schlägst du gerade vor, wir sollen bei Doc einbrechen und klauen?“, funkelte sie ihn an.
„Nein, Doc ist auf Elysium und hat seine Praxis aufgegeben, wir leihen uns nur etwas Ausrüstung“, knallte Bozo die Türe vor ihrer Nase zu.

Etwas verwundert bogen sie um die nächste Ecke und befanden sich bereits im Industriegebiet. Docs Werkstatt war sehr prägnant, es war das Gebäude mit der größten Werbetafel. Das Hausboot war auf einer auf Schwimmkörpern lagernden Plattform aufgesetzt. Links führte ein dunkler Gang zu einer Treppe, die auf einer Art Terrasse endete. Die Terrasse wiederum führte über die Front des Gebäudes, am Wirrwarr eines Rohrkamins vorbei und endete in einem Platz mit einer Art Ruhezone, genauer: einem Gartenstuhl. Rechts neben dem Gang nach oben war ein großer, bronzen leuchtender Ofen, der zu dem Rohrsystem gehörte. Ein Feuerschnabeltier hatte sich zwischen Kamin und Gang eingenistet und fauchte sie an, als sie rechts am Kamin vorbei gingen. Sie schritten durch eine Tür, die den öffentlichen Bereich des Hauses von dem dahinter liegenden Innenhof trennte. Dieser Innenhof war im Grunde das Negativ des von vorne zu sehenden Gebäudes, in welchem einfach nur einige Regale, Öfen und Krimskrams gelagert wurden. Docs eigentliche Praxis war ein Bereich unter Wasser, aber dort wollten sie noch nicht hin. Rufina stürzte sich in den nächstbesten Haufen Unrat und wühlte darin herum. „Seitenschneider, wo finde ich hier einen Seitenschneider?“
Goaler packte einen Seitenschneider, der auf einer Durchreiche, rechts im Raum lag und hielt ihn hoch, „Wie wäre es mit dem hier?“
„Jjjjoa, das war einfach!“, entgegnete sie, als sie sich etwas Öl von dem Fingern zu wischen versuchte.
Sie gingen zurück zu Bozo und klopften an der Türe. Der Totenschädel daran leuchtete mit den roten Augen, als Bozo schrie: „Was?“
„Wir haben den Seitenschneider, würdest du uns jetzt bitte verraten“, rief Goaler durch die noch geschlossene Türe, als diese sich öffnete, „was dein Plan ist!?“

Bozos Plan war tatsächlich untypisch für ihn. Er wollte Bambis Hausboot abkoppeln und auf dem Mehlstrom sich nach Porta Fisco treiben lassen. Dazu sollten sie mit dem Seitenschneider ein Stahlseil unterhalb der Veranda des Hausbootes durchtrennen. Zunächst legten sie die Rucksäcke in Bozos neuer Wohnung ab, aber aus einer nicht näher definierbaren Ahnung nahm Goaler die Datasetten heraus und ließ Rufina sie in ihrem Mantel deponieren.
Sie sahen sich das Kabel an: es lag an einer ungünstigen Stelle, gut sichtbar von der Sonne beleuchtet, aber etwa 2 Meter unterhalb der begehbaren Fläche. Es gab nichts, an dem man sich dort hätte festhalten können und Schwimmen schied auch aus, da das Wasser von einer undefinierbaren Ölschicht bedeckt war, in die keiner von ihnen auch nur den großen Zeh gesteckt hätte.
„Ich komme dran!“, stach Rufina hervor und die beiden Anderen blickten sie ungläubig an.
„Wie?“, wollte Bozo wissen. „Ich lege mich hier auf den Boden, während Goaler mich festhält. Dann rutsche ich langsam herunter und stoppe, wenn ich tief genug bin. Bozo stellt sich derweil dort unten hin und hält das Boot fest, damit es nicht ohne uns abtreibt.“
„Das klingt erschreckend wenig destruktiv für dich“, befürchtete Bozo, doch nach einem strengen Blick von ihr ging er murrend nach unten und gab sein OK.
Sie legte sich mit dem Rücken auf den kalten Metallboden. Sie zog ihre Schutzbrille von ihrer Lederkappe über die Augen und deutete mit dem Daumen hoch zu Goaler. Der drückte seine Hände auf ihre Beine und sie fing an, mit schlängelnden Bewegungen, mit dem Seitenschneider in der Hand, über den Abgrund zu kriechen.
Als sie die Knie bog und kopfüber über dem Stahlseil hing, ging ein Ruck durch sie und Goaler musste sie fest packen, damit sie ihm nicht entglitt. „Ich hab' dich!“, versicherte er ihr.
„Aber ich komme nicht ran, du musst mich weiter runter lassen!“, rief sie ihm zu. Vorsichtig und angespannt, ließ er sie noch weiter herunter gleiten und lag schließlich auf seiner Brust, die Arme über den Abgrund hängend, die Hände an ihren Fußknöcheln.
„Jetzt komme ich ran“, sagte sie. Ihr Kopf wurde langsam rot und ihre Haare hingen nach unten von ihrem Kopf herunter, sodass sie fast die giftige Brühe im Wasser berührten. Sie streckte sich und positionierte den Seitenschneider, sodass nur noch ein leichter Kraftaufwand fehlte, das überraschend starke Stahlseil zu durchschneiden. „Alles bereit? Jetzt geht’s los!“, sagte sie und schnitt durch den Stahl, woraufhin dieser sich zertrennte und in zwei Richtungen zischend davonschoss.
Ein Ruck ging durch sie, aber er war zu stark, als dass er nur der Entkopplung eines Schiffes geschuldet war, er war so stark, dass Goaler kurzzeitig das Gleichgewicht verlor und wild mit den Beinen wedelnd um Halt kämpfen musste. Bozo wiederum wurde zwar nicht durchgeschüttelt, aber dem starken Mann flutschte die Stelle des Schwimmenden Schwarzmarktes, die er eben noch festhielt, wie Butter durch die Finger. „Was zum?“, sagte er.
Rufina allerdings schien plötzlich ganz andere Probleme zu haben. In wilder Panik zappelte sie mit den Füßen und fuhr mit den Armen orientierungslos umher, wobei sie den Seitenschneider losließ und dieser zischend ins Wasser stürzte, was die Angst nicht dämpfte.
„Was ist denn mit dir los?“, wollte der beanspruchte Goaler wissen, aber sie kreischte nur: „Du darfst mich nicht fallen lassen. Bitte, bitte lass mich nicht fallen um Alles auf der Welt!“
Sie wand sich und alles drehte sich vor ihren im Tränenwasser schwimmenden Augen.
„Ich hab' dich, mach es mir doch nicht so schwer!“, keuchte er in einem verzweifelten Versuch, sie zu beruhigen.
Auf einmal hatte Goaler selbst ein Problem: das Bild von Goal aus der Perspektive eines Fallenden, wie das Bild von ihr immer kleiner wurde, stetig durch einen rotierenden Propeller unterbrochen. Angst, elementare Angst und Wut über einen Verlust, der nicht ihrer war, kamen in ihm auf und noch ehe er die Bilder zuordnen konnte, griff er ihre Beine felsenfest.
Die verlor gerade langsam ihre Kräfte. „I... ich darf nicht fallen. Alles wird sinnlos... ich... ich sterbe, wenn ich fall...“, wurde sie besinnungslos und dann ohnmächtig.
Mit sichtlicher Mühe rappelte Goaler sich auf und zog sie behutsam wieder nach oben
Sie hing schlaff herunter und er musste vorsichtig und vorgehen, um ihr nichts zu brechen. Zum Schluss legte er ihren Kopf sanft auf den Boden.

Goaler kniete neben Rufina. Geistesgegenwärtig fühlte er ihren Puls. Ruhig, aber regelmäßig. Dann erinnerte er sich an die Bilder, die nicht seine Erinnerungen waren und es überkam ihn das unstillbare Bedürfnis, seine Lippen gegen den Mund in ihrem runden, bewusstlosen Gesicht zu pressen. Er erlebte einen eigenartigen, geradezu kindlichen Kuss, ihre Lippen lagen beinahe teilnahmslos aufeinander, kein Tanz, kein Spiel, nur ein leichter Unterdruck. Und dennoch war er glücklich, als warme Tränen aus seinen Augen liefen und auf ihr Gesicht perlten und er genoss diese seltsame Freude für schier endlose Sekunden, bis sie zaghaft ihre Augen öffnete. Ruckartig löste er sich von ihr und fuhr eine Stirnbreit höher.
„Bin ich tot?“, seufzte sie mit einer eigenartigen Mischung aus Lächeln und Trauermiene und nahm die Schutzbrille wieder nach oben, sodass ihr salziges Wasser über die Wangen lief.
„Nein, nur ein Idiot“, sagte er, als er aufstand und ihr aufhalf, „ein Vollidiot!“
Sie sahen sich um, der Schwimmende Schwarzmarkt schien entkoppelt und trieb von Bozos Position weg. Der stand auf der Veranda und winkte ihnen zu. „Bozo, willst du nicht lieber zu uns kommen?“, rief Goaler ihm zu.
„Nein, ich glaube, ich bin genau da, wo ich sein wollte!“, antwortete er.
„Willst du wirklich hier alleine zurückbleiben?“, fragte Rufina stutzig.
„Eine Auszeit wird mir guttun!“, lächelte er, „Und schon bald werden sich neue Schiffe und neuer Plunder hier anhaften und dann bin ich auch nicht mehr alleine. Aber ich kann etwas Neues gründen!“
Sie standen noch einige Zeit da und winkten einander zu, bis Bozo am Horizont verschwunden war. Als er sich umdrehen wollte, merkte er, wie sie seine Hand hielt. Sie lächelte ihn verliebt an, was ihn merklich rot werden ließ.
Als sie merkte, wie unangenehm ihm das war, sagte sie: „Jetzt, wo wir den Schwimmenden Schwarzmarkt abgekoppelt haben und uns auf einer verrückten Irrfahrt auf mehreren hundert Tonnen Müll befinden, sollten wir uns eine Bleibe suchen, bis wir in Porta Fisco sind.“
„Was schwebt dir denn vor?“, verschwand die Röte aus seinem Gesicht.
„Komm mit!“, zog sie ihn hinter sich her.
Sie liefen gleich um die Ecke auf den großen Marktplatz des Schwimmenden Schwarzmarktes, gingen um das zentral gelegene Loch, das als Schnabeltier-Battaka-Arena ausgebaut worden war, in der die Anwohner ihre Streitigkeiten auf 'zivilisierte' Art und Weise beilegen konnten und nach oben zu einer Art bunter Litfaßsäule mit einem Molchkrokodil als Werbebanner. Vor der Konstruktion waren einige Tische aufgestellt, auf denen aber keine Waren feilgeboten wurden und darüber hing ein als Topfpflanze getarntes Wachkrokodil an einem Lastenkran.
Ein blinder Apotheker mit langem Gesicht, orangerotem Kinnbart und lockigem Haar lehnte in einer runden Aussparung in der Säule. Er blickte trist drein, als er seufzte.
„Na, wie sieht's aus, mein Alter?“, fragte sie frech grinsend.
Der Mann reagierte nicht auf den unsensiblen Witz und antwortete: „Trist und Grau.“
Goaler und Rufina blickten sich verwirrt an, als er fortfuhr, „Alle meine Kunden sind nach Porta Fisco und haben sich dem Widerstand angeschlossen und ich hocke hier. Der Handel ist zusammengebrochen, ich habe keine Drogen mehr, der Schwarzmarkt treibt seit Neuestem ziellos umher und das Schlimmste:“
Er nahm seine schwarze Sonnenbrille ab, „Ich kann wieder sehen!“
Beiden fiel die Kinnlade herunter, als er sich heulend auf den Tresen beugte.
„Wer hätte gedacht, dass die Aufgabe der Höhenflieger mir die Bürde des Sehens zurückgeben würde!?“
Während er sich in Selbstmitleid suhlte, wandte sich Goaler an Rufina. „Warum noch mal sind wir hier hingekommen?“
„Eigentlich wollte ich nur etwas Smalltalk machen, früher war der mal echt lustig drauf...“, sie schlichen sich davon und hörten den Mediziner nur noch hinterher rufen „Ja, ja. Lasst mich doch alle alleine!“
Sie deutete an, dass sie jetzt wirklich dahin gehen wollte, wo sie übernachten wollte. Sie marschierte auf eines der Portale zu, die in die durchwachsene Architektur des Platzes eingebaut waren. Ein Gelbes Rohr führte in diese dunkle Gasse und er stoppte.
„Nein, wir werden nicht bei Janosch übernachten!“ Sie lächelte ihn an und deutete mit der Nase auf das Portal links daneben, neben einem Lottotresen. Es führte Richtung Oberstadt und damit konnte er leben.
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Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction)

