Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

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Emares
Retter(in) des Müllplaneten
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Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon Emares » So 14. Jun 2015, 15:48

Hallo ihr Lieben!

Tja, da sind wir wieder: wie bei der Vorgängergeschichte (Elysium) habe ich in die Tasten gehauen. (In Elysium Limerenzen und Die Toni-Tribute geht es dann danach wiederum weiter.)
Damals habe ich im Grunde nur versucht, das Ende der Depoia-Triologie zu verarbeiten. Dieses Mal war es nicht so schlimm, ich hatte einfach Lust, eine Fortsetzung zu schreiben und ich wollte wissen, ob ich noch eine Geschichte schreiben kann.
Ob ich eine Geschichte schreiben kann, die auch etwas taugt, das könnt ja ihr selbst bewerten. Jedenfalls drei bis fünf Wochen später waren 18.592 Wörter und 114.129 Zeichen auf 30 Seiten virtuelles Papier gebracht – schon mal ein Lob für die Tapferen, die sich im folgenden dadurch quälen! ;D
Ich möchte allerdings empfehlen, die Vorgeschichte zu erst zu lesen, sonst versteht ihr wohl nur Bahnhof, auch wenn ich versucht habe, im Prolog alles möglichst ausführlich zu behandeln.

Und nicht vergessen: die Figuren der Geschichte und die Welt sind geistiges Eigentum von Daedalic, es gibt sogar einen Gastauftritt aus einem anderen Spiel mit einem blauen Hasen, vielleicht erkennt ihr ihn ja wieder... ich habe nur mit ihnen gespielt. ;)

Ich erhebe natürlich auch keinen Anspruch, im Sinne der kreativen Köpfe geschrieben zu haben, letztlich habe ich nur mit bestehender Story gespielt und auch hier nicht den Anspruch auf „Echtheit“.
Auch wenn ich mir viel Mühe gegeben habe, dass alles kanonisch ist, natürlich machen die Figuren auch hier eine Wandlung durch und sind teilweise stark abgewandelt vom Original, besonders das Innenleben der Leute konnte man im Spiel ja nur in wenigen Momenten sehen, hier zeige ich auch Gedanken und innere Dialoge.
Ich weiß, ist nicht besonders kreativ und schon Bestandteil vieler SciFi-Filme und -Serien, aber mir gefiel die Idee. Außerdem habe ich Gedanken hier kursiv gemacht (was für die Vorbereitung für das Forum noch mal einige Extraarbeit nötig machte). Da mir dies besser gefiel als >< oder <> oder '' und ich ohnehin nichts in den Dialogen besonders betone, ging dies auch besonders gut.

Die Geschichte sollte nur gelesen werden, wenn man die Deponia-Reihe durch hat, da man sich ansonsten spoilert!

Um euch jetzt aber nicht zu viel zu spoilern, schreibe ich jetzt nur noch: viel Spaß!
(Mehr zum Schluss!)


Nie wieder Elysium:

Monate!
Monate waren vergangen, seit er sich aufopferte!

Rufus, der Held unserer Geschichte, blickte von Bozos Kutter auf die Weiten des Rostroten Meeres.
Sein Gesicht wies Augenringe auf, die seine flache Nase umrahmten. Er seufzte, als der Wind durch seine langen, braunen Haare fuhr, wirkte resigniert und rekapitulierte die letzten Monate. Er wollte seinem Heimatdorf Kuvaq den Rücken kehren, wollte einen Kreuzer des Organon – der geheimnisvollen Exekutive des Planeten – kapern und von da Elysium erreichen.
Elysium – eine fliegende Stadt – erinnerte sie jeden Tag daran, dass die Oberschicht sich in höhere Sphären zurückgezogen hatte, nachdem der Planet Deponia zu einer einzigen Müllhalde geworden war und kaum mehr bewohnbar.
Er hatte es tatsächlich geschafft, nachdem er seiner Exfreundin Toni, eine junge Frau mit lockigem, blondbraunem Haar sowie betonter Figur und seinem besten Freund, dem Glubschgnom Wenzel, den Mittelfinger gezeigt hatte. Bildlich gesprochen, denn seine brutale Ex hätte ihm den Finger sonst einfach abgebrochen.
Auf dem Kreuzer angekommen traf er jedoch auf die Elysianerin Goal, welche gerade von Argus – dem Anführer des Organon – bedrängt wurde. Er rettete sie, indem er sie vom Kreuzer warf und wurde anschließend zum Dank selbst vom Kreuzer geworfen.
Auf der Oberfläche fand er sie dann in Kuvaq wieder. Sie hatte orangerote Haare, weiße Haut, rosarote Bäckchen und trug edle Kleidung in weiß und blaugrün. Obwohl sie bewusstlos war, später dann plemplem, verliebte er sich in sie.
Als der Organon in Kuvaq einfiel, schaffte er sie zur oberen Aufstiegsstation, wo ihr Verlobter wartete. Dieser Cletus, so stellte sich heraus, liebte sie aber nicht und... war das gespuckte, kreidebleiche und schleimige Ebenbild von Rufus.
Rufus schaffte es, seinen Rivalen von seinem Hass auf Deponia zu überzeugen, nachdem dieser ihm offenbart hatte, dass der Planet gesprengt werden sollte.
Sie trafen die Vereinbarung, dass Rufus Goal zu Cletus und Cletus Rufus nach Elysium brächte und so holte Rufus Goal. Diese befreite er mit Hilfe von Doc, einem alten Bastler mit breiten Schultern, grauem Haar sowie grauem Bart, und mit Hilfe des Schrottkutterkapitäns Bozo, den er damals für einen brutalen Piraten hielt, von der Beschädigung ihres Hirnimplantats.
Anstatt Cletus jedoch als leichte Beute gegenüberzutreten, tat er sich mit der Orbitelfe zusammen und überwand Cletus. Dieser jedoch trieb einen Keil zwischen die Beiden und so betäubte Rufus seine große Liebe, indem er ihre Bewusstseinsdatasette entfernte.
Argus, der das alles beobachtet hatte, sah in Rufus nun eine bessere Ratte als in Cletus und schickte ihn und Goal – mit einer Backupdatasette ausgestattet – nach Elysium.
Auf halbem Weg jedoch gestand er ihr, dass er nicht ihr Verlobter sei und sie zwang ihn, ihr altes Implantat wiederzubeschaffen. Er tat es, doch Cletus überwältigte ihn und Argus schickte nun doch ihn mit Goal zurück nach Elysium.
Jedoch hatte Rufus die Datasetten ausgetauscht und entkam Argus mit einem beherzten Sprung vom Turm, bei dem er in einem Nadelhaufen landete. Dort fand Bozo ihn.

Doc und Bozo pflegten ihn gesund und er war eine kleine Ewigkeit bewusstlos. Als er aufwachte war der Planet nicht gesprengt worden, die Backupdatasette aber zerstört.
Der junge Mann war völlig verwirrt, denn als er im Koma lag, hatte er seine Lebensgeschichte einfach weiter geträumt. Er träumte von Rebellion gegen den Organon, davon, dass Goal und er ein Paar wurden, dass er sich als einer der Prototypen für den Organon herausstellte, sich klonte, den Tod erlebte und er sich schließlich opferte, damit sie lebend nach Elysium kam – mit Cletus an seiner statt. Es war nicht wirklich passiert, er hatte sich in eine Phantasie verliebt, erst in die Vorstellung eines besseren Lebens, dann in eine Frau als Symbol dafür und schließlich in den Traum einer glücklichen Zukunft mit ihr.
Er war ein Anderer geworden, jemand der nicht nur an sich dachte, der auch Verantwortung übernahm für seine Taten und für Andere. Rufus hatte sich erst einmal damit abzufinden, dass er das alles nur geträumt hatte. Er heuerte bei Bozo an und half Bozo und Doc bei der Gründung eines medizinischen Konglomerates.
Sie bereisten ganz Deponia, was bedeutete, dass er auch seine alte Heimat, Kuvaq, wiedersah. Dort traf er auch auf seine alte Exfreundin Toni. Als sie ihn sah, runzelte sie die Stirn und verengte die Augen, eine Reaktion, die er schon oft bei ihr gesehen hatte, die nun aber Scham bei ihm auslöste. Was dann passierte, überraschte alle Anwesenden: er ging schnurstracks auf sie zu, die Fäuste geballt und blieb einen Meter von ihr entfernt stehen.
Für einen Augenblick sah er ihr nur angespannt in die Augen und sie machte sich gefasst, ihm im nächsten Moment eine Ohrfeige zu verpassen. Doch mit dem, was dann passierte, hatte sie nicht gerechnet – er fiel vor ihr auf die Knie, stützte sich auf seine Unterarme und legte die Hände flach auf den Boden. Und während er sich zu einem erbärmlichen Häuflein zusammenkauerte, sagte er nur, „Es tut mir leid!“.
Sie ballte die Faust und wollte auf ihn einschlagen, doch sie zögerte. Plötzlich fuhr er fort und entschuldigte sich für jede einzelne seiner Schandtaten. Sie hörte echtes, aufrichtiges Bedauern in seiner Stimme, und für einen Moment machte sie das noch wütender, verdarb er ihr doch die Möglichkeit, aus der Haut zu fahren.
Als er fertig war, schloss sie ihre Augen und wandte den Kopf angeekelt von ihm ab. Doch als er ängstlich aufblickte, streckte sie ihm ihre Hand entgegen. Und er ergriff sie.
Und so kamen die beiden wieder zusammen. Aber dieses Mal fraß er nicht bloß ihre Vorräte und schnorrte sich durch, er arbeitete, sie arbeitete und die wenigen Momente, die sie sich sahen, lag sie in seinen Armen und schnurrte so sanft wie einst – als hätte er sie nie enttäuscht.
Er hatte eigentlich rund um die Uhr zu tun und keine Zeit für Phantasien.
Ein Leben in Ordnung und Zufriedenheit, so hatte er seine Reise gestartet und nun hatte er es, wenn auch nicht auf Elysium. Er wusste: er sollte glücklich sein...
Doch sein Traum war wie eine reale Erinnerung.


Und es tat immer noch weh!
Die Türe zur Kabine des Kutters öffnete sich und Doc trat heraus. Der graue Mann war für ihn in kürzester Zeit zu einem Mentor und Vaterersatz geworden.
„Rufus...“, sprach Doc ihn an, als er neben ihn trat, „...wir müssen uns mal unterhalten! Seit wir dich aus dem Nadelhaufen gezogen und wieder zusammengeflickt haben, hast du nicht einmal gelächelt.“
Er legte seine Hand auf Rufus' Schulter und versuchte einen ernsten Tonfall: „Du bist in dieser Träumerei gefangen, von der du uns erzählt hast! Aber du kannst nicht auf ewig in der Vorstellung einer großen Liebe und dem Erreichen der Fliegenden Stadt verharren. Du musst nach Vorne schauen!“
„Weißt du...“, wollte Rufus entgegnen und holte schwermütig Luft.
Dock nahm seine Brille ab, eine Kombination aus Schweißbrille und Vergrößerungsgläsern.
„Die Welt ist in Aufruhr, die Zeitungen berichten davon, wie überall auf Deponia eine Armee von rothaarigen, wahnsinnigen Babys auftaucht und ganze Landstriche verwüstet...“, berichtete Doc ihm weiter.
Rothaarige Babys? Wahnsinnig? Eine Erinnerung kam in ihm auf, die eigentlich keine Erinnerung sein konnte, denn es war eine Erinnerung aus seinen Komaträumen.
Doch auf einmal bemerkte Rufus andere Gefühle, das flaue Gefühl im Magen intensivierte sich und sein Bauch zog sich zusammen. Das Geräusch der Wellen wurde immer lauter, wie sie gegen die Bordwand klatschten. Ihm wurde schwindlig. Was zum Schrott geht..., dachte er, doch da wurde es ihm schwarz vor Augen und seine Beine gaben nach.
„Junge, was ist los mit dir?“, hörte er Doc noch wie aus großer Entfernung rufen, da wurde jedwede Wahrnehmung außerhalb seines Kopfes von einem unerträglichen Tinnitus überfiepst, während er sich in Dunkelheit verlor.

Goal? Goal! Wach auf! Rufus' Stimme hallte in Goals Kopf wieder und wurde lauter. Dududu, man nennt ihn Rufus! Man nennt ihn Rufus; Ruuuufuus!
„Ru-Rufus...“, stammelte sie, „Rufus?“, ihre Lieder öffneten sich: „Rufus, wo bist du?“
Sie setzte sich auf und blickte sich um, ihre Augen schmerzten, als Licht auf sie traf, ihre Lieder fühlten sich verkrustet an und ihr Mund schmeckte trocken und bitter.
Dieser Raum... sie lag auf einer Bare, in einem Eckraum. Hinter ihr und rechts von ihr waren Glasscheiben, die den Blick auf tiefschwarze Nacht freigaben, vor und links neben ihr an den eierschalenweißen Wänden hingen metallische Medizinschränke, alles Übrige war in tristem Grau gehalten. Auf den Tischen im Raum lagen Operationsbesteck und... ein Stapel Formulare.
Sie nahm eines, Antragsformular für Erste Hilfe, Bitte in zweifacher Ausführung ausfüllen und mit der nächsten Rohrpost versenden!, las sie und es brach aus ihr hervor: „Eine Organon-Krankenstation; ich liege auf einer Organon-Krankenstation!“
Ihr lief ein Schauer über den Rücken, da merkte sie, wie eine Hand von ihrem Bauch auf ihren Oberschenkel rutschte – nicht ihre Hand.
Sie blickte an sich herab, zu der Hand gehörte ein Arm und dieser Arm hing an einer Gestalt, die auf einem Schemel neben dem Bett saß und mit Kopf und Brust auf der Bare an ihrer Seite ruhte.
Sie fasste ihn an der Schulter und rüttelte an ihm. „Hallo? Alles in Ordnung?“ Doch die Gestalt rutschte vom Schemel und knallte wie ein nasser Reissack auf den Boden unter der Bare.
Goal schreckte zurück, da spürte sie ein Ziehen an ihrer linken Schläfe. Sie fühlte sich an den Kopf und ertastete etwas. Es war an ihrer Datasette befestigt. Sie fühlte an dem länglichen Ding entlang, bis sie es in ihr Blickfeld heben konnte: Ein Glasfaserkabel! Es führte unter die Bare und war offensichtlich am Kopf des Mannes befestigt.
„Was ist denn hier los?“, stieß aus ihr hervor. Die Worte kamen so intensiv, dass ihr etwas mit hochkam, der Rülpser hatte den Geschmack von Galle. „Igitt!“ Sie schloss die Augen und versuchte, sich zu konzentrieren.
Ich war das!, hörte sie erneut Rufus Stimme. Sie sperrte die Augen wieder auf. „Rufus? Wo bist du?“ Sie blickte sich um, aber außer ihr und dem Mann unter ihr war niemand im Raum.
Ich bin hier!, tönte Rufus, worauf hin sie sich hektisch umsah, „Wo? Wo bist du?“
In deinem Kopf!

„In meinem Kopf!?“, sie geriet aus dem Gleichgewicht und rang um Halt bzw. Fassung.
Ihr Blick fiel auf ihren Arm, ihre Haut war braun gebrannt. „Was ist mit meiner Haut passiert?“
„Und was habe ich da bitte an?“, sagte sie mit Blick auf einen Organon-Arztkittel.
Hier drin war es recht kühl, ich wollte nicht, dass du dich erkältest!, klang Rufus' Stimme, ...deinen Mantel habe ich an den Kleiderhaken hinter der Türe gehängt...
„Zurück zum Wesentlichen – was ist passiert und warum versteckst du dich und überhaupt: warum veralberst du mich!?“, sagte sie wütend.
Ich veralbere dich nicht!, sagte Rufus traurig.
„Aber...“
Was ist das Letzte, an das du dich erinnern kannst!?
Das Letzte..., dachte sie und erinnerte sich an die Arbeit auf dem Müllkutter von Bozo, die Besuche beim Notar mit dem nach Ranzosenkäse stinkenden Bart.
Nicht das letzte, das du geträumt hast!, unterbrach die Stimme ihre Gedanken.
„Du meinst!?“, sagte sie, als die Stimme schon hektisch antwortete: Ja, was hast du auf Deponia getan?
„Also bin ich wirklich in der Zeit zurückgesprungen,
habe dein Leben rückwärts beobachtet und...
Deponia in die Luft gesprengt -“
Ja, das heißt; bis auf den letzten Teil!
„Puh!“, atmete sie erleichtert aus.
Danke übrigens, dass ich durch dich diese wichtigen Episoden in meinem Leben sehen konnte -
„Du warst ein süßes Baby“, gluckste sie, für einen Moment den Ernst der Lage vergessend.
...ähm, danke!? Ich meine... wer kann schon von sich behaupten, bei seiner eigenen Geburt in einer anderen Perspektive anwesend zu sein!?, klang die Stimme, die sich irgendwie etwas röter anhörte.
„Aber...“, gelangte sie wieder zur Fassung, „...wie kommt es eigentlich, dass ich hier und du... da bist, wo immer du bist?“
Sollte ich nicht am Anfang beginnen?
„Wie wäre es mit der Planetensprengung, habe ich die Leertaste nicht gedrückt?“
Doch, gleich nachdem du mich getreten hast, danke noch einmal dafür.
„Aber der Planet wurde nicht gesprengt!?“, sagte sie, während sie sich aufsetzte und sich mit den Armen auf der Bare abstützte.
Nein, es muss eine Fehlfunktion gegeben haben, als ich da lag, sah ich dich nur besessen auf die Leertaste schlagen, dann fuhr ein Schlag durch dich und du lagst auf dem Boden. Verzweifelt rappelte ich mich auf und stellte fest, dass du noch am Leben warst...
Sie wankte, tiefe Verzweiflung überkam sie, „Was ist mit mir los?“
Offensichtlich eine Nebenwirkung dass mein Bewusstsein in dir ist, meine Erinnerungen und deine Erinnerungen mögen so getrennt sein, dass die beiden Bewusstseinstypen sie zu sich selbst zuordnen können, sonst würden wir diese Unterhaltung nicht führen. Aber die Emotionen landen wohl im selben Puffer... Tut mir leid!, sie verspürte Scham.
„Das musst du dir abgewöhnen, komm bitte zur Sache!“
Sorry!, Peinlichkeit stieg in Goal auf, „Verarschst du mich!?“
Schon gut, schon gut, ich versuche den Faden wiederzufinden... Ach ja, du warst verletzt, bewusstlos – mal wieder. Aber du warst noch am Leben. Als meine Kräfte wieder kamen, hob ich dich auf und brachte dich in die nächste Krankenstation!, liebevolle Gefühle fluteten ihr limbisches System, sie kicherte.
Entschuldige, jedenfalls stellte sich heraus, dass der elektrische Schlag einige Programme deiner Datasette beschädigt hatte, keine Persönlichkeitsrelevanten, aber welche, ohne die das Ding entrophierte. Der Medbot hier erklärte mir, dass du ohne diese Programme sterben würdest...
Naja, wusstest du, dass diese Daten sich aus einem menschlichen Gehirn übertragen lassen!?
Das ist Teil der Implementierung einer Datasette und da wir keine Datasette zum kopieren hatten...

„Ich nehme an, es gab einen Haken.“
Stimmt, bei der Übertragung gehen diese Daten im Gehirn verloren, wodurch der Körper, ohne den Einbau der Datasette, schlicht und ergreifend stirbt.
„Rufus!“, sagte sie leicht empört.
Es machte Sinn, einfach meine Persönlichkeit mit zu laden – wenn ich schon die Heldennummer abziehe!
„Du hast dich selbst umgebracht!“
Du wärst sonst gestorben!
„Ich weiß nicht, ob die Konsequenz mir gefällt!“
Sieh es mal so: jetzt sind wir näher zusammen, als wir je hätten sein können!
„Ich wollte mit dir zusammen sein, aber nicht als Teil einer gespaltenen Persönlichkeitsstörung...“
Warum hast du dir das Ding noch mal einbauen lassen!?
„Soll das ein Scherz sein?“, wurde sie langsam richtig wütend.
Nein, nur eine ernsthafte Frage, nachdem ich in dir aufgegangen bin und erst einmal im Gefühl der Körperlosigkeit gesurft bin, hatte ich kurz die Möglichkeit, deine Erinnerungen zu sehen, aber ich habe keinen logischen Grund für so etwas gefunden...
„Jedenfalls keinen kanonischen!“, lachte sie und ließ ihre Beine baumeln.
Häh?
„Wenn du willst, gib mir fünf Minuten und ich lasse mir eine Begründung einfallen!“
Wer veralbert jetzt wen!?
Sie wurde wieder ernster. „Um noch einmal darauf zurückzukommen: Deponia wurde nicht gesprengt?“, Nope, „Und ich nehme an, dass wir uns küssten als die Lichter ausgingen, das war nur eine Kombination aus Nahtod und Verdrängungsmechanismen?“, Jepp, „Und was ist mit der Sache, dass ich dachte, ich wäre du?“, Selbsterhaltung und Verarbeitung meiner Erinnerungen – nehme ich an!
„Bleibt nur noch eine Frage!“, sie ballte die Faust, Ich spüre einen Anfall von Feindschaft...
„Hast du dir eigentlich einmal überlegt, wie es dann weitergehen soll!? Das ist keine Dauerlösung, sondern gestört!“, Du trägst mich in deinem Herzen!
Sie unterbrach ihn harsch: „Nein, in meinem Kopf!
Und es ist die Krönung dessen, was bis jetzt passiert ist:
du hast mich vom Kreuzer geworfen“, Das war der Organon!
„Du hast mich höchst fragwürdigen Behandlungen unterzogen“, Das waren die Pfeifen in Kuvaq schuld!
„Du hast meine Persönlichkeit gespalten!“, Aber nur bei der höchst heldenhaften Rettung deiner Gesundheit!
„...für einen Lolli!?“, Moment, woher weißt du das?[i]
„Was machen deine schmutzigen Finger in meiner Unterwäsche!?“, [i]Also, das kann ich erklären!

„Und DU warst in diesem tötungswütigen Verhörrobotter??“, So langsam verlieren wir den roten Faden.
Sie sprang von der Bare und schrie aus voller Lunge: „Du hast mir eine Nadel ins Herz gerammt!“
Es hallte durch den Sprengturm, „G-ramm, g-ramm, ramm, ram...“
Sie erschrak, zwanzig Jahre war sie ruhig geblieben, so gelassen es ging und nun stand sie – nachdem sie sich und allen Anderen den Planeten unter den Füßen weg sprengen wollte – in der Krankenstation eines Organon-Sprengturms und schrie eine Stimme in ihrem Kopf an.
Sie sank in die Knie und hockte auf dem Boden, die Hände am verzerrten Gesicht, als würde sie Rotz und Wasser heulen, aber sie konnte nicht.
„Du machst mich verrückt!“, schluchzte sie.
Er schwieg für einige Sekunden, dann dachte er: Das liebst du doch so an mir!
Sie lächelte, „Ich habe dich vermisst!“
Mach dir keine Sorgen, ich habe weiter gedacht, es gibt da nämlich eine Möglichkeit:
die Klonanlage!

