Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung)

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Emares
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Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung)

Beitragvon Emares » Di 11. Feb 2014, 11:01

Gestern habe ich einige der Diskussionen zum Ende der Deponia-Triologie durchgelesen,
manche fanden es genau richtig, andere eher unpassend und viele lagen dazwischen,
was jetzt folgt, muss also nicht jedem gefallen, wird sicherlich auch von manchen zerrissen werden,
aber es war mir ein Bedürfnis, es hier einzustellen!

Als ich vor einigen Monaten das Ende der Triologie gesehen hatte,
konnte ich es nur schwer fassen und nicht wirklich akzeptieren.
Die Folge war, das ich das Ende zwar akzeptierte,
die Geschichte aber im Kopf immer wieder weitersponn.
Daraus entstand ein loser Kommentar auf Gronkh.de
und etwa ab da fing' ich an, es komplexer zusammenzusetzen,
zu erweitern, zu einem Drehbuch zu machen und schließlich noch etwas Gehalt zuzufügen.

Eigentlich wollte ich es als kleinen Aprilscherz ins Internet stellen,
aber je mehr Arbeit ich investierte, desto weniger gefiel mir dieser Plan -
deswegen stelle ich es einfach mal hier rein.

Warum ist es nun, wie es ist?
Nun, die Deponia-Reihe ist vorbei, Rufus hat getan, was er tun konnte, er ist fertig.
Deswegen habe ich den Arbeitstitel Elysium gewählt,
in der (Haupt)Rolle Goal - erschien mir einfach logisch.
Ich habe auch versucht, ihr eine Rolle zu geben, die ihrer Passivität über die Triologie gerecht wurde
und ich habe versucht, einen logischen Grund zu finden, wie sie da raus kommt,
sowie Gründe für ihre Rückkehr auf Deponia bzw. wie sie es überhaupt schaffen konnte.

Absichtlich ist die Szenerie dunkler, war die bedrückende Stimmung in den Vorgängern doch eher durch Naivität geprägt,
ich habe auch kein Happy-End gewäht, weil das ein zu starker Bruch wäre,
stattdessen wählte ich mehrere Enden, die auch mehr oder minder für sich alleine stehen konnten.
Das vorweg, in der Geschichte sterben einige der Charaktere,
wem das nicht gefällt und/oder wer das originale Ende für perfekt hält,
der muss sie nicht lesen, vielleicht sollte er es auch nicht...

Ich habe einiges an Arbeit reingesteckt und auch ein wenig Herzblut,
dadurch kann das Ganze natürlich nicht so sein wie Deponia, wurde es doch subjektiv verfälscht.
Dennoch versuchte ich mir Mühe zu geben, dass es möglichst kanonisch ist,
vielleicht trifft es ja auch positiv auf,
vielleicht kommen aber auch viele "ist scheiße"-Kommentare...
Nun, letzteren Fall kann ich natürlich nachvollziehen,
eine etwas nettere Verpackung würde mich dann dennoch freuen! ;)

Eines noch: die Charaktere, die Welt, die Hintergrundgeschichte das stammt natürlich von den Entwicklern des Spiels,
die Andeutung auf den Barden, die kam ursprünglich von DestinyCast, die Vorstellung gefiel mir einfach!

Wie sich das Ganze entwickelt, wie die Charaktere sich verändern, das ist auf meinen Mist gewachsen
und auch wenn ich mir alle Mühe gemacht habe, dass es kanonisch ist, muss es nicht -
sollte es oder Auszüge daraus vielleicht doch einen der Entwickler inspirieren,
dann würde mich das natürlich freuen, denn dann wäre meine Realitätsverweigerung in der Realität angekommen.


Sollte ich bzw. die Geschichte es so vielleicht in die Credits einer möglichen Fortsetzung schaffen,
wäre das toll, denn dann würde es eine Fortsetzung/Verfilmung/Sonstwas gegeben haben und ich hätte dazu beigetragen,
aber natürlich wäre es vermessen, so etwas zu erwarten - doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zum Schluss; so wie Rufus! :D



Unsere Geschichte beginnt auf Elysium, einer fliegenden Stadt im Orbit des Planeten Deponia. Im Gegensatz zur einstigen Heimatwelt Deponia ist Elysium ein Ort des Überflusses, die Bauweise ist gotisch, in den Grundfarben Elfenbeinweiß und Edelsteinblau gehalten. Alles ist überzogen mit Luxus, von den extravaganten Bädern bis hin zu den großräumigen Quartieren, alles ist übersät mit Arkadengängen, Brunnen und vielem mehr, das die Station eher wie ein utopisches Kreuzfahrtschiff erscheinen lässt.
Kurzum: die Bewohner leben im Luxus; ganz im Gegensatz zu den Einwohnern Deponias!
Der Planet selbst ist nämlich mit einer dicken Schicht an verschiedenartigem Müll übersät, das Wasser der Flüsse ist sauer, die Meere von Eisenoxiden rostrot und die einzigen Pflanzen, die hier noch wachsen, sind von Natur aus an extreme Lebensbedingungen angepasst, bestehen aus Kakteen und Unkräutern.
Nur wenige Ressourcen bleiben den Einwohnern dieser Schrottwelt, deswegen überleben hier nur sture Individualisten in kleinen Gemeinden. Die Häuser, das Werkzeug, ja sogar die Kleidung – alles stammt aus dem Schrott der Umgebung. Es gibt keine klare Linie, alles ist zusammengesetzt, flickwerkartig, ohne Weg, ohne Ziel. Das Einzige, was die Bewohner antreibt, ist der Wille zu überleben – und eine gute Portion Hoffnung; dafür steht die Raumstation über ihren Köpfen.
Vor etwa drei Monaten nun endete der Weg, der zwei Charaktere zusammenführte, einer aus der einen, eine aus der anderen der beiden Welten, die verschiedenartiger kaum sein könnten. Der junge Deponianer Rufus war bei einem seiner Fluchtversuche von seiner Heimatwelt auf die elysianische Orbitelfe Goal getroffen, verschuldete ihren Sturz von einem Organonkreuzer und verliebte sich sogleich in ihr kreidebleiches und nebenbei zur damaligen Zeit bewusstloses Antlitz.
Doch halt, wer nun ist dieser "Organon"? Dabei handelt es sich um eine Armee aus Klonen, die den Plan verfolgten, Deponia zu sprengen. Auf der Flucht vor dieser Armee kamen die Beiden sich näher, doch nie zusammen. Rufus erfuhr, dass Deponia gesprengt werden musste, wenn Elysium seine Reise antreten und nicht auf den Planeten stürzen solle. Außerdem erfuhr er, dass er ein genetischer Prototyp des Organon war, künstlich erschaffen und einer der letzten Überlebenden aus dieser Reihe an Versuchen; zusammen mit Argus, dem hinterhältigen Führer des Organon und Cletus, Goals Verlobten – wobei Letzterer eher ein Nutznießer der Beziehung war, als ein wirklich liebender Freund. Goal ihrerseits wurde wie erwähnt bewusstlos, rüde transportiert, chemisch ungesund geweckt, war danach am Kopf beschädigt, wurde bewusstseinstechnisch geteilt, wieder zusammengeführt und half Rufus schließlich bei der Verhinderung der Sprengung Deponias.
Sie kamen sich näher bei dem verzweifelten Weg nach Elysium, sie zunächst als Inspektorin, ob der Planet unbewohnt sei, dann aber als Trumpfass, weil ihr Bewusstseinsimplantat zum Aufstieg nach Elysium notwendig war. Sie kamen sich näher, aber nie zusammen, erst starb sie scheinbar, dann Rufus. Dann wurde er wiederbelebt, mit dem Wissen, dass sie ihn liebte. Dann aber opferte er sich, damit sie überleben konnte. Er sprang von dem Hochboot, ließ los, damit sie nicht mit ihm auf diesem Transport starb und gab an, dass er Cletus und Cletus er sei, damit sie ihn mitnahm und nicht ihn und damit sie überlebte – alles bevor er auch nur geistig imstande kam, den ersten Schritt zu machen!
Und so ging sie mit Cletus, der sich als Rufus ausgab nach Elysium, zusammen mit elftausend Organons; dadurch gingen die Vorräte der Station noch schneller zur Neige. Elysium würde auf den Planeten zurück stürzen und der überforderte Cletus musste Rufus' Stelle einnehmen. Er blieb überfordert auf Elysium, Sie war dort gefangen, mit einer üblen Gewissheit, wer sich wirklich vom Hochboot gestürzt hatte...