Beitragvon Emares » So 6. Sep 2015, 17:33

Viele verwinkelte Gassen und Treppen später, die in der hoch stehenden Mittagssonne zu bewältigen zusehend schwerer wurde, landeten sie vor einem verschlossenen Eisengitter. Neben dem Gitter hing eine große, laufende Nase an der Wand und vor sich konnten sie eine kleine, mit Kunstrasen versehene Boule-Terrasse erkennen.
Rufina kramte in einer der Außentaschen ihres Mantels, kritisch von Goaler beäugt. Hervor kamen einige schimmlige Krümel Käse, die Reste eines Mittagessens, das unverpackt transportiert worden war. Kaum hielt sie den stinkenden Kram unter die Nase, schnüffelte diese daran und gab die Türe frei, die hoch fuhr.
Sie traten hervor und sahen ein bekanntes Bild: die Oberstadt war auf blanken Stahl des großen Schiffskörpers eines Kreuzfahrtschiffs aufgebaut. Auch wenn sie, wie alle Gebäude Deponias, aus Müll gebaut waren und das wild durcheinander, waren sie doch erkennbar edler gehalten. Die Wände waren weiß, mit Ziegelsteinverzierungen, die Dächer in edlem Rot gehalten und überall prangten Verzierungen, wie Säulen und Bögen.
Rufina zerrte ihn hinter sich her, um die Ecke, dann über eine Brücke auf ein kleines Anwesen auf einem einzelnen Schornstein. Kunstrasen zierte das Grundstück und ein einzelner Baum stand neben einem Weg, welcher unter das Haus in den Schornstein führte, auf den es gebaut war. Das Haus selbst war zweigeschossig, hatte kleine Fenster, einen Gartenschuppen und zwei Säulen um den Haupteingang.
Sie ging durch einen runden Torbogen rechts neben dem Haupteingang, der unter einer Terrasse mit angebauter Wetterplattform hindurchführte.
Im Haus angekommen zeigte sich, dass die gewölbeartige Decke von roten Metallsäulen gestützt wurde und die Räume großzügig ausgestattet waren, auch wenn alle Pflanzen hier vertrocknet aussahen. Links neben ihnen war das Arbeitszimmer. Ein großer Schreibtisch mit Sessel stand vor einer Wand mit einer Schiffsblaupause und Kronleuchter, direkt neben einem großen Glasfenster mit Aquarium davor. Vor dem Schreibtisch flankierten zwei Sofas einen runden Tisch und bildeten zusammen mit Fußschemeln eine kleine Sitzecke.
Goaler erkannte die Sitzecke, da dort noch aus Metall geflochtene Rosen standen. Hier hatte Seagull, Rufus' Ziehvater ein romantisches Date mit Goal gestartet, um sie Rufus auszuspannen. Der nachdenkliche Blick, den er bei Betrachtung dieses Tisches aufwies, machte sie eifersüchtig. Um davon abzulenken, ging sie an ein Bücherregal rechts neben dem Schreibtisch in einer Ecke des Raumes.
Sie zog an einem Buch mit dem Titel 'Hier ziehen für Geheimtür' und das Bücherregal fuhr beiseite. Dahinter befand sich ein Raum mit einer Leiter und einer kompliziert anmutenden Apparatur, alles in dunklen Blau- und Lilatönen gehalten.
Rufina schlüpfte zwischen Leiter und Maschine hindurch und rief erfreut, „Wusst ich's doch!“
Mit zwei Paketen unter den Armen und einer Chipstüte im Mund rollte sie eine große Plastikwasserflasche vor sich her. Sie spuckte die Tüte auf das Sofa aus und stellte die Pappkisten auf den Tisch. „Ich hab' die Notration von dem alten Drecksack gefunden.“ Sie packte in ihre Tasche und holte eine kleine Schnapsflasche heraus, „Und seinen Fusel!“, winkte sie mit ihren Brauen.
Ein Grinsen überkam beide, dann nickten sie einander zu und machten sich über die Vorräte des toten Generals her. In der ersten Kiste war Zwieback mit Schokoladenfüllung, die sie wie ein Buffet bei einer Party nach und nach aufbrauchten. Als die Kiste halb leer und die Sonne abendlich niedrig stand, machten sie die Schnapsflasche auf und schon wenige Schluck und einige Minuten später war auch die Stimmung angeheiterter. Sie begannen nicht nur, sich gegenseitig zu füttern, sie machten auch immer blödere Scherze und sie warf die Schrottblumen scheppernd durch eines der Fenster des Anwesens.
Dann war die erste Kiste leer und Goaler öffnete die Zweite. Sie war mit Glückskeksen gefüllt und was folgte, war ein Fressgelage, bei dem sie nicht nur die Kekse aßen, sondern auch den Schnaps gänzlich leerten. Über die Texte auf den Keksen machten sie nicht jugendfreie Witze, was interessante Kombinationen bei Sprüchen wie „Das glöste Glück ist in einem selbst“ oder „Wo das Glück waltet, elfählst du nul, wenn du nicht danach suchst“ ergab.
Nach dem zwanzigsten Glückskeks warf sie sogar ihren Mantel auf den Schreibtisch und tanzte auf dem kleinen Tisch der Sitzecke, was rasch mit einem laut polternden Absturz endete.
er wollte ihr aufhelfen, landete aber selbst auf ihr. Er wollte gerade einer spontanen Neigung, sie zu küssen folgen, dies vereitelte sie jedoch mit einem Rülpser, einer Wolke in Form eines Totenschädels, der ihm solches Unwohlsein bereitete, dass er ihr doch lieber nur aufhalf.
Das Abendlicht schien bereits, lange Schatten werfend, durch den Raum und sie hatten Kerzen aufgestellt, da bemerkte er den Flügel im Gewölbe gegenüber auf der anderen Seite des Flurs zur Türe.
„Kannst du das spielen?“, fragte Rufina ihn, als sie merkte, wie er wankend, mehr oder minder konzentriert auf das Klavier starrte.
„Mal sehen...“, stand er auf und torkelte zu dem Musikinstrument, sie folgte ihm mit leichter Verzögerung, wobei sie einen Blumentopf neben dem Eingang umstieß. Er setzte sich auf den Schemel davor, sie stützte sich halb liegend darauf.
Gespannt blickte er auf die Tasten, holte tief Luft und hob seine Hände darüber.
Klonk, klink, bank, paddau. Dongggg. „Nein, offensichtlich nicht!“, grinste er blöde.
Rufina richtete sich mühevoll auf und hob ihre Hand „Paps, jetzt warst du doch mal zu etwas gut!“. Dann bekam sie einen Lachanfall, rülpste und fiel um.
Goaler hob sie auf, legte sie auf eines der Sofas und deckte sie mit ihrem Mantel zu. Schließlich legte er sich auf das andere Sofa und beobachtete sie noch eine Weile fröhlich debil grinsend, bis auch er einschlief.

Als Goaler am nächsten Morgen aufwachte, pochte es hinter seiner Stirn. Ächzend und stöhnend stemmte er sich in eine aufrechte Position. Rufina stand breit grinsend vor ihm und legte gerade ihren Mantel an. „Verträgst wohl nichts, was?“
„Auf Elysium sind die Partys trockener, das gebe ich zu“, gestand er ein, als er sich an die Schläfe fasste. „Du solltest was trinken.“ Er folgte der Aufforderung und füllte seinen trockenen Mund mit dem letzten Wasser aus der großen Flasche. „Es gibt übrigens ein Plumpsklo direkt hinter dem Haus“, deutete sie an und er nickte nur und ging dann raus.
„Hehe, Weichei!“, sagte sie. Als er um die Ecke war, ließ sie sich vornüber auf das Sofa fallen und schlief auf der Stelle ein.
Sie wachte erst gegen Mittag wieder auf, als er sie weckte.
„Was ist?“, säuselte sie, doch er richtete sich nur auf und zeigte durch das Fenster nach draußen.
Sie rappelte sich auf und erkannte am Horizont dunkle Schemen. Die genauere Betrachtung ließ die Konturen einer großen Insel erkennen. Ein großer Turm ragte in der Mitte auf, zwei Organon-Hochtrassen führten in ihn hinein. Umsäumt war der Turm von deponianischen Gebäuden, die er aber alle überragte. Ein Korridor führte von ihm weg, welcher in den Korpus eines großen Schiffes geschlagen worden war, dessen Überreste nun wie Rippen aus dem Boden ragten, zwischen denen sich die meisten Gebäude befanden.
Porta Fisco!, sie waren fast am Ziel.


Obwohl sie rasch aufbrachen, da Rufina nur ihren Mantel anzuziehen brauchte und Goaler ohnehin tags wie nachts immer das Selbe trug und nur wenige Minuten zum Marktplatz, von da an der Kneipe vorbei, zum Pier und ab da mit dem Kanu zum Pier Porta Fiscos benötigten, kam es ihnen wie Stunden vor. Ob wegen der langen Zeit, die sie darauf warteten oder weil bisher immer, wenn sie sich dem ersehnten Ziel so nahe sahen, etwas schiefging, als sie am Strand, direkt vor den Toren der Stadt und gleichzeitig vor dem Zugang zur Kanalisation angekommen waren und er ihr an Land half, kamen sie sich vor, als wären sie um Wochen gealtert.
Sie warfen einen letzten Blick zum Schwimmenden Schwarzmarkt. Er war in einer Strömung gefangen und rotierte jetzt wie ein Kreisel an einer festen Position vor dem Strand. Argus hatte diesen Ort schon einmal mit seinen Organons besetzt. Bald würde der Widerstand Truppen entsenden, um das neue Stück Land in seine Klauen zu bekommen, aber dann würden sie nicht mehr hier sein – mit etwas Glück hätten sie es bis dahin geschafft.
Rasch gingen sie zum Eingang der Kanalisation, der am selben Strand wie der Zugang zur Stadt selbst lag und durch einen elliptischen Eingang markiert wurde. Während er ohne Zögern hindurch trat, verweilte sie für einen Wimpernschlag und zog mit den Augen an der Oberfläche der Röhre entlang. Noch nie hatte sie so genau auf solche Dinge geachtet, aber jetzt, so kurz vor dem Ziel erschien es ihr plötzlich falsch, nicht auch kleinere Details in Erinnerung zu behalten.
Schließlich zwang sie sich wieder aus dem Stillstand heraus und lief ihm hinterher.
Kurz vor dem Zugang zu Janoschs Unterschlupf, einem schmalen Steg, der über Dreckwasser unter einer Flugzeugturbine entlang bis zu einer Türe mit Sichtschlitz führte, stieß sie mit ihm zusammen. Er war unvermittelt stehengeblieben. Sie versuchte, die Ursache zu ergründen und blickte an ihm vorbei.
Eine merkwürdige Gestalt mit einem Cosplay von Rufus' Kostüm, aber mit gebückter Haltung, dünnem Haar und Unterbiss stand vor ihnen, bis zu den Schultern mit modrigem Schlamm bedeckt.
Goaler erkannte ihn vor ihr. Als er „Barry!“ aussprach, dämmerte es ihr. Barry war der treueste und wahrscheinlich einzige Fan, den Rufus jemals hatte. Während er sich seinerzeit mit einem einfachen Reporterjob über Wasser hielt, war er in jeder möglichen Freizeit Rufus gefolgt und nachgelaufen. Kurz bevor dieser damals auf das letzte Hochboot gekommen war, hatte er sich ihm gezeigt und nach einer kurzen Bekanntschaft, fing Rufus an, ihn immer herablassender zu behandeln.
Auch wenn Barry sonst meist sehr beschränkt wirkte, war er nun absolut ernst und fokussierte
zunächst Goaler, lenkte seine Aufmerksamkeit dann aber auf Rufina.
„Ähm, Barry... wie geht es dir? Was macht deine... Mission?“, hakte sie vorsichtig nach.
„Goon ist geheilt, wieder mit June zusammen, aber darum bin ich nicht hier!“ Er hatte einen gekränkten Unterton.
„Ich habe einige Zeit nachgedacht und bin dem Denkanstoß, den du mir gegeben hast, als du in Goals Körper warst, gefolgt.“ Tatsächlich hatte Rufus, als er damals in Goals Datasette war, die Kontrolle über ihren Körper übernommen und Barry die Aufgabe gegeben, Goon und June zu helfen, die er zuvor, bei seinem Weg auf das Hochboot, tragisch getrennt hatte.
Eine Aufgabe, die Barry nur beschäftigen sollte. Allerdings ging er damit ein großes Risiko ein, für Barry um genau zu sein und es war verwunderlich, dass der Junge Mann es so gut überstanden hatte, wenn auch sehr dreckig.
Goalers Verwunderung galt allerdings mehr dem Durchblick, den der sonst so wenig selbstsichere junge Mann hatte. „Woher weißt du...“
„Dass Rufus in deinem Kopf war und dass ihr jetzt zwar wieder getrennt, aber dafür geschlechtlich vertauscht seid? Ich bin Journalist, ein ziemlich guter, wenn ich denn will.“, antwortete er forsch.
Er richtete sich etwas auf, wirkte nun eine Stirnbreit größer, „Wie gesagt, darum bin ich nicht hier. Ich habe nachgedacht und mir ist nun klar“, er wandte sich wieder zu Rufina, „dass du nicht mein Bestes wolltest, sondern mich einfach nur loswerden.“
Mit leichten Frosch im Hals fuhr er fort, „Mir ist klar, dass ich manchmal nervig bin, mich zu sehr in etwas hinein steigere und es einfach übertreibe.“
Sein Blick verfinsterte sich merklich, „Aber auch wenn wir uns eigentlich nicht kennen und die einzige Beziehung, dass ich deine Geschichten mag, nur in eine Richtung verläuft – ich war dennoch ein treuer Fan. Ich habe es nicht verdient, dass du mich so behandelst und ich habe es nicht verdient, dass du mich auslachst, nachdem ich dir auf dem Hochboot folge und dann von der Realität ins Gesicht geschlagen werde – auch wenn es lange gedauert hat, bis ich das begriffen habe“, sagte er, als er einen Schritt auf sie zuging.
Er zog die Mütze seiner Verkleidung von seinem Kopf und warf sie vor ihre Füße, „Fanship beendet!“ Sie folgte dem Kleidungsstück mit ihren Augen und ließ sie auf den Boden gerichtet, während Barry wütend an ihnen vorbei und für immer aus ihrem Leben stapfte.
Sie fand nicht die Kraft, sich zu bewegen, aber Goaler bückte sich und packte die Mütze.
„Er ist jetzt frei“, lächelte er sie an und legte sie auf die Turbine.
Sie zwang sich zu einem Lächeln, wirkte aber gleich darauf, als sie durch die Türe zu Janoschs Versteck schritten, wieder nachdenklich.