„Klonanlage?“, offensichtlich teilten sie nicht immer alle Erinnerungen.
Da wo der Organon erschaffen wurde!, „Und wo du erschaffen wurdest.“
Ja, außerdem verdreifachte ich mich da, mithilfe von..., „Hermes!“
Stimmt, du kennst ihn ja schon, aber er ist tot..., „Super!“
Seine Daten sind aber noch im Speicher der Anlage, „Und deine Daten?“
Da ich mich geklont habe, müssten die Daten auch im Speicher sein, etwas komplizierter wird es bei der Trennung unserer Bewusstseine, aber da wird uns der alte Hermes schon helfen, ebenso bei der Beschaffung von Nukleinsäure, denn er ist der Einzige, der das Zeug nicht mehr braucht um geklont zu werden.
„Lass mich raten:“, sagte sie, während sie den Kittel ablegte und nach ihrem Mantel suchte, „das ist doch bestimmt nicht der einzige Haken.“
Als sie die Türe beiseite schob, fand sie den alten Mantel von Rufus' Ziehvater an besagtem Kleiderhaken. Sie hob eine Augenbraue. Mir sind da Gerüchte zu Ohren gekommen. Der Widerstand hat wohl einen neuen Anführer. Sie rückte den Kragen zurecht und seufzte, „Mal wieder?“
Jepp. Und er lispelt weder, noch ist er ein selbstverliebter Schweinehund, der seinen Sohn als Kind in einer gefährlichen Aufstiegsstation aussetzt und dann Jahrzehnte später versucht, seine Freundin auszuspannen. Keiner, der seinen Sohn erschießt, nachdem er sich geklont hat. Dieser verdammte Drückeberger..., „Rufus, zur Sache!“
Dieser neue Anführer muss sehr charismatisch sein und ein strategisches Genie, er hat weite Teile der alten Organon-Anlagen erobert und auch die Klonanlage und sein Widerstand scheint nicht mehr unsere alten Werte zu teilen...
„Er wird uns dort wohl nicht dulden!?“, Wohl kaum, wir werden uns den Weg irgendwie anders freimachen müssen, ich befürchte außerdem, dass die Rebellen bald mit der Eroberung der Türme beginnen, wir sind also in Eile!, „Lässig!“, sagte sie in den Spiegel blickend und ihr Haar zurechtmachend.
Tja, fast wie früher! Eine Sache noch: du solltest in der Öffentlichkeit nicht unbedingt mit mir reden. Ich höre schließlich deine Gedanken wie du die meinen. Es mag die spätere Erzählung meiner Heldentaten erschweren, aber wäre doch schlimm, wenn einer denken könnte, ich wäre verrückt!
Nun..., dachte sie, neigte den Kopf, der Blick auf ihrem Spiegelbild verharrend, während sie sich durchs Haar fuhr, ...wenn du mir zu lästig wirst, lade ich dein Bewusstsein einfach in Wenzels Körper!
Es wird schwer, antwortete er ihr, mit nur einem guten Sinn für Humor mit zwei Persönlichkeiten in einem Körper zu leben!
Sie machte einen Kussmund und zwinkerte ihr Spiegelbild an, dann schritt sie lächelnd in den Fahrstuhl. „Ich habe endlich wieder ein neues Ziel!“


Zur Gleichen Zeit ging eine Gestalt durch einen langen, dunklen Gang. Ein junger Mann mit flacher Nase und blonden Haaren im Armee-Schnitt schritt mit forschen Schritten. Ein dunkelroter Mantel wehte an seiner Organon-Militäruniform im Sog seiner Geschwindigkeit. Die Uniform bestand aus einem kurzen, grüngrauen Militärmantel mit grauem Schulterschutz, schwarzen Handschuhen und einem grüngrauen Gürtel mit silberner Schnalle. Die schwarze Hose mündete in grauen Stiefeln, die unter den strammen Schritten ein festes Stampfen erzeugten und die ganze Uniform strahlte eine kühle Distanziertheit aus. Die Lampen waren gleichmäßig, aber spärlich verteilt und leuchteten die glatten, schwarz lackierten Metallwände nur spärlich aus. Er kam an einem Förderband vorbei, welches in einen Hochofen zu führen schien und verschiedene Automaten beherbergte, die offensichtlich zur Zerkleinerung von Transportgütern auf eben diesem Förderband dienten. An der Wand waren Anzeigen von Druckmessgeräten angebracht. Die Anzeigen für Proteine, Kohlenhydrate, Fette und andere Zutaten zischten vor Überdruck, lediglich die Anzeige für Nukleinsäure war kaum gefüllt.
Er erreichte eine Türe, an der zwei Wachen in blauen Anzügen, orangen Sicherheitswesten und mit Schutzhelmen mit Sicherheitsbrillen, Rebellenuniformen. Die Männer standen durch seine bloße Anwesenheit noch strammer still und ohne sie zu beachten schritt er durch die Türe.
Sein Blick war finster, konzentriert, fokussiert. Als er in eine Art Küche kam, waren gerade weitere Männer in Rebellenuniform dabei, ihre Rationen zu essen. Das raue, schweinische Klima verschwand augenblicklich, als der erste Soldat den Jungen Mann erkannte und stillstand.
„Aaaachtung!“, schon lagen alle Gabeln und Messer auf ihren Plätzen auf dem Tisch und die Männer standen still und hielten den Atem an.
Der Junge Mann verweilte kurz und ließ seinen Blick kurz durch die Menge wandern, dann drehte er sich linksum zu der Türe rechts von ihm, wobei sein Umhang ihm folgte, wie Adlerschwingen.
Obwohl er den Raum verließ, blieb die Anspannung weiter bestehen, während er außerhalb eine Treppe hinaufstieg und auf einer hohen Mauer stehenblieb, um sich auf das Geländer zu stützen und die trostlose Landschaft aus Rohren und Metallwänden zu überblicken. Die Umgebung war trist, alte Industrieanlagen lagen weitestgehend ungenutzt da und rosteten vor sich hin. Die gerade aufgehende Sonne tauchte die ohnehin übermäßig rote Landschaft in ein ungesundes Orange.
Ein krank wirkender Mann in einer dunklen Robe mit einer Art Sichel schlich ihm entgegen, seine Haut war kreidebleich, seine Figur dürr mit einem dicken Schädel ohne Nase, mit abstehenden Zähnen, Überbiss sowie Glubschaugen in viel zu großen Augenhöhlen und sein Hals wies eine Naht auf, als wäre der Kopf amputiert worden – es war Hermes.
„Wie weit sind unsere Vorbereitungen?“, zischte der junge Mann ihn an, ohne sich zu ihm zu wenden.
„Wir... wir haben genug Biomasse für hundert Klone gesammelt. Aber ich habe vor Kurzem unsere letzte Nukleinsäure verbraucht, um Deponia zu retten... Ohne diese Substanz kämen beim Klonprozess nur Säuglinge heraus und dieser Stoff ist schwerer zu beschaffen, als der Biomüll!“
Der junge Mann sank unmerklich in seine Schultern, doch seine schier unbändige Wut war deutlich spürbar: „Sie haben den Organon erschaffen, was schlagen Sie also vor?“, brummte er.
Ein Mann in einer Organon-Sanitätsuniform, kaum von einer normalen Uniform zu unterscheiden, trat neben Hermes und sprach kühl und sachlich, „Ich habe bereits veranlasst, dass Männer ausgesandt werden, die nach radioaktivem Material suchen; unsere Bemühungen werden wie geplant fortschreiten!“
„Wir werden bereit sein!“, der junge Mann stieß sich vom Geländer ab, dann erhob er bedeutungsschwanger die Hände und formte sie wie Klauen: „Wenn Elysium auf Deponia landet, werden wir es einnehmen!“
Während er seine linke Hand senkte, formte er aus seiner Rechten eine Faust und erhob sie zur fliegenden Stadt, „Wir werden sie einnehmen und jedem, der uns folgt ewiges Leben schenken... und wenn ich den Ältestenrat höchstpersönlich getötet habe...“, er schlug die geballte Faust in seine linke Hand, während er sich zu den Beiden drehte, „...werden wir unsere Hauptstadt in Elysium errichten und dann werde ich meinen Thron auf den Überresten der dekadenten Zivilisation errichten und...“, er hob das Kinn, weitete die Augen und lächelte, „...werden wir endlich gleich sein!“
„Und was ist mit unseren Brüdern auf Elysium?“, warf der Mediziner ein, „Die werden sich schon für die richtige Seite entscheiden; wenn nicht, überrennen wir sie ganz einfach.“
„Aber es sind unsere Brüder!“, der junge Mann wurde ernster: „Wenn sie unsere Brüder sind, werden sie uns unterstützen, wenn nicht, können wir uns hier einen neuen Organon züchten!“
Beide stimmten in ein dreckiges Lachen ein, wurden aber von einem kräftigen Organon unterbrochen, dessen Muskeln aus seiner Uniform hervorquellen. Er kam aus Richtung Kantine. „Wir haben hier einen Neuzugang, Boss!“, sagte er mit dumpfer Stimme.
„Wen, zum Teufel!“, antwortete der junge Mann harsch.
Der Organon trat zur Seite und ein kleiner, blasser Mann mit Schal und dickem Mantel trat hervor.
Er hob seinen blonden Lockenkopf und zwei stielaugenartige Augengläser kamen zum Vorschein. „Mein Name ist Wenzel, mir gehört eine Wasserquelle und ich bin auf der Suche nach meiner großen Liebe!“
Der junge Mann beugte sich leicht vor und legte seine Hand auf Wenzels Schulter.
„Fraternisieren im Dienst ist bei uns verboten, aber ich nehme an, Sie meinen eine ganz besondere Frau, richtig?“
„Ihr Name ist Toni und ich hörte, sie gehört zu den ältesten Mitgliedern des Widerstandes...“, der junge Mann schluckte kurz, denn die Gründer dieser Organisation waren nun entweder tot und/oder auf Elysium, „Ich bin mir sicher, dass wir da etwas für Sie tun können, nützliche Mitglieder wie Sie sind uns immer willkommen!“
„Dann schließe ich mich dem Widerstand an!“, sagte der kleine Mann mit einem verschmitzten Lächeln, „Ich bin übrigens recht technikbegabt!“
„Das sind ausgezeichnete Voraussetzungen, wenden Sie sich bitte an den Mann, der sie zu mir geführt hatte. Der stattet Sie gerne mit guter Kleidung aus und weist sie ein!“
Der klobige Organon entgegnete unbeholfen, „Aber ich...“
„Nun machen Sie schon, oder haben Sie etwas auf den Ohren!?“
Wie auf Kommando schlug der Organon seine Hacken zusammen, salutierte und stapfte mit Wenzel davon.
„Sehen Sie, wie unsere Bewegung wächst? Bald gehört uns ganz Deponia!“, richtete der junge Mann an Hermes. Der schluckte kurz und blickte kurz auf das Ödland, „Zum Wohl aller, nehme ich an!?“
Der junge Mann lehnte sich wieder auf das Geländer und schloss die Augen. Bis jetzt hatte seine Autorität ihm den Weg geebnet. Zusammen mit dem Versprechen, dass der, der ihm folgte, aktiv und dauerhaft an der Gestaltung Deponias teilhaben könne. Aber schon bald würde es nicht mehr reichen. Wenn es nicht voran schritt, würde er bald erste Disziplinarmaßnahmen ergreifen müssen. Und wer weiß, wie die Deponianer auf solche reagierten, immerhin waren es keine Organon...


Goal, mit Rufus im Kopf, war gerade auf der Kreuzertrasse unterwegs. Sie hatten beschlossen, erst einmal in Rufus' Heimatdorf Zuflucht zu suchen und dann weiter zu überlegen.
Dummdadummdadummdedumm..., hallte es in Goals Kopf, ...Roal machte sich auf den Weheeg nach Kuvaq Es juckte ganz heftig der – Goal unterbrach ihn:
„Roal!?“, fragte sie und ohne nachzudenken, dachte er: Wäre dir Goofus lieber!?
„Warum nicht Goal und Rufus?“ antwortete sie schnippisch.
Warum nicht Rufus und Goal?, wollte die Stimme in ihrem Kopf wissen.
„Weil der Patient vor der psychischen Störung genannt wird!“, knallte sie sich vor den Kopf, während sie begann, auf den Gleisen zu balancieren.
„Wie war noch einmal der Plan?“, fügte sie hinzu.
Wir gehen nach Kuvaq, verlassen die Trasse beim Matratzenberg und finden dort Zuflucht, decken uns mit Vorräten ein, führte er an.
„Aber woher willst du wissen, dass es diesen Matratzenberg immer noch gibt?“
Manchmal muss man sich darauf verlassen, dass sich gewisse Dinge nie ändern – mich ausgeschlossen – und dazu gehört auch die Bettinkontinenz des Bürgermeisters!
„Igitt!“, entfuhr ihr und ihr Gesicht nahm kurz angeekelte Züge an, dann aber fragte sie weiter: „Und wieso glaubst du, dass wir dort Zuflucht finden – der Organon hat zuletzt wegen mir das Dorf eingenommen; und du bist einfach abgehauen...“
Es sind gute Menschen, dachte er und ein Schwermut erfüllte sie, dass sie unwillkürlich den Kopf senkte, Ich habe in der Vergangenheit Dinge getan, für die ich mich heute schäme, aber wir müssen uns einfach darauf verlassen, dass sie ein Kind ihres Dorfes wieder aufnehmen – so habe ich auch die Gelegenheit, mich für einige Dinge zu entschuldigen...
Sie war leicht gerührt. „Du hast dich wirklich verändert, zum Besseren...“
Er unterbrach sie, unterlegt mit einer diffusen Angst: Ich dachte schon, ich wäre nicht mehr Rufus genug, um von dir noch geliebt zu werden...
„Ach du...“, lächelte sie, während sie es aussprach. Dann blieb sie stehen – ihre Füße kribbelten komisch. Sie musste ihr Gleichgewicht verlagern, und stellte den rechten Fuß neben die Gleise. Die Schienen vibrieren!
Sie erschrak, hob hektisch den Kopf und sah geradeaus – Nichts... – sie drehte langsam den Kopf und sah einen Organon-Kreuzer am Horizont auf sie zurasen. Das große Gebilde hatte einen kleinen Standfuß und wurde nach oben hin breiter, es wirkte wie ein dicker Mann mit viel zu kleinen Füßen.
Ein dicker, tonnenschwerer Mann aus Stahl, der mit einer großen Geschwindigkeit auf sie zuwalzte!
Was jetzt?, sie blickte geradeaus, fünfzig Meter vor ihr hielt ein Betonpfeiler die Last der Hochtrasse. An allen Trägern sind Notstationen angebracht!, dachte sie sich.
Lauf, Goal, lauf!, unterbrach Rufus' Stimme ihre Angststarre und sie rannte los.
Sie rannte um ihr Leben, als die Vibration der Gleise zu einem Beben wurden, das sich langsam auf das ganze Trassennetz übertrug. Er kommt näher, ich kann schon den Brückenwart erkennen!, schrie Rufus in ihrem Kopf. „Du siehst gar nichts, wir haben beide die selben Augen!“, keuchte sie.
Das willst du doch wohl jetzt nicht ausdiskutieren!?, kreischte er empört.
Sie wurde von einer Schnappatmung erfüllt, die Ermüdung holte sie ein, noch zehn Meter, drei – das Donnern wurde lautstark.
Sie setzte zu einem Kopfsprung an und hechtete die Treppe der Notstation herunter.
Als sie auf dem glitschigen Boden ankam, rollte sie sich ab, doch ihre Bewegung wurde harsch von einer Wand gestoppt. „Hhhr“, keuchte sie. Als die Luft aus ihrer Lunge gequetscht wurde, wurde ihr kurz schwarz vor Augen. Sie sah noch die letzte Achse des Kreuzers vorbeirauschen, als sie kopfüber wieder von der Schwerkraft erfasst wurde.
Für einen Moment lauschten sie beide nur dem hektischen Schlag ihres Herzens. Sie merkte, wie ihre Beine schmerzten, während sie vor ihrer Nase lagen. Sie blickte an ihnen vorbei, ihre Beine hingen noch an ihrem Hintern, der war nun oben, ihr Rücken ruhte an der Wand, ihre Schultern standen auf dem Boden und ihre Arme strichen über den klebrigen Boden.
„Uff“, hauchte sie, während sie hin- und herwackelte und auf die Seite plumpste.
Sie rappelte sich unbeholfen auf.
Ein Schmerz blitzte durch ihren Körper und sie griff sich ächzend an den unteren Rücken.
Alles Okay?, dachte Rufus und sie schnaufte zurück: „Sag du es mir!“
Alles dran, es tut nur sehr weh... Sie rappelte sich nun auch innerlich auf, während sie ihre Hände langsam von ihrem Rücken abließ.
„Wenn wir fertig sind, habe ich die Knochen einer alten Oma!“, sagte sie, langsam die Treppe aufsteigend.


Die Sonne ging gerade unter, als sie in Kuvaq eintrafen und tauchte die Landschaft aus Metallschrott und Kakteen in ein müdes Orange.
Sie durchquerte das Dorftor, nostalgische Gefühle gingen ihr durch den Kopf, die von Rufus' und nicht von ihren Erinnerungen herrührten.
Zu Hause! Nach all der Zeit endlich wieder zu Hause!, seufzte Rufus.
„Sag' mal, merkst du nicht, dass ich so gerade noch auf den Beinen stehe?“, stöhnte Goal zitternd.
Sie stützte sich auf ein Geländer und blickte sich um, Kaum etwas hat sich verändert.
Ihr Blick fiel auf ein Haus zu ihrer Rechten, es war das einzige Haus in diesem Dorf, das frisch gestrichen war, es teilte sich in einen unteren Teil, offensichtlich renoviert, und einen oberen Glasteil auf, wobei Letzterer wahrscheinlich nachträglich angebaut wurde. Eine Röhre führte unten aus dem Gebäude heraus und mündete in einem kleinen Brunnen in der Mitte des Dorfplatzes.
Wasser!, dachte er, als sie ächzte: „Ich habe solchen Durst!“
Ihr Blick wanderte zum Himmel, als sich ihre Augen nach oben bewegten. Sie rutschte vom Geländer ab und klatschte unsanft auf den Boden, dann wurde alles schwarz.
„Meine Dame?“, weckte sie eine krächzende, schrille Stimme: „Wachen Sie auf und trinken Sie einen Schluck!“
Sie erblickte verschwommen eine dünne, gratige Gestalt, die neben ihr kniete. Sie trug ein hellblaues Hemd mit langen Ärmeln, dessen Kragen ,von einem seltsamen Konstrukt gehalten, hoch stand und darüber eine orangene Sicherheitsweste. Auf seiner Brust hing eine Schautafel mit einem grünen Kreuz.
Sie blickte in sein Gesicht, sein Kopf sah aus wie ein Totenschädel, auf den jemand Haut gespannt hatte, die Zähne ragten aus seinem Überbiss heraus, der Unterkiefer war kaum zu erkennen. Auf seinem Kopf trug der Mann eine grün leuchtende Lampe über seinem graublonden Haar.
Die schmalen Augen zwischen den komischen Segelohren blickten sie besorgt an, als der Mann ihr, seine knochige Hand in einem schwarzem Handschuh entgegenstreckte mit einer Tasse Wasser darin.
„Vorsicht, die Ecke ist abgebrochen!“, sagte er, als er ihren Kopf behutsam anhob.
Sie trank das klare Wasser begierig auf und genoss jeden Schluck der nach Rost schmeckenden Flüssigkeit, als wäre es edelstes Quellwasser. Die Gestalt füllte die Tasse und gab ihr noch mehr zu trinken. Die Lebensgeister kehrten in ihren Körper zurück, „Bitte...“, sagte sie zaghaft, „Helfen Sie mir bitte auf, dann kann ich selbst trinken!“
„Sie sind noch sehr schwach, sind Sie sicher...“, doch sie winkte ab und er half ihr wieder auf die Beine.
Sie legte ihren Kopf unter den Springbrunnen und trank begierig. Währenddessen meldete sich Rufus' Stimme in ihrem Kopf wieder zu Wort: Das ist Gizmo!
Als sie fertig getrunken hatte, wischte sie sich mit dem Handrücken ihren Mund ab.
„Sie sind Gizmo? Sie haben mich medizinisch betreut!“
Gizmo blickte sie kurz überlegend an, dann verstand er, „Sie sind die junge Elysianerin!? Sie sind aber alt geworden!“
„Sie haben mich dem schmierigen kleinen Mann überlassen, nicht wahr!?“, zischte sie mit herabgelassenen Augenlidern
„Ähm...“, strauchelte er, doch sie fuhr fort: „...und dann haben Sie mich ohne Zögern an den Organon verraten!“
Seine Augen weiteten sich und er stotterte: „D-d-das ist so eine S-sache, die mir schon lange...“
Sie unterbrach ihn: „Wo ist die nächste Toilette?“
Kurz den Mund offen stehend, schüttelte er den Kopf und sagte dann: „Hier in diesem Dorf: hinter jedem Haus.“
Sie verschwand schnell hinter dem nächsten Haus, währenddessen tauchte ein Rebellentrupp im Dorf auf.