Da sind wir nun, drei Monate nach all den Ereignissen, die das Leben einer Orbitelfe und eines Gossenjungen zusammengebracht hatten und die sie dann, grausam wie ein Spiel, das man nicht gewinnen kann, wieder auseinandergerissen hatte - drei Monate nach der missglückten Sprengung Deponias:
"Rufus" und Goal stehen in einem der großen Lagerräume Elysiums. Sie hat mittlerweile richtige Kleidung angezogen, der Schlafanzug, der ihr auf Deponia treu am Leib gehalten hatte, hat ausgedient, nun ist sie in einen weißen Anzug mit hellblauen Verzierungen gekleidet. Stabile, weiße Schuhe, eine robuste, weiße Hose mit zwei Taschen auf jeder Seite und einem weißen Tuch um die Hüften, ein weißes Hemd bis an den Hals zugeknöpft wird von einem kurzen, zweireihigen Mantel bedeckt und ein Umhang ist über ihre Schultern gelegt, beides – oh Wunder – in weiß. Sie wirkt desinteressiert, hat die Arme übereinander geschlagen und lehnt an eine der vielen Säulen im Raum.
"Rufus" dagegen ist aufgeregt, denn sie arbeiten an einem einem verzweifelten Experiment, das den Absturz Elysiums verhindern soll. Im Gegensatz zu ihr ist er unruhig, unsicher, läuft krumm mit einem leichten Buckel immer wieder umher, wedelt mit den Armen. Nicht so wie jemand, den man besonders beachten müsste, eher wie ein aufgeregter Dackel, der mit dem Schwanz wedelt, weil er die Situation nicht begreift, aber darüber aufgeregt ist.
Eine schwer zu beschreibende Maschine erzeugt einen Höllenlärm, sodass alle Anwesenden schreien müssen. Die Maschine passt so gar nicht in das Bild der schwebenden Stadt; sie ist nicht in weiß gehalten, sie ist rostig, mit Holzteilen zusammen genagelt, lose Enden ragen aus ihr heraus, Förderbänder, Rohre und Luken führen hinein. Außerdem ist sie mit Antennen, Transistoren und Spannungsreglern sowie etlichen Anzeigen und Hebeln versehen – kurz: sie würde eher in Docs (ein Bastlerkollege und Arzt, den Rufus auf seinem Abenteuer getroffen hatte) Werkstadt auf dem schwimmenden Schwarzmarkt passen als in das Symbol der Hoffnung. Sie ist wie ein Ding, in das man Dinge oder Menschen vorne reinsteckt und wo hinten etwas anderes herauskommt. Das hellblaue Licht der Kristalllampen taucht den Raum in eine ruhige Atmosphäre, die ganz im Gegensatz zur Unruhe der Menschen in dem Raum selbst steht.
"Rufus" ruft zu Doc: "Los, Doc, schmeiß' den Transistor an, wenn das klappen soll, müssen wir eine Realitätsverzerrung der Stufe drei erzeugen!". Natürlich ergibt das wenig Sinn, ist es doch nur sinnloses Technogebabbel, aber nicht in dem Sinne eines Rufusstyles. Es ist einfach nur der hilflose Versuch, einen Platz einzunehmen, den er nicht einnehmen kann, weil er nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Er ist getrieben von der Hoffnungslosigkeit, auf einer Raumstation gefangen zu sein, die langsam in die Atmosphäre des Planeten eintritt, den sie eigentlich umkreist.
Dock, einsam auf einem kleinen Drehstuhl sitzend, er hat seine Beine vor drei Monaten beim Angriff auf das letzte Hochboot nach Elysium verloren, durch einen Blutstau im zu engen Panzer, kommentiert dies nur mit einem "was hat das denn noch alles für einen Sinn?" und legt einen Hebel um. Früher war er eigentlich recht optimistisch, er war sehr kompetent und wusste zu vielen Problemen Rat, nur einmal war er verzweifelt, nämlich als er dachte, dass Deponia kurz vor der Sprengung stand. Zu sehr Realist für unrealistische Hoffnungen und auch wenn fast niemand ihn vollständig, von der Hüfte abwärts je gesehen hatte, seine Beine fehlen ihm doch.
Das Rattern und Brummen der Maschine wird unerträglich laut, alle müssen sich die Ohren zu halten, zwei Spulen laden sich auf, Blitze zucken zwischen ihnen umher - plötzlich ... explodiert die Maschine. Stahl, Holzsplitter und verbrennende Gase durchschneiden den Äther; Goal wird von einem Blitz getroffen! Sie wird bewusstlos, fällt auf die Knie und kippt anschließend auf die Seite.

Als der Staub sich legt, rappelt sich Goal wieder auf. Der Blitz hat eine Stelle ihres weißen Anzuges verbrannt, knapp unterhalb der rechten Schulter ist der Stoff schwarz und raucht leicht. Sie blickt sich um; viele Tote liegen um sie herum, es waren neue und alte Freunde. Weggefährten auf ihrem langen Rückweg auf Elysium und natürlich solche, die sie von klein auf von der Station kannte. Innerhalb einer Sekunde war es vorbei mit ihnen, einige von Teilen der Maschine getroffen, andere von der Druckwelle selbst, natürlich ist nicht jeder tot, einige nur verletzt. Normalerweise würde sie versuchen, ihnen zu helfen, aber der Knall der Explosion, die Unwirklichkeit der Situation halten sie für einen Moment gefangen. Der Tinnitus, der beißende Rauch in den Augen und das tieforangene Licht des aus der Maschine austretenden, entflammten Öls, das das sanfte Blau der zerbrochenen Kristalle ersetzt, tauchen den Raum in eine unwirkliche Stimmung.
Sie steht wieder leicht gekrümmt auf ihren eigenen Beinen, kommt aber jetzt erst langsam wieder zu sich, sie hilft einem verletzten Elysianer auf, langsam trifft auch noch Hilfe ein, Organon betreten den Raum. Sie retten, verarzten die Verletzten und bergen die Toten, da sieht sie ihn. "Rufus" liegt unter einem Stahlträger, einem elysianischen Stahlträger, aus rostfreiem Stahl, ohne jede Spur einer Oxidation aber dennoch unbarmherzig – er winkt sie zu sich.
Er stirbt, doch sie blickt ihn nur mitleidlos an, er stottert "Ich... ich glaube, das war eine dumme Idee.".
Doc ist etwas zerzaust, aber nicht schwer verletzt, er rollt neben die Beiden, "Die Beine zermalmt, Multiorganversagen,", er ist ein guter Arzt, trotz seiner lädierten Psyche, aber es hilft nichts: "ich weiß nicht, was das ist, aber irgendwie scheint er schon im Vorfeld geschwächt gewesen zu sein...". Er spielt auf ein fehlendes Organ an. Damals auf Deponia war Rufus, der echte Rufus, gezwungen, ihn zu operieren und natürlich waren dessen medizinische Künste wie seine Bastlerkünste... begrenzt.
Er wendet sich zu "Rufus", versucht ihm zuzureden, doch begreift er selbst die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens und denkt sich nur still "hat sich früher mal sinnvoller angehört". "Rufus" indes hat nur Augen für Goal.
Er hustet, spuckt Blut, es sieht gar nicht gut aus, doch ihre Mundwinkel senken sich nur, er fährt fort: "Ich glaube... ich glaube, ich werde es nicht schaffen... aber es gibt da noch Eines, das ich dir sagen muss, ich bin nicht...".
"Ach hör' schon auf!", sie unterbricht ihn, "Glaubst du, ich wäre so beschränkt? Glaubst du, ich könnte nicht bis drei zählen?". Ein Zorn überkommt sie, den sie schon die ganze Zeit mit sich herum getragen hat, sie fährt fort, "Damals auf dem Hochboot war es mir sofort klar, als es zu spät war; du hast dich von Anfang an nur um dich gekümmert, hast mich nur gesucht, immer wenn du glaubtest, mich für die Fahrt nach Elysium zu brauchen!". Sie ist unsagbar wütend, nicht wütend auf ihn, jedenfalls nicht nur, sie hasst die Umstände, sie ist wütend auf den ganzen Kosmos.
Tränen bilden sich in ihren Augen. "Natürlich bist du Cletus! Rufus hat sich für mich geopfert, Cletus hätte das nie getan - mit seinen ekligen Champagnerkugeln, seinem jämmerliches Vorspiel, all das zeigte von Anfang an: du bist nicht Rufus!". Ihre Stimme wird leicht kratzig, von einer Mischung aus Gefühlen, erzeugt aus tiefstem Liebeskummer.