Das Versteck war eine große Katakombe mit verschiedenen Plattformen. Gegenüber des Eingangs befand sich eine Ebene die an eine Wand mit einer Durchreiche grenzte. Hier lag seinerzeit die Basis des Widerstandes und über die Durchreiche wurden die Truppen von Janoschs Mama mit Essen versorgt. Nun standen dort Sofas und ein Wohnzimmertisch mit einer Radioanlage darauf. Eine rundliche Gestalt in einem Robin-Hood Outfit, bestehend aus rotem Schlafoverall mit grünem Hemd und dunkelgrüner Weste darüber und einem grünen Hut mit roter Feder, tanzte zu den Besthits des ehemaligen Kommunalstars Cowboy Dodo. Als er sich drehte, erkannten sie ihn als den rothaarigen Janosch, mit Schnäuzer und Kinnbart, den Mann, der die Rebellion gegen den Organon in seinem Keller begründet hatte.
Er hatte die Augen geschlossen und sorgte mit wohlklingendem Pfeifen dafür, dass die Musik, welche eine durchgehende Wiederholung des Titels mit zufälligen, thematischen Einwürfen war, sogar halbwegs erträglich klang. Rufina packte Goaler und sah ihn ernst an. Sie neigte den Kopf langsam nach unten, schüttelte ihn und legte ihren Zeigefinger quer zum Mund. Eine klare Geste, sie wollte an Janosch vorbei schleichen. Er hatte ihnen zwar seinerzeit geholfen, die Klonanlage über einen geheimen Tunnel zu erreichen, nachdem sie für ihn den gefallenen Stern Dodo vertrieben hatten, aber beide wollten sich seinem Sprachfehler nun nicht aussetzen.
Also schlichen sie vorsichtig an dem Mann vorbei, der in seiner Trotteligkeit so ehrlich glücklich wirkte, dass sie beinahe neidisch waren.
Der geheime Weg in die Klonanlage, den Janosch ihnen dereinst gezeigt hatte, erstreckte sich durch eine Kanalisationsröhre und endete an einer Leiter. Diese Leiter führte durch einen Schacht genau unter die Glasbehälter der Anlage, in denen Hermes einstmals den Organon hergestellt hatte.
Als sie die untersten Sprossen dieser Leiter erreichten und er bereits heraufsteigen wollte, hielt sie ihn am Arm fest. Er blickte zu ihr hinab und verlor das Gleichgewicht, als sie ihn ruckartig zu sich herunterzog. Sie fing ihn auf und hielt ihn, halb umarmt, den Kopf gesenkt.
Er konnte zwar keine Tränen erkennen, aber sie atmete nass durch den Mund. Noch während er darüber nachdachte machte sie einen halben Schritt nach vorne, so dass sie auf seine Brust prallte und umarmte ihn vollständig.
Obwohl er sie so lange kannte, begriff er die Geste zunächst nicht. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter, vergrub ihn fast darin und da wurde ihm klar, dass sie jetzt so zerbrechlich wie noch nie war. Er legte sanft eine Hand schützend auf ihren Kopf, die Andere umfasste ihre Taille. Während er tief ausatmete, legte er seinen Kopf auf ihre Schulter. Ihr langes Haar hinterließ auf seiner Wange eine spürbare Fettschicht.
„Wir schaffen das schon!“, löste er sich von ihr und lächelte, während er seine ausgestreckten Hände auf ihren Schultern ruhen ließ. Dann kletterte er die Leiter hoch und sie folgte ihm mit geringem Abstand.
Der Schacht war früher einmal Rufus zum Verhängnis geworden. Er hatte sich auf Argus' Kreuzer in einem Verhörrobotter versteckt und als Goal verhört werden sollte, war Rufus daran schuld, dass sie eine Dosis Gift abbekommen hatte. Er wurde in dem Roboter vom Kreuzer geworfen und wachte in der Klonanlage auf, dachte, er hätte Goal getötet. Nachdem er Hermes getroffen und erfahren hatte, dass er, Cletus und Argus Prototypen für den Organon waren, beschädigte er den Teil der Anlage, in den sie gerade hinaufkletterten. Darauf hatte er Goal gefunden, in einem Schrank und tot. Nachdem er versuchte, sie zu klonen, fiel sie als Baby in diesen Schacht. Er klonte sich dreifach und fiel hinterher. Später stellte sich zwar heraus, dass er nur fantasierte, Goal gar nicht gestorben war und er nur Donna geklont hatte, doch bis dahin musste ein Teil von ihm durch die Kanalisation waten... Trotz ihrer kaputten Erinnerungen erinnerte sich Rufina bruchstückhaft an diese Geschichte, auch wenn sie nur die verzerrten Erinnerungen dieses einen Klons hatte, die anderen Beiden waren getötet worden, hatte sie es doch mit Hilfe ihres anderen Ichs auf der Datasette geschafft, die verwirrenden Erinnerungen so weit zu rekonstruieren.
An diese Geschichte erinnerte sie sich, als sie Schritt für Schritt nach oben stieg und gerade als sie sich wieder daran entsann, wie er in einer Mischung aus Selbstverliebtheit und Empathie um ihre Klone geweint hatte, stoppte Goaler. Ein Blick nach oben ließ das Ende des Rohrs erkennen, mit einem grauen Himmel, der gerade im abendlichen Zwielicht badete.
Er blickte vorsichtig über den Rand, dann zuckte er beherzt nach unten und beugte sich zu ihr. „Argus sitzt da!“
„Was sollen wir denn jetzt machen?“, fragte sie ratlos.
„Ich habe eine Idee: Argus sitzt mit dem Rücken zu uns in einem Schaukelstuhl, vielleicht schläft er ja. Wir klettern jetzt raus, du greifst dir etwas, schleichst dich an ihn an und ziehst ihm eines über. Wenn er sich wehrt, stürme ich dir zur Hilfe!“
„Wieso soll ich das machen?“, entgegnete sie skeptisch.
„Weil er doch sicherlich keine Frau schlagen wird!“, zuckte ein Grinsen durch sein Gesicht.
Sie seufzte, „Das glaubst du ja wohl selbst nicht“, dann sackte sie leicht zusammen und zuckte mit den Schultern, „aber mir fällt auch nichts besseres ein.“
Er kletterte vorsichtig und leise über die Brüstung, dann half er ihr behutsam hoch. Sie blickte sich um. Hinter ihnen waren die Klonbehälter, metallische Röhren führten die Grundsubstanzen von oben in Glasröhren, an deren Boden Metallvorrichtungen den fertigen Klon dann auffingen. Ein grünes, kristallines Gebilde, das wie ein elektronischer Steckplatz aussah, ragte in jede Klonkammer hinein und erzeugte beim Prozess einen Lichtblitz, nach dem der fertige Klon im Behälter stand. Soweit erinnerte dieser Ort noch an das Gebilde, mit dem sie sich zuletzt so falsch wiederhergestellt hatten. Die Rebellen hatten diesen Ort jedoch komplett restauriert. Die Kammern hingen wieder gerade und ein steriles, weißes Gebilde, ähnlich einer großen Plastikschüssel, mit durchgehendem Geländer in einer Art Glaskugel daraus gemacht. Rufina wunderte sich, dass die Zugangsleiter, über die sie hier eindringen konnten, nicht bei den Umbauarbeiten entdeckt worden war, da sah sie Argus. Argus, der blonde Original-Argus wohlgemerkt, saß direkt vor dem Ausgangssteg von dieser Plattform zum Rest der Anlage in einem alten Schaukelstuhl.
Sie erspähte einen blauen Baseballschläger, der sich auf dem weißen Boden trotz der schlechter werdenden Lichtverhältnisse sehr gut erkennen ließ und nahm in in die Hand. Als sie mit den Fingern über das Material strich, musste sie daran denken, wie sie mit diesem Schläger die Anlage demoliert hatte, als ihr altes Ich noch dachte, Goal getötet zu haben. Wie kommt der denn hier hin?
Goaler rupfte sie unsanft aus ihren Erinnerungen, indem er ihr einen leichten Schubser in Richtung Argus gab. Sie schaute ihn kurz böse an, dann umfasste sie den Schläger mit beiden Händen und schlich sich Richtung Argus. Ihre Stiefel verursachten ein leichtes Klackern, das jedoch von dem raschen Bummen ihres Herzens übertönt wurde. Es wurde lauter, als sie sich dem Stuhl näherte und ihr langsam der Angstschweiß auszubrechen
begann, da sagte Argus: „Das nicht nötig!“
Sie erschrak und versuchte, dem sich gerade umdrehenden Mann eines überzubraten, doch der drehte sich in einer blitzschnellen Bewegung, die den Stuhl umwarf und fing den Schläger mit einer Hand aus der Luft.
Goaler bemerkte, dass Rufina Probleme hatte und stürzte auf die Beiden los. Argus mühte das nur ein Lächeln ab, er stieß Rufina zurück, sodass sie auf Goaler liegenblieb und behielt dabei den Schläger in der Hand.
Langsam stolzierte er auf sie zu, wobei sein Umhang von links nach rechts schwankte.
„Ich habe gar nicht vor, Sie aufzuhalten!“, sagte er und warf den Schläger weg.

Vor ihm liegend sahen sie ihn verdutzt an und er lehnte den Kopf zurück und grinste. „Damit hätten Sie nie gerechnet, nicht wahr?“
Rufina, die auf Goaler lag, drehte sich diesem zu und blickte ihn mit offenem Mund an.
„Wissen Sie“, Argus half ihr auf und Goaler stand selbstständig auf, „wir hatten unsere Differenzen, aber es gibt eines, das ich mehr hasse, als meinen Feind: Verrat!“
„Verrat?“, sagte sie und versetzte sich in ihre Kung-Fu-Haltung.
„Ja, Verrat!“, stieß Argus sie mühelos zur Seite, „Meine Klone haben mich verraten!“
„Wie kann das denn nur sein, wo Sie doch so eine treue Seele sind?“, spottete Goaler ironisch.
„Ich habe sie erschaffen, sie haben meine Erinnerung, meine Erfahrung und mein überragendes Aussehen und dennoch: sie verrieten mich.“
Seine Augen verfinsterten sich, „Es fing ganz klein an; ich wurde nicht zu Gesprächen geladen, dann lud man mich nicht mehr zu Besprechungen ein und jetzt besitzen sie Porta Fisco und den Rest der Rebellion.“
Er blickte nach oben, „Ich habe diese Organisation von Grund auf neu errichtet. Ich habe den Widerstand übernommen, ausgebaut und zu etwas geformt, das man ernst nehmen kann.“
Ruckartig fiel sein Kopf nach vorn und er blickte sie grimmig an, „Und dann kommen diese Verräter daher und stehlen mir mein Eigentum. Mit dem Versprechen auf Frei-Plörre!“
Ein lautes Knistern ertönte, als er seine Fäuste ballte, „Ich habe nur noch eine kleine, treue Truppe, die ich mit dem Versprechen auf Unsterblichkeit bei Stange halte.“
„Ich verstehe immer noch nicht, warum du uns dann hilfst?“, fragte Rufina ratlos, während Goalers ernster Blick und seine verschränkten Arme andeuteten, dass er langsam dahinter kam.
„Sie sind ein menschgewordener Albtraum!“, fauchte er sie an, „Ihre Originalkörper wieder herzustellen würde bedeuten, einen Dämon auf diese Welt loszulassen und Sie kennen mich – wenn ich diese Welt nicht besitzen kann, kann ich sie immer noch verwüsten!“
Goaler deutete auf seinen, in einer Kantine ruhenden Originalkörper hin. Er lag mit von sich gestreckten Armen und Beinen wie ein Hund da und zuckte hin und wieder. Donnas Implantat lag immer noch im Datasettenschlitz. „Was ist mit meinem alten Körper?“, fragte er.
„Der steht nicht zur Disposition!“, sagte Argus und Rufina begann, etwas Menschliches in ihm zu sehen, dann packte er ein kleines Funkgerät aus, „Hermes, hören Sie mich?“
Es dauerte etwas, dann machte das Gerät ein knisterndes Geräusch und Hermes' schrille Stimme ertönte: „Wie bitte?“
„Wachen Sie gefälligst auf, Sie Penner! Und kommen sie zu den Klonbehältern!“, schnauzte Argus in das Gerät.
„Aber was...“, wollte Hermes fragen, wurde aber harsch unterbrochen, „Sie kommen jetzt sofort hierher, oder ich trete Ihnen in Ihren Allerwertesten, dass Sie die Englein singen hören!“
Es dauerte wirklich nur Sekunden, da kam er angerannt. Er hatte seine Sichel liegen gelassen und hielt seine schwarze Kutte hoch, während seine Füße mit den rosanen Plüschpantoffeln über den Boden tapsten.
Argus schaltete gerade das Licht des Komplexes an, als der keuchende Hermes sich aufrichtete. Rufina blickte ihm direkt und streng in die Augen, als er erschrak. Da stand er nun, ihr Schöpfer in zweifacher Hinsicht. Es war eine dürre Gestalt mit grüngrauem Hautton. Er hatte einen großen Kopf mit flacher Oberseite, über die Haare gekämmt waren und dunkelgrünen Muttermalen an der Stirn. Zwei schlecht geschnittene Koteletten zierten seinen fast haarlosen Kopf. Sein Unterkiefer stand vor und ungepflegte Zähne ragten wie krumme Turmzinnen hervor. Seine Augen lagen in großen, schwarz unterlaufenen Höhlen und seine Nase bestand nur aus zwei Löchern. Alles in Allem ein Anblick wie ein verrottender Zombie.
„Ohjeh, ich hatte befürchtet, euch noch einmal zu sehen...“, Rufina biss auf die Lippen und drückte ihn gegen die Scheibe, „Natürlich hast du das, du alter Pfuscher!“
„Ich lasse Sie dann mal alleine!“, verabschiedete Argus sich und ging hinaus in die Dunkelheit.
Hermes befreite sich von ihren Händen und ging auf Goaler zu. „Du bist doch das Mädchen, du bist doch die Vernünftige. Was ist denn euer Plan?“
Dieser ließ seine Arme aus der Verschränkung fallen und zeigte mit dem Finger auf Hermes, „Du wirst uns noch einmal klonen und dieses Mal wirst du es richtig machen!“
„Ich habe das ja schon vorbereitet, als ich in meiner Freizeit unbeobachtet war.“, ihre Augen wurden weiter, als er das verkündete, „Aber ich kann doch nicht immer mehr Kopien erstellen, um ein Problem zu lösen, das hat schon beim Organon nicht geklappt...“
Goaler begann, mit dem ausgestreckten Zeigefinger auf Hermes' Kopf zu klopfen, „Wir haben unser Bewusstsein professionell trennen lassen“, dann streckte er die andere Hand Rufina entgegen. Diese überlegte kurz und nahm die drei Datasetten aus ihrem Mantel und legte sie hinein. „Das wären keine Klone, es wären Originale, mehr Original als wir!“
„Es gibt nur einen, der das bewerkstelligen konnte!“, rümpfte Hermes seine Nase.
„Dein Bruder lässt dich grüßen und sagt, es tue ihm leid, was mit deinem Kopf wäre. Könntest du jetzt endlich deines Amtes walten!?“, schubste Goaler ihn an.
„Es tut ihm leid? Sieben Jahrzehnte habe ich darauf gewartet, das zu hören!“, strahlte Hermes.
„Das ist ja wunderbar!“, grinste Rufina ihn an, „Und jetzt zur Sache“, trat sie ihm vor sein Schienbein. Sie machten ihm klar, dass sie weder Zeit noch Lust hatten, das ewig auszudiskutieren.
Dann erklärten sie ihm eine Kurzform ihrer Geschichte. Schnell verstand er und nahm die Datasetten. Er gestand jedoch auch ein, dass es einige Zeit dauern würde, das alte System auf die neuen Datasetten anzupassen.
Er ging an eine unscheinbare Stelle der weißen Wand und drückte sie. Ein Pult fuhr daraus, mit Knöpfen, Steckplätzen und Schaltern. Rufina stellte sich bereit, mit ihm zu basteln und er willigte ein. Trotz oder gerade deshalb dauerte es die ganze Nacht.
Goaler war eingeschlafen und sie hatte ihn mit ihrem Mantel abgedeckt. Als die Morgensonne Porta Fisco in helles Rot tauchte, weckte sie ihn auf. „Aufwachen, wir sind so weit!“
Er wischte sich mit der Hand durch sein Gesicht, dann blinzelte er. Rufina und Hermes standen um das Pult, einige improvisierte Apparaturen ragten daraus auf. Sie wandte sich zu Hermes und sagte mit ernster Mine: „Nicht vergessen, ich will kein Implantat in meinem Kopf!“
Dann ging sie wieder zu Goaler, nahm ihren Mantel von ihm herunter, warf ihn über und half ihrem Freund auf.
Hermes griff sich die zwei modernen Datasetten und steckte sie in zwei Steckplätze auf dem wilden Konstrukt. Rufina blickte genauer auf die Datasetten, dann sprintete sie zu ihm, griff sich die Datasetten und vertauschte sie. „Ich soll der Junge werden, nicht umgekehrt!“
„Ohoho, hups, wäre fast schief gelaufen!“, grinste Hermes.
Goaler trat einen Schritt vor, „Ich bin soweit, wo geht es zu diesem Müllschredderer?“
„Seitdem dieser Wenzel an meinen Geräten herum gewerkelt hat, ist das nicht mehr nötig“, widersprach Hermes, „und es wäre unethisch, Leben für Leben zu opfern, wenn dies nicht notwendig ist!“
„Aber“, stotterte Goaler, „ich dachte, dass wir hier als Goaler und Rufina reinkommen und als Goal und Rufus wieder herausgingen.“
Rufina packte seine Hand und hielt sie fest. Er blickte zunächst traurig auf ihre Hand, dann an ihrem Arm hinauf und sah in ein ehrliches Lächeln. „Das ist doch toll, das heißt, dass wir nicht sterben müssen!“
„Aber wir sind von Anfang an ein Unfall gewesen...“, „Wenzel war ein Unfall, wir sind ein Zufall und wir haben mittlerweile genug erlebt, um eigenständige Menschen zu sein!“
Er zwang sich ein Lächeln ab, grinste sie traurig an, dann blickte er nachdenklich zu den Klonbehältern.
„Seid ihr soweit?“, rief Hermes ihnen zu. Sie nickten langsam und er drückte auf einen Knopf an der weißen Armatur. Wieder ertönte ein Surren, das zum Dröhnen anwuchs und durch die Maschine wanderte. Trotz des anderen Resonanzraumes war dieses Geräusch fast das Gleiche wie seinerzeit. Es endete in zwei der drei Klonbehälter in einem schrillen Quietschen und nach einem Lichtblitz waberte Rauch aus den Kabinen.
Zwei Gestalten fielen aus den Behältern und lagen im wabernden Nebel davor.