„Ah, Kundschaft!“, sagte Gizmo, während das grüne Kreuz auf seiner Brust durch ein gelbes Zlotti-Zeichen ersetzt wurde. Augenblicklich schlug die Lampe auf seinem Kopf von Grün auf Gelb um und seine Haltung änderte sich in eine gebücktere Lage, während er mit den Worten „Han-dels-moo-duß ak-tivierth“ begann, sich die Hände zu reiben.
Die Männer hielten kurz inne und blickten sich um. Der Führungsoffizier trat hervor und stieß laut aus: „Achtung, ihr Kakerlaken, bringt uns euren Anführer!“
„Der Bürgermeister bin ich!“, trat ein Mann aus einer Menschengruppe hervor. Es war ein alter Mann mit krummer Haltung, barock aussehender Kleidung, einer Uhr auf der Brust und einer Schlafmütze auf dem Kopf. „Lotek mein Name. Was wollen Sie von mir?“
„Wir wurden vom Oberkommando des Widerstands geschickt...“, trat der Mann stolz grinsend hervor, seine Männer taten es ihm gleich, „...Herr Wenzel ist uns beigetreten und wir sind hier, um seine Wasserquelle im Namen unseres Anführers in Besitz zu nehmen!“
Goal kam wieder hinter dem Haus hervor. Ein Erlebnis, auf das ich hätte verzichten können!, plärrte Rufus in ihrem Kopf. Als sie die Situation erkannte, stellte sie sich unauffällig hinter das Geländer an einem Laden, der früher einmal Toni gehört haben musste, an dem jetzt aber ein großes Schild mit der Aufschrift „Gizmos Gerümpel“ hing.
Der Bürgermeister schritt erhobenen Zeigefingers hervor: „Wenzel hat diese Wasserquelle jedem im Dorf zur Verfügung gestellt und nur an die anderen Dörfer Wasser verkauft...“
Ein Soldat unterbrach ihn: „Diese Regel verließ mit Herrn Wenzel das Dorf!“
Der Bürgermeister wollte etwas sagen, „Das ist doch... *agrl*“, wurde er von einem anderen Soldaten am Kragen gepackt. „Wenn du weißt, was gut für dich ist, gehst du uns aus dem Weg, Opa!“, drohte er mit erhobener Faust.
Gizmo zitterte, „Nnnh!“, die Anzeige auf seiner Brust wechselte zwischen den Modi, seine Lampe flackerte, dann brannte sie durch und er riss sich die Tafel von der Brust.
„Militärmodus Aaaaktiviert!“, brüllte er mit tiefer, dumpfer Stimme und reckte sich in eine aufrechte Position, bevor er einen Satz über den Springbrunnen machte, auf sein Geschäft zu.
Er ging schnurstracks hinein und etwas konfus folgte Goal ihm.
„Denen werde ich es zeigen, dafür lebe ich!“, sagte er, als er einen Karabiner unter dem Tresen hervorholte. „Hilfst du mir?“, unterbrach Goal ihn.
„Was?“, blickte er sie mit einem zuckenden Auge an.
„Ich habe eine lange Reise vor mir und brauche...“, er verstand, packte einen großen Rucksack hinter sich von der Wand und reichte ihn ihr: „Das ist ein Überlebensrucksack, der Renner momentan – ich gebe ihn Ihnen und Sie vergessen, dass ich Sie ausliefern wollte, damals...“
„Wir sind quitt!“, versicherte sie ihm, als sie den Rucksack anlegte.
„Nehmen Sie den Hinterausgang, hier wird es gleich haarig!“, deutete er auf eine Türe hinter ihr.
Er wollte gerade den Raum verlassen, da packte Goal seinen Arm und schwenkte ihn zu sich:
„Ich wollte dir noch eine Sache sagen: entschuldige!
Entschuldige die Schäden, das Chaos, die Streiche, die Beleidigungen,
entschuldige alles, was ich in all den Jahren angestellt habe!“
Sie ließ ihn los und wandte sich dem Ausgang zu, er überlegte kurz.
„Danke – Rufus!“, erwiderte Gizmo, woraufhin Goal stehen blieb und ihn anblickte.
„Du hast mich schon verstanden.“, nickte er. Er deutete auf die Hintertüre: „Nun geh' schon, bevor ich es mir anders überlege!“
Goal hob zwei Finger zu einem kleinen Salut, dann ging sie ohne ein Wort zu sagen.


Als sie Kuvaq im Zwielicht verlassen hatten, hielt Goal kurz inne und sammelte sich.
„Du hättest mich ruhig warnen können, dass du meinen Körper übernimmst!“, sagte sie.
Ich wusste gar nicht, dass das geht..., dachte er zurück, Das war rein intuitiv!
„Was machen wir denn jetzt?“, blieb sie für einen Moment ratlos stehen.
Was meinst du?, antwortete er, Wir müssen zur Klonanlage!
„Weiß ich auch, aber haben wir da nicht einen enormen Umweg gemacht?“
Nicht, wenn man bedenkt, dass die Klonanlage und das Kreuzerschienennetz jetzt unter Kontrolle der Rebellen steht. Die Rebellen, die wir gerade erlebt haben.
Sie nickte zustimmend, dann fuhr er fort:
Außerdem haben wir jetzt Vorräte, Wasser, Essen, eine Schlafmöglichkeit.
„Bleibt die Frage, wie wir jetzt in die Klonanlage kommen sollen!?“
Von hier?, sie wirkte frustriert: „Du bist hier großgeworden!“
Wir nehmen das alte Schrottminensystem, das führt uns unter dem Schrottcanyon hindurch in die Nähe zur oberen Aufstiegsstation..., sie unterbrach ihn: „Wo wir uns kennenlernten!“
Wo wir uns kennenlernten..., wieder vergaß Rufus, seine Gefühle unter Kontrolle zu behalten, als Folge musste Goal verschmitzt lächeln.
Entschuldigung, dachte er wieder, wie beim letzten Mal. Doch sie war nicht wütend, dieses Mal war es ihr recht, sie war glücklich – wenn auch nur für einen Augenblick.
Sie legte beide Hände auf ihre Brust, auf ihr Herz und flüsterte leise: „Schon gut, das war schön!“
Einige Minuten verharrte sie in dieser Position und badete im Licht der Sterne, dann weckte Rufus sie.
Ähm, Gölchen? Wir müssen weiter!
„Obere Aufstiegsstation?“, seufzte sie, als sie sich wieder in Bewegung setzte.
Ja, von da aus schmuggeln wir uns auf einem Transportschiff nach Porta Fisco.
„Wie, schmuggeln?“, fragte sie verwirrt, doch er beruhigte sie, Keine Angst, wir schicken uns lediglich selbst als Paket!
„Als Paket!?“, schluckte sie. Ja, schau mal in deine Manteltasche!
Sie fühlte in ihren Manteltaschen. Erst in der Linken – nichts. Dann in der Rechten.
Sie fühlte etwas Kleines, griff es und sah auf ihre Hand.
Langsam öffnete sie sie – zwei Briefmarken: je 150 Zlotti.
Das Atemgerät und die Vorräte der Überlebensausrüstung werden uns gute Dienste erweisen.
„Wie lange planst du das schon?“, fragte sie überrascht.
Uns beide jung zu klonen? Schon sehr, sehr lange!, dachte er und sandte ein Gefühl der Wärme aus.
Sie lächelte sanft und liebevoll und konnte augenblicklich spüren, dass sein Geist sich entspannte.
Ich hatte Angst, dass du es nicht verstehen würdest.
Sie schwieg, doch das Gefühl tiefsten Verständnisses war auch so klar wahrnehmbar.
Glaubst du, sie werden es überleben?
„Kuvaq?“, fragte sie, Ja, Gizmo und die Anderen.
„Die haben dich doch auch überlebt!“, sagte sie immer noch lächelnd.
Sie erreichten das Minensystem, ein Geflecht von Schienen zog sich durch das Gelände, in Tunnel eintauchend und aus ihnen herauskommend.
Vor dem nächsten der Schächte war ein kleines Zelt aufgebaut, es hatte eine viereckige Form und war bunt gepunktet und mit allerlei zusätzlichem Stoff verziert. Da in dem Zelt ein Licht flackerte, sah dieses wie eine Laterne aus. Vor dem Zelt saß ein kleiner Mann mit Glatze und Pfeife in einer Mönchskutte.
„Ich habe euch erwartet“, sagte er mit einer ekelhaft süßen Stimme, „Und bevor ihr fragt, ich spüre eure beiden Auras, setzt euch also und trinkt einen Tee!“
„Das Pfeifenkopfmännchen!!!“ Sowohl Goal, als auch Rufus 'sprachen' es gleichzeitig aus.
Sie setzten sich und Goal trank einen Schluck des Tees, den der Seher ihr anbot.
„Was führt dich denn hier her?“, fragte Goal neugierig, während Rufus schwieg und Wellen des Misstrauens aussandte. Was hast du denn?, dachte sie.
Er kann uns doch nicht leiden, ich nerve ihn ständig und du hast ihm schon einmal fast die Knochen gebrochen...
„Der Tee ist mit einem starken Schlafmittel versetzt!“, sagte der Seher plötzlich.
Das Letzte, das sie sagen konnte, war „Kacke!“, dann wurde ihr schwarz vor Augen.

Als sie wieder aufwachte, wurde es gerade hell. Sie lag im Zelt, in einem kleineren Käfig. Der Seher stand mit einem dämonischen Lächeln vor dem Käfig und hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt.
„Du bist schon wach, ungewöhnlich!“, murrte er.
„Liegt wohl an den zwei Persönlichkeiten“, antwortete dieses Mal Rufus.
Goal erlangte wieder Kontrolle über ihren Körper und fragte nun selbst: „Warum hast du uns gefangen?“
„Wisst ihr noch, wie wir uns getroffen haben? Ich hatte ein Auskommen und ein schickes Haus...“ Er beugte sich vor.
„Doch dann habe ich euch getroffen und von da an ging es Berg ab. Ich verkaufte meinen Kram und bereitete mich auf den Weltuntergang vor und dann verlor ich meine Seherfähigkeiten, nachdem ich dein Schampong benutzte... und dann blieb die Welt bestehen...“
„Na und?“, fragte sie.
„Ist das nicht klar?“, fragte er, „Ich will Vergeltung! Von einer Vision wusste ich, dass ihr und Menschenhändler heute hier ankämen. Vielleicht wird wieder alles gut, wenn ich den richtigen Preis verlange...“
Er erhob sich wieder: „Sie müssen aber den ganzen Käfig kaufen, denn mir ist der Schlüssel kaputt gegangen...“
Er warf den zerbrochenen Schlüssel in den Käfig und lachte hämisch.
„Wie kommst du nur auf einen so schrecklichen Plan?“, fragte sie.
„Genau genommen habe ich nur gesehen, dass ich dich hier treffe und dass heute jemand verkauft würde...“
„Was sollen die dir denn für mich geben?“, schrie sie ihn an.
„Eine Banane“, flüsterte er hämisch, dann ging er vor den Vorhang nach draußen.
Das ist unsere Chance!, dachte Rufus, als der Seher draußen ein Schild malte.
„Was hast du vor?“, fragte sie ihn, Du musst mir vertrauen, lass' mich einfach deine Hände benutzen!
„Na gut...“, sagte sie und er übernahm die Kontrolle.
Er griff sich die beiden Teile und legte sie in die Innentasche ihres Mantels.
Für einen Moment nahm er tief Luft und lockerte die Finger. Dann griff er wieder in ihren Mantel, holte die beiden Teile heraus, nahm sie mit der anderen Hand, bewegte diese unter die erste Hand, führte beide Hände zusammen und legte den Gegenstand nun wieder in den Mantel. Er bewegte die Hände dabei so schnell, dass sie durch die Luft zischten.
„Was soll denn dieser Blödsinn!?“, erlangte sie wieder Kontrolle über ihren Körper.
Greif in deinen Mantel!, dachte er und sie vertraute ihm.
Sie holte einen funktionsfähigen Schlüssel aus der Tasche.
„Wie hast du...“, fragte sie, worauf er nur antwortete: Das ist meine Superkraft, Baby!
Sie schüttelte den Kopf und versuchte, das Tor zu öffnen, doch der Schlüssel passte nicht.
„Was soll das!?“, zischte sie. Oh, ich bin wohl etwas eingerostet, versuch es mit der anderen Tasche!
Sie legte den Schlüssel zurück und fand in der anderen Innentasche einen anderen Schlüssel.
Vorsichtig schob sie ihn in das Schloss und drehte... es machte klick und das Tor ließ sich leicht öffnen.
„Gut, wir sind frei, doch was machen wir jetzt!?“, fragte sie, als sie nach draußen blickte.
Der Seher saß etwas abseits, als er 'TAUSCHE INHALT MEINES ZELTES GEGEN BANANE' auf ein Schild malte.
Ich brauche noch einmal deine Hände, ich habe einen Plan!, ihm vertrauend ließ sie das zu.
Swoschswosch...schapupp, vertauschte er die Teetassen wie ein Hütchenspiel.
„Nein, so etwas machen wir nicht!“, übernahm sie wieder die Kontrolle und vertauschte die Tassen zurück.
Als der Seher aufstand, huschte sie ins Zelt zurück. Er stellte das Schild neben den Zelteingang und setzte sich wieder. „Soo, und jetzt ein Tässchen Tee“, sagte er und nahm einen Schluck.
Plötzlich drehten sich seine Augen nach oben und er murmelte sabbernd: „Die Ankunft des Zerstörers ist nah...“, dann wurde er ohnmächtig.
Ups... tja, dann soll es eben so sein!
„Rufus, wir können doch keinen Menschen verkaufen!“
Seine Gedanken wurden ernster: Du musst um die Ecke denken! Siehst du den Schacht?
Das ist eine alte Drehscheibe; wenn die Typen, die er vorhergesehen hat, hier ankommen, wendet ihr Minebike. Wenn sie abgelenkt sind, können wir ihr Gefährt nehmen, um zu unserem nächsten Ziel zu gelangen und ohne das Ding werden sie ihn nicht entführen können, bist du jetzt beruhigt?

„Na gut...“, sie war nicht zufrieden damit, aber sie zog den Seher in den Käfig und schloss die Tür.
Den Schlüssel legte sie auf das Dach des Käfigs. „Oder ist dir das nicht recht?“, fragte sie ihn.
Anders hätte ich es nicht erwartet!
Sie versteckten sich hinter einer verrosteten Turbine neben dem Stolleneingang und warteten.
Kurze Zeit später, als die Morgenröte über den Schrottberg kroch, kam tatsächlich ein Minebike mit zwei muskulösen Rockern darauf, während einer von Beiden abstieg und das Schild las.
„Otto, hey, Otto!“, rief er seinen Kollegen, nachdem er in das Zelt gesehen hatte.
„Was ist, ottO?“, antwortete der Kollege.
„Ich brauch' deine Hilfe – und bring deine Frühstücksbanane mit!“
Grummelnd stieg er ab und beide gingen in das Zelt.
Leise schlichen sie sich auf das Minebike und verstauten ihren Rucksack.
Sie haben den Schlüssel mitgenommen, schrie sie ihn mental an, Nimm den Schlüssel aus deiner Tasche!, antwortete er.
Tatsächlich passte der Schlüssel.
Einer der Rocker rannte nach draußen und brüllte ihnen unflätige Worte entgegen.
„Woher wusstest du, dass...?“, fragte sie verwundert, als sie die Handbremse löste.
Das ist wie mit meiner Zahnbürste damals..., wurde er in seinen Gedanken vom Start des Bikes unterbrochen.


Die Reise ging durch ein schier endloses Netz aus Minenschächten, Durchbrüchen und natürlichen Hohlräumen. Die Räder des Minebikes klapperten über die unebenen Schienen, während jedes bewegliche Teil zu quietschen schien und der gelbe Schein der Lampen des Gefährtes tauchte den endlos wirkenden Minenschacht aus flachen Metallplatten und scharfen Metallrohren in eine diesige Atmosphäre. Goal war still und ihre Gedanken waren von einer unheimlichen Ruhe gekennzeichnet, die Rufus langsam unruhig mache.
Gooal? Geht es dir gut?, erkundigte er sich, doch sie reagierte nicht und Rufus spürte eine tiefe Lethargie.
Rufus traute sich nicht, sie weiter zu stören und so schwiegen sie sich die nächsten 23 Minuten an.
Nach diesen 23 Minuten, genauer gesagt: 23 Minuten und 41 Sekunden erreichten sie das Ende des Minensystems. Es traf Rufus wie ein Schlag, als sie urplötzlich in Licht getaucht wurden und das Minebike harsch von einem provisorischen Prellbock gestoppt wurde.
Goal stieg ab und Rufus sah sich die Umgebung an: eine abgefallene Abdeckung lag zu seiner Rechten und zu seiner Linken versperrten zwei alte Schilder den Blick auf die Aufstiegsstation, die in einem schier endlosen Meer aus Schrott wie ein Leuchtturm wirkte.
Siehst du das?, fragte er sie, Wir sind da ausgekommen, wo wir auch damals ausgekommen sind!
Sie schwieg. Goal? Was ist los mit dir, du hast weder etwas gesagt, noch etwas gedacht, während der coolen Fahrt. Ist es wegen dem Seher? Der kommt schon wieder frei...
Ich..., stammelte sie im Geiste, ...ich habe niemandem vertraut!
Die letzten zwanzig Jahre, fuhr sie fort, habe ich mich niemandem anvertraut und nun scheine ich nicht nur immer abhängiger von meinen Mitmenschen zu werden,
ich werde auch immer vertrauensseliger.

Mit einem Plumps ließ sie sich wieder in den Sitz des Minebikes fallen.
Ich habe dem Seher vertraut. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken bin ich auf ihn reingefallen.
Ich will gar nicht wissen, was die beiden Ottos mit mir angestellt hätten, wenn du nicht den Schlüssel repariert hättest...

Sie schlug die Hände in ihren Schoß: Ich kann wohl niemandem vertrauen, ich darf es einfach nicht, in dieser kalten, herzlosen Welt!
Diese Welt ist nicht kalt und herzlos, dachte er sanft, Sie ist heiß und schwül, versuchte er sie aufzumuntern. Wieso denkt eigentlich jeder, dass es hier kühl wäre!?
„Ach hör auf, Rufus! Alle unsere Freunde sind auf Elysium, ich habe niemanden!“
Für einen Moment war es still, dann fasste Rufus seinen Mut zusammen: „Du hast mich!“
„Du bist eine Stimme in meinem Kopf!“, entgegnete sie und presste die Augen zusammen, so dass ihr eine Träne über die Wimper tropfte.
„Willst du Händchen halten?“, sagte er, als er die Kontrolle über ihre linke Hand übernahm und sie mit der geöffneten Innenfläche nach oben auf Höhe ihres Nabels hielt.
„Das ist doch bescheuert!“, blockte sie ihn ab, doch die Linke Hand hob sich nur fordernd wenige Zentimeter.
Zögerlich und scheu legte sie ihre Hand in... ihre Hand. Die andere Hand drehte sich leicht, so dass beide Hände in einer senkrechten Fläche aufeinander lagen, dann bewegten sich ihre Finger zwischen die Finger der Rechten, bis beide einander hielten.
Ein warmes Gefühl legte sich auf ihren Magen, „Das ist schön“, lächelte sie auf ihre Hände.
„Ist dir aufgefallen, dass du dich gerade laut mit dir selbst unterhalten hast?“
Sie musste unwillkürlich lachen und er fuhr fort: „Gestöhöört!“
„Ach du“, winkte sie ab.
„Huch!“ erschrak sie, als auf einmal ein junger Mann vor ihr stand, mit Unterbiss, dünnem, fettigem Haar und in einem schlecht gemachten Rufus-Kostüm.
„Ich bin Barry!“, entgegnete der junge Mann und der Persönlichkeit in ihrem Kopf entfleuchte ein tiefes Seufzen.


Da stand er nun, der junge, von der Natur nicht wohlwollend gesegnete, Mann und blickte sie blöd grinsend an, mit einer alten Kamera in den Händen. Er strahlte eigentlich eine gewisse Unschuld aus, aber diese Wahrnehmung wurde von Rufus' Gefühlslage überdeckt. Goal nahm nur wenige Gedanken wirklich wahr, einer davon aber blieb ihr im Gedächtnis „Kein richtiger Mensch“.
Rufus, was soll denn das, dachte sie, der junge Mann kann doch kein Wässerchen trüben!
Wenn du wüsstest..., klang Rufus' Stimme reichlich resigniert ihn ihrem Kopf. Rufus' Gefühle waren ihr so unangenehm, wie die drückende Hitze, die von der im Zenit stehenden Sonne ausgestrahlt wurde. Doch sie wollte sich selbst ein Urteil bilden.
„Mein Name ist Goal, wir haben uns schon auf dem Hochboot getroffen!“, sagte sie, wohl wissend, dass der Dialog in ihrem Kopf nur wenige Sekunden andauerte. Rufus kommentierte es nur mit: Du wirst schon sehen, was du davon hast!
Kaum waren die Worte ausgesprochen, weiteten sich die Barrys Augen und er hob die Kamera an.
„E-e-e-e-etwa die Goal, die Rufus kennenlernte, die Elysianerin, die ihn zum Heldentod motivierte?“, er fing an, zu sabbern, „Ein Foto von Ihnen wäre in meinem Fanklub unbezahlbar.!!!“
„Wie viele Mitglieder hat dein Club denn?“, fragte sie, Interesse vortäuschend.
„Eines!“, antwortete er und schallendes Gelächter machte sich in ihrem Kopf breit, das sie nur mit „Schnauze“ kommentierte.
„Na gut, ein Foto tut ja keinem weh...“, antwortete sie resigniert, woraufhin er die Kamera in seine linke Hand legte, während er seine Rechte über ihre Schulter legte und „Lächäääln!“ sagte.
Obwohl sie sich große Mühe gab, war auf dem Foto eine deutliche Abneigung zu sehen, weil sie ihre Augenbrauen im falschen Moment hob und mit verzerrtem Mund auf seine Hand starrte, doch ihn schien das nicht zu interessieren.
„Ein suuper Foto!“, sprang er herum, „Wie kann ich das nur je wieder gutmachen!?“.
„Ich brauche da tatsächlich Hilfe...“, antwortete sie zögernd.
„Was soll ich machen?“, sagte Barry, wobei seine Augen sich weiteten.
Sie musste sich als Paket versenden, aber wollte sie ihre Sicherheit wirklich diesem Spinner anvertrauen? Das werden wir wohl oder übel müssen...
„Ähm...“, stammelte sie und Barry beugte sich vor, „Ich will mich per Paket versenden...“
Barry lachte, „Das klingt wie ein echter Rufus-Plan!“
„Jedenfalls brauche ich noch ein Paket und jemanden, der mich abholt...“
„Mein Onkel ist Spediteur!“, grinste Barry. „Was?“, fragte sie verwundert.
„Darum bin ich ja auch hier, mein Onkel hat unten im Hafen angelegt...“, auch wenn sie es eben noch für unmöglich hielt, grinste er noch blöder. „Wo soll es denn hingehen?“
Abzuliefern an Janoschs Mutter in der Kanalisation von Porta Fisco!
„Abzuliefern an Janoschs Mutter in der Kanalisation von Porta Fisco!“, plapperte sie ihn nach, doch da bemerkte sie erst, was sie gesagt hatte: „Was?“
„Das ist sogar unsere Hauptlieferadresse in Porta Fisco, das macht aber 300 Zlotti!“
Zögerlich nahm sie die beiden Briefmarken aus ihrer Manteltasche, „Ah, das wird reichen!“
Er verabschiedete sich und versicherte, gleich wieder da zu sein. Goal arrangierte den Überlebensrucksack auf dem Minebike so, dass sie sich für einen Moment hinlegen konnte.
Sie kramte eine Wasserflasche aus ihrem Kopfkissen heraus und trank etwas.
Es dauerte tatsächlich nur wenige Minuten, da kam Barry schon wieder. Er schleifte einen großen Karton hinter sich her... Dieser war in der Tat recht geräumig, aber nicht groß genug, dass sie darin hätte stehen können. Also benutzte sie ihren Rucksack als Schemel. Barry verschloss den Karton von außen und Gerumpel und Geschaukel wiesen sie darauf hin, dass sie transportiert wurden.
Einiges Gerumpel und Geschaukel später, genauer etwa anderthalb Tage, öffnete sich der Karton über ihr und der in die Abendsonne getauchte Barry blickte auf sie.
„Hallo, wir sind angekommen!“ Als sie aus dem Karton kletterte, merkte sie, wie ihre Knochen vom stillen Sitzen schmerzten.
„Was machst du denn hier?“, Goal war verwundert.
„Da ich sein Neffe bin, darf ich bei meinem Onkel kostenlos mitfahren, mit all meinen Freunden!“, entgegnete er stolz. Er zuckte jedoch zusammen, als Goal ihm einige, nicht nette Komplimente entgegen schleuderte, „Hätte ich das sagen sollen!?“
Doch sie fasste sich rasch wieder, „Schon gut.“
Sie ging in die Kanalisation und wollte gerade an Janoschs Türe klopfen, da merkte sie, dass Barry ihr folgte.
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Re: Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon Emares » So 14. Jun 2015, 15:50

„Was willst du denn noch?“, fragte sie verwundert, doch Barry gab ihr zu verstehen, dass er ihr nun folgen würde. Bald läuft er mit rot gefärbten Haaren herum!, lästerte Rufus.
Wir können uns mit dem jedenfalls nicht sehen lassen, auch nicht bei Janosch!
Auf einmal kroch Goal ein Tränen erregender Gestank in die Nase. Der Gestank paarte sich mit einem leisen Stöhnen – und mit Schritten. Der Gestank entwickelte sich nahezu unerträglich, als das Stöhnen lauter wurde und die Schritte näher tappten.
Ein stinkender Penner in Lumpen und mit ungepflegter Kopfbehaarung schritt langsam und mit einem dösigen Gesichtsausdruck auf sie zu. „Taausche Taaaigtaaa... Gesahang und Tahanz gegen füünfff Zlotti“, stöhnte er sie an, aber Barry winkte verängstigt ab.
Die zombieähnliche Kreatur drehte sich humpelnden Fußes auf der Stelle und wankte wieder davon.
Goon!, hallte es in Goals Kopf, Das ist mein alter Kumpel Goon! Mann, dem wurde ja echt übel mitgespielt!
Das ist unsere Chance!, ertönte Rufus' Stimme plötzlich lauter in Goals Kopf.
Ich muss noch einmal Kontrolle über deinen Körper übernehmen!, bat er sie.
Doch sie war misstrauisch: Was willst du denn jetzt schon wieder machen!?, fragte sie ihn.
Etwas genervt wiederholte er sich, Auf die Gefahr hin, das noch einmal zu sagen: Du musst mir vertrauen – dieses Mal helfe ich ihm UND uns!
Etwas widerwillig stimmte sie schließlich zu.