Er blickt sie verdutzt an, "Aber warum hast du dann...", dachte er doch die ganzen drei Monate, dass sie ihn für den echten Rufus hält, auch wenn es irgendwie die ganze Zeit durchschien, da sie nicht annähernd so liebevoll war, wie sie es einst war. Sie entgegnet: "Weil er es so wollte, weil er, zumindest genetisch, zum Teil in dir weiterleben konnte; und um dich zu bestrafen für deine Unehrlichkeit!".
Er verliert die Kraft und blickt traurig zu Boden, sie fährt fort: "Was wäre wohl die persönliche Hölle für Cletus?", sie wartet einen Moment, "Natürlich Rufus sein zu müssen, seine Rolle ausfüllen zu müssen...".
Sie wendet sich von ihm ab, blickt zum Himmel und redet weiter: "...und mit der ganzen Verantwortung überfordert dem Ende seiner Welt entgegenblicken zu dürfen - ". Tränen sammeln sich in ihren Augen: "du hast es dir redlich verdient, du Scheusal!"

Für einen Moment herrscht Stille, sie ist von sich selbst schockiert, denn einem Sterbenden so etwas zu sagen war... herzlos. Es stand in Widerspruch zu ihrem zwar aufbrausenden, aber dennoch liebevollen Wesen, es ist ihr einfach so raus gerutscht. Sie blickt ihn wieder an, will ihn wachrütteln doch er bewegt sich nicht mehr. "Was habe ich da gerade gesagt?", fährt sie fort, doch plötzlich verschwindet der Raum um sie.


"Goal? Goal! Was ist los?", wie paralysiert findet sie sich in einer wohlbekannten Szene wieder. Sie steht auf dem Hochboot, vor sich drei vermeintliche Cletusse in den Propellerflügeln des Hochbootes eingeklemmt; sie begreift die Situation kaum, doch da wird sie von einem Satz wie vom Schlag getroffen: "Ich bin Cletus!".
Dieser Satz reißt sie aus der Lethargie, Gedanken durchströmen ihren Kopf, zu emotional um in Worte gefasst zu werden, nur das warme Gefühl der Hoffnung fließt wie orangene Götterspeise ihren Rachen herunter. Sie ist wieder auf dem Hochboot, wieder in der Situation von damals, sie steht vor der Wahl: drei Cletusse hängen vor ihr, einer davon ist ihr Rufus und zwar der, der vorgibt nicht er zu sein. Sie kann nur einen retten, eine Situation voller Anspannung und das mitten in der sternengetränkten Schwärze.
"Rufus würde niemals...", noch während er den Satz ausspricht, packt sie seine resignierende Hand, zieht ihn hoch, mit der Kraft der Verzweiflung - die Turbine dreht sich wieder, Cletus und Argus mit ihr, gefangen, verloren. In all dem Chaos durchdringt nur ein Satz ihre Ohren: "Woher wusstest du das?". Der echte Rufus blickt ihr ins Gesicht, er wirkt fröhlich, aber von dem Schock gerührt und der Verwirrung konfus gemacht, mit dem Leben abgeschlossen zu haben und doch zu leben.
Nun kann sie ihre Tränen nicht mehr aufhalten, sie presst ihren Kopf gegen seine Brust, reibt ihn hin und her, sie kann die Situation nicht fassen. "Jetzt wird alles gut!", sie scheuert ihm eine, "bring' dich nie wieder um, hörst du", ihr wütender Gesichtsausdruck presst Tränen seitlich aus ihren Augen, sie schnäuzt sich in seinem Halstuch, deutet eine weitere Ohrfeige an, berührt dieses Mal aber nur seine Wange, "Jetzt wird alles gut!", sein Bild verschwimmt in ihren Tränen.
"Was ist jetzt los!?", fragt er verdutzt, sie sieht ihn undeutlicher, will sich die Tränen aus den Augen wischen, da ist die gesamte Szenerie auch schon wieder verschwunden.


Erneut scheint sie an einem anderen Ort; sie schließt die Augen, will es gar nicht wissen, doch da gelangt sie wieder zu ihrer alten Fassung, sie öffnet die Augen - schummrige Musik, ein ekliger, subtiler aber nicht latenter Geruch von Wandfarbe, das merkte sie bereits mit geschlossenen Augen, nun steht sie wieder in einem Flur in einem schmierigen Hotel, vor ihr steht am Ende des Flurs Argus mit Donna.
Sie verliert wieder die Fassung, wendet den Kopf, ihr fällt die Kinnlade herunter, Rufus steht als Cletus verkleidet neben ihr. Sie schließt den Mund und sieht Argus entschlossen an. Sie denkt sich: "es ist wieder Zeit, genug Zeit hoffentlich, um ein paar Antworten zu erhalten!". Sie befinden sich beide im Hotel Menetekel, wo sie Unterschlupf gesucht hatten, nachdem Rufus Bozos Kutter zwischen die Räder von Argus' Kreuzer und damit über den Jordan manövriert hatte. Sie waren eigentlich untergekommen, um Goal fertig zu heilen, deren Bewusstsein noch wenige Tage zuvor in mehrere Datasetten mit unterschiedlichen Charakterseiten von ihr gespalten gewesen war. Gerade hatten sich Doc und Bozo mit Rufus zerstritten, da diese ihn von ihr mit einer sinnlosen Aufgabe fernhalten wollten. Rufus rannte beleidigt aus dem Raum, sie folgte ihm, um ihn zu beruhigen, doch da standen sie Auge in Auge mit dem bösen Argus und der verrückten Donna.
"Was ist mit ihrer Verlobten denn nun schon wieder los?". Dieser Satz ist anders, wie gewohnt flüchtet sie dennoch in das leere Zimmer mit dem Spannerloch in der Wand, doch obschon die wilde Hatz von Neuem beginnt, weiß sie dieses Mal, dass sie erst etwas anderes herausfinden muss! So gerne sie einfach umdrehen würde, zu Rufus rennen und ihn einfach nur festhalten, sie braucht Informationen. Sie rennt schneller, kommt wieder im Flur an - keiner hinter ihr... schnell zu Doc (und Bozo).

Sie findet die beiden in dem schäbigen Zimmer vor, wie sie sie zurückgelassen hatte, Doc sitzt hinter seiner Werkbank neben dem Wassertank, in dem sie geheilt wurde, Bozo sitzt in einem dicken Mantel auf dem Dünnen Stuhl im Raum. Doc sieht sie beschämt an, Bozo sieht traurig auf den Fußboden, "Es tut mir leid, Goal, aber...", will er noch beginnen, da unterbricht sie ihn mit ernster Hektik, "Schon gut, keine Entschuldigungen jetzt, du musst mir helfen!".
Bozo entgegnet, was denn da draußen los sei? "Amtmann Argus, kannst du ihn etwas beschäftigen?". Bozo folgt - wie üblich - und Goal wendet sich wieder Doc zu. "Diese Situation wird immer surrealer, hast du ihn da etwa gerade in den Tod geschickt?". Tatsächlich dürfte er da draußen auf den brutalen Argus, die geisteskranke Donna und vielleicht den skrupellosen Cletus treffen, was alles andere als gesund ist, doch darüber kann Goal sich nun keine Sorgen machen.
Sie blickt ihn weiterhin ernst an, verschnauft aber kurz und fährt dann fort, "Der passt schon auf; aber was ich dich jetzt fragen muss, ist vielleicht unverständlich, doch du musst darauf antworten wie du es verstehst, OK?". Sie schildert ihm von ihren Zeitsprüngen und er unterbricht sie: "Ich verstehe schon, irgendwie... du reist rückwärts in der Zeit, oder dein Verstand infiltriert deinen Körper in der Vergangenheit; der Blitz, der dich getroffen hat, muss dich irgendwie entkoppelt haben! Vielleicht hatte Cletus ein Haar von Rufus an seiner Kleidung kleben oder zumindest etwas Vergleichbares - keine gute Reinigung auf Elysium wie mir scheint... egal, dadurch sind deine Sprünge offensichtlich an ihn, den echten Rufus gebunden". Sie stoppt ihn, "Soweit so unklar, aber warum springe ich immer, wenn ich ihn endlich an mein Herz schließen kann?". "Entweder...", beginnt Doc, "...das Zeitkontinuum repariert die Paradoxa auf diesem Wege, oder aber seine Nähe triggert die Sprünge; scheinbar ist es dir nicht vergönnt, ihn so zu retten - es sei denn...".
Rufus betritt den Raum, "Hier bist du!".
Er beginnt jedoch gleich wieder zu verschwinden, "NEIN, es passiert schon wieder!", der undeutlich werdende Doc schafft es gerade noch, ihr vier Worte zuzurufen: "transversaler, duktiler Zeitparadoxonmodulator..mammut.". Zumindest versteht sie das noch und landet in der nächsten Szenerie...


Es ist Nacht auf Bozos Kutter, die Nacht in der alle schliefen außer ihr, sie stand draußen und betrachtete den Mond... das heißt: sie betrachtet. Einen Moment Ruhe, nur einen kleinen Moment rastet sie. "Wie komme ich da nur raus?" geht ihr durch den Kopf. Sie fasst sich wieder, dreht dem Mond den Rücken zu, zur Türe gerichtet verweilt sie aber wieder, senkt den Kopf, presst die Augen zusammen - und entspannt sie wieder.