Goal öffnete langsam die Augen und blinzelte. Die Umgebung war weiß und undurchsichtig, dann verflüchtigte sich der Schleier. Eine andere Gestalt kniete direkt vor ihr. Eine lange Mähne ragte aus der braungrauen Mütze heraus und teilweise über das Gesicht. Sie erkannte eine flache Nase, eingerahmt von Augenringen und Augen, die sie ebenfalls musterten. Als mehr Details erkennbar wurden, ein rotes Halstuch, ein alter Mantel, erkannte sie ihn: „Rufus!“
Ihm dämmerte es zur gleichen Zeit. „Goa...“, wollte er gerade aussprechen, da hatte sie schon einen Satz auf ihn zu gemacht, schlang ihre Arme um seinen Kopf und küsste ihn unter Freudentränen. Er reagierte, erwiderte den Kuss, als er einen Arm um ihre Taille und eine Hand auf ihre Schulter legte.
Sie schluckte und schnäuzte, als ihr die Tränen über die Wange liefen. Er löste sich mit einem Schmatzen von ihr und hob den Kopf leicht an. „Es hat geklappt!“, grinste er, als ihm ihr neues Implantat auffiel. Er tastete an ihrer Schläfe entlang und erfühlte die neue Datasette. Sie war nicht mehr nur ein von außen zu erkennender, geriffelter Strich, sondern eine kürzere, elliptische Fläche, auf der zwei runde Erhebungen zu ertasten waren, die Röhrchen.
„Steht dir gut!“, lächelte er sie an, als sie eng umschlungen aufstanden.
„Alter Macho!“, strahlte sie ihn an und er legte die Hand von ihrer Schulter ebenfalls um ihre Taille. Er bog seinen Rücken, als er sie an sich presste und hob sie so hoch. Mit einem verliebten Blick rieb sie ihre Nase an Seiner und hob ihre Füße verspielt in die Luft. Ihr Haar fiel auf ihn hinunter wie ein orangeroter Wasserfall, als sie ihn erneut küsste. Sie schlossen beide die Augen, als sie den Kuss intensivierten schielte sie jedoch und erblickte weitere Personen in ihrer Nähe.
Sie löste sich und er folgte ihrem Blick leicht benommen.
Rufina und Goaler standen vor ihnen, sie hielt seine Hand immer noch fest umschlossen.
Goal und Rufus wandten sich ihnen zu, „Oh, ihr seid noch...“, meinte Goal.
Rufina nickte, „Ja wir sind noch da.“
„Ihr seht... gut aus“, versuchte Goal zu schmeicheln. „Danke“, lächelte Goaler zurück.
„Was macht ihr...“, deutete Goal an und Goaler blickte auf Rufinas Hand, die die seine nun noch fester gepackt hatte. Als er ihr in ihr verzweifelt lächelndes Gesicht sah, überkam ihn ebenfalls ein Lächeln, dieses Mal jedoch ein Ehrliches. „Ich glaube, wir schaffen das schon“, sagte er voller Gewissheit, als ihm klar wurde, dass sie während ihrer Reise einander näher gekommen waren, als in den Monaten, in denen sie zuvor zusammen gewohnt hatten.
„Ist das nicht schräg?“, platzte aus Rufus heraus. „Doch schon, aber ich glaube auch, dass wir das schaffen können. Wir sind jetzt ein eigenständiges Paar, losgelöst von euch!“, erwiderte sein Alter Ego.
„Was machen wir denn jetzt?“, wollte Goal wissen.
„Wir werden von hier aus nicht über die Kanalisation gehen können. Der Schwimmende Schwarzmarkt treibt vor Porta Fisco und es wird bald zu ersten Scharmützeln kommen“, eruierte Rufina. Sie wurde aber von Rufus unterbrochen, „Was hast du denn da angestellt?“
„Ist nicht meine Schuld“, rechtfertigte sie sich, „Das war Bozos Plan!“
Dann fuhr sie fort, „Jedenfalls werden wir am Besten von hier aus in den Süden der Stadt gehen, wo wir hoffentlich eine Mitfahrgelegenheit finden, um in die Gegend um Kuvaq zu kommen, wo wir dann hoffentlich sicher vor dem Widerstand sind.“
„Worauf warten wir dann noch?“, fragte Rufus und auf dieses Stichwort verabschiedeten sie sich von Hermes und sogar von Argus, der sie ignorierte, weil er Goal-Donna gerade beim Schlafen beobachtete und machten sich auf den Weg. Als Rufina zum letzten Mal zurücksah, warf Hermes Argus einen unheimlichen Blick zu und hinterließ bei ihr ein unheimliches Gefühl, das sie jedoch für sich behielt.

Ihr Weg führte sie über einen Korridor aus Rohren quer durch die vermüllte Umgebung, der Morgensonne entgegen. Goaler ging links außen, daneben Rufina, neben ihr Rufus und rechts außen ging Goal. Sie diskutierten über die Zukunft und rätselten, wie sie entscheiden könnten, wer von ihnen in Kuvaq leben könne und wer an einem anderen Ort würde leben müssen. Für Rufina und Goaler sprach, dass sie sich bereits gut in die Dorfgemeinschaft integriert hatten und beide festen Tätigkeiten nachgingen. Rufus jedoch wendete ein, dass er ursprünglich als Rufus im Dorf bekannt war, nicht als Rufina, was jedoch bei seiner Vergangenheit nicht für ihn sprach.
Außerdem waren Goal und Rufus sich nicht sicher, ob sie letztlich in Kuvaq bleiben wollen würden.
In Anbetracht der Kämpfe um Elysium wusste Goaler allerdings auch nicht genau, ob ein Leben in Sicherheit für ihn das Richtige wäre.
Die Morgensonne ging gerade in die vormittägliche Sonne über da warf Goal ein, das sie in der Klonanlage eigentlich meinte, was Rufina und Goaler in Bezug auf ihre Beziehung machen wollten.
„Genau weiß ich das auch nicht“, gestand Goaler ein und blickte zu Rufina, „aber in unserer Beziehung sind wir nun so reif geworden, dass ich endlich Hoffnung habe, dass es etwas werden könnte...“ Er schaute wieder zu Goal und Rufus. „Aber ich glaube, wir werden später getrennte Wege gehen müssen, euer Anblick würde mich immer mit einem Gefühl der Unzufriedenheit belegen – ich glaube nicht, dass ich ihn dir gönnen könnte.“
„Ey!“, protestierte Rufina, aber Goal nickte nur, „Ja, das kann ich nachvollziehen!“
Goaler wandte sich zu Goal, „Weißt du, was ich seltsam finde? Das ist alles zu glatt gelaufen!“
„Was meinst du?“, fragte sie ihn. „Naja“, schaute er wieder vor sich, „Bis jetzt stießen wir, immer wenn wir kurz vor unserem Ziel standen, Elysium oder einer funktionierenden Beziehung, auf Probleme, die das Erreichen des Ziels schließlich unmöglich machten. Es war so, als würde eine unheimliche Macht uns daran hindern, glücklich zu sein.“
Goal nickte und er fuhr fort, „Jetzt aber haben wir es auf einmal geschafft und gehen auf eine rosige Zukunft, wortwörtlich in die aufgehende Sonne, zu. Es ist, als hätte irgendjemand, der ein seltsames Verlangen nach einem Happy End hatte, einfach die Wirklichkeit umgeschrieben.“
Besorgt schaute er wieder zu ihr, „Was ist, wenn das alles nicht real ist? Was ist, wenn so eine Art Barry sich einfach der Realität verweigert hat und das hier nur eine Spinnerei ist, die mit den letzten Zeilen endet?“
Sie grübelte kurz, dann lächelte sie ihn an. „Niemand, der recht bei Trost ist, würde sich eine solche Mühe machen! Du solltest dir keine Sorgen machen, es ist wie es ist und das ist gut so.“
„Und ich bin einfach nur super“, warf Rufina mit blödem Grinsen ein.
„Ja, das bist du!“, pflichtete Rufus ihr bei, „Gutaussehend, innovativ, jugendlich.“
Dann boxte er ihr spielerisch auf die Schulter. „Aber ich bin das Original und darum besser!“
Sie boxte zurück, „Dafür bin ich um einige Erfahrungen reicher als du und“, sie zeigte präsentierend an sich herunter, wobei sie überheblich den Kopf hob, „einfach bezaubernd.“
Er schubste sie sanft, „Ich bin auch gutaussehend, dazu kommt aber noch, dass ich so bin, wie ich zur Welt kam.“
Sie schubste zurück, „Ich war bereit, mich für Goalers Ziele und unsere Zukunft zu aufzuopfern, edler geht es kaum.“
Wieder ein Schubser, „Aber über mich werden Heldenlieder gesungen, durdududuuduuu...“
Sie schubste ihn aus seinem Lied, „Du singst diese Lieder, sonst niemand!“
Er schubste etwas fester, „Dafür habe ich die absolute Rufus-Essenz und die Lizenz für Lässigkeit!“
Sie schubste ihn fast mit voller Kraft, „Du kannst nie so toll sein, wie ich es bin, du egomanes, formloses Weichei!“
Er schubste sie mit voller Kraft beiseite, „Niemand kann mir jemals das Wasser reichen, auch du nicht!“
Sie stolperte, fing sich jedoch wieder, dann sprang sie ihn mit erhobenen Fäusten und dem Ruf „Ich mach dich fertig!“
Goal und Goaler versuchten besorgt, die zwei Streithähne auseinander zu halten und wussten, dass da noch einige Probleme auf sie zukommen würden.

___ENDE___




Sodala, wenn ihr die 38 Seiten nicht übersprungen habt, kann ich sagen: 24616 Wörter bzw. 151499 Zeichen später (die Sonderzeichen für Fett und Kursiv nicht mitgerechnet) stehen wir also wieder da.
Ich hoffe, euch hat die Geschichte gefallen, denn es war die letzte Fanfiction von mir, die ich in solchen Ausmaßen zu Deponia schreibe. Es hat wirklich Spaß gemacht, wieder herumzuspinnen und dieses mal auch etwas über die Beziehung der Beiden zu schreiben, die ja, das wussten wir schon beim Original, definitiv nicht ohne Makel ist. Aber es kostete schon viel Zeit, besonders das Korrekturlesen und das anschließende Ausmerzen von Fehlern und Redundanz war da nicht so spaßig.
Jetzt, da ich fertig bin und durch das Schreiben auch mit dem Ende der Trilogie abgeschlossen habe, werde ich mich wohl etwas zurückziehen aus dem Forum. Keine Angst, damit meine ich nur, dass ich nicht mehr so oft reinschauen werde, ich habe in meine Threads aber Benachrichtigungen eingebaut.
Wenn ihr also hier antwortet und eine Bewertung abgeben wollt, würde ich mich sehr darüber freuen, Feedback ist mir wichtig und soll hoffentlich auch nicht unbeantwortet bleiben.