Auch dieser innere Dialog dauerte nur wenige Sekunden und noch während Barry sich fast nass machte, wandte sich Rufus mit Goals Körper zu Barry.
„Barry, ich weiß, das ist jetzt schwer zu verstehen, aber dieser Mann ist ein Relikt von Rufus' weniger glanzvollen Taten!“, doch Barry verstand nicht.
„Dieser arme, fürchterlich stinkende Penner war mit einer schönen Frau zusammen, aber Rufus hat sie auseinander gebracht, seine Freundin verkauft und ihn mit einem Hirnparasiten infiziert.“
Barry blinzelte sie nur an, während ihm ein „Ääh!?“ entfleuchte, doch Rufus ignorierte das.
„Und dieser arme Mann versucht nun, genug Geld aufzubringen, seine Freundin freizukaufen“, klang er etwas wehmütig.
„Und was soll ich jetzt machen!?“, fragte Barry mit einem ungewohnt leicht frechen Unterton.
„Duu, mein Freund, hast gerade die Chance, dich von einem verblödeten Nachläufer abzuheben und deine – eigene – Heldengeschichte zu schreiben!“
„Meinst du?“, fragte Barry ungläubig und Rufus sicherte seinem ehemaligen Fan zu: „Natürlich, du kannst selbst etwas Gutes tun. Nicht bloß imitieren, selbst die Welt besser machen. Weißt du, was ein absolut gesichtsloser Mensch machen würde? Er würde jemanden einfach nur nachmachen, würde seine Fehler wiederholen, wieder und wieder und wieder, weil er es nicht besser kann. Du könntest Rufus helfen, ohne ihn zu kopieren!“

„Außerdem kommen Helden gut bei Frauen an!“, aber Barry entgegnete nur, „Ich habe eine Freundin!“.
Rufus, für einen Moment in einer Schockstarre, schüttelte Goals Kopf und ihr Haar bewegte sich wie ein roter Wasserfall. „Komm schon, nicht vom Thema ablenken!“
„Ich weiß nicht...“, Rufus stieß ihm in die Seite, „Dummdaadummdadummdadumm.“
Barry stotterte bloß. „Ähm... Ba Barry!?“
Rufus stöhnte und wiederholte sich, dieses mal lauter: „Dummdaadummdadummdadumm.“
Barry wurde selbstsicherer: „Barry!“
Leichte Resignation überkam ihn, doch er blieb stoisch in seiner Rolle. „Na gut Tiger, schnapp ihn dir!“
Barry grölte in schrillem Ton „Waaaaaah!“ und lief Goon mit erhobenen, in der Luft schlackerten Händen hinterher.
Glaubst du wirklich, dass er das schafft?, dachte Goal und Rufus entgegnete nur, dass er nicht einmal davon ausginge, dass er das überlebe, und mit diesem schlechten Gefühl traten sie in Janoschs Untergrundbasis.


Es war wie beim letzten Mal, vor dem Sprengturm und vor dem Hochboot, ein großer Raum, durchflossen von Kanalgewässer, unterbrochen von warmen Rohren, die den kühl beleuchteten Raum überraschend aufheizten. Janoschs Bereich war beschränkt auf mehrere Plattformen. Die neben dem Eingang war ein kleiner Platz mit einem Gang zum Rest dieser Anlage und von einem Geländer eingerahmt. Janosch hatte eine Couch und ein paar Tische und Stühle in den Raum gesetzt, direkt angrenzend an die Durchreiche zu der Küche seiner Mutter.
Doch von Janosch selbst war nichts zu sehen, stattdessen saß dort ein dünner Mann mit orangeroten, zu einem Zopf zusammen gebundenen Haaren. Er trug einen roten Schlafanzug mit braunen Lederschuhen, darüber ein hellgrünes Hemd, eine dunkelgrüne Weste ohne Ärmel. Auf dem Kopf trug er einen hellgrünen Hut mit roter Feder und an beiden Armen dunkelrote Unterarmschoner, wobei er gerade einen Arm hob, um sich genervt den Finger in die Nase zu stecken.
Aus der Durchreiche tönte eine alte, nervige Frauenstimme „Willst du noch einen Kuchen, Dodo-Schätzchen?“
Eine runde Gestalt in weißem Cowboy-Outfit mit schwarzer Maske regte sich neben dem dünnen Mann auf der Couch. Er schlang gerade ein Tortenstück herunter, dessen Schokoladenstückchen seinen blonden Bart zierten und gab schmatzend zu verstehen, dass er mehr wollte. Dann schluckte, kaute und verschluckte er sich, und griff sich ein Funkgerät neben ihm. Sein weißes Cowboy-Outfit wallte zurück unter der Vibration des runden Bauches und gab einen blauen Overall preis.
Während der dünne Mann die Augen rollte, rang der dicke, blonde Mann um Luft. Er drückte einen Schalter und schwülstige Musik erklang. „Hallo -“ fing er an, dann verschluckte er sich und grunzte.
„Hallo liebe Fans, hier ist wieder euer Cowboy Dodo und klärt euch über die Welt auf.“
Während der dünne Mann sich gelangweilt auf seine Hand stützte, fing der dicke Mann zu flennen an. „Die Welt ist ein gemeiner, verdreckter Ort, an dem ein dummer Versager den Helden spielen darf, nicht aber ein angesehener Star.“
Sichtlich genervt sprang der junge Mann auf und bemerkte jetzt erst Goal.
Er war deutlich überrascht, „Gool? Gool, du bischt es oda?“
Sie war etwas perplex, aber er ergänzte: „Ergenscht du misch nisch? Isch bin Janosch und dasch da ischt Gauboi Dodo!“
Es ging durch sie beide wie ein Blitz. „Aber du bist so dünn geworden!“
„Und dann wirst du fett, soo fett!“, kreischte Cowboy Dodo in das Mikrofon.
„Dasch ischt ein Ewwegt wenn einem scho ein blööder Schmarotscher allesch wegwrischt!“, antwortete Janosch, teilweise an Dodo adressierend.
Doch der bemerkte nichts von der Konversation und schluchzte nur noch Stichworte wie „allein“, „Abstieg“ und „Versager“, während er sich auf der Couch wand.
„Aber wie kommt er hier her, was ist mit euch passiert?“
„Wir waren in einem Organon-Gewängnisch gewangen. Er, scheine Wänsch und isch.
Nachdem alle Organosch ewaguierd worden waren, muschten wir eine Woche darin auschharren. Irgendwann wurde er dann scho gomisch und hat schändig gewlännd. Alsch dann scheine Wänsch schisch won ihm abwendeten, wurde er rischtig schreg und nun habbisch ihn an der Bagge!“
Er hatte begonnen, seinen Bart zu streicheln, plötzlich hob er eine Augenbraue und blickte sie an.
„Und wasch ischt mit dir? Isch will dir nischt schu nahe dreden, aber du schiescht scho grau und verbrauchd ausch wie eine graue Mausch...“
„Das ist nicht wichtig, wichtig ist nur, dass ich in die Klonanlage komme...“, sagte Rufus durch sie.
„Die Glonanlache? Da gennisch einen Weg!“
Ihr stockte der Atem, dass es so leicht werden würde, hätte sie nicht gedacht.
„Du musst mich dort hin führen, das ist überlebenswichtig!“
Doch er blockte ab: „Isch helwe dir, aber erscht, wenn du mir hilwscht, den Wettschag loschsuwerden!“
Das war also der Haken! Sie mussten Dodo loswerden... Goal musterte den ehemaligen Regionalstar – zu labil für Beleidigungen, zu schwer zum Rauswerfen.
Rufus mischte sich in ihre Gedanken ein: Das ist ganz einfach, jemanden loszuwerden ist meine Spezialität!
Goal war nicht begeistert, Ich werde nicht zulassen, dass du ihn umbringst, oder an das Triebwerk draußen bindest und ihn damit, naja, auch umbringst!, dachte sie.
Rufus pflichtete ihr bei, versprach vorsichtig zu sein und so gab sie, wenn auch etwas widerwillig, das Zepter abermals an ihn und sofort reagierte er: „Janosch, ich brauche ein paar Sachen dafür; eine Pastete oder einen Bagel, Hausstaub, Pfeffer, Zahnpas...“
Für einen Moment hielt er inne, Ich darf ihn wirklich nicht umbringen, oder?, dachte er, worauf hin sie nur emotional, aber unmissverständlich antwortete.
„...einen Klostein. Hast du das?“. Doch die Frage war unnötig, Janosch hatte bei jedem Punkt „Dschegg.“ gesagt.
Kurzerhand übergab Janosch Goal eine Pastete, Hausstaub aus dem Staubsauger seiner Mutter, frischen Pfeffer und zwei 30 Jahre alte Klosteine, die direkt in Goals Mantel verschwanden.
Nachdem Rufus einen Moment Luft geholt hatte, fühlte Goal ein Kribbeln in ihren Fingern und sah zu, wie diese sich erneut rasend schnell bewegten. Es fühlte sich an, als wären es fremde Finger, die mit einer unglaublichen Präzision zupackten, Teile zerkleinerten und die Masse nicht nur geschmacksneutral in der Pastete versenkten, sondern auch keine Spuren hinterließen, als sie wieder aus der Pastete gezogen wurden.
Rufus gab Janosch die Pastete und forderte ihn auf, sie Dodo zu geben und ihm zu sagen, dass er jeden Tag eine bekomme, solange er nicht die Kraft habe, auf eigenen Beinen zu stehen. Sichtlich gerührt nahm der gefallene Star die Geste an, unwissend, dass er wenige Augenblicke später kräftig aufspringen, raus zum Klo rennen und nie wieder zurückkommen würde.
Damit war auch dieses Hindernis aus dem Weg geräumt und Janosch willigte ein, ihnen den geheimen Weg zu zeigen. Nachdem Goal kurz ihren Überlebensrucksack von draußen geschultert hatte, gingen sie los. Es handelte sich um einen Kanal, welcher in Janoschs Basis mündete, nach drei Kilometern in einem großen Rohr endete, welches seinerseits über eine Leiter direkt zu den Klonbehältern führte.
Janosch erklärte in seiner unnachahmlichen Weise auf dem Weg zur Klonanlage und dass er den Weg entdeckte, kurz nachdem Dodo bei ihm eingezogen war. Er hatte nach einer Möglichkeit gesucht, nachzudenken und den Kopf frei zu bekommen und so hatte er die Umgebung seiner ehemaligen Basis genauer untersucht. Er konnte allerdings nie ganz von seinem Zuhause loslassen und fühlte sich seiner Mutter verantwortlich.
Ein wahnsinns Zufall, der in einem Buch oder einer Serie wohl mit der Faulheit oder Einfallslosigkeit eines Autors erklärt würde, aber in diesem Zusammenhang sicherlich absolut plausibel war...
Janosch verabschiedete sich und bedankte sich für die Hilfe mit Dodo. In stiller Vorfreude auf die Wärme und gute Verpflegung zu Hause kehrte er um. Goal blickte ihm noch einen Moment nach. Er wirkte glücklich, aber er ging zurück in dem Wissen, dass seine alten Freunde, Libold und Garlef, unerreichbar weit weg von ihm entfernt waren. Ein leises Pfeifen erklang und zog mit der langsam verschwindenden Gestalt davon. Es war unglaublich schön, sie hatten ihn nie zuvor Pfeifen gehört, und es stand in krassem Gegensatz zu seinen rhetorischen Fähigkeiten, aber Goal und Rufus wussten in diesem Moment, dass Janosch, auf seine eigene Art und Weise, glücklich war.
Den Überlebensrucksack lehnte sie auf die andere Seite der Leiter, dann kletterte Goal die letzten Sprossen hoch, bis sie den sternenbedeckten Nachthimmel erblickte. Die Zeit in der Kanalisation verging irgendwie anders, wahrscheinlich weil man kaum Möglichkeiten hatte, Sonnenlicht oder ähnliches zu sehen. Sie konnte sich nicht mehr erinnern, seit wann sie sich zuletzt die Sterne angesehen hatte, abgesehen davon, um die Lottozahlen zu erfahren. Sie stieg auf die obere Plattform um die Klonkammern und legte den Kopf in den Nacken.
Der laue Abendwind wehte ihr durch das Haar und für einen Moment stand die Zeit still.
Da dachte Rufus, Romantisch, nicht wahr?, nicht so schrill wie sonst, sondern sanft und beruhigend. Er übernahm die Kontrolle über ihre linke Hand und fuhr ihr vorsichtig über die Wange.
Sie schloss die Augen und genoss für eine Sekunde seine Berührung, dann nahm sie die Linke in die rechte Hand und hielt sie auf Höhe ihres Halses, während sie langsam den Kopf senkte.


„Betest du?“, unterbrach plötzlich eine schrille Stimme die Stille und sie schaute sich erschrocken um. Da stand eine Kutte mit einem Totenschädel und einer Sense.
„Der Tod?“, fragte sie vorsichtig, da erkannte sie ihn – es war Hermes!
Wie sie es verstand, ging sie auch schon auf ihn zu und hielt ihm den Mund zu. Seine Haut fühlte sich an wie nasses Backpapier, aber es musste sein. So kurz vor ihrem Ziel würden sie nicht zulassen, dass eine Unachtsamkeit sie alles kosten würde.
Sie blickte dem verwunderte Hermes ins Gesicht und gab ihm zu verstehen, dass er leise sein müsse. Der verwirrte Mann nickte zögerlich und so nahm sie ihre Hand von seinem Mund und sie stellten sich vor.
Die Problematik war schnell geklärt, die Geschichte dahinter benötigte etwas länger, aber Hermes verstand sofort. Nach einiger Überlegung gestand er, „Es ist einfach, euch beide zu klonen und auch dein Alter neu einzustellen.“
Sie atmete erleichtert auf, doch er ergänzte: „Die Schwierigkeit wird es sein, euer Bewusstsein wieder zu trennen!“
„Was brauchst du?“, fragten sie ihn synchron, „Ein Plasmaaustauschfluppidiwuppmammutfellrelais!“, entgegnete er trocken.
Goal verlor das Gleichgewicht, doch Rufus fing sie wieder auf, denn er wusste, was das ist und wo sie eines würden finden können. Doch das machte es nicht leichter.
„Wir werden es auftreiben! Warte du hier auf uns und bereite schon einmal alles vor – aber lass dich nicht erwischen!“, sagte er, dann drehten sie ihm den Rücken zu und waren im Begriff, wieder zu gehen.
Er schluckte, dann nickte er. Einen Moment stand er nur mit offenem Mund dann huschte er hervor und nahm der unvorbereiteten Goal eine Blutprobe. „Das werde ich brauchen!“, beruhigte er.
Während sie nun wieder auf dem selben Weg verschwand, auf dem sie gekommen war, grinste von ihnen unbemerkt der junge, blonde Mann. Er hatte alles beobachtet und formte nun ein kleines Zelt mit seinen Fingern, während ihm ein leises Lachen entfleuchte.
„Was machen wir jetzt?“, fragte sie sich, noch während sie die Leiter hinabstiegen.
Ich hatte ein Plasmaaustauschfluppidiwuppmammutfellrelais erbeutet, als mich Doc und Bozo im Hotel Menetekel abgelenkt haben..., sandte er ihr zu und sie unterbrach ihn: „Und das könnte noch immer auf dem Kreuzer von Amtmann Argus sein, richtig?“
Bingo!, dachte er erleichtert.
„Aber wie kommen wir an den Kreuzer? Die Rebellen haben schließlich auch das alte Schienennetz der Organons erobert und die Kreuzer werden munter in Bewegung sein...“, warf sie ein, als sie das Ende der Leiter erreichte.
Deswegen müssen wir in die Obere Aufstiegsstation, dort werden wir uns in ihr System hacken und so die Positionsinformationen bekommen.
„Wir haben also einen Plan?“, Wir haben also einen Plan!
Sie schulterten den Rucksack und gingen wieder los.