Sie atmet tief durch und hebt den Kopf in einem Zug, dann betritt sie den Kutter; keine Zeit zu Rufus zu blicken, keinen Mut, ihn wieder verschwinden zu sehen, sie weckt alleine Doc auf und sagt ihm nur: "transversaler... duktiler, ähm... Zeitparadoxonmodulierender... Mammutirgendwas!".
Doc entgegnet, was wohl drei von vier Menschen entgegnen würden, die gerade aufgeweckt mit etwas ohnehin nicht wirklich Verständlichem konfrontiert werden: "Was?".
Sie beginnt zu wiederholen: "Zeitparadoxonmodulierender...". Doc unterbricht sie wieder, "Ach, du meinst meine transversale, duktile Zeitparadoxonmodulatoreinheit im Probeversuch, kurz 'truzmuch'... aber woher weißt du, dass ich daran arbeite?". "Keine Zeit!", entgegnet sie, "Gib' mir das Ding!".
"Meinst du wirklich, wir kennen uns gut genug, dass ich dich mit meinen Erfindungen rumspielen lasse?", entgegnet er verwirrt und leicht errötend - "Verdammt, für so ein dummes Geschwätz habe ich keine Zeit!". Doch da wacht Rufus auf, "Wisst ihr wie spät es ist!?" und die Szenerie wird wieder verschwommen.
Goal kann gerade noch ein "Ach verdammt!" ausdrücken, da hat sie der nächste Zeitabschnitt auch schon wieder im Griff.


Als sie sich wieder fasst, findet sie sich in einer hektischen, chaotischen Szenerie wieder, viel Geschrei und ein stechender Schmerz in ihrem Kopf, als wäre ihr Bewusstsein gerade mehrfach gewaltsam überschrieben worden.
Sie steht neben einem Geländer, von unten ertönt eine wohlbekannte Stimme: "Es geht dir in Wirklichkeit gar nicht um Goal, stimmt's?", sie erinnert sich: zuvor hatte sie mit sich selbst in verschiedenen Körpern gekämpft, und Rufus hatte mit Cletus gekämpft.
Sie, das heißt ein Teil von ihr, war zum Sprengturm gegangen, wollte den Planeten sprengen, mit Cletus nach Elysium flüchten, einfach nur überleben. Ein anderer Teil von ihr, zwei andere Teile, wollten das verhindern – in einem der Sprengtürme kam es dann zum Kampf.
Rufus hatte die Zündsequenz eingeleitet, um sich zu befreien und sie zu retten, Cletus wollte auf einmal nicht mehr, dass die Deponianer vernichtet würden, also eigentlich schon, aber nicht durch seine Schuld. Dann stieß Cletus Rufus über ein Geländer, sie, ein Drittel von ihr erwachte in diese Situation; er hing da, Cletus wollte ihn niedertreten, sie schlug Cletus nieder.
Dann - ein Geständnis, Verwirrung, Frustration... und das Gefühl, betrogen worden zu sein, sie ließ ihn hängen, kam dann aber wieder zu ihm zurück, doch erst nachdem sie ihn hatte fallen lassen. Er hatte gelogen, oder zumindest die Wahrheit etwas modifiziert dargestellt, doch letztlich war es mehr ein Versehen als ein perfider Plan, mehr Tolpatschigkeit als Bosheit - und dafür, dass er ein Trottel war, konnte er ja nichts.
Aber eigentlich hat sie nun ganz andere Sorgen, sie braucht -vermutlich- das Gerät von Doc; andererseits würde es zu lange dauern, ihn aufzusuchen, ist er doch zu weit weg und die Zeitsprünge zu rasch...
Nein, dieses Mal sollte ihr der Sprung bewusst die Möglichkeit geben, etwas anders zu machen, ob sie daraufhin nun springt oder nicht!

Sie brauchte nur Sekunden für diese Gedanken, die Geschichte will sich gerade wiederholen, Cletus hebt seinen Fuß, um Rufus auf die Finger zu treten, ohne zu denken schlägt sie ihn nieder.
"Hätte ich ihn einfach über das Geländer schubsen sollen? Nein, ihn einmal sterben zu sehen war genug!", murmelt sie.
"Ähm, danke!?", wird sie in ihren inneren Monologen unterbrochen, "Ach ja, da war ja was!". Sie streckt ihm seinen Arm zu.
"Dieses Mal helfe ich dir hoch!". Konfus ergreift Rufus ihre Hand.
"Dieses Mal?", entgegnet er, als er wieder zu Kräften kommt.
"Ist nicht so wichtig, lass uns nur einen Moment verweilen - ". Er unterbricht sie, "Einen Moment? Du bist gut; der Turm wird jeden Moment in die Luft...". Sie stoppt ihn, indem sie ihm sanft lächelnd den Zeigefinger auf die Lippen legt, "Das ist jetzt unwichtig". Sie umarmt ihn, legt ihren Kopf auf seine Schulter und murmelt, "Nur einen, einen kleinen, kurzen Moment!", da ist er auch wieder verschwunden.


Sie wacht auf, die Szenerie mag ihr nicht so recht gefallen, eine Kreissäge surrt über ihrem Kopf und beginnt, sich auf sie zu zu bewegen. "Warte!", schreit sie verzweifelt. Sie ist auf eine Art stehenden Operationstisch gebunden, kann sich nicht bewegen. "Goal, du bist wach?", antwortet Doc und schaltet hastig die Maschine ab.
"Eigentlich müsstest du schlafen, mit dem ganzen Schlafmittel!". "Tu ich aber nicht!", antwortet sie, während sie in der Halterung zappelt, "Jetzt befrei' mich endlich aus diesem Foltergerät!", sie blickt zu Rufus "Das hier hatte ich ja ganz verdrängt; genieße du nur deinen blöden Lolly, wenn ich hier fertig bin, haue ich ihn dir auf die Fresse, bis du grinst...".
Damals war sie wieder ohnmächtig gewesen, ihr Implantat war erneut beschädigt worden, als sie und Rufus aus der Rettungskapsel Richtung Elysium gefallen waren, nachdem Rufus sie von dort retten wollte. Doc brauchte eine neue Datasette, schickte Rufus los – und er kam mit drei billigen Datasetten zurück, statt einer Guten; weil es dafür einen Lolly gab...

Sie fängt sich wieder von dem Gekeife und spricht Doc mit ernster Mine an, welcher sie gerade befreit: "Doc, frag' nicht warum, aber hast du schon deinen 'truzmuch' fertiggestellt?". "Ähm!?", entgegnet er, doch als er wieder den Mund öffnet, hindert sie ihn an der Ausformulierung, "Hör mir zu, es ist egal, woher ich über das Gerät weiß, wir haben nur wenig Zeit, bitte - ich kann es jetzt nicht erklären, ich brauche es ganz einfach!".
Sie ist zu überzeugend für lange Diskussionen, Doc sieht es ein, kramt ein kleines Gerät aus seinem Schrank und gibt es ihr. Goal: "Wie macht man es an?". Doc antwortet, "Mit dem Knopf, auf dem 'ON' steht!".
"Nur eines noch", entgegnet sie hastig, "Das klingt vielleicht komisch und eventuell hätte ich das vorher fragen sollen - wofür ist das Ding überhaupt gut?".
"Hm!?", grunzt Doc etwas mürrisch, "Na, es soll Dinge aus ihrem temporalen Fluss befreien, zumindest theoretisch! Weißt du, Dinge die sich abnormal durch die Zeit bewegen, lassen sich so schlecht erfassen, geschweige denn begreifen...". Er beginnt wieder zu verschwinden, sie drückt schnell den ON-Knopf auf dem Gerät. Ein merkwürdiges Gefühl breitet sich in ihrem Körper aus, sie bekommt eine Gänsehaut, zuerst in den Händen, dann im Torso, schließlich im ganzen Körper, plötzlich: Dunkelheit.


Ihre Augen gewöhnen sich langsam an das Zwielicht. "Wo bin ich hier?", sie befindet sich in einem verdreckten Büro, Weinflecken zeichnen sich auf dem Arbeitstisch ab, Zentimeterdicker Staub lagert auf den Büchern... der Beschreibung nach wohl das Büro des Bürgermeisters in Kuvaq, dem Ort, in dem sie damals nach ihrem ersten Sturz vom Organon Kreuzer gefunden wurde.
Natürlich war sie während ihres Aufenthaltes praktisch nur bewusstlos bzw. später nicht bei Trost, muss sich in dieser Hinsicht auf die Aussagen von Rufus verlassen, aber es kommt hin - nur die beschriebenen Müllzwerge fehlen, aber es ist ja auch schon Nacht. Nun... oder Rufus hatte eben übertrieben.