Vielleicht wollt ihr noch etwas über die Entstehung der Geschichte wissen?

Nach meiner zweiten Deponia-Fanfiction war ja schon klar, dass das so nicht stehen bleiben konnte. Inspiriert von einer Fanart hatte ich Goal und Rufus die Geschlechter tauschen lassen, aber was würden sie mit der neuen Situation, privat und weltpolitisch, nur anfangen?
Ich wusste, dass es hier sehr um die Beziehung der beiden Helden gehen würde, auch wenn mir klar war, dass das die Geschichte deutlich ernster machen würde, als die ersten beiden Teile und sicherlich viele der jüngeren Fans davon wahrscheinlich nicht so angetan sein würden.
Jedenfalls wollte ich es fast genau so enden lassen, Goaler und Rufina (die Namen stammen übrigens von der Fanart) würden zu Goal und Rufus zurücktransformiert. Weil mir die Figuren, die der Künstler da erfunden und ins Internet geleitet hatte, so sympathisch erschienen, und natürlich weil man die das will, was man kriegt, sollte es am Ende fraglich sein, dass es so rum wirklich besser ist. Der Unterschied zu diesem Ende: im Original wären die Alter Egos noch gestorben. So habe ich allerdings gezeigt, dass zwei Rufusinen zu viel für den Obstkorb sind...
Auf jeden Fall sind die Figuren erwachsener geworden, Rufus gelangt nach Elysium und erkennt, dass diese Phantasie des unverdienten Ruhms und des unerarbeiteten Luxus nicht mehr das Wichtigste in seinem Leben ist.

Auch einige andere Dinge wollte ich klären: was wurde aus den alten Freunden von Rufus?
Elysium würde notlanden müssen, was passiert dann, wie knallt's?
Kann ein Argus zu viert wirklich glücklich sein oder ist er des nächsten Wolf?
Auch Anmerkungen aus dem Forum wie die des Users Morgaln zu Barry habe ich aufgegriffen...

Ich fing also an zu schreiben und kam innerhalb kürzester Zeit recht weit. Nach Argus' Konflikt kam ich aber nicht mehr weiter, dann schrieb ich einen einfachen Handlungsbogen bis Elysium, ich schrieb den Schluss wie ich ihn wollte auf und verband das Ganze.
Eine völlig andere Handlungsweise, wie bei der ersten Elysium-Geschichte, die noch ein auf einer Notiz bei Gronkh.de von mir basierender Dialogtext war, der dann mehr ausgeschmückt wurde.
Hier habe ich sogar eine recht genaue Zeitrechnung und das Bedürfnis nach Nahrung bedacht! ;D

Mit dieser Vorgehensweise war die Geschichte deutlich trockener, aber anspruchsvoller – zumindest bilde ich mir das ein.
Ausschmückungen hier und da und etliche Korrekturen später stand ich nun hier und ich hoffe, es ist was Ansehnliches geworden (könnt ihr gerne kommentieren! ^^)...

Kurz zum Schluss kam mir übrigens die Idee, dass Hermes die Datasetten auch hätte vertauschen können, Rufus hätte darauf hin Goals Körper und umgekehrt. Da Rufus jedoch kein Implantat wollte, säße Goal in seinem Körper fest. Allerdings wäre das Stoff für eine Fortsetzung, die ich ja nicht wollte. Außerdem wäre so nur das Alte aufgewärmt worden (Rufus in Goals Körper, zwei Datasetten zum Tauschen übrig, Goal könnte hin und wieder in ihren Körper und hätte die Möglichkeit, sich in Rufus Körper lieb zu haben, das passt nicht zu ihr, Rufus könnte allerdings in alter Manie weiterhin sich selbst lieben, nur Roal hätte damit ein Problem usw.) und so habe ich es mal, ganz untypisch für Deponia, glatt laufen lassen. Ihr könnt die Geschichte gerne umspinnen, aber für mich endet sie.
Einige der beschriebenen Szenen, als Goal und Rufus sich endlich umarmen, sind, das werden vielleicht der eine oder andere Leser gemerkt haben, sehr stark von Fanarts entlehnt, die ich nach dem Ende von Deponia3 gesehen hatte.
Meinen Drang zum Happy-End habe ich ja zum Schluss noch mal selbst auf die Schippe genommen.

Nachträglich eingefügt habe ich übrigens folgende Teile:

1. die Traumsequenz von Goaler, in der er Utopia sieht. Damit wollte ich hauptsächlich das „absolute Happy End“ hinterfragen, und die Motive für dieses Abenteuer selbst.
Die Notiz, auf der dieser Teil basiert war Folgende:

Ein Irrer hat geschrieben:„Goaler träumt in der Nacht unter dem Baum davon, Rufus als Goal in Utopia zu treffen, alles ist jedoch verschwommen und als ein Kolibri plötzlich langsam fliegt und mit einem Wimpernschlag verschwindet, weiß sie, dass es ein Traum ist. Rufus stellt ihr die Frage, was danach kommt und ob sie es nicht auch so hätten schaffen können. OK“


2. die Stelle auf Elysium, an der Goaler an Cletus denken muss. Ich fand es etwas nachlässig von mir selbst, dass Goal so ein abgebrühter Hund geworden war und das in scheinbarem Widerspruch zu ihrem Charakter stand – außerdem erschien ihre Persönlichkeit dadurch für meinen Geschmack zu eindimensional.
Deshalb kritzelte ich diese Notiz:

Ein Verwirrter hat geschrieben:„Goaler erblickt, als sie auf Elysium eskortiert werden, ein Gebäude, vor dem zwei Organon stehen, in dem sie in der Zeit zurückgeschickt worden war. Sie muss an Cletus' Tod denken und ihm fällt erst jetzt auf, wie wenig Rufina darauf Acht gibt, auf Elysium zu sein. Er fragt sich, ob es überhaupt recht ist, sie da mit reinzuziehen und ob er ihr wirklich gut tut. OK“


Soweit sogut, mehr fällt mir jetzt auch nicht mehr ein. ^^
Falls ihr Fragen oder Anregungen habt (solange es nicht heißt: schreib' alles um); immer her damit.


Schöne Grüße
euer Markus
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon #Goaly » Mi 2. Mär 2016, 22:38

Hallo Markus!

Jetzt, wo es Deponia 4 gibt, kommst du vielleicht doch noch mal auf den Schrottplaneten zurück? Was wir jetzt alle auf jeden Fall von Poki gelernt haben, ist, dass man niemals nie sagen sollte - und es auch nicht glauben sollte, wenn einer "nie" sagt. :D

Ich bin auch nur wegen des 4. Teils zurückgekommen. Wir hatten uns ja letztes Jahr noch über deine erste Fanfiction unterhalten und ich hatte ja auch ein paar Ideen...aber ich konnte mich einfach nicht lange mit Deponia beschäftigen. Es war alles zu traurig für mich. :roll: Naja jetzt hat sich das ja erledigt. :mrgreen:

Aber mal genug von mir - ist ja dein Thread! Ich fasse das Fazit vom 2. und 3. Teil zusammen.

(Nebenbei bemerkt finde ich es ja witzig, dass die Zeitreisenidee jetzt wirklich im 4. Teil vorkommt. Nur, dass es nicht Goal ist, die reist.)

Das Negative zuerst :twisted: : Ich fand es bei den Dialogen etwas schwierig, mitzukriegen, wer denn was sagt. Ich glaube, auch du kamst manchmal mit dem und dem durcheinander. Aber das ist ja nicht soo schlimm.

Das Positive: Woo soll ich anfangen?? Du hast auf jeden Fall viele gute Ideen gehabt. Die romantischen Szenen haben mich gar nicht gestört, im Gegenteil Im Spiel kommt die ganze Romantik ja eher zu kurz. Die Szene mit der Party in Seagulls Haus war zum Brülllen! Den Dialekt von Janosch hast du auch sehr gut hinbekommen! :lol:

Rufus und Goal hast du in viele verschiedene Situationen gebracht, mit denen sie sich auseinandersetzten müssen. Um alles bis aufs kleinste auszureizen müsste die Fanfic bestimmt 1000 Seiten haben. Auch andere Charaktere hast du mal von einer anderen Seite gezeicht. So viel Intelligenz hätte ich Barry ehrlich gesagt gar nicht zugetraut. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass jemand, der Rufus durchschaut hat, sehr enttäuscht ist. Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob Rufus ihn besonders unfair behandelt hat oder ob er nicht einfach so war, wie er immer ist. Er behandelt nun mal jeden respektlos, egal ob sich derjenige wie ein Idiot aufführt oder nicht.
Argus hat mir auch gefallen. Der durfte endlich mal etwas Persönlichkeit bekommen. Im Spiel kommt er etwas zu kurz, finde ich. Wenn sich jemand wie er klont, kann ja nur ein Haufen rücksichtsloser Egoisten dabei herauskommen. So hat er sich das sicher nicht gedacht. :D

Es hat mich sehr überrascht, dass du Rufina und Goaler am Leben gelassen hast. Die beiden waren am Anfang ja sehr verwirrt über ihre falschen Körper. Die werden sich jetzt dran gewöhnen müssen. Aber was wäre auch Deponia ohne eine Ausgabe von Rufus. ;) Das Ende hast du dann ziemlich offen gelassen. Ich hoffe natürlich, dass Elysium vor der Invasion der Organons gerettet werden kann. Goal und Rufus wollen schließlich dort leben!

Das war erstmal alles, was mir so spontan einfällt. Wenn ich die Geschichte noch einmal in Ruhe durchgehe, fällt mir bestimmt noch mehr ein. Aber fürs erste sollte das reichen.
Danke, dass du deine Fanfic überhaupt zuende geschrieben hast! Hier fehlt ein Applaus-Smiley!!
Auf den Untergang Elysiums!

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Emares
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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon Emares » Do 3. Mär 2016, 12:45

Hey Goaly, schön mal wieder was von dir zu lesen!

Die Veröffentlichung von Deponia 4 kam ja quasi überraschend wie ein Böller im Gemüsebeet, nichtsahnend schaute ich am Freitag rein und fand im Forum etwas, das ich schon für einen verfrühten Aprilscherz hielt.
Aber badabing: es ist tatsächlich rausgekommen und ich freue mich, dass einige meiner Vorhersagen so ähnlich eingetreten sind - wie die Planetensprengung, dass alles nur ein Traum war oder dass nur eine Zeitreise noch helfen kann.
Scheint so, dass ich versehentlich doch eine Zeitreise gemacht haben muss... vielleicht habe ich da gerade geschlafen. :lol:

Eines ist sicher: jetzt will ich auch wissen, wie es kanonisch weitergeht. Ich versuche zwar, mich nicht allzusehr spoilern zu lassen, aber das wird natürlich schwierig; einige sind ja jetzt schon durch.
Da hilft wohl nur, sich die Finger in die Augen zu stecken und laut "lalala" zu denken, während man wahlweise mit Zunge oder Fuß auf die Tasten drückt, um den jeweiligen Text wegzuklicken. ^^

Ich bin allerdings gewillt, zu sagen, dass ich keine weitere Geschichte schreiben werde, zukünftig habe ich dazu wohl einfach nicht mehr die Zeit. Die Elysium-Reihe ist jedenfalls vorbei, das Ende gefiel mir. Es lässt zwar Optionen für Nachfolgegeschichten, aber die Storys habe ich ja im Kontext des endgültigen Deponia-Endes geschrieben; was mit einem vierten Teil die Existenzberechtigung aushöhlt.
Außerdem, auch wenn es eitel klingt, scheint sich, außer einigen wenigen freundlichen Menschen wie dir, kaum jemand für die Kurzgeschichten zu interessieren... nicht falsch verstehen: das Schreiben hat mir auch Spaß gemacht, aber irgendwie demotiviert es schon.
Nunja warten wir erst einmal das Ende des vierten Teils ab. Womöglich motiviert es ja auch Andere zum Schreiben. "Die Toni-Tribute" wäre vielleicht ein guter Arbeitstitel, falls jemand mitließt! :mrgreen:

Vielleicht kann man dann auch bald eine Kurzgeschichte von dir lesen; würde mich freuen! :)

Um es klarzustellen: ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn eine Diskussion hier mal etwas OT wird, auch mal abseits des Roten Fadens lernt man viele interessante Details - wie die, dass du vielleicht mal eine eigene Geschichte schreiben möchtest!


Nun aber zu deinen Anmerkungen:
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    Die Gedankenschrift in Kursiv der eigenen Stimme gegenüber zu stellen bot mir die Möglichkeit, mal auf die Wiederholung von Einleitungsworten zu verzichten. So viele man da auch verwenden kann (sagte, wandte ein, zischte, flüsterte etc.), es wirkt gerade bei längeren Zwiegesprächen doch sehr repetitiv. Und so konnte ich mal ganz einfach darauf verzichten, indem Rufus kursiv und Goal normal war.
    Vielleicht bin ich nachher durcheinander gekommen, als ich die ganzen kursiven Textteile meiner Geschichte mit [ i ] [ / i ] markiert habe, oder ich habe welche vergessen. Es ist aber etwas schwer, das bei der Länge des Textes mal eben nachzusehen - ich kann aber versichern, dass ich es sehr geflissentlich nachgesehen habe!
    Optimaler wäre vielleicht gewesen, die jeweiligen Aussagen farblich zu markieren, um sie besser zuordnen zu können. Nur hätte das dann spätestens beim Übersetzen in das Textformat des Forums den Rahmen gesprengt...