Der Weg zur oberen Aufstiegsstation war kurz und einfach. Sie mussten lediglich wieder zurück zu Janoschs Rebellenlager, vorbei an dem sichtlich bemühten Janosch, der sein Idealgewicht wieder anstrebte, und raus aus der Kanalisation. Außerhalb der Kanalisation lag der Hafen Porta Fiscos, und direkt vor dem Pier lag der Zugang zur Stadt. Der Weg zur Aufstiegsstation war lediglich ein gerader Korridor durch die Häuserschluchten.
Da allerdings war das nächste Problem: Goal musste durch ein gut einsehbares Gebiet gehen, welches keinerlei Deckung bot, aber dicht von den Rebellen übersät und somit auch kontrolliert war. Doch vor dem langen Korridor kam der Zufall ihr zur Hilfe.
Als sie gerade in den Korridor eintreten wollte, traf sie auf drei Gestalten. Die Umrisse von drei jungen Frauen standen im Eingang des Korridors und fröstelten in der Kühle der Nacht. Das Zwielicht wechselte gerade in die Morgenröte und so ermöglichte das Licht eine bessere Sicht auf die Damen: die erste hatte leicht gebräunte Haut, runde Gesichtszüge und kurzes lockiges Haar, die zweite hatte bleiche Haut und lange, gelockte, rote Haare und ein spitz im Kinn mündendes Gesicht. Die dritte und letzte lag vom Hautton zwischen ihren Kameradinnen, sie hatte ein schönes, ausgeglichenes Gesicht und glatte, schwarze Haare, die über ihren Schulterblättern lagen.
Sie bewachten den Zugang, waren mit Plasmagewehren bewaffnet und trugen eng anliegende Rebellenuniformen. Bemerkenswert fand Goal, dass alle drei, im Gegensatz zu jeder anderen Rebellenuniform, die sie bisher gesehen hatte, bauchfrei trugen. Ihnen musste einfach kalt sein, bei dieser Bekleidung und diesen Witterungsbedingungen. Die Hosen der Blonden und der Brünetten waren außerdem zu kurz, so dass sie die Beine nur bis zum Schienbein abdeckten.
Während Goal noch nachdachte, sprach Rufus versehentlich durch ihren Mund: „Mindy, Cuttner und Lotty!“
Noch während Goal ihn in Gedanken fragte, woher er denn diese... reizenden jungen Damen kenne, nur in anderen Worten, korrigierten die jungen Frauen sie: „Cyndi!“, „Cutis“ & „Hotti“
Goal bemerkte den komischen Unterton der jungen Frauen und war leicht angewidert in einer Mischung aus undefinierter Eifersucht und rebellischem Rollenwiderstandes.
„Was machst du denn hieääär?“, sagte die Brünette, während sie mit ihren Haaren spielte.
„Das ist nämlich eine Sperrzonäää!“, fügte die Blonde hinzu.
Goal ballte gerade die Faust, da mischte sich Rufus ein: „Was macht ihr denn hier, ihr seid doch die Dodos Fangirls!“
„Dodoo ist doch voll auuut!“, bemerkte die Rothaarige.
„Jaaa, wir sind der Ruufuuus-Fänklub.“, erhob die Blonde ihren Zeigefinger.
„Der ist soo süüüüß, wie er die Wääält gerettet haat!“, sabbelte die Brünette.
Was willst du denn von diesen verblödeten Ziegen?, fragte sich Goal mit genervtem Unterton.
Die sind unsere Eintrittskarte nach Elysium!, dachte Rufus lässig.
Elysium?, erwiderte sie. Sorry – zu unserem Glück!
„Und deswegen seid ihr dem Widerstand beigetreten?“, fragte Rufus sie hintergründig, während er sich leicht vorbeugte und die Augenbrauen hob.
„Jaa, wir wollen auch die Wääält retten!“, sagten alle drei stolz.
„Dann habe ich eine tolle Nachricht für euch: ich bin Goal!“, sagte Rufus und stemmte dabei die Fäuste in die Seite.
Für einen Augenblick sahen die jungen Frauen Goal ungläubig an, dann rutschte der Rothaarigen ein „Eeeecht!?“ heraus, das Rufus nur mit einem lockeren „Klaro!“ kommentierte.
Rufus blickte sie für einen Moment an, seine jahrzehntelange Erfahrung darin, Menschen zu seinem Vorteil zu manipulieren, war jetzt eine große Hilfe. Goal musste ihn hier wohl oder übel gewähren lassen, auch wenn sie es nicht gutheißen konnte, selbst diese verachtenswert dummen Mitläufer zu benutzen.
„Wisst ihr was? Wie wäre es, wenn euch einer der Helden, die euren Planeten gerettet haben, nützliche Lifestyle-Tipps gäbe?“, nahm er sie an den Haken, was sie mit gespannter Aufgeregtheit kommentierten.
Er ließ Goals Finger kreisen und zeigte schließlich auf die Blondine, scheinbar zufällig, doch er hatte erkannt, dass sie hier das schwächste Glied war, „Du“, deutete er ihr, sich mit ihr unter vier Augen zu unterhalten.
Rufus ging ein paar Schritte mit ihr von den Anderen weg und enthüllte ihr, dass er gerade eben Cowboy Dodo gesehen habe. Er erklärte ihr, dass er das Gefühl habe, dass er sie wirklich schwer vermisse und dass wahrscheinlich nur sie ihn wieder aufbauen könne, seit er zusammengebrochen war. Sie schluckte den Köder und nach einigen pathetischen Andeutungen war sie überzeugt.
„Ich habe einen tooollen Tipp bekommen und eine echt voll krasse Mission zu erfüllääään! Ich werde euch vermissen!“, verabschiedete sie sich und nachdem sie ihre beiden Freundinnen umarmt hatte, lief sie winkend davon. „Pass auf dich auf!“ und „Komm mal wieder vorbei!“, riefen ihre Freundinnen ihr nach.
Kaum war sie um die Ecke, fingen sie aber auch schon an zu lästern: „Die ist voll doof!“, „Ja, gut, dass wir dieses Flittchen los sind!“
Wie ich es mir gedacht habe..., dachte Rufus noch, da deutete er auf den Rotschopf.
Wieder gingen sie ein paar Meter abseits und Rufus wies sie auf das Amulett, das sie unter ihrer Jacke versteckte hin. Sie erklärte, dass es Bilder ihrer Familie enthalte, von der sie sich im Streit getrennt habe und Rufus schaffte es mühelos, genug Heimweh in ihr zu erzeugen, dass sie ihren Dienst beendete und Goal ihre Uniform überließ, um mit ihrer normalen Kleidung abzuziehen.
Jetzt verstehe ich!, dachte Goal in dem Moment, indem sie die Uniform erhielt, bevor sich die junge Frau von ihrer Freundin verabschiedete.
Die Brünette winkte auch ihr noch fröhlich lächelnd hinterher, um auch hinter ihrem Rücken wieder über sie zu lästern, Rufus erkannte schnell, dass auch sie für ihren Fanatismus zu Dodo etwas zurückgelassen hatte, das ihr, nachdem Dodo nun kein Idol mehr war, jetzt fehlte. Schnell kam er bei einem kleinen Plausch darauf, dass sie ihren Freund einfach verlassen hatte, ohne ihm Bescheid zu geben. Auch wenn Goal im Hintergrund merkte, wie hohl auch ihr Freund war, schaffte Rufus es, in der jungen Frau so etwas wie Liebe zu wecken und so gelangte er auch an ihre Uniform.
Zwei Uniformen zum Preis von drei, ist das nicht klasse?, frohlockte er, als er Goal wieder Kontrolle über ihren Körper gewährte, doch die schwieg.
Sein Geist wurde stiller, Goal? Was hast du denn?, fragte er sie vorsichtig.
Sie schluckte. „Das ging zu einfach!“, stammelte sie mit heiserer Stimme.
Was spricht gegen einen Einfachen Weg?, fragte er verwirrt.
„Nicht zu einfach im Sinne von 'Mit hohlen Birnen kegeln'. Es fiel dir viel zu einfach, diese jungen Frauen zu manipulieren und zu kontrollieren.“, seufzte sie.
Ich habe dir gesagt, dass ich eine Vergangenheit als selbstverliebter Egoist hatte!
„Aber ich dachte, dass du dich verändert hast! Dass du das manipulieren, lügen, stehlen und betrügen hinter dir hast!“, sagte sie verbissen. Er begriff langsam, es ging nicht darum, was er gemacht hatte, sondern wie leicht es ihm gefallen war.
Ich habe nun einmal jahrelange Erfahrung in diesen Dingen. Das heißt nicht, dass ich eine tickende Zeitbombe bin!, versuchte er sie zu beschwichtigen.
„Was hindert dich daran, mich irgendwann zu betrügen oder zu benutzen?“, fauchte sie.
Dass ich dich... dass ich dich..., selbst in Gedanken stammelte er.
„Dass du was?“, unterbrach sie ihn. „Ich bin kein guter Mensch, Rufus! Ich habe die Zerstörung Deponias zu einem Drittel unterstützt. Und ich habe hier auf Depoia einiges getan, für das ich mich schäme. Ich habe nicht das Recht...“
Dass... dass ich dich liebe!, brachte er endlich hervor.
Sie schnappte kurz Luft, denn das hatte er ihr noch nie so offen 'gesagt'.
Sie musste innehalten, war wieder im Moment gefangen, Rufus aber besann sich darauf, dass sie nicht mehr ewig Zeit haben würden.
Außerdem hast du an Toni, Doc, Bozo etc. gesehen, dass man ziemlich schnell auf den Trichter kommt, ob jemand jemanden ausbeutet oder nicht – frag doch meine Ex! und sie musste lächeln.
„Arsch - „, er verhinderte, dass sie es aussprach, Komm schon, wir müssen los!
Sie nahmen die Uniformen mit und gingen wieder zu Janosch, um sich noch einmal helfen zu lassen. Bei Janosch angekommen, stellten sie ihren Überlebensrucksack wieder ab, da sie ihn heute nicht mehr brauchen würden. Janoschs Mutter ließen sie die erste Uniform waschen, doch als sie diese durch die Durchreiche zur Küche wieder zurückgab, war sie nicht nur eingelaufen, sondern auch gefärbt worden. Da die Uniform nun wie ein Clownkostüm aussah, verzichteten sie, besonders zu Goals Unmut, notgedrungen darauf, die andere Uniform auch noch zu riskieren.
Da sie sich aber dennoch tarnen musste, bat Goal Janoschs Mutter um ein Haarwaschmittel, mit dem sie Locken machen konnte.
Sie wollte gerade in Janoschs Bad gehen, da schaltete sich Rufus ein: Warte, das muss doch auch schneller gehen!
„Was schlägst du denn vor?“, fragte sie ihn und er änderte seine Stimme, so dass sie wirkte, als habe er cool die Arme verschränkt: Lass mich nur machen Baby!
Mit dem Hinweis, er solle sie nicht so nennen, überließ Goal Rufus wieder ihren Körper.
Er packte die Rebellenuniform und legte sie unter ihren Mantel, dann nahm er das Haarmittel und tat das Gleiche.
Bereit?, dachte er an sie, bevor sie sah, wie er ihren Mantel griff und daran zog. Er streifte so ihre ganze Kleidung ab, unter der die neue Uniform hervorkam.
Goal blickte nach diesem Vorgang verwirrt auf ihre eigentliche Kleidung, obwohl er diese scheinbar zerrissen hatte, war sie völlig intakt. „Wie hast du?“
Superrufus, sag ich nur!, protzte er und fuhr fort, bevor sie reagieren konnte, Bauchfrei steht dir übrigens!
„Glaub nicht, dass du das häufiger zu sehen bekämst!“, stieß sie ihn vor den (symbolischen) Kopf und setzte sich in Bewegung.
Als sie an einem Spiegel vorbeiging, bemerkte sie jedoch, dass ihre Haare nicht lockig waren. Sie waren nicht nur weiterhin glatt, sondern braun gefärbt. „Rufus!“, fuhr sie ihn an.
Ist nicht meine Schuld, das war wohl das falsche Mittel, müssen wir uns halt als Cyndi ausgeben.
„Cutis“, korrigierte sie ihn und da kam in ihr der dumpfe Verdacht auf, dass auch sie sich irrte und sie sich nun Hotti ausgeben werde würden... Sie seufzte, dann ging die Reise weiter.


Es war zwar schon etwas Zeit vergangen, doch die Sonne war noch nicht hoch aufgestiegen und so fiel es ihr leicht, sich auf dem Weg zur oberen Aufstiegsstation als Rebellin auszugeben. Zumal kaum mehr jemand mehr auf dieser Welt war, der sie identifizieren konnte.
Als sie den Korridor durchschritt, betrachtete sie die Gebäude in der Umgebung. Der Krieg gegen den Organon hatte viele Gebäude stark in Mitleidenschaft gezogen, nicht wenige hielten noch gerade so zusammen und viele waren auch völlig zerstört. Dennoch schafften die Bewohner es, ihr Leben weiterzuführen. Oder sie ignorierten es einfach, wie ein alter Mann, der für jeden sichtbar mit der Zeitung auf einer Toilette saß, weil deren Außenwand weggekippt war.
Du gehst zu elegant, weckte Rufus sie aus ihren Gedanken, „Wie meinen?“
Du musst männlicher gehen, denk an die Affen in Kuvaq! Sonst werden wir noch entdeckt!
Sie versuchte es, indem sie mit den Fersen auftrat und die Arme weiter vom Körper hielt.
Ob nun wegen dieser Maßnahme oder weil der Widerstand noch mit Unterbesetzung zu kämpfen hatte, sie kam gut durch und so erreichte sie den Kontrollraum der oberen Aufstiegsstation.
„Meldung, was wollen Sie hier?“, schnauzte der befehlshabende Offizier sie an.
Sie verstellte ihre Stimme, „Ich werde versähääzt, ich muss meinen Kreuzer findän!“, sagte sie mit einer so hohen Stimme, dass sie sich selbst schlecht fühlte.
„Ach so...“, grunzte er, „...die Konsole ist da drüben!“, deutete er hinter sich und wandte sich wieder von ihr ab.
Sie ging vorsichtig vor, der Kontrollraum war ein fensterloser Hohlraum in der Stahlkonstruktion des Turms. Die Wände waren blanker Stahl, unterbrochen von kantigen Stahlträgern. Die Decke und der Boden waren aus den gleichen Stahlplatten gemacht und von Apparaten übersät, die vielerlei Bildschirme und Kontrolltafeln beherbergten.
Die Konsole, auf die der unfreundliche Offizier gedeutet hatte, war eine Karte des Kreuzertrassennetzes, auf der sich kleine Stecknadeln mit verschiedenen Nummern bewegten.
Ein Bildschirm daneben zeigte Datum und Zeit an und mittels einer Tastatur darunter konnte man den Zeitpunkt einstellen, sowie die Wiedergabegeschwindigkeit mit Pfeiltasten über diesem Bildschirm verändern.
Ah gut, jetzt müssen wir nur noch herausfinden, mit welchem Kreuzer wir damals gefahren sind und wie wir von hier dort hin kommen, dachte Goal erleichtert und nahm sich einen Zettel und einen Stift.
Oh nein, das machen wir jetzt nicht!, dachte Rufus trotzig. Goal entgegnete, Hast du eine bessere Idee?
Mir reicht's, wir überspringen.
Was?, fragte Goal, doch Rufus dachte nur forsch: Überspringen!
Sie hatte kurz aufgeblickt und als sie wieder auf die Konsole schaute, standen die Kreuzer plötzlich anders. Sie schaute auf ihren Zettel und er war beschriftet:
Oben stand die Nummer 8254, dick eingekreist, darunter 565 und mit Pfeilen verbunden 54, 78, 636, 87. Rechts neben den Nummern waren Daten und Uhrzeiten notiert.
Wie hast du...?, fragte sie verwundert, doch er entgegnete nur: Ist doch egal, wir müssen auf den Kreuzer mit der Nummer 8254. Damit kommen wir auf den Kreuzer 565, dann steigen wir um auf 54, von da auf 78, dann auf 636, dann auf 87 und zum Schluss steigen wir auf den Kreuzer 8254 um.
Auf der Rückseite des Zettels war sogar der Rückweg mit Umstiegen notiert.
„Ich hab alles!“, entfuhr ihr versehentlich, doch der Offizier schnauzte nur: „Dann machen Sie, dass Sie wegkommen!“


So machten sie sich davon, was weniger leicht war als gedacht.
Zwar half ihnen Goals neue Haarfarbe, nicht so sehr aufzufallen, auch die Uniform erleichterte die Arbeit enorm. Dennoch musste sie sich vor Personenkontrollen hüten und dass sie sich an mehreren Kreuzerbahnhöfen aufhalten musste, machte es nicht leichter.
Als sie an der letzten Station stand, kurz vor dem Erreichen des Kreuzers 8254, wo die ersehnte Beute lagerte, sah sie sich diesen genauer an. Die meisten dieser Andockstationen waren in Festungen des Organon eingebaut. Die Trassen liefen, wie bei den Aufstiegsstationen wie Adern, oder wie Rufus spöttisch dachte wie ein Darm, durch diese Trutzburgen. Die Trassen führten an Bahnhöfen vorbei, die wie auf Deponia auch im Grunde nur lange, erhöhte Gehsteige waren, über die man die haltenden Kreuzer direkt betreten konnte. An den Eingängen für die Kreuzer waren zum Schutz vor Angriffen und Wetter große Gitter aus Stahlträgern mit Panzerglas dazwischen angebracht. Von diesen Stahlkonstruktionen ging meist zur Abendzeit ein deprimierender Schatten auf die Metall/Betonkonstruktion der schlichten Bahnhöfe aus. Es sah einfach aus wie der Schatten von Gitterstangen und ob gewollt oder nicht, erzeugte dies immer das Gefühl eines primitiven Gefängnisses. Vielleicht wollte der Organon seinen Passagieren immer das Gefühl von Zurechtweisung geben, bevor und nachdem sie die Freiheit einer komfortablen Reise schnuppern konnten. Vielleicht war es aber auch nur eine zufällige und nicht mit eingeplante Erscheinung.
Dieser 'Bahnhof' aber war anders, es war eine Andockstation an einem Sprengturm. Nicht dem Sprengturm, an dem Rufus sie gegen Cletus aufgehetzt und dann enttäuscht hatte. Nicht dem Sprengturm, auf dem sie ihn fallenließ, bevor sie sich ihm dann endgültig anschloss – denn der war durch Rufus' zweifelhafte Taktik in die Luft geflogen.
Dennoch rief dieser Ort in ihnen Beiden Erinnerungen hervor, die jeweils so stark waren, dass auch der jeweils Andere sie 'sehen' konnte. Beispielsweise konnte Goal sich selbst mit Rufus' Augen sehen, wie sie mit ... sich selbst in Donnas Körper kämpfte.
Rufus konnte sich über das Gelände gestürzt sehen und sah eine Hand, die ihm gereicht und dann wieder weggezogen wurde. Er sah aus Donnas Augen ein letztes Zurückblicken, bevor seine Finger nachgaben und verschwanden.
Und sie sahen, wie Goal sich dann doch für Rufus entschied, Cletus auf dem Steg aussperrte und zu Rufus eilte. Rufus spürte Goals Selbstzweifel und Goal Rufus' Herzklopfen, als er sie dann wieder sah.
Hier standen sie also nun, an einem Ort, weniger ein Bahnhof, als viel mehr ein überdachter Steg aus Eisen und Glas und die Vibrationen in dem Material zeugten von der Ankunft des nächsten Kreuzers.
Die Vibrationen wurden stärker, als der Kreuzer an dem Steg entlangglitt, aber bei weitem nicht so stark wie damals, als sie fast überfahren wurde und dann hörten sie schlagartig auf und wichen dem Knattern des Stahlskeletts des Kreuzers, das durch die Trägheit der tonnenschweren Komposition erzeugt wurde.
Dann Stille. Goal blickte auf eine Uhr im Sprengturm und als die Minuten- und Sekundenzeiger gemeinsam die Zwölf beschritten zeugte ein lautes 'Rumms' davon, dass die Türe sich auf die Sekunde genau öffnete.
„Pünktlich wie der Organon!“, flüsterte Goal zu sich.
Nicht ganz..., entgegnete Rufus, ...zu unserem Glück sind sie noch deutlich nachlässiger: keine Personenkontrollen an den Zugängen und niemand der die Lebensmittelvorräte oder Toiletten bewacht. Ansonsten hätten wir es viel schwerer gehabt!
Sie nickte und betrat den Kreuzer.


Im Kreuzer ging sie unauffällig mit festem Schritt umher, den Eindruck erweckend, irgend eine Aufgabe zu erfüllen.
Wo müssen wir jetzt hin?, dachte sie an Rufus gerichtet.
Der Koffer müsste in den Lagerraum des Kreuzers gebracht worden sein, nicht weit vom Eingang entfernt...
Und tatsächlich war der Eingang zum Magazin des Kreuzers nur ein paar Gänge entfernt.
Doch als sie ihren Kopf vorsichtig in den Gang beugte, erblickte sie – zwei Wachen, mehr Kleiderschränke als Männer, vor dem Tor des Lagerraums.
Was nun?, fragte sie sich und Rufus antwortete planlos: Lass... lass dir einfach nichts anmerken!
Goal versuchte, aufrecht in den Lagerraum zu gehen, doch bevor sie durch die Türe gehen konnte, verstellten ihr die Wachen den Weg.
„Jungs, ich muss da mal rein“, sagte sie augenzwinkernd.
„Kein Zugang – Befehl vom General!“, brüllte die Wache.
Goal verzog das Gesicht und blickte sich um, nicht weit von dieser Türe entfernt war eine kleinere Türe.
„Was ist denn in dem Raum dort?“, fragte sie die Wache und spielte mit ihrem Haar.
„Die Gefängnisse, aber da ist nur ein alter Mann, den wir in einem alten Bunker gefunden haben und der sich für einen Zombie hält!“, entgegnete die Wache, ohne den Tonfall zu reduzieren.
„Ein Zombie?“, fragte dieses mal Rufus mit großen Augen.
„Nein, ein seniler alter Mann, der glaubt, er wäre ein Zombie!“, schnauzte die Wache, „Wir haben ihn eigentlich nur eingesperrt, weil er ständig versucht, uns zu beißen!“
„Ach so, da sollte ich ja eigentlich hin – macht's gut, Jungs!“, flirtete Rufus und schlich sich langsam von ihnen weg.
„Dann gehen Sie und lassen Sie uns in Ruhe!“, brüllte nun die andere Wache.
Im Raum erblickten sie dann einen jungen Rebellen an einer Schaltkonsole. Er saß auf einem bequemen Stuhl und hatte die Füße auf den Tisch vor sich gelegt, den Rücken zum Eingang und das Gesicht auf ein Kraftfeld gerichtet.
Er nahm seine Aufgabe offensichtlich nicht sonderlich ernst, denn seine Augen waren verschlossen und seine Hände waren hinter seinem Kopf gefaltet.
Hinter dem Kraftfeld war ein kleiner, steriler Raum mit Liege und einem alten Mann in der Mitte.
Es war ein dürrer, sekelettartiger Körper, nur von einer alten Latzhose, deren Blau sich mit der Zeit in Dunkelgrün umgewandelt hatte und einem kotzgelben Rollkragenpullover bedeckt. Außerdem hatte er eine Brille mit eckigen Brillengläsern dabei.
Sein Kopf war im Gegensatz zu seinem restlichen Körper sehr groß und rundlich. Ein breites, faltiges Grinsen zog sich von einem Segelohr zum anderen Segelohr, während die Augen von tennisballgroßen Ringen eingerahmt waren. Die Nase der Gestalt hing über den Mund und reichte bis auf die Glatze, die, mit Altersflecken verziert und an einigen Stellen eingefallen, den grausigen Anblick abrundete.
Die träge drein blickende Gestalt hatte einen ungesunden, graugrünen Hautton und stöhnte leise: „Kreuzritterh... Pyramidän... Gehirrnähhh!“
Der Mann an der Konsole bemerkte die Türe und neigte den Kopf zurück, so dass er Goal kopfüber sehen konnte. „Hey, Schnucki!“, sagte die unförmige Gestalt. „Soll ich dir mal zeigen, wie wir starken Soldaten auf Engelchen wie dich aufpassen?“
„Du spinnst wohl, du Arsch-“, Rufus übernahm ruckartig die Kontrolle über ihren Körper „-itekt von einem Mann!“
Was soll das werden?, dachte Goal wütend, doch ließ sie ihn für eine Sekunde erklären: Ich habe eine Idee. Mit dem wischen wir den Fußboden auf!
Misstrauisch zog sie sich mental zurück und ließ ihn gewähren und er ging zu dem Mann. Er ließ seinen Blick schweifen, von dem verpickelten Gesicht des Gefängniswärters über seinen Körper, seine Uniform war verdreckt, auf die Konsole.
Auf der Konsole stand eine halb ausgetrunkene Tasse Kaffee. Treffer!, dachte er und begann, mit ihrem Haar zu spielen.
„Willst du dich mal auf meinen Schoß setzen?“, sagte die immer unsympathischer werdende Person, während er nach ihrer Taille griff. Rufus beugte sich leicht, die Wut in seinem rechten Arm unterdrückend, vor und tat so, als wolle er den Kaffee greifen. Doch er schüttete ihn 'versehentlich' um. „Ach, was bin ich doch ungeschickt“, sagte Rufus ironisch, als das Kraftfeld der Zombiezelle zu versagen begann.
„Du dumme Kuh, was hast du...“, fuhr der jetzt endgültig unsympathische Wärter sie nun an, da wurde er von einem kleinen Putzroboter umgefahren und fiel zu Boden.
Putzibot!, dachte Rufus sich, als Goal wieder Kontrolle über ihren Körper erlangte. Sie rannte durch die Türe raus, während der alte Mann sich sabbernd auf den Wärter fallen ließ und rief den Wachen zu: „Jungs, Gefangenenausbruch! Wir brauchen hier eure Hilfe!“
Die Rechnung ging auf, die Wachen verließen ihre Posten und man hörte sie mit dem alten Mann ringen und ihn auffordern, sie nicht mehr zu beißen. Goal verschwendete keine Sekunde und ging in das Lager.
Jetzt musste es schnell gehen, es waren viele Regale in diesem Raum und darin viele Waren und Güter gelagert. Wo könnte die Tasche nur sein?
Goal blickte sich um – die Tasche!
Sie stand in dem Gang, den die Regale direkt gegenüber der Eingangstüre bildeten. Goal rannte zu ihr, blickte hinein und sah ein unbeschreiblich schönes Gerät. Das ist es!, bestätigte Rufus und sie rannten raus.
Draußen hörte sie die Wachen in der Zelle, sie blickte vorsichtig hinein, eine der Wachen half gerade dem Wärter auf, die andere stellte den alten, nun mit seinen Hosenträgern an einem Kleiderständer hängenden, Mann in die Zelle. „Da bleibst du!“, sagte einer der Beiden und kam auf den Ausgang zu.
Goal rannte davon und versteckte sich in einem ruhigen Teil des Kreuzers. Es war fast geschafft, jetzt musste sie nur noch zurück zur Klonanlage. Sie blickte aus einem Fenster in dieser versteckten Ecke des Kreuzers. Es war wieder Nacht geworden und die Landschaft um die Kreuzertrasse war in dunkles Blau getaucht. Nur einige beleuchtete Stellen im Rost glühten noch rot auf und huschten unter dem sternenbedeckten Himmel vorbei.
Sie blickte noch einmal in die Tasche und entdeckte noch etwas: eine Datasette...