Doch das ist nun nicht wichtig, erst einmal zählt Orientierung. Sie geht ans Fenster, fragt sich, welche Zeit es sein mag. Der Apparat scheint aber schon einmal funktioniert zu haben, sonst wäre sie wohl nicht in dem Büro des Bürgermeisters, zumindest angeblich war sie ja nie dort.
Der dunkle Horizont im Fenster verrät ihr nur die ungefähre Uhrzeit, sie geht vorsichtig näher ans Fenster. Draußen im Mondlicht steht ein junges Mädchen auf der behelfsmäßigen Straße - könnte das Toni sein? Rufus' Ex, die nur noch Hass auf ihn schiebt, die wegen ihm psychische Störungen hat und bei der sich keine Erklärung finden lässt, warum sie jemals mit Rufus zusammen gewesen ist!? Unmöglich, die junge Frau da draußen ist ruhig, gefasst und offensichtlich mit ihrem Leben zufrieden.
Ein verdreckter und verklebter Junge kommt geknickt angehumpelt, das Mädchen nimmt ihn in Empfang, er beginnt zu heulen, sie nimmt ihn in den Arm - doch halt: dieser Mantel! Das ist doch Rufus' Mantel!
Goal begreift: der Junge da draußen ist der junge Rufus, das Mädchen muss Toni sein, vielleicht vor ihrer Beziehung. Auf jeden Fall aber vor ihrer Trennung, denn sonst hätte sie ja diesen irren Gesichtsausdruck!

Aus der Szenerie gibt es nur einen Schluss, Rufus muss etwas Schlimmes geschehen sein, vielleicht ist das der Tag, an dem sein Ziehvater ihn verlassen hat!? Sie denkt weiter, "Vielleicht ist das sogar der Tag, an dem er mit Toni zusammenkam!? Igitt!".
Doch Moment mal: "Zu dieser Zeit war ich eindeutig auf Elysium, ich kann gar nicht hier sein und ich war auch noch ein Kind, die Maschine funktioniert also offensichtlich, ich bin von meiner eigenen Realität oder Geschichte, oder wie man es nennen mag, entkoppelt!". Heißt das, dass sie nun nicht mehr rückwärts durch die Zeit springen muss?
Es würde aber theoretisch auch bedeuten, dass ab jetzt alles, was passiert, eine Auswirkung auf die Zukunft hätte, ihre Zukunft. Sie beginnt, Schlüsse zu ziehen. "Ich muss vorsichtig sein!", sagt sie sich selbst und blickt im Raum umher.
Ein alter Reservemantel hängt am Kleiderschrank - das könnte helfen, den würde niemand vermissen und so könnte sie sich selbst zumindest vor Rufus kaschieren! Zur zusätzlichen Tarnung nimmt sie auch noch den Hut des Bürgermeisters vom Kleiderständer. "Dann muss der zukünftige Bürgermeister eben ohne Arbeitsbekleidung auskommen!".

Da erblickt der junge Rufus eine Gestalt im Mantel, die sich im dunklen Büro des Bürgermeisters bewegt. "Vater?". Toni versteht nicht, "Was meinst du?". Er antwortet geistesabwesend und hektisch, "Vielleicht hat er mich nicht mehr gefunden, weil ich weggegangen bin, vielleicht ist er deswegen zurückgegangen, vielleicht will er...". Er sieht Toni wieder ins Gesicht, die kostümierte Goal verschwindet derweil.
"Er...". er blickt wieder auf das Bürofenster, "Er ist wieder weg!?". Toni, die mit verständnisvoller Miene ihre Hand auf seine Schulter gelegt hat, holt ihn aus seiner Trance, "Du bist ja richtig durch den Wind... also noch mehr als sonst...", sie greift seine Hand und zieht ihn hinter sich her. "Komm doch erst mal zu mir, ich mache dir dann einen schönen Beruhigungstee.".


Als Goal nach einem weiteren Sprung erneut die Augen öffnet, befindet sie sich am gleichen Ort, sie steht jedoch dieses Mal in einem Büro mit blinkenden, roten Lichtern, und von draußen ertönt eine Sirene. Hektik liegt in der Luft und so stellt sie sich unauffällig neben den Kleiderhaken, um wie ein Kleidungsstück zu wirken und nicht aufzufallen.
Jemand, der wie eine jüngere Version von Rufus' Ziehvater (oder eben Käpt'n Iglu) aussieht, sitzt am Schreibtisch, eine schöne Frau mit langem, braunem Haar steht neben ihm, und versucht ihn mit sanfter Stimme zu beruhigen, "Beruhige dich, du weißt, was du für ein guter Anführer bist und du weißt, wie diplomatisch du sein kannst...". Er stoppt sie, "Bitte, für deine optimistische Art habe ich dich geheiratet, aber ich weiß nicht, was ich tun soll - vor einem Monat hat Rufus der Schrapnellküste den Krieg erklärt. Seit einem Monat versuchen wir nun, sie zu kontaktieren.".
Er sinkt mit über dem Kopf zusammengeschlagenen Händen zusammen, "Aber sie haben nie darauf reagiert, sie haben in der Zeit nur mobil gemacht; sie sind eben ins Dorf eingefallen und gleich hier - was bitte soll ich ihnen sagen?". Er hebt den Kopf und schlägt die Fäuste auf den Tisch, "Dass mein Sohn diesen taktischen Präventivschlag verursacht hat, weil ich ihn für einen Moment in meinem Büro aus den Augen gelassen habe und weil er auf rot blinkende Knöpfe steht!?".
Die Frau legt ihre Hand auf seinen Unterkiefer, "Beruhige dich, er ist noch ein Kind, er tut nichts aus böser Absicht, er weiß es einfach nicht besser - du darfst dem Kleinen nicht die Schuld geben!". Sie geht auf die Türe zu, "Vielleicht hilft es, wenn ich versuche, mal mit ihnen zu reden...".
Er springt auf, "Nein, du hast mich überredet, ich mache es -"

In diesem Moment wird die Türe von einer Explosion aus den Angeln gerissen, die Frau, die eben noch auf dem Stand umdrehen wollte, erhält einen schweren Treffer in ihre Seite, wohingegen der Mann, da er hinter einer Ecke sitzt, nur von der Druckwelle umgeworfen wird.

Als der Staub sich legt, fasst er sich und rennt zu ihr, zeitgleich stürmen Soldaten der Schrapnellküste den Raum und umringen die Beiden. Ihre rechte Seite, die eben noch getroffen wurde, blutet. Sie wurde dort nicht nur verbrannt, es klaffen auch größere Holzsplitter des Türrahmens aus der in die Haut gebrannten Kleidung, doch diese oberflächlichen Verletzungen bringen sie nicht um, ihre inneren Organe und Knochen wurden von der Tür zertrümmert.
Er hält ihren Kopf leicht hoch, "Nein - du darfst nicht - ich kann nic...", sie lächelt ihn leicht an, mit nur halb geöffneten Augen, sie flüstert: "Schatz, bitte hör mir zu.". Das Atmen fällt ihr schwer, "...ich kann mich nicht bewegen, ich spüre nicht einmal mehr den Schmerz...", das Leben weicht aus ihren Gliedern, "Ich bitte dich nur: laste es nicht unserem kleinen Liebling an.. ich lie...", sie bringt den Satz nicht mehr zu Ende, ihr Gesicht erstarrt einfach, der Mann bricht jämmerlich weinend über ihr zusammen, während die Soldaten einander ansehen.
Goal derweil unbemerkt geblieben will gerade zum Ausgang schleichen, da sieht sie einen kleinen Jungen mit roten, strubbeligen Haaren. Er steht in der Türe, mit Tränen aus den Augen und Rotz aus der Nase laufend, zuckt plötzlich und rennt aus dem Raum; nur zögerlich begreifend wird der Raum um Goal wieder schwarz.