    In jedem Falle gefiel mir die Idee eines nervenden Rufus in Goals Kopf - jede Andere wäre nach 15 Minuten reif für die Klapse gewesen! ^^

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    Freut mich, dass meine Ideen bzw. inspirierten Gedankengänge dir gefallen haben. Ich hoffe, ich habe sie auch akzeptabel umgesetzt! :D
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    Was die Romantik betrifft stand ich natürlich vor dem Problem; wie weit kann ich gehen, dass es noch jugendfrei ist - geht ja manchmal heiß her. Wenn ich nun aber bedenke, dass gerade das jüngere Publikum einige Dialoge aus Deponia schon nicht verstanden haben können sollte (man denke an Doc, der Rufus von schweren Freundinnen abrät, weil man sich da nur einen Beckenschaden hole...). Ich will nicht wissen, wie viele Leser weggeklickt haben, als der erste Kuss beschrieben wurde und mich verfluchten, weil ich den Figuren die Unschuld genommen hatte. Auf der anderen Seite habe ich es mir auch leicht gemacht, indem Goaler z.B. oft sehr prüde und viel zu verwirrt ist. ^^
    Bei allem Scherz war es mir in Seagulls Villa bspw. wichtig, die verzwickte Beziehung von Rufus zu seinem ätzenden Ziehvater zu beleuchten, auf mögliche Gründe war ich ja schon in meiner ersten Fanfic eingegangen - es ist nicht leicht für Rufus!
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    Auf die Janosch-Texte war ich richtig stolz, es kann harte Arbeit sein, mit der Stimme zu denken! :lol:
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    Bei den Situationen bin ich übrigens besonders stolz auf die Actionszenen. Indem ich Goal sterblicher machte als Rufus, machte ich die Story auch etwas düsterer. Vielleicht habe ich es aber mit dem Realismus auch übertrieben, indem ich Entfernungen abschätzte und Recherche über Schallgeschwindigkeit und Aschewolken betrieb...
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    Ob noch jemand eine Fanfiction von über 1000 Seiten gelesen hätte, weiß ich nicht. Ich bin nur froh, dass ich es mir nicht so leicht gemacht habe, dass ich einfach geschrieben hätte: Goal schüttelt den Kopf, springt Rufus hinterher, sie fängt ihn, sie küssen sich, drehen einfach um und fallen rauf nach Elysium. Ich war nach dem Ende der Trilogie dazu geneigt, aber wenn ich schon realitätsverweigere, dann nicht unter dreißig Seiten! :geek:
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    Auch Nebencharaktere haben ein Recht auf Persönlichkeit - ob ihnen das gefällt, das steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt... ich weiß in diesem Zusammenhang auch nicht, das der Gute Erik zu Zomgoons Auftritt sagen würde.
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    Barry ist gar nicht so blöde. Am Ende der Trilogie erkennt er ja den gedachten Sinn von Rufus Fall(enlassen). Ich glaube, dass er als engagierter Redakteur und jemand, der sich so viel Mühe beim Stalken gegeben hat, mit der Zeit auch ein realistischeres Bild von Rufus haben musste. Und nicht vergessen: ein Journalist muss ja aufdecken und anprangern - als Rufus seinen einzigen Fan kennenlernt, verhält er sich ja auch wie ein eitler Pfau und sonnt sich in seinem vermeintlichen Ruhm. Dann jedoch lässt er ihn brennend liegen, ohne auch nur einen Gedanken an ihn zu verschwenden. Als er Barry dann später in der Redaktion trifft, seufzt er jedes Mal, weil er ihn nicht mehr sehen will. Zu ihm verhält er sich besonders daneben. Morgaln z.B. hat dazu in seinem Post zum Ende was geschrieben.
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    Argus zu beschreiben war mir ein besonderes Vergnügen: es macht einfach Spaß, im Rollenspiel auch mal böse zu sein. Richtig böse ist er ja nicht, nur impulsiv und rücksichtslos zugleich - wie Rufus oft. Dass Goal seinen Tod so einfach hinnimmt und ihn z.B. im vergleich zu Cletus als nicht rettungswürdig ansah. Er ist halt ein Charakter der eindimensional und vielschichtig zugleich gesehen werden kann. In diesem Zusammenhang fand ich es auch lustig, offensichtliche Widersprüche einzufügen, dass Argus alle gleich machen will, nur sich selbst gleicher z.B..
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    Rufina und Goaler musste ich einfach leben lassen. Durch ihre Reise hatten sie sich weiterentwickelt und waren nicht mehr misslungene Kopien von Rufus und Goal, sie zu Töten wäre folgerichtig nicht mehr aufräumen sondern simpler Mord. (Bzw. Selbstmord, Goaler wollte sich ja auflösen, für eine vermeintlich bessere, jüngere Version von sich selbst.) Und sie waren mir einfach ans Herz gewachsen.
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    Das Offene Ende ist in diesem Falle Absicht: gibt die Möglichkeit für Fortsetzungen und ist gleichsam abschließend. Die zweite Fanfiction war ja so geendet, dass es eine dritte Geben musste, aber mit dieser Welt kann ich leben. Zwei Rufusse, zwei Goals, aber doch nicht doppelt, kein Damoklesschwert mehr über ihren Köpfen, keine Träumereien nur noch eine Zukunft auf Deponia. Gleichzeitig kein Happyland, eine Welt in Krieg und Konflikt, aber auch mit allen Möglichkeiten!


Das war erstmal alles, was mir so spontan einfällt. Wenn ich die Geschichte noch einmal in Ruhe durchgehe, fällt mir bestimmt noch mehr ein. Aber fürs erste sollte das reichen.


War doch schon eine Menge!
Ich freue mich auf jeden Fall, wenn dir noch Anmerkungen einfallen, das hält die Diskussion schließlich auch am Leben! :)

Danke, dass du deine Fanfic überhaupt zuende geschrieben hast! Hier fehlt ein Applaus-Smiley!!


Vielen dank für dieses nette Dankeschön.
Gleichsam muss ich mich aber auch bei dir bedanken, dass du meine Geschichten gelesen und auch kommentiert hast -
vielleicht regt das ja noch Andere an, auch mal ihren Senf abzugeben.
Es ist jedenfalls nicht selbstverständlich, dass sich Leute heute so viel Arbeit machen - Daumen hoch!

Schöne Grüße
Markus
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon #Goaly » Do 3. Mär 2016, 20:34

Freut mich, dass dich mein Feedback freut! :D
Ich freue mich auch, dass du so schnell geantwortet hast. Da lässt es sich gut diskutieren!


Da sagste was! Mich hat der 4. Teil auch überrumpelt. Ich hatte die Ankündigung zu Doomsday gar nicht gelesen und habe überhaupt nichts geahnt. Meine erste Reaktion war nicht "Danke" sondern "Hää? Aber..." Es fühlt sich immernoch seltsam an, wie selbstverständlich Rufus plötzlich wieder lebt. Klar freue ich mich sehr, dass er doch nicht sterben musste, aber jetzt ist alles neu. Die Gefühle, die mich damals zu ein paar Fanfictions inspiriert haben, sind weg.

Scheint so, dass ich versehentlich doch eine Zeitreise gemacht haben muss... vielleicht habe ich da gerade geschlafen. :lol:

Und vorher kräftig am Gummierstift gelutscht! :lol:

Oooh, ja. Spoileralarm! Es gibt ja jetzt schon eine Diskussion zum Ende. Da schaue ich auf keinen Fall rein. Ich will die Geschichte schön in Maßen genießen. Das bedeutet zwar, dass ich wahrscheinlich erst Ende des Monats bescheid weiß, aber dann hatte ich immerhin sehr viel vom Spiel. Das Ende bedeutet schließlich auch, dass es kein Deponia 5 geben wird. (Die Angaben sind ohne Gewähr ;) )

Ich bin allerdings gewillt, zu sagen, dass ich keine weitere Geschichte schreiben werde, zukünftig habe ich dazu wohl einfach nicht mehr die Zeit. Die Elysium-Reihe ist jedenfalls vorbei, das Ende gefiel mir. Es lässt zwar Optionen für Nachfolgegeschichten, aber die Storys habe ich ja im Kontext des endgültigen Deponia-Endes geschrieben; was mit einem vierten Teil die Existenzberechtigung aushöhlt.
Außerdem, auch wenn es eitel klingt, scheint sich, außer einigen wenigen freundlichen Menschen wie dir, kaum jemand für die Kurzgeschichten zu interessieren... nicht falsch verstehen: das Schreiben hat mir auch Spaß gemacht, aber irgendwie demotiviert es schon.
Nunja warten wir erst einmal das Ende des vierten Teils ab. Womöglich motiviert es ja auch Andere zum Schreiben. "Die Toni-Tribute" wäre vielleicht ein guter Arbeitstitel, falls jemand mitließt! :mrgreen:


Ja, das verstehe ich. So eine Geschichte zu schreiben, dauert sehr lange und so ganz ohne Feedback ist es auch nicht so schön. Man will ja doch gerne mit anderen über die Geschichte reden. Ich fände es auch schön, wenn noch andere ein bisschen Motivation bekommen könnten. Es gibt leider so wenige Deponia-Fanfics und die meisten sind noch gar nicht fertig und werden es vielleicht auch nicht mehr, weil der 4. Teil ja alles verändert. Ich habe alles gelesen, was es gibt.
Was ist eigentlich aus der Deponia-Fanseite geworden? :?:
Die Toni-Tribute? Gute Idee! Toni hätte auch mal mehr Platz in einer Geschichte verdient. :mrgreen:
Ich denke wieder nach, doch noch meine Entwürfe zu einer Geschichte zusammenzuschreiben. Ich hatte gestern, nachdem ich dir geschrieben hatte, noch eine Idee, wie ich das ganze auch in den jetzigen Canon einfügen kann. Natürlich wird das nie mehr so tragisch und endgültig wie es mal war, aber vielleicht kann ich den Leser ja ein bisschen daran erinnern, wie es mal war. Ich verspreche aber nichts. Meistens ist mir dann immer peinlich, was ich schreibe. :lol:

Um es klarzustellen: ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn eine Diskussion hier mal etwas OT wird, auch mal abseits des Roten Fadens lernt man viele interessante Details - wie die, dass du vielleicht mal eine eigene Geschichte schreiben möchtest!


Aber die Mods vielleicht. xD ("Waaas? Ein Satz über ein Gemüsebeet? RAUS!") Ich gehe jetzt mal davon aus, dass sie nicht zu der aggressiven Sorte gehören. ;)

Die Gedankenschrift in Kursiv der eigenen Stimme gegenüber zu stellen bot mir die Möglichkeit, mal auf die Wiederholung von Einleitungsworten zu verzichten. So viele man da auch verwenden kann (sagte, wandte ein, zischte, flüsterte etc.), es wirkt gerade bei längeren Zwiegesprächen doch sehr repetitiv. Und so konnte ich mal ganz einfach darauf verzichten, indem Rufus kursiv und Goal normal war.

Das ist auch wieder wahr. Das habe ich gar nicht bedacht. Vielleicht bin ich auch selber durcheinandergekommen. Es war ja schon etwas spät und am Bildschirm zu lesen ist auch etwas anstrengender als auf Papier. Vielleicht kann man noch jede neue Aussage auf einer neuen Zeile beginnen? Dann wären es noch mehr Seiten geworden, aber es wäre vielleicht etwas übersichtlicher gewesen.

In jedem Falle gefiel mir die Idee eines nervenden Rufus in Goals Kopf - jede Andere wäre nach 15 Minuten reif für die Klapse gewesen! ^^.

Stimmt. :D Dass Goal aber auch immer so viel aushalten muss.

Was die Romantik betrifft stand ich natürlich vor dem Problem; wie weit kann ich gehen, dass es noch jugendfrei ist - geht ja manchmal heiß her.

Da bin ich mir auch unschlüssig. Deponia ist eigentlich gar nicht jugendfrei. (Der Pädophile in dem Wagen! Das Bild von der nackten Goal!) Rufus und Goal küssen sich ja auch im Spiel. Allzu viele Gedanken über deren Unschuld würde ich mir nicht machen. Aber natürlich gibt es noch Dinge, die Kinder dann einfach übersehen oder anders verstehen können und Dinge, die nur allzu deutlich sind. Ich denke, du hast das angemessen umgesetzt.^^ Vielleicht kann man auch vorher eine Warnung ausgeben, damit es alle Kinder auf jeden Fall lesen damit sie es nicht lesen.

Bei allem Scherz war es mir in Seagulls Villa bspw. wichtig, die verzwickte Beziehung von Rufus zu seinem ätzenden Ziehvater zu beleuchten, auf mögliche Gründe war ich ja schon in meiner ersten Fanfic eingegangen - es ist nicht leicht für Rufus!

Tja, bei der Beziehung ist nichts mehr zu retten...du hast es ja mit wenigen Sätzen gesagt: Rufus steht zwischen Hass und Liebe zu seinem Vater. Vielleicht werden wir im 4. Teil sogar noch ein paar Szene zwischen den beiden sehen. Bei Zeitreisen ist alles möglich.

Bei den Situationen bin ich übrigens besonders stolz auf die Actionszenen. Indem ich Goal sterblicher machte als Rufus, machte ich die Story auch etwas düsterer. Vielleicht habe ich es aber mit dem Realismus auch übertrieben, indem ich Entfernungen abschätzte und Recherche über Schallgeschwindigkeit und Aschewolken betrieb...

Gar nicht! Ich war überrascht davon, dass da plötzlich so eine gut recherchierte Aschewolke auf sie zukam. Inzwischen wissen wir ja, dass die Zerstörung, die Elysium verursacht hat, noch viel schlimmer war, aber es gibt ja noch künstlerische Freiheit. Also falls du doch noch eine Geschichte schreiben solltest und es sich anbietet, bleib ruhig bei einem bisschen Realismus. :D
Ob noch jemand eine Fanfiction von über 1000 Seiten gelesen hätte, weiß ich nicht. Ich bin nur froh, dass ich es mir nicht so leicht gemacht habe, dass ich einfach geschrieben hätte: Goal schüttelt den Kopf, springt Rufus hinterher, sie fängt ihn, sie küssen sich, drehen einfach um und fallen rauf nach Elysium. Ich war nach dem Ende der Trilogie dazu geneigt, aber wenn ich schon realitätsverweigere, dann nicht unter dreißig Seiten! :geek:


Ähm..eher nicht..xD Für ne Fanfic sind ca 30 Seiten völlig ok. Ich meinte nur, dass die ganze Geschichte um Deponia und die Gefühlswelt der Charaktere so vielschichtig ist, dass man eigentlich...aber das hier ist nicht Game of Thrones!
Auch Nebencharaktere haben ein Recht auf Persönlichkeit - ob ihnen das gefällt, das steht natürlich auf einem ganz anderen Blatt... ich weiß in diesem Zusammenhang auch nicht, das der Gute Erik zu Zomgoons Auftritt sagen würde.