Auf Deponia gibt es einige wichtige Messeinheiten:
Die Grundlegendste war lange Zeit die Unterscheidung in Oben in die Mitte und Unten, also Elysium, Organon, Deponia.
Aber es gibt noch drei andere, sehr wichtige Einheiten:
Geld – nichts, etwas, viel, eine Menge und verdammt viel, hin und wieder trat auch Wasser an dessen Stelle.
Zeit – Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Feiertage nicht mitgerechnet und der Organon war ihr Taktgeber.
Zu guter Letzt Entfernungen – von einem Kreuzer zum nächsten, von hier nach da, bis zur oberen Aufstiegsstation und von da durch die Kanalisation. Sie waren fast am Ziel, fast soweit, dass sie eine zweite Chance bekämen! Nun würde sie nur noch zur Klonanlage gehen müssen. In der Kanalisation ging sie durch Janoschs Unterschlupf, vorbei an einem dickbäuchigen, sichtlich wieder zu Kräften gekommenen Janosch, durch die Tunnel und dann die Treppe hinauf.

Als sie die letzten Stufen erreichten, wurden sie vorsichtiger, so nah das Ziel war, so viel könnte jetzt noch passieren. Eine Stimme erklang leise von oben.
Sie streckten den Kopf langsam aus der Röhre und sah, wie Hermes mit dem Rücken von ihr abgewandt stand und auf einen großen Platz hinter der Mauer blickte, auf der der junge Mann zu Anfang gestanden hatte.
Die Rebellentruppen standen in Formation vor einer Würstchenbude, auf welcher der junge, blonde Mann weiten Fußes stand und eine Ansprache hielt.
Ein kühler Abendwind strich ihr durchs Haar und ließ sie für einen Moment frösteln. Der junge Mann dagegen schien die Kälte zu genießen, seine kurzen, blonden Haare wehten nur leicht mit dem Wind, sein Umhang aber wurde stärker mitbewegt. Die Gesten, die er verwendete, harmonierten perfekt mit diesen natürlichen Begebenheiten und für einen Moment hatte sie das Gefühl, einen Adler zu beobachten, der sich zum Flug bereit machte.
Sie erkannte auch einen kleinen, dicken Mann neben dem Redner und bevor sie sich ein Bild von der Gestalt in einer Organon-Uniform machen konnte, dachte Rufus es: Wenzel! Was macht der denn hier?
Goal erschrak kurz, für einen Augenblick hatte sie ob der fesselnden Szenerie vergessen, dass sie eine wichtige Aufgabe zu vollenden hatte. Hermes bemerkte sie, als sie schlagartig Luft holte und drehte sich von der fesselnden Konvergenz von Agonie weg und zu ihr um.
Mit schriller, aber dieses Mal deutlich gedämpfter Stimme hieß er sie willkommen und gab zu verstehen, dass alles vorbereitet sei. Auf ihre Frage, wie viel Zeit sie noch hätten, entgegnete er nur: „Er redet schon seit zweieinhalb Stunden, wir haben also noch fünfeinhalb Stunden!“
Hermes gab ihr zu verstehen, dass er nur wenige Minuten brauchte, um das Gerät einzubauen, doch er musste auch eine Kopie ihrer Datasette machen, die durch den Klonprozess zerstört würde.
Mit Widerwillen dachte sie zurück. Kurz nachdem Rufus sie mit Docs Hilfe aufgeweckt hatte, fühlte sie sich so hintergangen von ihm, dass sie Rufus nicht mit nach Elysium nehmen wollte – und er drückte ihr in einem unachtsamen Moment auf die Schläfe, sodass ihre Datasette ausgeworfen wurde und sie in Ohnmacht fiel. Nur ungern wollte sie diesen Prozess, diese Hilflosigkeit wieder über sich ergehen lassen, doch Hermes bestand darauf.
„Es besteht endlich wieder Hoffnung!“, waren die letzten Worte, die sie hörte, bevor sie sich hinlegte und er ihr auf die Schläfe drückte. Eject...klack-klack...Dunkelheit.
„Ru... Rufus?“, wachte sie langsam wieder auf.
„Ich bin hier“, antwortete er ihr.
„Wo bis du?“, sie öffnete ihre Augen, aber sie konnte noch nichts erkennen.
„Ich werde immer bei dir sein, hab keine Angst!“, klang seine Stimme sanft und liebevoll.
Sie öffnete ihre Augen noch ein Stück weiter, Konturen zeichneten sich vor ihr ab und langsam erkannte sie Gesichtszüge.
Ein junges Gesicht blickte sie entschlossen und besorgt gleichzeitig an, Rufus' Gesicht.
„Wachen Sie auf, Fräulein Goal!“, sagte das Gesicht und in fröhlicher Erwartung des Erfolgs der langen Reise öffnete sie ihre Augen noch ein Stück weiter, sodass ihre Pupille sich an das Licht gewöhnen musste.
Das Bild von Rufus wurde klarer, sie lächelte fröhlich, mit sichtlicher Erschöpfung, doch dann wurde ihr in schrecklicher Gewissheit bewusst: der Mann, der sie ernst anblickte und ihre Hand hielt, war nicht Rufus – er war blond mit kurz geschorenen Haaren!
„Was... du... du bist nicht...!“, Adrenalin flutete ihren Körper und sie schreckte auf, „Du bist nicht Rufus!“
Ich bin immer noch hier, spürte sie in ihrem Kopf hallen und ihr wurde klar, dass Hermes noch nicht fertig sein konnte.
„Nein, Fräulein Goal. Ich bin nicht Rufus und ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie diesen Namen nicht mehr erwähnen würden!“, klang der Junge Mann, der eine überraschende Ähnlichkeit zu Rufus hatte, ärgerlich. Goal wurde klar, dass es sich um einen weiteren Klon handeln musste, womöglich um einen Organon. Doch während sie noch überlegte, sichtlich angespannt, reagierte die Gestalt vor ihr:
„Ich bin Argus!“
„Was?“, stieß sie unbedarft und ohne zu überlegen aus.
Der junge Mann hob seinen Kopf in einer überlegenen, abwertenden, aber irgendwie majestätischen Art und Weise. „Damit hätten Sie wohl nicht gerechnet; nachdem Sie mich auf dem Hochboot meinem Schicksal überließen...“
Er biss die Zähne zusammen und blickte mit geschlossenen Augen auf den Boden.
„Sie haben mich verschmäht, einfach dem sicheren Tod überlassen...“
Rasch öffnete er wieder die Augen und blickte sie an, als wäre er ein Raubtier, das sich im nächsten Moment auf seine hilflose Beute stürzen würde, doch stattdessen fuhr er nur fort:
„Ich werde ihn wohl nie vergessen. Den hilflosen Anblick des Hochbootes, nachdem der Rotor seinen Dienst versagte und ich wieder etwas erkennen konnte.“
Er schnaufte, sichtlich angeschlagen, wenn auch nur emotional.
„Das Hochboot stand still, für Sekunden wahrscheinlich nur, doch unter dem aufgeregten Klopfen meines Herzens kam es mir wie Minuten vor.
Dann zerbrach das Schiff!“
Sie zuckte zusammen als ihr klar wurde, dass ihr Vater in diesem Moment gestorben war.
„Der Flügel, in dem ich hing fiel zu erst. Eingeklemmt nahm ich wahr, wie ich schwerelos wurde, dann nahm ich Luft wahr, die so stark an mir vorbei zog, dass sie schmerzte und dann einen mächtigen Schlag.“
Seine Stimme wurde leicht zittrig: „Ich hörte meine Knochen brechen, doch ich spürte sie nicht. Ich wurde nicht bewusstlos, aber ich verlor das Gefühl für Zeit.“
Dann fing er sich wieder und seine Stimme wurde wieder eisern. „Ich erinnere mich noch, wie ich immer wieder die Augen schloss und mir wünschte zu sterben. Einen Wunsch, den ich nie zuvor kannte... Ich sah den Rest des Hochbootes auf einen Berg fallen und zerschellen. Dieses Geräusch kannte ich; bei der unteren Aufstiegsstation habe ich es kennengelernt – als ich jung und unerfahren war.“
Goal wollte es nicht fragen, doch sie konnte nicht anders: „Was... ist dann passiert?“
„Der Tod kam nicht!“, entgegnete der junge Mann.
Er stand auf und blickte von oben auf sie herab, die Fäuste fest geballt: „Warum?“
Eine Träne rang über seine Backe: „Warum haben Sie mich einfach geopfert?“
Sie wusste es nicht, Gründe gab es viele: weil er Elysium erobern wollte, weil er herzlos war...
Doch diese Argumente kamen ihr nicht in den Sinn, sie stand vor einem Mann, der vielschichtiger war, als der Amtmann, den sie kennengelernt hatte. Sie sah nicht den jungen Mann, den ihr Vater unter seine Fittiche genommen hatte, womöglich auch streng erzogen. Sie sah jemanden, dem das Leben übel mitgespielt hatte und der eine dicke Schale um sein Herz errichtet hatte.
„Egal“, festigte er sich wieder und blickte nun lächelnd in den Abendhimmel, „Ich wurde gefunden. Ein Organon-Sanitäter blickte mich an, erkannte mich und sagte, dass alles gut werde. Dann endlich verlor ich mein Bewusstsein.“
Er kniete sich wieder vor sie, das rechte Knie und den linken Fuß am Boden, legte die linke Hand auf das linke Knie, die rechte Hand stützte ihn am Boden ab.
„Ihnen ist sicherlich aufgefallen, dass das hier nicht mein Körper ist, nicht wahr? Nun, wie man sich denken kann, war mein Körper lebensgefährlich verletzt. Der Sanitäter, der hier zurückgeblieben war, erkannte mich sofort und tat alles, mich zu retten. Ein Organon war seinerzeit, als Sie sich in meiner Gewalt befanden, schwer gestürzt und hirntot. Kaputter Körper und funktionierender Körper mit kaputtem Gehirn – eins und eins, Sie verstehen!?“, sagte er, während er mit der linken Hand gestikulierte.
Warst du daran schuld?, dachte sie an Rufus, Ich? Ich doch nöcht!
„Ich bin bereit, Ihnen zu verzeihen“, holte er sie wieder aus ihren Gedanken und blickte sie nun mit einem durchbohrenden Blick an.
„Ich weiß, ich hätte Sie nicht vom Turm schubsen lassen dürfen, aber ich war gekränkt und verletzt, dass Sie mir nach allem, was ich auf dem Kreuzer getan habe, immer noch nicht vertrauten!“
Wo wir gerade dabei sind – was ist damals auf dem Kreuzer passiert?, fragte Rufus skeptisch, doch sie blockte nur ab: Nichts, was dich etwas anginge!
„Sie sind eine besondere Frau, nicht bloß ein edles Prinzesschen von Elysium. Sie haben Kraft, Energie, Stil. Sie sind wie ein edler, stolzer Raubvogel, ein treuer Partner, den man nie ganz beherrschen kann“, er reichte ihr seine Hand, „Wir können diese Welt beherrschen; gemeinsam!“ und seine Augen weiteten sich.
Das war aber nicht der Plan!, dachte Rufus, während sie innehielt.
„Ich weiß übrigens, dass Sie diesen Rufus in Ihrem hübschen Kopf haben... Ihre Besuche hier sind mir nicht verborgen geblieben.“
Sie erschreckte sich, war sie gerade noch dabei, ihm ihre Hand zu geben, zog sie sie jetzt wieder zurück.
„Der gute Hermes hat Ihre Datasette übrigens schon kopiert, sie ist in Ihrer Manteltasche!“
Sie fühlte in ihre Tasche und fand tatsächlich zwei Datasetten.
„Von dem Haken hat er“, er sah kurz zu dem im Hintergrund stehenden Hermes, „freilich geschwiegen...“
Hermes blickte schuldvoll zu Boden, während Argus fortfuhr: „Sie können Ihr Bewusstsein nicht einfach von Rufus' Bewusstsein trennen. Ihre Geister sind wohl schon so stark verbunden, dass die Trennung jegliche Erinnerung an den jeweils anderen vernichten würde. Sie wüssten, was Sie gemacht hätten, Sie wüssten aber nicht mehr, warum Sie in eine bestimmte Richtung gestrebt haben...“
Diese Nachricht traf Goal wie ein Blitz. Schlagartig wurde ihr das Atmen schwerer.
„Deswegen die Datasette, Sie sollten bleiben und den beiden Liebenden den Weg weisen – ungerecht, wenn Sie mich fragen!“
Goal, du denkst doch nicht ernsthaft darüber nach –, Rufus wurde unterbrochen.
„Ich dagegen bin bereit, Sie als vollwertig anzuerkennen – auch mit diesem Stümper in Ihrem Kopf. Sie sind einzigartig, erhaltenswert!“, er drängte mit seiner Hand in ihre Richtung.
„Ich liebe Sie!“, sie legte ihre Hand in die Seine, Tu es nicht!
„Er ist gar nicht so schlecht“, sagte sie, Er ist eiskalt!
„Er sagt nicht immer, er habe sich geändert und handelt dann weiterhin absolut unverantwortlich!“
Aber..., „Nichts aber, er ist nicht nur ehrlich, er ist auch geradlinig und stark!“
„Ich nehme an, Sie führen eine Diskussion mit dem Dummkopf in Ihrem Geist!? Nur weiter so!“, sagte Argus, als er ihr aufhalf.
Sie stand auf und stellte sich direkt vor Argus und lächelte ihn an.
„Alles wird gut, schhht!“, sie legte seinen Kopf auf ihren Hals und stützte ihren Kopf auf den seinen. Argus war überwältigt von so viel Nähe.
Sie griff ihm an den Hintern und er ließ es zu, da merkte er das Ziehen seiner Unterhose und einen aufsteigenden Schmerz. Verwirrt setzte er sich in Bewegung und merkte, dass sie ihn an einem Flaggenmast aufgehängt hatte.
„Der selbe, alte Trick! Ich bin auf diesen lahmen Trick hereingefallen wie ein Schuljunge!“, schrie er, „Wieso musste ich hier auch nur einen Flaggenmast aufstellen lassen, Aaargl!“
Für einen Moment waren sie beide sehr zufrieden, doch Hermes unterbrach ihren Blick auf den baumelnden Argus.
„Schnell, wir haben keine Zeit mehr!“
Er wies sie an, auf einem Stuhl neben den Klonbehältern Platz zu nehmen und machte sie darauf aufmerksam, dass er nun ihr Implantat in ihrem Kopf an die Apparaturen anschließen müsse und sie für einen Moment bewusstlos sei, während die Daten in den Computer geladen werden und bis er die neue Datasette eingelegt haben werde. Außerdem würden die Erinnerungen an Argus nicht auf der Backupdatasette sein.
Wenn auch sehr ungern, ging sie doch ein hoffentlich letztes mal darauf ein und fiel erneut in die verhasste Hilflosigkeit der Dunkelheit.


Langsam und zaghaft öffnete sie ihre Augen.
Hatte es geklappt? Hatte der Plan Erfolg?
Die Schemen um sie herum wurden langsam deutlicher und sie erkannte im Zwielicht viereinhalb Gestalten. Sie ließ ihren Blick schweifen, während sie etwas zu erkennen versuchte:
Links stand der junge, blonde Mann, neben ihm Amtmann Argus, daneben... Amtmann Argus und – … Amtmann Argus!?
Ihr Blick schweifte runter von den vier ernst starrenden Gesichtern auf die dritte Gestalt.
Etwa fünfzig Zentimeter groß und kreidebleich. Die Gestalt war ein blonder junger Mann mit merkwürdigen Augengläsern in einer kleinen Organon-Uniform mit einem Schal.
Hinter der Kulisse aus steinern stehenden Gestalten, vier wehenden Uniformen und einem wehenden Schal erblickte sie den niedergeschlagenen Hermes, der sich gerade wieder mühsam aufrappelte.
„Mein Angebot war ehrlich gemeint!“, sagte der blonde Argus.
„Aber nun, da Sie mich hintergangen haben, ist es verfallen!“, sagte der mittlere Argus.
„Wie gut, dass Hermes die Anlage wieder aktiviert hatte, bevor Herr Wenzel ihn niederschlug“, fuhr der linke Argus fort, während der rechte Argus seine Hand auf Wenzels Kopf legte.
„So viel zu den technischen Schwierigkeiten...“, lehnte sich der Blonde Argus in Hermes Richtung.
„Dank des treuen Herrn Wenzel wurden Sie nicht geklont“, wechselte sich der linke mit dem rechten Argus ab, „Ein Knopfdruck fehlt noch, aber es wird nicht dazu kommen!“
Der blonde Argus beugte sich zu Goal herunter, welche gerade merkte, dass sie am Stuhl festgebunden war: „Welch eine Strafe, welch eine süße, süße Rache!“
„Dank Herrn Wenzels Fähigkeiten war es dann ein Leichtes, meine lieben, wirklich vertrauenswürdigen Freunde hier zu erschaffen.“
Wenzel blickte nachdenklich auf den Boden, die Argusse begannen, hämisch zu lachen.
Goal hob langsam den Kopf und lächelte, dann zuckte sie: „Kitty?“
Während alle vier Argusse spontan den Atem anhielten und langsam den Blick zu ihr wandten, blickte Goal verärgert drein und ihr Zucken wurde heftiger: „Kitty! Kittykitty? Kitty... Kitty?“
Einem der Argusse entfuhr ein gleichsam mit Hass wie mit Furcht erfülltes „Nein!“, während sie fortfuhr.
„KittyKitty! Kittykittykittykitt...“, plötzlich wurde sie still und fokussiert, bewegte die Arme aufeinander zu.
Wie ein Kampfschrei dröhnte ein laut hallendes „KITTY!“ aus ihrem Mund, während sie mühelos und grazil ihre Fesseln auseinander riss, die Arme wie eine Fledermaus ausbreitend.
„Waaaaaaaaaah!“, stürzte sie sich nach vorne und griff Wenzel.
„Nicht die schon wieder!“, schrie der blonde Argus, während sie Wenzel wie eine Trophäe über ihren Kopf hielt.
Alle vier Argusse, jetzt aus ihrer Schockstarre erwachend, verlagerten das Gewicht nach vorne und stürmten auf sie zu.
Goal oder besser das, was jetzt in ihrem Körper steckte, griff Wenzels Nase und schleuderte ihn durch die vier Argusse, die wie Kegel umgeworfen wurden.
Den kleinen Wenzel an ihm vorbeikullernd, gelangte Hermes gerade wieder zu vollem Bewusstsein, leicht verwirrt, aber langsam die Situation überblickend, schlich er sich an einem Argus vorbei, dem gerade mit dem Helm eines anderen Argus auf den Selbigen geschlagen wurde.
Er drückte den Knopf.
Ein Surren ertönte, als Goal einem der Argusse einen Magenhieb verpasste und dieser zu Boden ging. Das Surren wurde zu einem Dröhnen, welches durch die Maschine in die Klonbehälter wanderte, ein schrilles Quietschen ging einher mit einem Lichtblitz in Zweien der Klonbehälter und als sich der entstandene Rauch verzog, wurden zwei Gestalten erkennbar, die aus den Behältern fielen, direkt auf den Boden davor.