Sie findet sich in einem völlig neuen Szenario wieder, Wind spielt mit ihrem Haar, eine frische Brise, die sie dazu bringt, den Mantel zusammen zu ziehen. Aber dennoch tut es gut, es ist ein Moment der Einkehr, der sie für einige Augenblicke sowohl ihre Begierde, als auch den Geruch von Tod vergessen lässt. Sie blickt sich um: um sie herum Berge von Müll, über ihr eine Organontrasse, ein Kreuzer fährt gerade darauf vorbei und lässt Müll ab - die Umgebung kommt ihr seltsam vertraut vor, auch wenn sie hier noch nie stand. Es ist die Kreuzertrasse, auf der ihr Kreuzer damals fuhr, als sie die Siedlung und damit einen Beweis für Menschen auf Deponia entdeckte... kurz bevor sie vom Kreuzer fiel!
Die, von dem leisen Klappern des Schrotts abgesehen, stille Szenerie wird von zwei relativ jugendlichen Stimmen unterbrochen, Goal lässt sich auf die Knie fallen, um von den Sprechern in ihrer erhöhten Position nicht gesehen zu werden. Sie beugt sich über eine Klippe aus Stahlträgern und erblickt ein Paar unter sich.
Das Mädchen erinnert sie an die Frau, die gerade gestorben ist, der Mann scheint derselbe zu sein, den sie mit ihr im Büro des Bürgermeisters gesehen hat. Sie hält ihn an, vorsichtig zu sein, während er sich durch einen Berg an alten Organon Ersatzbärten wühlt.
"Dieser Mann soll Seagull sein? Der lächelt ja richtig, nicht nur verächtlich mit einem Mundwinkel...". Nur zu sehr erinnert sie sich an ihn, wie er versuchte, sie anzubaggern, um sie Rufus wegzuschnappen. Ein Schmeichler, der sie an den Organon ausliefern wollte und später als General Elysium sprengen wollte...
Während ihr diese Gedanken durch den Kopf gehen, versucht sie sich etwas weiter vorzuschieben. Doch sie löst dabei einen kleinen Haufen Schutt, welcher laut klappernd über den von der Sonne erwärmten Stahl hinunter kracht.
Sie zuckt zusammen - das Paar blickt in ihre Richtung. "Ist da wer?", ruft der junge Mann. "Ich gehe mal nachsehen!", sagt er zu seiner Partnerin und läuft in Goals Richtung. "Sei vorsichtig!", ruft sie ihm noch hinterher.
Goal macht sich klein, so klein sie kann, als hätte sie gerade etwas angestellt. "Warum eigentlich?", fragt sie sich noch, aber sie ahnt wohl, dass, seit Docs Maschine eingeschaltet ist, hier jeder Eingriff in die Zeitlinie Folgen für ihre eigene Zukunft haben könnte, für ihre Zukunft und die von Rufus. "Rufus!". Nach dem Lärm und Tod des letzten Zeitabschnitts war sie für einen Moment von ihrem eigentlichen Ziel abgekommen, die Sprünge zu beenden und es irgendwie zu schaffen, mit ihrem Geliebten zusammen zu sein...
Während sie noch darüber nachdenkt, wird sie von der Gegenwart wieder wachgerüttelt, der junge Mann ist schon vor der Klippe aus Stahlträgern angekommen, er blickt bereits in ihre Richtung... "Was mach' ich denn nun?", denkt sie innerlich hektisch, "Soll ich mich tot stellen?". Der junge Mann wird plötzlich langsamer, dann bleibt er stehen, er beugt sich zum Boden, dann bückt er sich an einen alten Organon Transporter. "Aha!", sagt er, bevor er dessen Türe öffnet, dann ruft er seine Freundin zu sich.
"Was hat er denn da gefunden?", denkt Goal sich, als die Junge Frau bei ihm ankommt. Deren Gesichtsausdruck verändert sich kurz zu Erstaunen, dann weicht dieses einem breiten Lächeln. "Guck mal, wen ich da gefunden habe!", sagt er, sie blubbert nur, "Hallo du, wer hat dich denn hier zurückgelassen?".

"Hat er da einen Hund gefunden?", denkt sich Goal, die erleichtert wirkt, nun nicht mehr in Gefahr zu schweben, entdeckt zu werden, da hebt die Frau einen in Leinen eingewickelten Säugling mit roten Haaren aus dem Transporter - "Oh!". Für ein paar Sekunden ist sie peinlich ergriffen.
"Was machen wir denn nun mit dem Kleinen?", fragt die Frau den jungen Mann. "Ich weiß nicht, hier lassen können wir ihn jedenfalls nicht.". "Vielleicht...", entgegnet sie. "Vielleicht ist das ein Wink des Schicksals!?". "Du meinst...?", fragt er, worauf sie antwortet, "Ja, vielleicht sollten wir ihn einfach adoptieren? Was meinst du...", sie wendet sich wieder dem Kleinen zu und erblickt ein an dessen Zeh gebundenes Preisschildchen, "...Rufus?".
Darum also wurde er von Seagull adoptiert, der Mann war offensichtlich nicht immer so ein Drecksack, er war einmal glücklich verliebt und als ihm diese Liebe so brutal gestohlen wurde, wurde er verbittert... Zum ersten Mal fühlt sie sich ihm verbunden und bekommt gleichzeitig Angst wegen ihrem eigenen Wesen. Eine ungute Mischung aus einem warmen Gefühl im Bauch und einem schlechten Drücken im Nacken ist das. Es wird wieder dunkel, was Goal nur noch mit einem genervten Schnauben quittiert.


Sie findet sich in einem dunklen Wartungsschacht wieder, um sie herum verlaufen dicke Metallrohre. "Autsch!" sie zuckt zurück, als sie an eines der offensichtlich heißen Rohre kommt. Diese Umgebung ist mehr als ungewohnt, weder Deponianischer Schrott, noch Elysianischer Luxus, es ist ein funktionaler Aufbau. Jedes Ding scheint dahin zu gehören, wo es ist, es scheint nichts überflüssig zu sein, aber eben auch nicht nutzlos.
Schummriges Licht leuchtet den kleinen Raum nur mäßig von oben aus, es kommt von einem Gitterblech über ihr, auf welchem einige undeutlich erkennbare Gestalten stehen.
"Meinen Sie, dass sie das hinbekommen?", hört sie eine kratzige Stimme, die ihr wohlvertraut ist. "Natürlich bekomme ich das hin, sogar im Zeitplan; wissen Sie, ich treibe schließlich nicht nur zum Spaß Sport, das hält auch den Geist fit!".
Die wohlbekannte Stimme antwortet leicht dumpf, "Ich bin mir nicht ganz sicher... Ich meine; ich will Sie nicht beleidigen, aber wenn ich das glauben würde... nun, Sie sehen äußerlich grauenhaft aus, wenn das tatsächlich ihr Innerstes widerspiegelt...".
Goal sieht erschrocken zu den beiden Gestalten, "Vater?" entfleucht ihr, erschrocken hält sie sich selbst den Mund zu.
"Ich bin fit wie ein Turnschuh!", entgegnet die andere Gestalt. "Und die erforderlichen Truppen sind auch schon in Bearbeitung - sehen Sie nur: ich habe schon welche mit blauen und grünen Haaren geschafft; und da ist mir ein pinkes Exemplar gelungen. Aber da diese Farben doch irgendwie unnatürlich sind, versuche ich mich wohl demnächst an einem kleinen Rotschopf...".
"Sie vergessen wohl die Wichtigkeit unserer Mission!", raunzt die andere Stimme. "Immerhin geht es hier um die Zerstörung unserer alten Heimat - wenn wir das nicht rechtzeitig schaffen, dann können Sie den Toten unseres Volkes ja bunte Perücken aufsetzen, dazu bleibt dann immer noch genug Zeit!".
"Sie waren mal ein größerer Freund von Innovationen in kleinen Details.", der anderen Gestalt missfällt der freudlose Ton ihres Vaters. "Offensichtlich, aber seit gestern geht es um mehr, seit gestern weiß ich nämlich, dass meine Frau schwanger ist!", antwortet dieser wieder ruhiger.
"Glückwunsch, Ulysses!", schreit die andere Gestalt. "Das müssen wir doch feiern! Ich werde gleich...". "Nein.", unterbricht Ulysses, "Wir können nach der Sprengung feiern, Sie tun mir einen größeren Gefallen, wenn Sie sich wieder an Ihre Arbeit begeben!". "Natürlich - ich hole gleich mal die benötigten Zutaten aus der Kantine!". Die beiden Gestalten bewegen sich fort, Ruhe kehrt in die dunkle, bedrückende Szenerie.