Frag ihn. :lol: Nee, besser nicht. Du hast ihn aber immerhin gerettet. Es war immernoch Poki, der ihn zum Penner gemacht hat.
(Du:"Hey, Gronkh! Im Spiel bist du ja schon ein dreckiger, stinkender Penner, aber ich habe aus dir außerdem noch einen hässlichen, fauligen Zombie gemacht. Ist das ok so?"
Gronkh: *packt die Axt aus* "Survival!!!")


Ich habe Barry nie als Karikatur aller Fans betrachtet, gerade weil er Rufus nicht durchschaut hat. Alle Fans wissen doch, dass Rufus einfach rücksichtslos und gefährlich ist. Es macht eben Spaß, ihm aus sicherer Entfernung dabei zuzusehen, wie er alles in Schutt und Asche legt. Klar tut er das immer öfter für den guten Zweck, aber ich denke doch, dass niemand ihn für einen durchgehend selbstlosen Helden hält.
Ich verstehe aber, dass in deiner Fanfic für Barry ja deutlich wird, dass Rufus sich überhaupt nicht um ihn schert.

Argus zu beschreiben war mir ein besonderes Vergnügen: [...] Er ist halt ein Charakter der eindimensional und vielschichtig zugleich gesehen werden kann.

Finde ich auch! Man kann ihn entweder auf das Böse reduzieren oder ihm mehr Persönlichkeit geben. Vielleicht treffen wir ihm im 4. Teil wieder, es würde mich freuen.

Huii, so viel Text! :P
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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon Emares » Fr 4. Mär 2016, 15:04

Freut mich, dass dich mein Feedback freut! :D
Ich freue mich auch, dass du so schnell geantwortet hast. Da lässt es sich gut diskutieren!


Freut mich, dass es dich freut, dass dein Feedback mich freut!
(Das könnte noch ein ganzschön langer Satz werden! ^^)
Eine Diskussion finde ich auf jeden Fall gut, das belebt das Thema! :)

Es fühlt sich immernoch seltsam an, wie selbstverständlich Rufus plötzlich wieder lebt. Klar freue ich mich sehr, dass er doch nicht sterben musste, aber jetzt ist alles neu. Die Gefühle, die mich damals zu ein paar Fanfictions inspiriert haben, sind weg.


Ist ja,
Spoiler: show
soweit man am Anfang mitbekommen konnte, gar nicht der Rufus, den wir vom Schluss der Triologie kannten, sondern ein viel unreiferes Exemplar. Das ist das frustrierende an Zeitreisen! ^^


Oooh, ja. Spoileralarm! Es gibt ja jetzt schon eine Diskussion zum Ende. Da schaue ich auf keinen Fall rein. Ich will die Geschichte schön in Maßen genießen. Das bedeutet zwar, dass ich wahrscheinlich erst Ende des Monats bescheid weiß, aber dann hatte ich immerhin sehr viel vom Spiel. Das Ende bedeutet schließlich auch, dass es kein Deponia 5 geben wird. (Die Angaben sind ohne Gewähr ;) )


Bis jetzt habe ich mich noch gut rausgehalten aus den Spoilern... das einzige, was ich weiß, ist dass es wieder viele gibt, denen das Ende nicht gefällt, rein überschlagsmäßig mehr aus der englischen Communitie; aber ich will da mal vorurteilsfrei drangehen! ;)

Ich fände es auch schön, wenn noch andere ein bisschen Motivation bekommen könnten. Es gibt leider so wenige Deponia-Fanfics und die meisten sind noch gar nicht fertig und werden es vielleicht auch nicht mehr, weil der 4. Teil ja alles verändert. Ich habe alles gelesen, was es gibt.


Liegt vielleicht auch am eher niedrigen Alter im Durchschnitt der Spieler. Da werden sich eher wenige für Lesen oder gar Schreiben interessieren...

Was ist eigentlich aus der Deponia-Fanseite geworden? :?:


Ist die nicht zu einer Daedalic-Fanseite geworden?

Die Toni-Tribute? Gute Idee! Toni hätte auch mal mehr Platz in einer Geschichte verdient. :mrgreen:


Vielleicht wäre das was für einen Shooter!? :twisted:

Ich denke wieder nach, doch noch meine Entwürfe zu einer Geschichte zusammenzuschreiben. Ich hatte gestern, nachdem ich dir geschrieben hatte, noch eine Idee, wie ich das ganze auch in den jetzigen Canon einfügen kann. Natürlich wird das nie mehr so tragisch und endgültig wie es mal war, aber vielleicht kann ich den Leser ja ein bisschen daran erinnern, wie es mal war. Ich verspreche aber nichts. Meistens ist mir dann immer peinlich, was ich schreibe. :lol:


Es freut mich, das zu hören. Und nicht die Hoffnung verlieren, was kann denn schlimmstenfalls rauskommen?
Eine gute Schreibübung!?
Und wer weiß: vielleicht wird es ja auch so gut, dass du zum Autoren wirst! ;)

Es war ja schon etwas spät und am Bildschirm zu lesen ist auch etwas anstrengender als auf Papier.


Vielleicht eine ganz lustige Zusatzinfo: zur Korrektur habe ich die Geschichte ausgedruckt und mit dem Rotstift markiert, wenn was geändert werden musste; ein paar mal saß ich dabei auf einer Parkbank, von der aus man halb NRW sehen konnte.

Vielleicht kann man noch jede neue Aussage auf einer neuen Zeile beginnen? Dann wären es noch mehr Seiten geworden, aber es wäre vielleicht etwas übersichtlicher gewesen.


Wenn ich wieder etwas schreibe, werde ich es, denke ich, so machen. Allerdings habe ich hier auch irgendwo ein oder zwei mal den Umstand, dass es eben nicht so ist, für einen kleinen Gag genutzt. ;)

Vielleicht kann man auch vorher eine Warnung ausgeben, damit es alle Kinder auf jeden Fall lesen damit sie es nicht lesen.


Habe ich hier sogar im zweiten Absatz gemacht! :lol:

Gar nicht! Ich war überrascht davon, dass da plötzlich so eine gut recherchierte Aschewolke auf sie zukam. Inzwischen wissen wir ja, dass die Zerstörung, die Elysium verursacht hat, noch viel schlimmer war, aber es gibt ja noch künstlerische Freiheit. Also falls du doch noch eine Geschichte schreiben solltest und es sich anbietet, bleib ruhig bei einem bisschen Realismus. :D


Die Aschewolke hatte ja schon Don Rosa verwendet. Ich musste jedoch erst einmal in Wikipedia nachschlagen, wie das mit den räumlichen bzw. Zeitabständen gehen kann - bei einem Naturphänomen sind natürlich auch Abweichungen möglich.
Immerhin war es bei mir ja eine gezielte Landung (basierend auf der Aussage des Ältesten auf Elysium am Schluss von Teil drei),
Spoiler: show
Zukunfts-Rufus dagegen berichtet ja eher von einem zerstörten, ausgebrannten Elysium.

Das war bestimmt Cletus schuld - Elysium muss einfach für eine orbitale Landung ausgelegt sein, es sollte ja eigentlich auf Utopia landen!

Du:"Hey, Gronkh! Im Spiel bist du ja schon ein dreckiger, stinkender Penner, aber ich habe aus dir außerdem noch einen hässlichen, fauligen Zombie gemacht. Ist das ok so?"
Gronkh: *packt die Axt aus* "Survival!!!"


:lol:

Ich verstehe aber, dass in deiner Fanfic für Barry ja deutlich wird, dass Rufus sich überhaupt nicht um ihn schert.


In meiner Geschichte wächst Barry ja auch über sich hinaus und wird unabhängig von seinem Idol. Ausgehend davon, dass Barry für die Fans steht, ein Symbol für die Gesundung vom Ende... und jetzt fängt es wieder von vorne an! :P

Finde ich auch! Man kann ihn entweder auf das Böse reduzieren oder ihm mehr Persönlichkeit geben. Vielleicht treffen wir ihm im 4. Teil wieder, es würde mich freuen.


Ich hoffe, ich spoilere dich nicht, aber auf einem Preview-Video
Spoiler: show
konnte man ihn zusammen mit seinem Chef und seinen Klonkollegen sehen...
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon #Goaly » Fr 4. Mär 2016, 20:18

Freut mich, dass es dich freut, dass es mich freut, dass mein Feedback dich freut! :D

Ja, das habe ich mitbekommen. Ich habe ca 3 Stunden von Gronkhs Stream gesehen und dann wollte ich mir den Rest übriglassen. Ich hätte eigentlich sagen sollen, dass er "noch" lebt, denn ihm ist ja noch gar nichts passiert. Wir wissen ja nicht, ob er aus einer ganz anderen Zeitlinie kommt, oder ob sich bloß dieselbe Zeitlinie immer wieder zurückspult... Verwirrend. Da komme ich mit meinen Tempomorphkenntnissen auch nicht weiter. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich dieses Zeitparadoxon selbst zuzuschreiben hat. xD Er wird noch mal ganz neu auf Goal treffen müssen. Die vielen Versuche, sie rumzukriegen, kann er gleich noch einmal wiederholen.

Bis jetzt habe ich mich noch gut rausgehalten aus den Spoilern... das einzige, was ich weiß, ist dass es wieder viele gibt, denen das Ende nicht gefällt, rein überschlagsmäßig mehr aus der englischen Communitie; aber ich will da mal vorurteilsfrei drangehen! ;)


Mir schwant schon wieder übles. Immerhin kann Rufus ja wieder sterben. Vielleicht wird ja nur Elysium gerettet, was auch nicht schlecht wäre, aber ich will ihn nicht noch mal sterben sehen. :(

Liegt vielleicht auch am eher niedrigen Alter im Durchschnitt der Spieler. Da werden sich eher wenige für Lesen oder gar Schreiben interessieren...


Och naja, ich denke, es werden nicht nur Kinder/Teenager Deponia spielen. Bei Gronkh schauen ja auch nicht nur 12-jährige zu. Wahrscheinlich ist das Fandom noch zu klein. Größere werden ja von Fanfics überflutet, und nicht wenige wurden dann von Leuten geschrieben, die nicht sehr alt sein können. ;)

Ist die nicht zu einer Daedalic-Fanseite geworden?


Hast Recht! Allerdings ist die auch offline. "In Kürze" soll sie aber wieder zugänglich sein. Ich hoffe, dass derjenige, der die Seite betreibt, es schafft, sie weiterzuführen. Es ist ja sehr zeitaufwändig, sowas zu machen, aber es ist immer eine nette, zusätzliche Wertschätzung der Spiele.

Vielleicht wäre das was für einen Shooter!? :twisted:


Mad Toni! Die Szenerie würde ja passen.

Es freut mich, das zu hören. Und nicht die Hoffnung verlieren, was kann denn schlimmstenfalls rauskommen?
Eine gute Schreibübung!?
Und wer weiß: vielleicht wird es ja auch so gut, dass du zum Autoren wirst! ;)


Naaa, wir wollen doch nicht das Unmögliche herausfordern! :mrgreen:
Was schlimmstenfalls rauskommen kann? Datenmüll, Augenblutungen beim Leser... :roll:
Da fällt mir noch was ein, was mir aufgefallen ist: Es ist ja allgemein anerkannt, dass Rufus nicht zu Elysium passt, weil er immer ein Ziel braucht und somit auch einen Haufen Probleme, die er lösen kann. Sowas soll es ja auf Elysium nicht geben. (Kann ich mir nicht vorstellen. Was sind das für Menschen?) Ich habe aber eher Probleme damit, Cletus an Elysium anzupassen. Die Leute dort sind alle glücklich, entspannt, ungezwungen (überall liegen leicht bekleidete Leute in der Sonne). Ein große Hippie-Kommune! Die Anführer tragen albere Kostüme, Partyklamotten, Hawaiihemden...wie könnte Cletus die ernst nehmen? Er ist viel zu verklemmt und mürrisch für Elysium. Rufus dagegen würde sich überhaupt nicht wundern.

Vielleicht eine ganz lustige Zusatzinfo: zur Korrektur habe ich die Geschichte ausgedruckt und mit dem Rotstift markiert, wenn was geändert werden musste; ein paar mal saß ich dabei auf einer Parkbank, von der aus man halb NRW sehen konnte.


Klingt nach einem schönen Ort, fast zu schön um zu arbeiten. Es war damals Sommer, oder?

Habe ich hier sogar im zweiten Absatz gemacht! :lol:


Das hätte groß und fett geschrieben gehört! :P

Immerhin war es bei mir ja eine gezielte Landung (basierend auf der Aussage des Ältesten auf Elysium am Schluss von Teil drei),


Stimmt. Ich hab mir auch immer vorgestellt, dass Elysium landen kann. Die Elysianer würden doch nicht so lange warten, bis ihnen auch noch der Treibstoff ausgeht (oder was auch immer sie oben hält).

Das war bestimmt Cletus schuld - Elysium muss einfach für eine orbitale Landung ausgelegt sein, es sollte ja eigentlich auf Utopia landen!


Heeeey!!! Bist du nun auch in der Zeit gereist und hast meine Fanfiction gelesen? So langsam werden mir deine Vorhersagen unheimlich. :lol:
(Ok, es ist ja fast offensichtlich, dass es so kommen muss. Ich weiß aber auch nicht so recht, wie ein Raumschiff mit so einem langen ... ähm Ende an der Unterseite überhaupt landen soll. Das würde doch einfach umfallen. Nein, halt, es gibt ja noch Wasser. xD)

Juhuu!! Bei 20 Stunden Spielzeit werden wir bestimm noch mehr Bekannte treffen! Ich freue mich so über das Spiel!
Auf den Untergang Elysiums!

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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon Emares » Sa 5. Mär 2016, 11:03

Freut mich, dass dich freut, dass es mich freut, dass es dich freut, dass dein Feedback mich freut! :lol:

Insgeheim hoffe ich ja, dass Rufus nicht die ganze Zeit durch die Zeit reist, vielleicht wird er auch durch eine reifere Version ersetzt oder sein Verstand zumindest um die neuen Erfahrungen einer neuen Zeitebene ergänzt.

Mir schwant schon wieder übles. Immerhin kann Rufus ja wieder sterben. Vielleicht wird ja nur Elysium gerettet, was auch nicht schlecht wäre, aber ich will ihn nicht noch mal sterben sehen.