Goal blickte sich um, sie sah Argus mit sich kämpfen, ihrem alten Körper, in dem die Datasette aus dem Kreuzer war. So rasch und erzwungen kraftvoll die Bewegungen waren, so anmutig war es auch: vier skrupellose Machtmenschen tanzten mit einer Verrückten – die führte!
So voller Energie und unter völliger Missachtung der Umgebung – sie erinnerte sich...
Hatte es geklappt? Hatte sie es geschafft zu... Was eigentlich?
Wollte sie jünger werden? Warum war sie zurück auf Deponia?
Warum war ihr egal, dass ihr Verlobter auf Elysium gestorben war oder warum war sie nicht so traurig darüber wie sie sollte?
Sie war hier wegen irgend etwas... oder wegen irgendjemandem!?
Sie fuhr sich durch ihr Haar und eine Strähne glitt in ihr Gesicht. Es war wieder rot, das hatte also auch geklappt. Sie sah sich ihre Hand an, der Handschuh ihres alten Kostüms war wieder da, ihre Kleidung wurde also auch geklont... irgendwie. Aber das war seltsam; wieso waren ihre Finger so viel dicker und klobiger und wieso war ihr Ringfinger plötzlich so lang?
Ihr kam eine erschreckende Erkenntnis und sie ließ ihren Blick weiter über den Arm gleiten, auch er war massiver als zuvor. Ihre Augen weiteten sich, als sie an sich herabblickte und keine weiblichen Rundungen mehr erkennen konnte, sondern eine flache, männliche Kontur...
„Was zum...“, brachte sie nicht ganz fertig, als sie es sagen wollte, aber nur eine sanfte, tiefe Männerstimme erklang.
„Wer bist du?“, sie, er, was auch immer hörte eine nasale, raue Frauenstimme erklang und sie sah eine junge Frau mit langem, braunen Haar und einer kleinen, flachen Nase vor sich. Die junge Frau hatte eine Fliegerkappe auf, ein Halstuch um und eine figurbetonte Warnweste an. Darüber eine eng anliegende, hellbraune Hose und Werkzeugtaschen um die schlanke Taille geschlungen.
Ihre schlanken Beine mündeten in hohe Stiefel im schwarzbraunen Piratenoutfit. Abgerundet wurde das Outfit von einem alten Mantel, den die junge Frau nicht nur aus modischen Gründen zu tragen schien, weil er verdreckt und schäbig aussah.
Irgendwoher kannte Goal die junge Frau, aber irgendwie auch nicht, für einen Moment war sie von ihrem Zustand abgelenkt, und ging zwei Schritte vor, da bemerkte sie etwas in ihrer Hose.
Die junge Frau, die ein ähnliches Problem zu haben schien, drängte sich mit Goal an der nächsten spiegelnden Oberfläche. Noch während im Hintergrund der Kampf Autorität gegen Antiautorität wütete, griffen sie sich ins Gesicht und schrien entsetzt: „Was ist bloß mit mir passiert.“
Erinnerungen kamen in ihr auf, wie sie sich selbst sah, im Schlaf und aus der Perspektive von jemandem, den sie nicht kannte. Das Gesicht, in das sie jetzt blickte, war ähnlich, es hatte immer noch einen blassen Tin, die selben Ohren, die selben rosigen Bäckchen und eine kaum größere Stupsnase, aber eben viel kürzere Haare, einen roten Kinnbart und verdammt noch mal: männliche Gesichtszüge. Sie glitt mit den Fingern über ihre Backe, da schrillte Hermes auf: „Ach du dicker Turnschuh! Das tut mir aber leider habe ich da einen klitzekleinen Fehler gemacht...“
Die junge Frau sprang ihn an und drückte ihn an die Wand. „Ich will meinen kleinen Rufus zurück, verflucht!“
'Rufus'. Dieser Name kam Goal bekannt vor, irgendwie vertraut und sie verband viele widersprüchliche Gefühle, aber auch eine starke Wärme damit.
„Ähm, ich habe irgendwie eure... das ist mir jetzt echt peinlich... so ein Flüchtigkeitsfehler...“
„Unsere was?“, schrie dieser... Rufus?... ihn an.
„Ich habe deine und Goals Geschlechtschromosomen vertauscht – kann doch mal passieren!“
Die junge Frau hielt inne, irgendetwas schien sie, ihn!?, genau so an ihrem Namen zu berühren wie Goal an dem Namen 'Rufus'...
Die alte Goal wurde derweil von den vier Argussen in die Ecke gedrängt, alle Beteiligten schienen am Ende ihrer Kräfte, da zog sie ihren Mantel aus, warf ihn vor Hermes' Füße und setzte zu einem neuen Angriff an.
Hermes bemerkte, dass die anderen Rebellentruppen langsam auf den Lärm hier oben aufmerksam wurden. „Jetzt oder nie!“, bemerkte der alte Mann, befreite sich überraschend mühelos aus dem Griff der jungen Frau und nahm die Datasette aus dem Mantel.
Er drückte Goal die Datasette in die Hand und mahnte zur Eile.
„Es dauert zu lange, das jetzt erklären. Für euch ist nur wichtig, dass ihr ein Liebespaar seid und noch Hoffnung besteht.“
„Ich mit der/dem??“, sagten sie nahezu gleichzeitig.
„Die Erinnerungen, die euch fehlen, sind Erinnerungen an den jeweils anderen, ich weiß dass das nicht optimal ist, alle Antworten findet ihr auf dieser Datasette, geht!“
Etwas widerwillig und voller Verwirrung stiegen sie die Leitersprossen in die Kanalisation. Während Goals alter Körper zwei Argusse im Schwitzkasten hielt und die restlichen Beiden die Rebellentruppen anwiesen: „Nehmt diese Verrückte fest, sofort!“, blickte der am Boden liegende Wenzel gerade auf und sah Goals Kopf verschwinden...


Nun denn, ihr tapferen Recken, ihr habt die Geschichte gelesen, vielleicht hat sie euch ja gefallen...
ich würde mich wie immer über Kommentare freuen.
Hiernach möchte ich noch kurz ein paar kleine Erläuterungen zur Story machen, da ich euch ja jetzt nicht mehr vollspoilere.

Falls ihr wissen wollt, wie es weitergeht, schaut doch einfach hier rein:
Elysium Limerenzen (3. & letzte große Deponia-Fanfiction)
Zuletzt geändert von Emares am So 6. Sep 2015, 17:47, insgesamt 1-mal geändert.
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon Emares » So 14. Jun 2015, 15:51

Tja, jetzt habt ihr die Geschichte gelesen. Ich vermute mal, dass sie euch zumindest etwas gefallen hat und zumindest so weit gefesselt, dass ihr euch dreißig Seiten davon angetan habt und jetzt auch noch meine Gedanken zu der Sache an sich durchlest.
Das ist heute im Internet keine Selbstverständlichkeit mehr, großes Dankeschön schon einmal dafür!

Aber fangen wir doch am Anfang an: wie ich hier hier beschrieben habe, habe ich zunächst den Prolog geschrieben und dann darauf den Rest aufgebaut.
Warum zum Teufel also fange ich mit einem Komatraum an, in dem Goal quasi träumt, Rufus zu sein, der sein Leben nach dem ersten Teil der Serie relativ normal weiterlebt?
Wenn ihr die erste Fanfiction, die ich zu Deponia geschrieben habe, gelesen habt, ist euch sicherlich aufgefallen, dass das Ende etwas verrückt erscheint.
Goal schafft es nicht, Rufus zu retten, also wird sie verrückt und sprengt Deponia. Selbst als sie scheinbar die Chance bekommt, mit ihm zusammenzukommen, akzeptiert sie das Ende nicht und lässt es knallen, boom und plötzlich ist sie doch mit Rufus vereint.
Das spiegelt sicherlich die auch die Verwirrung nach dem Ende wieder, dazu wurde aber nun reichlich geschrieben.
Schließlich lasse ich Rufus aufwachen, nachdem er vom Turm gefallen ist, alles war nur ein Traum und futschikato nullo unwichtig.
Damit wollte ich, rückblickend, wahrscheinlich feststellen, dass der erste Teil der Reihe als solcher hätte stehenbleiben können, der Zweite aber nicht, womit er in den Dritten endet und der Dritte... nunja, der Dritte hat das Ende, das ich seinerzeit nicht akzeptieren konnte.
Ich hatte das Ende von Anfang an so konzipiert, dass man „das Buch“ an bestimmter Stelle, z.B. nachdem Rufus und Goal sich küssen, hätte zuklappen können und sagen können: das Ende gefällt mir – Punkt!

Das allerdings brachte mich zu einem neuen Problem: wenn ich eine Fortsetzung schriebe, würde ich folgerichtig dieses Wirrwarr am Ende entwirren müssen.

Ich kam vor einiger Zeit auf die Idee, doch mal wieder etwas zu schreiben, als Übung sozusagen. Ich fand verschiedene Inspirationen, wie Fanfictions, in denen Goal und Rufus einfach mal die Geschlechter tauschen. (Vielleicht kommt ihr nach der Beschreibung ja drauf, wer mich besonders inspiriert hat :D ). Und irgendwann gefiel mir einfach die Idee, dass Rufus in Goals Kopf sein könnte und die Möglichkeiten für witzige Dialoge und Situationen. Außerdem ermöglichte es mir, Rufus mal ganz romantisch, fast völlig von seinen Fähigkeiten abgelöst und einfach nur als fürsorglichen Freund darzustellen.
Schließlich schaffte ich es: Rufus hat sich in Goals Implantat geladen, die ganze Geschichte, dass Teil zwei und drei nicht stattgefunden haben, war lediglich eine unbewusste Verarbeitung von Rufus Daten in einem Komatraum.
So konnte ich auch den Prolog gleichsam sanft und abrupt in die eigentliche Handlung knallen lassen – jetzt war Rufus mehr mit Goal zusammen, als beiden recht sein konnte!
Ich wollte auch irgendwo eine Entschuldigung an Toni einbauen, aber einerseits wäre es ungewöhnlich einsichtig für Rufus, andererseits würde es schlicht komisch aussehen, wenn Goal sich vor ihrer Exrivalin auf den Boden schmeißt und zu guter Letzt: Toni ist auf Elysium!
Also habe ich es in die Vorgeschichte eingebaut, so konnte ich auch mit der Vorstellung vieler Zuschauer spielen, dass Rufus und Toni wieder zusammenkämen.

Plötzlich klingt also Rufus Stimme in Goals Kopf. Und das, ohne dass sie wüsste warum. Da die Geschichte aus ihrer Sichtweise erzählt wird, musste ich natürlich auch die Konfusion widerspiegeln, die da in ihr vorgeht. Ist immer eine kleine Herausforderung, das mit dem Comicstil zu verbinden, der manchmal eben allzuviel Ernst verhindert, ich hoffe mal, das realistisch genug und gleichsam spaßig erklärt zu haben – immerhin lasse ich Rufus hier ein weiteres Mal sterben.

Ich wollte seinerzeit auch einen neuen Widerstand darstellen, dieser hat sich von den passiven Widerstandsspinnern immerhin zu einer kleinen Kampftruppe umgewandelt und dann zu einer respektablen Armee, immer mit einem Führungswechsel einhergehend. Mir war klar, dass dieser in einer längeren und neuen Geschichte auch eine größere Rolle einnehmen müsse.
Wie man lesen konnte, mischt nun ein neuer Anführer mit und wie man sich vielleicht denken kann, hat der eine ganz große Organon-Note.
Ihr habt die Geschichte natürlich schon zu Ende gelesen, wisst nun, dass der junge, etwas subtil beschriebene Mann der gute alte Argus ist. Wobei gut und alt natürlich nicht wörtlich gemeint ist. Argus ist einer der Charaktere, über die man im Spiel kaum etwas erfährt und die fast weniger zu sagen haben, als Goal – abgesehen vom Finale, versteht sich.
Ich wollte also Argus eine größere Rolle angedeihen lassen, das brachte mich aber wiederum zu neuen Problemen:
erstens ist es gar nicht so leicht, Argus ein mitunter zwiespältiger Charakter, einerseits unterdrückt er die Deponianer und hasst die Elysianer, andererseits versucht er scheinbar, seine Soldaten selbst zu retten; wenn er sie nicht gerade von einem Turm schmeißt.
Auch scheint er mit Goal in einer Art Hassliebe vereint, er will sie nicht nur wegen der Codes, sondern auch aus einem anderen Grund, er scheint sie zu lieben, aber dann lässt er sie vom Turm werfen... Leidenschaftlich und kalt zugleich, außerdem distanziert und irgendwie doch nicht.
Ich denke mal, ich habe ihn ganz gut gezeichnet, vielleicht aber auch nicht, das liegt im Auge des Betrachters.
Das zweite Problem ist, dass Argus zuletzt alleine in einem rotierenden Propeller hing, an einem Rotor an einem im Zerbersten begriffenen Schiff.
Wie also konnte er wieder auf Deponia auftauchen, obwohl er aus dieser Szenerie doch nicht lebend herauskommen konnte?
Die Organon hätten ihn sicherlich irgendwie retten können, aber die waren ja alle auf dem Schiff, nicht wahr?
Zurückblickend könnten drei Organon zurückgeblieben sein, natürlich nur in der Hast des Aufstiegs nach Elysium: der Muskelmann vom Anfang von Deponia 3 könnte runter gefallen, aber dabei verlohren gegangen und somit auf Deponia zurückgeblieben sein.
Der Organon, den Putzibott in den Abgrund schmeißt, bevor er Rufus exekutieren konnte, der könnte schwer verletzt auf Deponia zurückgelassen worden sein.
Und natürlich der Sanitäter, der gefesselt über Amtmann Argus' Büro in der oberen Aufstiegsstation saß, den hätten seine Brüder zwar finden und befreien können, aber tun wir einfach so.
Das gab' mir nun die Möglichkeit, Argus in einen anderen Körper zu setzen UND überleben zu lassen; er wurde so zu einem Antihelden, der Goal in dieser Situation wie in böser Spiegel ähnelte: ein gezeichneter Charakter im falschen Körper.
Außerdem gab mir das die Möglichkeit, Argus' Identität vorerst zu verschleiern und etwas Spannung in der Luft zu behalten.
Hermes sagt in diesem Teil kaum etwas und noch weniger, was lustig ist, was soll man da sagen?

Den kleinen Wenzel dagegen wollte ich ohnehin einführen, er ist eigentlich ein interessanter Charakter: klein und unwichtig und doch hat er in der Vergangenheit viel Gutes für Rufus getan.
Schon nach wenigen Spielminuten dann zeigt sich aber, dass er offensichtlich nicht nur der nette kleine Kerl ist, er verweigert Rufus sein Erbe und er gibt nichts von seinem späteren Reichtum an seinen Freund ab.
Außerdem ist er scheinbar ein Lüstling, der eine kranke Frau in den Schrank sperrt, damit die Exfreundin seines besten Freundes nackich in seiner Dusche stehen kann – interpretiert man dann noch rein, dass er sich dabei verliebt, hat man schnell viele Möglichkeiten wie einen reichen Mann auf der Suche nach Anerkennung und seiner großen Liebe: dark Rufus in klein, wenn man so will.

Tja und dann, nach etwa sieben Seiten, wusste ich nicht mehr weiter...
ich wusste schon ungefähr, wie es enden sollte und hatte Vorstellungen von möglichen Handlungen, wie dass Rufus mal wieder nach Hause kommen könnte, aber ich steckte fest.
Also machte ich eine Ideensammlung in Form einer lockeren Handlung, wie ihr sie auf dem Screen sehen könnt, die ich angehangen habe.
Einige wenige Absätze bildeten ab da das Skelett für meine Geschichte, wenig Inhalt, abgesehen von Anmerkungen über Charaktere.
Schon ging es wieder weiter, ich wandelte auf einem selbstgemachten Pfad und musste nur noch am Wegesrand Blumen pflücken.

Und schon ging es weiter, da ich nicht mehr den ganzen Handlungsbogen im Schädel kullern hatte, konnte ich mich hin und wieder dransetzen und nach Lust und Laune etwas schreiben. Goal und Rufus gehen auf der Kreuzertrasse nach Kuvaq (die richtige Schreibweise des Ortes musste ich erst einmal recherchieren! ^^ ) und Rufus erklärt, warum sie das überhaupt machen.
Ich wollte auch einmal dokumentieren, dass das Trassennetz, wenn man nicht gerade Rufus ist, oder eben in einem schützenden Schrottkutter sitzt, eigentlich ein gefährlicher Ort ist und dass man aufpassen muss, nicht unter die Räder zu kommen.
Etwas so simples wie Überfahrenwerden, das zeigt dem Leser auch, wie klein die Figuren eigentlich im Vergleich zu ihren Aufgaben wirken – von Rufus haben wir das eigentlich nur mitbekommen, als er im Schrank geheult hat, oder nicht weiß, ob er der richtige für den finalen Plan ist.
Und es gab mir die Gelegenheit, Goal von Rufus zu unterscheiden, da sie den Schmerz in ihren Muskeln und Knochen spürt und eben nicht immer weiter rennen kann oder sich mit einem Klopfen von einer rüden Erfahrung erholt. Oder einfacher: sie etwas menschlicher zu zeigen.
Als Spieler steuert man die Spielfigur mitunter unerbittlich, sie läuft, sie rennt und zwar hin und her wie man will, ist sie dann mal verwundet oder anderweitig gestoppt, gröhlt man einfach den Bildschirm an: „Ey du Würschtschen, voll der Schlaffi, ey!“
Man selbst könnte dann aber keinen Meter mehr gehen...

Goal erreicht also Kuvaq, vielleicht bemerkt ihr nebenbei auch, dass ich versuche, die Zeit realistisch durch Tag-Nacht-Zyklen darzustellen und klappt zusammen.
Wichtige Körperfunktionen, wie Essen und Trinken wurden im Spiel kaum gezeigt, es gehört aber natürlich dazu.
Ebenso wie es dazugehört, dass es, wenn man lange nichts getrunken hat, schnell passieren kann, dass man eben schnell mal pinkeln muss.
Aber gut, da habe ich Goal etwas Intimsphäre gelassen, nur der Arme Rufus wird um ein Erlebnis bereichert, auf das er gerne verzichtet hätte, das er aber unweigerlich irgendwann in Goals Körper erlebt hätte.
Der Konflikt, den der Widerstand nun mit den Deponianern hier erzeugt, sollte die Situation verdeutlichen: was einmal mit guten Vorsätzen entstand, ist nun außer Kontrolle geraten und die Revolution frisst ihre Kinder. Das ist nicht nur historisch quasi schon ein Treppenwitz geworden, es ist auch in Deponia drei deutlich geworden, als die Widerständler wie ein blinder Haufen einfach ihrem neuen General folgen und Elysium vom Himmel sprengen wollen.
Gizmo nimmt da eine neue Stellung ein, die womöglich stark von seiner alten Rolle abweicht.
Für mich war Gizmo eine vielfältigere Rolle, als ein bloßer Schwachkopf, der per Knopfdruck nützlich werden kann. Ich hielt ihn mehr für so einen alten Opa, der versucht, sich in einer chaotischen Welt zurechtzufinden und Aufgaben zu erfüllen, für die er eigentlich nicht ausgebildet wurde. Nach Tonis Weggang muss sich außerdem noch jemand um ihren Laden kümmern...
Da erinnerte ich mich, wie er einmal Argus sinngemäß als die Obrigkeit angehimmelt hatte, vielleicht war er ja einmal ein Soldat war, der gedient hat und sich nach dem Krieg (welchem auch immer) umorientieren musste – ohne seine Plakette nimmt er dann wieder seine alte Rolle ein.
Dass sein Verrat an Goal ihm schließlich leid tut, das lässt sich durchaus interpretieren, was ich daraus gemacht habe, könnt ihr ja lesen.
Mit dem Überlebensrucksack ersparte ich mir übrigens ganz eigennützig, die weitere Nahrungssuche darzustellen! ;D

Aber halten wir uns mal nicht an Nebensächlichkeiten auf, der nächste große Schritt war, zur Klonanlage zu kommen. Dabei habe ich den Seher vielleicht etwas zu düster gezeichnet, aber ich wollte Goal auch einmal Rufus' Fähigkeiten vollführen lassen. Ich musste mir die Animation ein paar Mal ansehen, es ist gar nicht so leicht, sie zu erfassen oder gar zu beschreiben...

Goal versinkt darauf hin in weinerlichen Selbstzweifeln, vielleicht etwas überzeichnet, aber ich hatte diese Idee im Kopf rumschwirren, dass Goal mit sich selbst Händchen hält, ich fand das irgendwie romantisch. Gut, Schnulzig ist es auch irgendwie, deswegen macht Rufus mit einem Witz an der falschen Stelle dann auch die Stimmung wieder kaputt! ;)
Und dann kommt Barry.

Barry war hier eher die treudoofe Seele, die bei der Reise zwar hilft, die aber dann irgendwie auch wieder verschwinden muss, weil ich mit zwei Charakteren in einem Kopf schon genug Arbeit hatte! ^^
Dass er Goon helfen soll, naja, irgendwie tat mir der arme Erik leid, einfach von der herunterfallenden Goal in dem Teigtaschenstand erschlagen worden zu sein, das erschien mir falsch. Also habe ich quasi zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, vielleicht taucht Goon ja in einer anderen Geschichte wieder auf!?

Warum Barry noch auf Deponia ist, ist klar: vom Hochboot gesprungen.
Die Reihe derer, die dann aber noch bleiben ist recht klein:
Argus und die paar Organon hatten wir ja schon, Goon auch,
der Psychiater und der Galgenhändler fielen mir noch ein, aber wie kann man die noch verbauen?
Dazu kamen dann noch Janosch, Dodo und Dodos Fans.
Letztere tauchen später auf, Janosch aber wohnte ja im Zweiten Teil in der Kanalisation und diese ist mit der Klonanlage verbunden. Daraus ergab' sich naturgemäß die Option, viele amüsante Wortneuschöpfungen von Janosch herzustellen.
Wie ihr im Bild im Anhang sehen konntet, hatte ich vorgesehen, dass Rufus Dodo schlicht vergiftet. Irgendwann erschien mir das aber nicht mehr so dolle, also wollte ich, dass er irgendwie dafür sorgt, dass Dodo seinen alten Fans gegenübertritt und die ihn als Betrüger misserkennen und verjagen oder vermöbeln. Das wurde mir aber schließlich zu kompliziert und so vergiftete Rufus Dodo eben doch.

Als sie es dann in die Klonanlage geschafft haben, treffen sie auf Hermes und natürlich ist es wieder einmal nicht mehr so leicht, die Reise geht also weiter – nicht nur, weil ich erst bei Seite neunzehn war; ehrlich!
Sie verkleiden sich und die Reise geht los.
Dass Rufus ein Minigame überspringt war, nebenbei gemerkt, ein kleiner Herzenswunsch von mir, er cheatet hier, während Goal das Spiel richtig spielen wollte. Also überspringt er einfach, ich fand das witzig, aber vielleicht geht es ja nur mir so!? ^^

Im Zielkreuzer sind euch vielleicht zwei Andeutungen aufgefallen:
der Alte Mann!
Ich fand, dass der Anruf im Zombiebunker im dritten Teil irgendwie nicht so recht zur Serie passte, erst tut man alles, um Deponia zu retten und dann geht die Welt irgendwann doch unter?
Das kam mir völlig losgelöst von der Atmosphäre vor und leider konnte ich es in meiner ersten Fanfiction nicht verarbeiten.
Hier wollte ich es aber einbauen, es handelt sich um einen senilen alten Mann, der zudem noch wie ein Zombie aussehen musste. Es gibt da bei Harveys neue Augen so einen alten Mann...
Das Zweite ist der Widerspruch, dass man im Kreuzer zwar davon abgehalten wird, in den Lagerraum zu gelangen und das so offensiv, dass man sich denken muss dass Argus Bescheid weiß.
Auf der anderen Seite ist die Tasche so aufgestellt, dass man sie finden muss und darin ist außerdem noch die Datasette.
Hat Argus einen ärgern oder prüfen wollen?
Ein unbekannter Gönner oder einfach nur Zufall?
Das lasse ich mal unbeantwortet und überlasse es dem Leser;
der mich sicherlich der Faulheit bezichtigt, mit einer deus ex machina zu arbeiten! ^^

Wenn ihr bis zu der Stelle gekommen seid, bei der Goal ihre Datasette hergibt, und in freudiger Erwartung ward, dass jetzt alles gut wird, wird euch die Nachricht, dass es nicht geklappt hat, sicherlich enttäuscht haben – oder ihr habt gesehen, dass noch weitere vier Seiten folgen würden.
Als ich die Bombe platzen ließ, konnte ich Argus' Rolle leichter gestalten.
Immerhin konnte er jetzt klarer reden.
Dennoch hätte ich euer Gesicht gerne gesehen, als die Worte „Ich bin Argus!“ fielen!
Und... es wäre interessant, zu wissen, was ihr dachtet, als Goal Argus' Hintern ergreift! ^^
Bei allem Ernst habe ich mir doch Mühe gegeben, es zwar düstern, aber doch jugendfrei zu halten! ;)
Vielleicht habe ich dem Egoisten Argus auch etwas zu viel Persönlichkeit eingehaucht.