"Soweit also!", denkt sie sich, "Soweit also...", spricht sie leise aus, "... bin ich zurückgeschleudert worden!?". Sie befindet sich in einer Zeit vor ihrer Zeit, in der sie noch nicht existiert, ohne sie, den Organon, seine Sprengtürme und vermutlich auch ohne Rufus – und sie steht in einem Wartungsschacht, wo ihr die Hitze den Schweiß aus allen Poren treibt...
Sollte sie ehrfürchtig vor diesem Moment erstarren? Immerhin ist sie hier in einem alten Bauwerk der Ahnen, die den Elysianern das Glück schenkten und die die Deponianer im Dreck zurück ließen. Genauer gesagt waren Erstere damals noch keine Elysianer, Elysium gab es noch nicht, sie waren alle nur Deponianer. Nur waren ihre Vorfahren damals Privilegierte, die von Rufus gehörten dagegen nur einer Unterschicht an.
Sie ist kein Wanderer, sie ist durch Zufall hier, sie hat beinahe nichts dazu beigetragen und wurde lediglich bis hier hin getrieben - die Passivität dieser Situation ist, mit einem Wort: verwirrend. Und dennoch erlebt sie hier Geschichte, freilich unfreiwillig, trotzdem erhaben und erschreckend zugleich.
"Doch halt!", sie blickt sich um... "Warum bin ich noch nicht gesprungen? Ist Rufus der Auslöser, bin ich weit genug gesprungen oder kommt der nächste, verfluchte Sprung noch?". Sie wird von einer Hoffnung erfüllt, die sie seit Doc ihr das Gerät gegeben hat, also vor wenigen Minuten oder in einigen Dekaden, nicht mehr hatte. Sie hält die Luft an... nichts passiert. "Pffft.", wieder passiert nichts.
Sie wird wütend, "Was soll das?". Spielball irgendwelcher, für Menschen nicht verständlicher, kosmischer Umstände zu sein, "...das ist doch scheiße!". Sie möchte auf die heißen Rohre schlagen, um sich treten - doch würde sie damit nichts erreichen, als sich zu verletzen.
"Ach was soll's...", sie ballt ihre Faust, sucht sich ein Rohr aus und "Neh, Moment, ich bin doch nicht blöde!". Ihr Zorn verraucht, sie fasst sich wieder und sie denkt nach. Alleine kommt sie hier jedenfalls nicht raus, entweder sie wird hier vom Universum selbst raus geholt, oder einer von den Heinies oben muss ihr helfen, nur ihr Vater sollte sie nicht sehen...
Sie wartet - Sekunden - Minuten - Stunden, ohne Uhr und mit steigender Gleichgültigkeit schwer zu sagen.
Da kommt der seltsame Mann wieder, der eben mit ihrem Vater gesprochen hat, der der was von wegen Rotschopf meinte, sie holt Luft, um ihm zu rufen; da hält sie ein, "Moment mal, Rotschopf?". Etwa der kleine Junge, der bei Seagull untergekommen ist? Etwa der kleine Junge, der solch einen großen Anteil an dieser Ereigniskette hatte: Rufus?
"Nur Vermutungen", aber eine Erklärung für Cletus, Argus und den Organon und warum sie alle die selbe Stimme, das gleiche Aussehen teilen, denkt sie sich. Soll sie jetzt den Vorgang unterbrechen, der -möglicherweise- den Mann zeugt, den sie liebt?
Nein, sie würde einfach warten, vielleicht kommt dann durch Zufall ein weiterer Sprung, oder das Erscheinen von Rufus produziert ihn, oder sie fragt einfach den Wirrkopf.

Wieder vergeht Zeit, der Mann über ihr läuft von einem Punkt des Raumes in den nächsten, brabbelt wirres Zeug, man hört Klackern, Piepsen, Summen, Plätschern - die ganze Palette an Krach, die man solch einem Moment zuordnen würde; und noch einiges mehr, da ruft er, "Heureka!"... "Dich taufe ich: Rufus!", das war ihr Stichwort: erneut hält sie die Luft an - kein Situationswechsel - "Hallooo? Daa ooobääään?".
"Was?", der Mann über dem Gitterboden schaut sich um, "Ist da wer?". Nach einiger Konfusion und einigen, nicht ganz der Wahrheit entsprechenden, Erklärungen hilft der Mann ihr aus ihrem kleinen Gefängnis.
Sie blickt ihn verdutzt an, immerhin steht der Mann vor ihr, der im Geiste Elysium erschaffen hat und der den mächtigen Organon quasi aus dem Nichts entstehen ließ... und dennoch hat sie einen dürren, knochigen Mann vor sich, mit ungeraden Zähnen, Augenringen weit größer als die Augen und ohne Nase – kurzum, er wirkt wie ein Skelett im Anzug mit einem bloß mit Haut überspannten Gesicht.
Wüsste sie nicht, wen sie vor sich hat, sie würde diesen Totenschädel auf zwei Beinen eher für eine Schauergestalt aus einem schlechten Horrorfilm halten. "Ich bin übrigens Hermes!", stellt er sich vor, "Ähm, G – Gertrude!", schwindelt sie ihn an. "Und das ist Rufus!", stellt er den Säugling vor, sie geht zu ihm hin, nimmt ihn auf den Arm, "Na, Rufus? Du wirst wohl mal ein richtiger Held, was?".
"Er scheint Sie zu mögen...", bemerkt Hermes, "...wissen Sie, bei seiner Erschaffung habe ich einige Spezifikationen probiert, ich will sie gleich dem Oberkontrollrat vorführen - wenn Sie wollen, können Sie der Demonstration beiwohnen.". Sie legt Baby-Rufus zurück in seine Wiege, wirkt etwas hektisch, "Nein, ich muss leider noch einige dringende Erledigungen machen, vielleicht komme ich später noch einmal zurück...".
"Das ist schade!", entgegnet er, während sie an die Türe geht. Sie berührt den Türgriff. Er ist seltsam, weder die künstliche Oberfläche einer elysianischen Klinke, noch so rau wie ein deponianischer Türknauf, außerdem kann sie ihn berühren, ohne dass Rost an ihrer Hand kleben bleibt. Der Mann fährt fort: "Ich hatte bei meiner Präsentation sogar einen Showteil mit einem Transporter vorgesehen...", doch da hat sie den Raum bereits verlassen.

Sie weiß, dass sie den Zeitstrom nicht mehr verändern kann, so wie heute keine solchen Oberflächen mehr existieren, kann sie nicht verhindern, dass Rufus vom Hochboot stürzt, das heißt aber nicht, dass damit die Geschichte enden muss. Aber sie ist in der Vergangenheit, alles was sie jetzt beeinflusst, hätte möglicherweise, falls das überhaupt möglich ist, fatale Auswirkungen auf ihre Zukunft... auf ihrer beider Zukunft.
Ihr bleibt nur eine Möglichkeit: in genau dem Moment einzugreifen, in dem der echte Rufus zurück auf Deponia stürzt! Sie wird nicht verhindern, dass er fällt, sie wird nicht verhindern, dass sie nur mit Cletus als Rufusverschnitt auf Elysium landet und dass sie dann schließlich durch diesen Unfall in der Zeit zurückspringt.
Sie wird nichts tun, um diese Ereigniskette aufzuhalten, im Gegenteil: sie wird die Geschichte für sich nutzen, wie ein Raubtier auf den richtigen Moment lauern und dann ihrem Geliebten folgen.
Sie werden nicht auf Elysium zusammen sein, sie werden sich mit Deponia begnügen müssen, aber sie werden einander haben und vielleicht wird es so sein wie mit dem Türgriff, vielleicht wird er nicht aus Plastik sein, vielleicht aber auch nicht aus verrostetem Gusseisen, vielleicht... wird es genau so sein, wie es sein soll!
Zuletzt geändert von Emares am Mo 28. Mär 2016, 12:03, insgesamt 5-mal geändert.

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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Di 11. Feb 2014, 11:02

Der Text war etwas zu lang, daher hier noch der Schluss:
(By the way, vielleicht habe ich es irgendwo übersehen,
aber ich bin vom Zeitabschnitt her jetzt einfach mal davon ausgegangen,
dass Goal etwa achtzehn bis zwanzig Jahre alt ist,
vielleicht kann mich da ja jemand aufklähren!)

__Etwa zwei Dekaden später__
Wir befinden uns wieder auf dem letzten Hochboot nach Elysium, sie befindet sich auch dort.
Die Jahre sind vergangen, sie ist keine junge Frau mehr, sie ist gealtert. Das Leben auf dem Planeten hat ihre einst weiße Haut in einen hellen Braunton getaucht.
Sie ist aber nicht zu sehr gealtert, hat zwar Falten und leichte Krähenfüße bekommen, sie ist auch noch eine Hand voll Zentimeter gewachsen, aber man merkt, dass sie auf diesen Moment gewartet hat, es ist so als wäre sie langsamer gealtert, hätte sich in der Zwischenzeit in eine Art Schlafstarre begeben, unterbrochen von einstweiligen Vorbereitungen für heute, mehr aber nicht.

Niemand hat sie gesehen, wie sie des Nachts, vor den Invasionsvorbereitungen von Argus, auf das Hochboot geschlichen ist - für sie war das nicht schwer, das selbe Implantat, um das bis heute so verbissen gekämpft wurde, das gab es zweimal: jeweils einmal in ihrem Kopf.