Selbst wenn er stirbt, hoffe ich ja noch auf ein schlüssigeres Ende, bei dem nicht Cletus der lachende Dritte ist.
Mir wäre es sogar lieber, wenn Goal mit Wenzel zusammen käme - nur nicht mehr mit Cletus! :twisted:
Eine Beziehung mit Argus wäre auch interessant; Lady-Goal war immerhin bereit, Massengenozid zu begehen - die Evil-Goal-Chronicles sozusagen! :mrgreen:

Och naja, ich denke, es werden nicht nur Kinder/Teenager Deponia spielen. Bei Gronkh schauen ja auch nicht nur 12-jährige zu. Wahrscheinlich ist das Fandom noch zu klein. Größere werden ja von Fanfics überflutet, und nicht wenige wurden dann von Leuten geschrieben, die nicht sehr alt sein können.


Die Glockenkurve des Zuschauer-/Spielerdurchschnitts wird ihren Höhepunkt gleichwohl um die 12-14 Jahre haben, davon gehe ich aus. Das heißt nicht, dass es keine älteren bzw. reiferen Fans gibt, der Großteil liegt jedoch bei den Jüngeren. Und ältere haben oft gar nicht so viel Zeit für Fanfics und Fanart, irgendwann muss man ja auch mal arbeiten, eine Familie versorgen und Co..
Hinzu kommt die kleine Fangemeinde, da stimme ich dir voll zu. Deponia war ja auch lange Zeit ein "Geheimtipp" - was sich mit Deponia Doomsday womöglich ändert; 20 Spielstunden sag' ich nur! :o

Hast Recht! Allerdings ist die auch offline. "In Kürze" soll sie aber wieder zugänglich sein. Ich hoffe, dass derjenige, der die Seite betreibt, es schafft, sie weiterzuführen. Es ist ja sehr zeitaufwändig, sowas zu machen, aber es ist immer eine nette, zusätzliche Wertschätzung der Spiele.


Ich sehe ich weniger die Arbeit als Problem, da können Fans aushelfen, als die Finanzierung. Eine Seite am Leben zu erhalten kostet Geld und das muss irgendwie aufgebracht werden.
Naja, vielleicht ist aber auch nur irgendeine Wartung im Gange, da braucht man dann viel Arbeit... aber warten wir doch einfach ab!

Mad Toni! Die Szenerie würde ja passen.


Eine Oase in der Wüste, die Sonne geht gerade auf und lässt die Luft über dem Wüstenboden flimmern. Die morgendliche Stille wird von einem Dröhnen unterbrochen. Ein Motorrad durchstreift die Ödnis und zieht eine Staubwolke hinter sich her. Die Fahrerin hat einen Armeehelm auf, langes blondes Haar flattert darunter im Fahrtwind hervor. Eine verspiegelte Sonnenbrille bedeckt die Augen, liegt wie ein Gewächshaus über den Sommersprossen und eine Zigarette wird von dem ausdruckslosen Mund gehalten. Ihre feminine Form wird von einer maskulinen Haltung konterkariert, sie sitzt wie eine Skulptur aus Stahl fest im Sattel, während ihr Armeemantel hinter ihr herweht.
Plötzlich drückt sie die Bremse, das Motorrad verlangsamt sich schlagartig, sodass der Mantel nach vorne klatscht wie Wasser, das aus einem Eimer ausgeschüttet wird. Durch den Sand gerät das Bike ins Rutschen, schlittert vor und wendet sich schließlich, um mit beiden Reifen an der Mauer um die Oase stehen zu bleiben, währen die Frau sich mit einem Knie an der Wand und einem Fuß auf dem Boden stabilisiert.
Sie steigt schwerbeinig ab, zieht die gewichtige Maschine etwas vor und lehnt sie an die Wand. Ihre Ankunft wurde von einigen schmutzigen Kindern bemerkt, ein kleiner Blondschopf wankt auf sie zu und grinst.
"Cooles Bike!"
In einer kontrollierten Bewegung dreht sie sich um und schupst das Kind, sodass es verwundert auf seinen Hintern fällt,
"Verpiss dich!", faucht sie es an.
Während sie auf einen Durchlass in der Mauer zugeht, fragt ein kleines Mädchen aus der Gruppe sie:
"was machst du hier?"
Sie bäumt sich etwas auf, wendet sich locker zur Seite und zieht ihre Sonnenbrille etwas herunter, sodass glänzende kastanienbraune Augen zum Vorschein kommen.
"Ich suche meinen Verlobten."
Sie bewegt die Fluppe in ihrem Mund langsam mit der Zunge von einer Seite auf die Andere.
"Er heißt Wenzel und schuldet mir noch Geld!"

Würde mir da spontan einfallen! :D

Was schlimmstenfalls rauskommen kann? Datenmüll, Augenblutungen beim Leser... :roll:


Iwo, hatte ich von meinen Ideen auch gedacht und dann hat es doch ein paar Leuten gefallen! :mrgreen:

Da fällt mir noch was ein, was mir aufgefallen ist: Es ist ja allgemein anerkannt, dass Rufus nicht zu Elysium passt, weil er immer ein Ziel braucht und somit auch einen Haufen Probleme, die er lösen kann. Sowas soll es ja auf Elysium nicht geben.


Das sehe ich etwas anders; Rufus kennen wir ja von seiner Heldenreise - wie Homer.
Das heißt aber nicht, dass der Held sein Ziel nicht erreichen kann.
Nur weil es nicht so spannend ist, dass Homer seine Frau wiedertrifft und seine Nebenbuhler fertig macht bzw. wie er dann glücklich lebt, heißt das nicht, dass ein Held nach Erfüllung seiner Mission unbedingt sterben muss oder es eben nie schafft!
Wobei ein paar schwarzhaarige Goals als Nachkommen, die partout nicht auf ihre Eltern hören wollen, schon ein Abenteuer für sich und keineswegs Stillstand wären. :lol:

habe aber eher Probleme damit, Cletus an Elysium anzupassen. Die Leute dort sind alle glücklich, entspannt, ungezwungen (überall liegen leicht bekleidete Leute in der Sonne). Ein große Hippie-Kommune! Die Anführer tragen albere Kostüme, Partyklamotten, Hawaiihemden...wie könnte Cletus die ernst nehmen? Er ist viel zu verklemmt und mürrisch für Elysium. Rufus dagegen würde sich überhaupt nicht wundern.


Ich glaube, du musst dir Elysium wie ein Kreuzfahrtschiff vorstellen: bei den Aktivitäten an Deck, der Strandparty und im Schimm- und Saunabereich kann man sich locker anziehen, beim allabendlichen Kapitänsball, an der Bar und im Café jedoch ist man im Anzug zugegen.
Ich denke, Cletus passt da gut rein, Rufus wäre sicherlich besser darin, im Schwimmbad die Sau rauszulassen, Cletus gäbe ein besseres Bild beim feinen Büffet ab.

Klingt nach einem schönen Ort, fast zu schön um zu arbeiten. Es war damals Sommer, oder?


Sommer oder Frühling, ist auch schön und ruhig da, da man dahin den Berg hochwandern muss, wofür ja viele heute zu faul sind! ^^
War aber keine Arbeit, und hin und wieder besuchen einen auch ein paar Rinder, die wissen wollen, was man da macht und ob man das Papier fressen kann! ;)

Das hätte groß und fett geschrieben gehört!


Aus anderen Foren weiß ich, dass viele User einen Hinweis auch dann nicht lesen, wenn er doppelt so groß, fett, unterstrichen und dunkelrot gefärbt ist... :P

Heeeey!!! Bist du nun auch in der Zeit gereist und hast meine Fanfiction gelesen? So langsam werden mir deine Vorhersagen unheimlich.


Natürlich habe ich sie gelesen und sie war richtig gut - bis auf die Szene mit Cletus und den Ältesten im FKK-Bereich, da hättest du weniger schreiben werden sollen! ^^
Aber ich fand die Idee gut, dass Goal ihn so reingelegt hat!

Spaß beiseite, viele Fans werden sich vorgestellt haben, wie Elysium auf Utopia landen kann. Viele werden eine Notwasserung favorisieren, andere, wie ich, sehen auch die Möglichkeit, auf Land aufzuschlagen (habe ich ja in der Traumsequenz beschrieben).

Ich weiß aber auch nicht so recht, wie ein Raumschiff mit so einem langen ... ähm Ende an der Unterseite überhaupt landen soll.


Wenn das für Utopia OK ist und die Beiden es vorsichtig angehen, ist das wohl in Ordnung und geht nur die Beiden was an! :lol:
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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#Goaly
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Re: Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction

Beitragvon #Goaly » Sa 5. Mär 2016, 14:29

Und es freut mich, dass es dich freut, dass es mich freut, dass es dich freut, dass es mich freut, dass mein Feedback dich freut!

Freuception! :mrgreen:


Insgeheim hoffe ich ja, dass Rufus nicht die ganze Zeit durch die Zeit reist, vielleicht wird er auch durch eine reifere Version ersetzt oder sein Verstand zumindest um die neuen Erfahrungen einer neuen Zeitebene ergänzt.


Also ich denke, es werden schon eine Menge neuer Erfahrungen dazukommen. Auf den Erinnerungen aus dem Traum kann er ja auch aufbauen, wenn er erst einmal verstanden hat, dass das alles wirklich passiert ist. Wie meinst du das mit dem Ersetzen? Müsste man dazu nicht den unreiferen Rufus vernichten? :o


Selbst wenn er stirbt, hoffe ich ja noch auf ein schlüssigeres Ende, bei dem nicht Cletus der lachende Dritte ist.


Es wäre ja schon mal nicht schlecht, wenn Elysium nicht wieder dem Absturz geweiht wäre und Deponia nicht vor der Zerstörung stünde. Die restlichen Deponianer könnten ja wenigstens evakuiert werden oder Elysium auf Deponia landen. Wer sagt eigentlich, dass es auf Deponia keine Perspektive mehr gibt? Die Bewohner haben sich doch gut mit ihrer eigenwilligen Umgebung arrangiert. Vielleicht könnte man auch mithilfe der Technologie auf Elysium was nützliches Erfinden...Müllverwertung oder so. :roll:

Mir wäre es sogar lieber, wenn Goal mit Wenzel zusammen käme - nur nicht mehr mit Cletus! :twisted:


Na, du bist auf jeden Fall ein Cletus-Fanboy! :lol:

Eine Beziehung mit Argus wäre auch interessant; Lady-Goal war immerhin bereit, Massengenozid zu begehen - die Evil-Goal-Chronicles sozusagen! :mrgreen:


Ich hätte Argus eher Krawall-Goal zugeteilt. Ich dachte, die 3 verschiedenen Goals würden so in etwa auch die 3 Prototypen wiederspiegeln. Baby-Goal ist Rufus-ähnlich und Lady-Goal eher wie Cletus. Auch Cletus hatte ja nichts dagegen, alle Deponianer umzubringen. Bei Krawall-Goal bin ich mir nicht so sicher. Ihr hätte es aber bestimmt gefallen, Elysium einzunehmen und mit Deponia hätte sie nicht allzu viel Mitleid.
Ich habe mich auch schon gefragt, was wäre, wenn Argus überlebt hätte. Hätte Goal ihn gezwungen, Rufus zu spielen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass er dann Elysium eingenommen hätte, immerhin waren ja alle Organons bei ihm. Das hätte Goal bestimmt nicht gefallen. Argus hätte zwar gewusst, dass er einen guten Plan braucht, um Elysium zu retten, ihm wäre aber bestimmt auch nichts funktionierendes eingefallen.


Schnabli.de gab es auch mal. Vielleicht sind jetzt alle einzelnen Fanseiten auf der Daedalic-Fanseite zusammengekommen.


Eine verspiegelte Sonnenbrille bedeckt die Augen, liegt wie ein Gewächshaus über den Sommersprossen ...

Genial! :lol:

"Ich suche meinen Verlobten."
Sie bewegt die Fluppe in ihrem Mund langsam mit der Zunge von einer Seite auf die Andere.
"Er heißt Wenzel und schuldet mir noch Geld!"

Das ist der Moment, an dem Wenzel darüber nachdenken sollte, sich einen neuen Heimatplaneten zu suchen. xD Der Sicherheitsabstand kann nicht groß genug sein!


Nur weil es nicht so spannend ist, dass Homer seine Frau wiedertrifft und seine Nebenbuhler fertig macht bzw. wie er dann glücklich lebt, heißt das nicht, dass ein Held nach Erfüllung seiner Mission unbedingt sterben muss oder es eben nie schafft!
Wobei ein paar schwarzhaarige Goals als Nachkommen, die partout nicht auf ihre Eltern hören wollen, schon ein Abenteuer für sich und keineswegs Stillstand wären. :lol:

Klar, wir Fans können uns das vorstellen. ;) Ich denke aber, dass Poki sehr deutlich gemacht hat, dass er sich Rufus nicht glücklich und zufrieden bis ans Ende seiner Tage lebend vorstellt. Ok, abwarten, noch kenne ich das wahre Ende nicht. Ich denke, so jemand wie Rufus wird immer etwas finden, was er tun kann, auch auf Elysium. Der Heldentod ist schließlich auch nur ein Klischee.
Süß, so viele kleine, unartige Goals! :3 Rufus als Vater hätte bestimmt Probleme damit, ihnen Recht und Ordnung beizubringen. "Das Badezimmer fluten? Guter Plan! Aber nicht die Taucherausrüstung vergessen!" Da wäre mal eine Grundsatzdiskussion zwischen Rufus und Goal fällig. xD


Aus anderen Foren weiß ich, dass viele User einen Hinweis auch dann nicht lesen, wenn er doppelt so groß, fett, unterstrichen und dunkelrot gefärbt ist... :P

Auch nicht, wenn er blinkt und einen Jingle abspielt? :mrgreen:


Natürlich habe ich sie gelesen und sie war richtig gut - bis auf die Szene mit Cletus und den Ältesten im FKK-Bereich, da hättest du weniger schreiben werden sollen! ^^
Aber ich fand die Idee gut, dass Goal ihn so reingelegt hat!

Hilfee! Kopfkino!!! :lol:

Wenn das für Utopia OK ist und die Beiden es vorsichtig angehen, ist das wohl in Ordnung und geht nur die Beiden was an! :lol:

Das kann noch richtig romantisch werden. :lol:
Auf den Untergang Elysiums!


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