Wenzels Verrat allerdings ist dem ersten Teil recht ähnlich, immerhin folgt die Strafe auf dem Fuße.
Sorry, wenn ich mich ab da etwas verwirrend ausgedrückt habe, es hätte die Überraschung zerstört, wenn man zu schnell gemerkt hätte, dass Goal nicht mehr Goal, sondern Donna wäre und auch dass Goal nun Herr Ziel war und Rufus Rufina, das hat es nicht leichter gemacht, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass ihre Erinnerungen so ungünstig übertragen wurden...
Ich bin aber dennoch froh, dass ich es eingebaut habe, gibt es doch die Möglichkeit für eine Fortsetzung, „weil man das so unmöglich stehen lassen kann!“

Soviel zu meinen Gedanken zur Geschichte.
Über Fragen, Kritik und Anmerkungen würde ich mich sehr freuen!

Ach eines noch: euch ist sicherlich aufgefallen, oder auch nicht, dass die Geschichte im Gegensatz zu meiner ersten Fanfiction nicht in der Gegenwartsform geschrieben ist, sondern in der Vergangenheitsform.
Der erste Grund dafür ist sehr trivial: es ist einfacher für mich, eine Geschichte zurückblickend zu erzählen, als direkt stattfindend.
Der zweite Grund hat seinen Weg leider nicht in die Story gefunden: ich wollte, das es wie eine Rückerzählung sein wird. Goal sollte Hermes erzählen, was bisher passiert war und dieser sollte bemerken, das sie im Verlauf der Erzählung immer mehr zu einer Person verschmolzen.
Goal ging am Anfang noch selbst, später gingen sie beide, um es als Beispiel zu nennen. Daraus sollte Hermes eine starke Vermischung der Bewusstseine ablesen und erklären, dass sie die Erinnerungen an den Anderen vergessen.
Leider hat das nicht so gut reingepasst, am Schluss, wo es außerdem immer rasanter wurde!

136372 Zeichen und 21872 Wörter und 37 Seiten sagt die Funktion, jetzt habe ich genug Monologe gehalten! ^^

Schöne Grüße
Markus
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Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon ladyamen » Mo 18. Apr 2016, 23:00

Ok das schlimmste zuerst:
ich könnte dich ERWÜRGEN dafür dass du Rufus dass angetan hast! Ihn mit Toni zusammenzubringen! Ihn es aussprechenzu lassen "Es tut mir leid". Ihn bei allen und jedem sich entschuldigen zu lassen. *eiskalter blick* Das hast du nicht wirklich getan?

Ich brauch ein paar minuten...

um wieder konstruktiv zu werden...

Das was gerade Rufus auszeichnet ist dass er sich NIEMALS ÄNDERT! Er tut plötzlich wo es keiner von ihm erwartet (und hinterher auch niemand glaubt) was heroisches und wer es miterlebt glaubt zwar dass er sich zum besseren gewendet hat, aber dann erleben sie ihr gewaltiges blaues Wunder, weil vom Opfipieps mal wieder nur Federn übrig bleiben und die Küche brennt.

Im vorherigen Teil hast du das erwähnt, dass Rufus angst hat nicht mehr Rufus genug zu sein um von Goal noch geliebt zu werden, ehrlich gesagt das wäre ein katastrophales Problem für mich, wenn er sich zum "besseren" ändern würde, wenn er sesshaft wird usw. Wo ist der Knopf zur Weltensprengung den ich drücken kann?
Es stört mich dass ihn alle ändern wollen, ich liebe ihn so wie er ist! Gerade weil er so ist wie er ist! Aber wenn er jetzt plötzlich anfängt sich in eine andere Richtung zu entwickeln?.... so sehr es mich schmerzt dass so offen zu sagen, ich hätte da ein Problem damit.

Aber, diesen Teil der Reihe mochte ich am meisten!
Es hat mich tief berührt, diese Umsetzung, diese Verschmelzung, ... diese Vorstellung Rufus ohne Unterbrechung direkt in meinem Kopf zu haben. :roll: (Was würde ich dafür geben!)

*Applaus* vor allem wo du Spielelemente mit aufgenommen hast, dass seine Hände sich so schnell bewegen dass Sie nicht mal sehen kann was er da macht und die Luft ein Wischgeräusch produziert! Wooo super!

Ich könnt dich drücken, für die super Rufus like Dialoge und diese intime Nähe in ihrem Kopf, wie sie mehr und mehr zusammenwachsen je mehr Zeit vergeht. Ich wünschte du hättest es ausgebaut der Moment wo Goal sich entscheiden muss, so zu bleiben wie sie sind, oder jeweils eigenen Körper zu kriegen aber dafür jegliche Erinnerung an einander zu vergessen.
Ultimativ würde ich mich selbstverständlich auch dafür entscheiden dass wir in unsere eigenen Körper gehören und würde darauf Vertrauen dass wir wieder zu einander finden. Aber es ging zu schnell! Ich wünschte kein Organon hätte da an dieser so wichtigen Stelle so rumgehetzt, dass sie vielleicht sogar ein paar Tage sich Zeit genommen hätte und es ausgetragen hätte.
Er ist schließlich immer da! So wie noch nie zuvor! Gott ich habe den Moment mit Händchen halten geliebt!!
Generell so erfrischend dass Goal nicht die ganze Zeit bewusstlos ist, oder sie beide sonst wie getrennt sind.
Da wäre jedoch noch so viel Potential es auch komisch und peinlich zu machen, dass man sachen denkt die der andere nicht hören soll oder machen muss welches der andere nicht sehen soll. Es wäre so viel besser wenn Goal noch in ihrem jungen Körper wäre. Generell war Rufus in ihrem Kopf n kleines Stück zu nett, er hat auch eine knallharte ehrliche Seite die zu kurz kam.
Roal und Goofos hiahahahaha love it!
Herzzereisend wie er sie rettet und die Schlüssel zusammensetzt. Super genial mit der Banane und dem Seher! Es wäre auch schön gewesen wenn sie so öfter in Lebensgefahr gelandet wären, weil wie du es richtig getroffen hast, Goal viel sterblicher ist als Rufus.
Du hast dir so überordentliche Mühe gegeben so viele Nebencharaktere reinzubringen und denen mehr tiefe zu geben die das Spiel teilweise versäumt hat, wie Gismo oder Argus oder der DodoFanclub, respekt. So geil dass du Janosch dünn gemacht hast (zumindest vorübergehend)

Ich wünschte mir auch dass Rufus öfter auf Goals Gefühle reagiert hätte, die er sonst normalerweise ja nicht versteht oder Sachen über die er sich keine Gedanken macht, nicht mehr so einfach ignorieren könnte, wie wenn sie in 2 verschiedenen Körpern wären, Ich krieg leider nicht genug davon :(

Dass Sie zum Schluss Geschlechter getauscht haben wäre sicherlich für einen blöden Lacher gut, insbesondere wenn es aus einer von Rufus schiefgegangen Plänen resultiert hätte, aber auf Dauer ist das absolut nicht mein Ding

Ich hab versucht Teil 3 zu lesen und bin jämmerlich gescheitert, weil die verdrehten Namen und Perspektiven mich in keinster Weise ansprechen. Mit einer weiblichen Rufus hätte ich mich noch anfreunden könnten, aber Goal als Kerl ist unausstehlich. Sry, deswegen ist dies mein letzter Review (vllt. gut so, ich bin zu kritisch ^^') Deponia Authentizität liegt mir einfach zu tief am Herzen und ich brauche noch viel mehr Abstand und extrem viel mehr Zeit (vllt ein Jahr) bis ich weniger Kritisch werde.

Aber grundsätzlich es war ein fantastischer Teil! Ich danke dir für die Mühe und die paar Stunden in denen ich mich von meiner Realität ablenken konnte.
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Re: Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon Emares » Di 19. Apr 2016, 22:12

Teil zwei! ^^

Ok das schlimmste zuerst:
ich könnte dich ERWÜRGEN dafür dass du Rufus dass angetan hast! Ihn mit Toni zusammenzubringen! Ihn es aussprechenzu lassen "Es tut mir leid". Ihn bei allen und jeden entschuldigen zu lassen. *eiskalter blick* Das hast du nicht wirklich getan?


Sehr schön! Ambivalente Gefühle zu erzeugen, das gehört mit zu den schwierigsten Dingen, die man in Fanfictions erreichen kann – direkt nach der Schwierigkeit, so nahe an das Original zu kommen, wie nur möglich!
Aber, das wirst du eingestehen müssen: Toni ist kein schlechter Fang!
Sie ist ehrlich, konsequent und hat Rufus in einer bestimmten Phase seines Lebens eben die Geradlinigkeit in gegeben, die er brauchte.
Jeder reift an seinen Beziehungen und ja, da ist Rufus keine Ausnahme.
Toni hat einen Wichtigen Anteil an seinem leben gehabt, das muss man einfach akzeptieren!
Natürlich ist es leichter, Rufus aus der Sicht von Goal zu sehen, die fast das ganze Spiel über nur reagiert und fast nie agiert, aber einen positiven Eindruck kann man nur hinterlassen, wenn man da ist, statt nur still da zu stehen!

Das was gerade Rufus auszeichnet ist dass er sich NIEMALS ÄNDERT! Er tut plötzlich wo es keiner von ihm erwartet (und hinterher auch niemand glaubt) was heroisches und wer es miterlebt glaubt zwar dass er sich zum besseren gewendet hat, aber dann erleben sie ihr gewaltiges blaues Wunder, weil vom Opfipieps mal wieder nur Federn übrig bleiben und die Küche brennt.


Rufus ist in der Lage, sich zu ändern, er ist fähig, sich zu verbessern und er ist in der Lage, loszulassen.
Er kann sich nicht nur ändern, er kann Hermes diesbezüglich richtig überraschen!

Im vorherigen Teil hast du das erwähnt, dass Rufus angst hat nicht mehr Rufus genug zu sein um von Goal noch geliebt zu werden, ehrlich gesagt das wäre ein katastrophales Problem für mich, wenn er sich zum "besseren" ändern würde, wenn er sesshaft wird usw. Wo ist der Knopf zur Weltensprengung den ich drücken kann?
Es stört mich dass ihn alle ändern wollen, ich liebe ihn so wie er ist! Gerade weil er so ist wie er ist! Aber wenn er jetzt plötzlich anfängt sich in eine andere Richtung zu entwickeln?.... so sehr es mich schmerzt dass so offen zu sagen, ich hätte da ein Problem damit.


Irgendwann würde er alt werden, vergehen, sterben.
Selbst wenn man ihn als Comic akzeptieren würde, er kann nicht ewig so bleiben, wie er mit zwanzig ist, weil das einen ziemlich einsamen Tod bedeuten würde.
Und wenn er loslassen kann, kann er definitiv auch Verantwortung übernehmen.
Das bedeutet nicht, dass er Abenteuer nicht mehr erleben kann, es bedeutet nur, dass die Abenteuer anders werden.
Das muss irgendwann so sein, sonst wird man nur selbst zu Ronny!

Aber, diesen Teil der Reihe mochte ich am meisten!
Es hat mich tief berührt, diese Umsetzung, diese Verschmelzung, ... diese Vorstellung Rufus ohne Unterbrechung direkt in meinem Kopf zu haben. (Was würde ich dafür geben!)


Hat mir auch sehr gefallen, es gab viele Möglichkeiten, aber auch ein Risiko: sich näher zu kommen, als die junge Beziehung es verkraften kann.
Die Toilettenszene ist ein Beispiel dafür! ^^

*Applaus* vor allem wo du Spielelemente mit aufgenommen hast, dass seine Hände sich so schnell bewegen dass Sie nicht mal sehen kann was er da macht und die Luft ein Wischgeräusch produziert! Wooo super!


Dankeschön – wie oft ich diese Szene bei Youtube sehen musste, um sie passend wiedergeben zu können! ;D

Ich könnt dich drücken, für die super Rufus like Dialoge und diese intime Nähe in ihrem Kopf, wie sie mehr und mehr zusammenwachsen je mehr Zeit vergeht.


Dankeschön, so bekloppt das klingt: dafür musste ich mir die Original-Dialoge genau anhören!
Leider ist die Nähe auch die Ursache, aus der sie sich nicht so gut aneinander erinnern können werden, den dramatischen Effekt darf man nie vergessen!

Ich wünschte du hättest es ausgebaut der Moment wo Goal sich entscheiden muss, so zu bleiben wie sie sind, oder jeweils eigenen Körper zu kriegen aber dafür jegliche Erinnerung an einander zu vergessen.
Ultimativ würde ich mich selbstverständlich auch dafür entscheiden dass wir in unsere eigenen Körper gehören und würde darauf Vertrauen dass wir wieder zu einander finden. Aber es ging zu schnell! Ich wünschte kein Organon hätte da an dieser so wichtigen Stelle so rumgehetzt, dass sie vielleicht sogar ein paar Tage sich Zeit genommen hätte und es ausgetragen hätte.


Tja, was soll ich sagen: es hätte schier endlose Mono- bzw. Dialoge gebraucht, um das Thema abschließend zu behandeln, aber mit den meisten guten Entscheidungen ist es einfach; es sind spontane Entscheidungen, die unterbewusst aufgrund der Erfahrung eines ganzen Lebens getroffen werden!
Das ist, als würde man eine Münze werfen – die einen wiederum von einem Gottesurteil abhängig macht. Auch eine Möglichkeit, aber glaubst du, Rufus würde sich auf einen solchen Handel wirklich einlassen!?

Er ist schließlich immer da! So wie noch nie zuvor! Gott ich habe den Moment mit Händchen halten geliebt!!


Definitiv eine meiner eigenen Lieblingsszenen!

Herzzereisend wie er sie rettet und die Schlüssel zusammensetzt. Super genial mit der Banane und dem Seher! Es wäre auch schön gewesen wenn sie so öfter in Lebensgefahr gelandet wären, weil wie du es richtig getroffen hast, Goal viel sterblicher ist als Rufus.


Stimmt, das war eine gar nicht so leichte Entscheidung, die Bestrafung musste passen, jugendfrei sein und dennoch böse, auf solche Lösungen bin ich, ungelogen, durchaus stolz.
Und was Goal für Problemchen hat: aus einem Kreuzer geworfen zu werden, vom Himmel zu fallen... läppsch! ^^

Du hast dir so überordentliche Mühe gegeben so viele Nebencharaktere reinzubringen und denen mehr tiefe zu geben die das Spiel teilweise versäumt hat, wie Gismo oder Argus oder der DodoFanclub, respekt. So geil dass du Janosch dünn gemacht hast (zumindest vorübergehend)


Das hat auch ausgiebige Recherche erfordert, die bescheuerten Namen von Dodos Fans z.B., oder wie sie aussehen und sich eine Hintergrundgeschichte auszudenken. ^^
Und Janoschs Dialoge – ich war viel entspannter, als sie fertig waren! :D
Argus bekommt noch eine bzw. einige kleine Nebenrolle(n)! >:D

Ich wünschte mir auch dass Rufus öfter auf Goals Gefühle reagiert hätte, die er sonst normalerweise ja nicht versteht oder Sachen über die er sich keine Gedanken macht, nicht mehr so einfach ignorieren könnte, wie wenn sie in 2 verschiedenen Körpern wären, Ich krieg leider nicht genug davon


Vergiss nicht: Rufus ist ein kleiner Egomane.
Mit Goals Gefühlen umzugehen, das ist neu für ihn, jemandem so nah zu sein erst recht.
Er muss zurückschrecken, das liegt in der Natur der Sache.
Auch wenn ich mich wiederhole: versuche es doch einfach mal, eine eigene kleine Geschichte zu entwickeln und dann letztlich auch zu veröffentlichen!
Vielleicht gefällt sie dir ja am Ende auch ganz gut – kann passieren! ^^

Dass Sie zum Schluss Geschlechter getauscht haben wäre sicherlich für einen blöden Lacher gut, insbesondere wenn es aus einer von Rufus schiefgegangen Plänen resultiert hätte, aber auf Dauer ist das absolut nicht mein Ding


Ich sehe es weniger als kleinen Gag, denn viel mehr als Möglichkeit, die Rollen etwas besser überblicken zu können.
Goal verhält sich sehr oft wie der maskuline Part der Beziehung, Rufus ist emotionaler, femininer, sie in ihren Rollen gleich zu behalten, aber zwangsweise die Geschlechter zu tauschen, bot mir persönlich die Möglichkeit, ihre Beziehung völlig neu zu definieren – womöglich schaffst du es ja irgendwann dennoch, die Geschichte zu lesen und wenn ja: hinterlasse gerne einen Kommentar!

Würde mich freuen!

Aber grundsätzlich es war ein fantastischer Teil! Ich danke dir für die Mühe und die paar Stunden in denen ich mich von meiner Realität ablenken konnte.


Dankeschön! Es ist gut, dass die Geschichten dir gefallen haben...
womöglich auch die Toni-Tribute!?
Da habe ich es allerdings vermieden, Rufus und Goal zu erwähnen.


Auf jeden Fall danke fürs Lesen und Kommentieren
Markus
Ihr sucht nach Deponia-Fanfictions? Vielleicht sind Argus' Aufstieg, die Elysium-Triologie, die Toni-Tribute oder Utopia ja was für euch!?

Liebe Grüße
Markus

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Re: Nie wieder Elysium (Fanfiction Nr. 2)

Beitragvon ladyamen » Di 19. Apr 2016, 23:38

Hi Markus,

der Tod ist immer einsam.
Ob man sich nun endlos jung klont und zwangsweise durch einen Unfall, oder als alter Mann stirbt. Da hallt in mir ein Rufus Zitat an Mc.Chronicle nach "Ich erinnere mich deutlich alt und verbraucht gewesen zu sein, furchtbar, keine Ahnung wie du das aushälst" :D
Wenn man stattdessen vom Leben spricht, hat es eine andere Tragweite.

Du hast recht das Loslassen ist eine Art von Verantwortung, jedoch was Sie zu etwas Besonderem macht, ist es dass es bei einer Momentaufnahme bleibt. Rufus wird ständig was Goal anbelangt damit konfrontiert entweder die Wahrheit zu sagen und drastischen Konsequenzen gegenüber zu treten oder zu lügen und er entscheidet sich IMMER für die Verantwortung, seit dem ersten Teil von Deponia. Dass sein Verhalten daraufhin jedoch immer "resettet" und er alles abwinkt, ist der entscheidende Faktor den ich liebe.

Was Toni angeht hatte ich während des spielens furchtbare innere Konflikte. Man stelle es sich mal vor, in dem Drecksloch findet man jemanden der anders ist als die anderen, der unaufhörlich versucht die aussichtslose Situation zu ändern (das war ja schließlich der Grund wieso Toni mit Rufus überhaupt zusammengekommen ist) und dann sieht man zu wie er scheitert und scheitert und scheitert und scheitert .... und scheitert.
Nach dem 35586544 mal wo er gescheitert ist, wie fühlt man sich dann irgendwann? Wird man schlussendlich nicht irgendwann ihn nicht mehr ernst nehmen? Wird man nicht bitter, ironisch und zickiger als es sonst je im eigenen Charakter zum Vorschein käme? Ist es nicht genau das was aus einer früher mal vielleicht hoffnungsvollen süßen jüngen Toni geworden ist?

Das Vorhandensein ihres Charakters im Spiel hat mir genau diese Frage an den Kopf geworfen, gerade weil (ich bin mal ganz ehrlich) mein persönlicher Charakter Toni viel mehr ähnelt als der von Goal. Ich habe keine idealistische, moralische Seite an mir, die sich auch nur einen Pfennig für Deoponia schert, oder für Menschen (vor allem die, die ich noch nie gesehen habe), allein weil es die korrekte moralische Einstellung wäre. Ich lebe nicht in einem Paradies und bin weder unschuldig, noch so naiv. Ich fühl mich unten in Deponia gefangen, immer einen frechen Kommentar auf der Zunge und ständig genervt und hochexplosiv WIE TONI! NICHT WIE DIESES PERFEKTE GOAL MÄDCHEN!

Die Antwort auf meine eigene stille Frage an mich selbst, war jedoch eine ganz andere:
Ich würde Beifall klatschen wenn ein Held mir die Kohlbeeten in Brand setzt! Ich würde daran einen echten Helden erkennen. Ich würde ihm keine Vorwürfe machen dass er XIONEN Versuche braucht und an dieser entschiedenen Stelle, wo JEDER AUF DER WELT gegen Ihn ist, würde ich ihn verteidigen. Dass Toni (die mir sonst viel ähnlicher ist als Goal) genau sich für die falsche Antwort entschieden hat, nehm ich ihr so übel dass mich jegliche Verkupplung von Rufus und Toni zum würgen bringt :lol: und ich einen Groll gegen Sie hege (deswegen nein ich werde Tonis Tribute nicht lesen und Wenzel mag ich auch nicht)

Ich habe nichts dagegen als Ronny repräsentiert zu werden. Ich habe fröhlich mitgesungen bei seinen Verstümmlungsliedern *g* Wenn ich ehrlich mit mir bin, will ich nicht dass es aufhört NIEMALS, deswegen sitze ich immer noch in meiner Schleife fest, breche praktisch zusammen weil ich weiß dass es NIEMALS mehr ein Deponia 5 geben wird und wenn es eines gibt, reicht es höchstens für eine Woche. Wenn ich aufhöre und loslasse bleibt einfach nichts als Leere übrig und deswegen denke ich tatsächlich darüber nach auch für Deponia ein eigenes Fanfic zu schreiben, um nicht komplett einzugehen. Nur ich habe seit ~6 Jahren keine mehr auf Deutsch geschrieben (alle aktuelleren sind auf Englisch) und vor allem NICHTS was ich schreibe, würde je mit der jugendfreigabe dieses Forums sich vereinbaren lassen! :lol: Deswegen, sobald (höchstwahrscheinlich schon morgen) ich mit einem anfange, dann auf einem Portal wo ich das FSK hochschrauben kann.

Kleine Ironie, nicht eine Einzige meiner Fanfictions hat ein Happy End.
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