Sie ist auch gut vorbereitet, gleich eine Hand voll Fallschirme hat sie den Rebellen gestohlen, stundenlang die Nähte, die Seile, jede Einzelheit geprüft und die tauglichsten Drei schließlich behalten, keine überragende Qualität, aber es muss wohl so reichen.
Es war ein glücklicher Zufall, dass sie diese Ausrüstung in einem unbewachten Moment ergattern konnte, nicht nur für sie, sondern auch für den Rebellensoldaten, der gerade eine Pinkelpause gemacht hatte. Sekunden später und sie hätte ihm wohl rücksichtslos das Genick gebrochen... Sie ist zwar noch bemüht, die Gleiche zu sein, aber sie ist kein junges Ding mehr, das Leben auf der Oberfläche hat sie nicht nur äußerlich gezeichnet. Auch innerlich hat sie sich anpassen müssen, stets mit einem Leitbild vor Augen, einer Zukunftsphantasie.

Nun wartet sie; in einem Wartungsraum unterhalb des Flügels,
Momente von dem Augenblick und Meter von dem Ort entfernt,
an dem sie vor annähernd zwei Jahrzehnten den Mann verlor,
den sie trotz all seiner Makel lieben gelernt hatte.

Ein Dröhnen geht durch die Maschine, das war der Start! Nun sitzt sie auf einem Schiff in der Luft, angefüllt mit elftausend Organon und ihrem Vater am Steuerrad. Sie hätte ihm gerne noch einmal Lebewohl gesagt, doch die überstürzte Lage des Moments würde nur zwei Möglichkeiten ergeben: mit ihrem Vater auf der Brücke stehen, wenn das Schiff zerrissen wird, oder ihrem Geliebten hinterher springen, wenn dieser sich aus tausenden Metern Höhe fallen ließe - zwei nicht sehr erheiternde Pläne, aber einer verspricht doch noch ein Happyend.

Während sie darüber nachdenkt, durchdringt das Schiff eine kurze Vibration, das muss der Panzer gewesen sein, mit dem Rufus, ihr altes ich und die Rebellentruppe sich wie in einer Kanonenkugel in das Landungsboot geschossen haben.
Um den richtigen Zeitpunkt abzupassen öffnet sie die Wartungstüre, sie muss hören, was über ihr passiert, jeden Moment muss sie sich ohne zu zögern in die Tiefe stürzen! Für einen Moment erinnert sie sich an Rufus' 'Geburt'. Sie zieht den Handschuh ihrer linken Hand aus und streicht mit dieser über den Hebel der Wartungstüre. Es ist das selbe Material wie das des Türgriffes von damals, auch wenn die Form merklich anders ist, da es sich hierbei um ein massives Schott handelt.
Sie kommt ins Grübeln. Sie hat sich so sehr verändert; wird Rufus sie überhaupt noch wiedererkennen?
Wird Rufus sie überhaupt noch lieben?
Bald wird das Hochboot zerbersten, dann wird auch dieses Artefakt der Vergangenheit verbrennen und zerschellen – ein großartiges Aufgebot für ein "neues Zeitalter", aber läutet es vielleicht auch das Ende ihrer Existenzberechtigung ein?

Plötzlich reißt Gerede über ihr sie aus ihren düsteren Gedanken. "Es beginnt!", denkt sie sich, da hört sie einen Schrei, einen Knall gegen die Wartungstüre und ein Mann stürzt herein. Er rappelt sich auf. "Rufus?", fragt sie ihn, für eine unsagbar kurze Zeitspanne weicht die Anspannung aus ihrem Gesicht, ihre Augen weit offen, den Mund nicht mehr verbissen geschlossen.
Die Gestalt humpelt auf die Türe zum Schiffsraum zu. "Dieser ungehobelte Flegel!", entweicht ihr, ohne auch nur Notiz von Goal zu nehmen, schließt sie die Türe hinter sich.
"Cletus!", entweicht ihr, bevor sie sich wieder auf ihr Ziel konzentriert, als sie die Türe weit aufschiebt. Die drei Gestalten müssen ganz schön herum gehampelt sein, bevor sie sich im Rotor verklemmten – verklemmen werden, das passiert ja schließlich noch.

"Hallo?", ertönt eine Stimme hinter ihr, erschreckt dreht sie sich um. Ein komischer Vogel im Rufus-Look steht in der Türe aus dem Schiffsraum. "Hallo, mein Name ist Berry!", sie versteht nicht, "Ähm...", er geht an ihr vorbei, "Sorry, ich muss da mal durch!".
Von draußen hallt es: "...niemals loslassen!". Goal entledigt sich gerade wieder der Konfusion, da fällt der echte Rufus auch schon an der Wartungstüre vorbei. Die komische Gestalt springt hinter her. Sie hat ihr Zeitfenster fast verpasst. "Verdammt!", schreit sie, greift sich die Fallschirme und springt hinterher.

Im Freien Fall schafft sie es gerade noch, sich einen Fallschirm umzuschnallen, da legt sie auch schon die Arme und Beine eng aneinander um schneller fallen zu können. Viel Zeit bleibt nicht mehr, schließlich will sie jemanden in der Luft und im freien Fall treffen, der gerade einige hundert Meter Vorsprung hat.
"Autsch!". Sie rast an Berry vorbei, der an einem Satelliten hängen geblieben ist, auf den laut lachenden Rufus zu. Wie eine Wespe eine Fliege aus der Luft fängt, prallt sie mit ihm zusammen, klammert sich an ihm fest, er erschreckt sich, in dem Gezappel verliert sie einen Fallschirm.
"Beruhige dich!". Sie quetscht den völlig konfusen jungen Mann in den Fallschirm, bricht ihm dabei die rechte Schulter. "Ahwa...", will er erwidern, doch sie unterbricht ihn hektisch: "Keine Zeit für lange Vorreden, ich lasse dich gleich los, dann musst du die Reißleine ziehen!". Ein kurzer Dialog, hatte sie sich doch über Jahre überlegen können, was sie ihm wohl sagen wollte. Doch bei der Hektik der Situation liegt in der Kürze die Würze.
Sie stößt ihn von sich ab, den Weg nach unten müssen sie getrennt finden, weder kann ein Fallschirm sie Beide tragen, noch können sie beide Fallschirme öffnen. Während sie noch aneinander kleben, würden sich diese doch nur verfangen. "Wir sehen uns unten!", sie zieht ihre Reißleine, ihr Fall wird schlagartig gebremst, Rufus aber rast weiter von ihr weg, sie hört den Fallwind nicht mehr, nur ihr hektisch schlagendes Herz. Doch dann plötzlich geht der Hilfsschirm auf.
"Puh!", sie schließt die Augen, dreht ihr Gesicht zur Sonne, Tränen laufen aus ihren Augen und werden vom Fallwind zerrissen, die Anspannung ihres halben Lebens weicht mit einem Schlag aus ihrem Körper. Sie weiß, dass der Hilfsschirm den eigentlichen Fallschirm aus der Tasche reißen wird. Verdammt, es kommt ihr vor, als hätte sie eine wissenschaftliche Abhandlung nur über Fallschirme recherchiert. Sie traut sich nicht, ihm nachzublicken, es muss einfach klappen.

Dann blickt sie mit einem Lächeln doch wieder nach unten, aber plötzlich verschwindet das Lächeln, sie reißt ihre Augen und den Mund auf und schreit, denn der Fallschirm, den sie Rufus umgeschnallt hat, ist zerrissen. Der hilflose Körper trudelt zu Boden, wird kleiner und verschwindet schließlich innerhalb von Sekunden. Der Anblick ist schlimmer als der, als er damals losgelassen hatte. Sie hatte solche Hoffnung, einen so perfekten Plan ausgetüftelt Wie kann das nur schiefgegangen sein? Jetzt hat sie gleich zwei Bilder von ihm, wie er in den Tod fällt.
Schreiend und tobend hängt sie in ihrem Fallschirm, jede Selbstbeherrschung ist vergessen, denn es war alles umsonst!












__Sieben Monate später__

Wir befinden uns auf einem der Organon-Sprengtürme, die Nacht taucht die Landschaft, welche durch das Fenster zu sehen ist, in tristes Grau. Goal steht vor einer Konsole und tippt teilnahmslos auf die Tasten, während sie von dem blauen Licht der Apparaturen angeleuchtet wird.
Die wiederholten brutalen Rückschläge haben ihr Mitgefühl weggewischt, nachdem sie Jahre nur auf ein Ziel hingearbeitet hatte, das ihr dann grausam wieder entrissen wurde, hat sie keine Bindung mehr an diese Welt, in der Träume und Wünsche im Müll versinken. Wenn sie damals im freien Fall noch den Ansatz eines Gewissens hatte, das sie hätte zögern lassen können, jetzt hemmen sie keine Werte mehr.
Sie will nur noch Eines: Elysium, das sowohl für ihren Geliebten und den ganzen Planeten Hoffnung darstellte und das ihr Vater einst so mühevoll retten wollte, auf den Weg nach Utopia zu schicken. Nicht sie, noch Rufus, noch Cletus oder Argus würden etwas davon erleben, aber es würde weitergehen, auf einer neuen Welt, mit neuen Zielen, neuen Abenteuern und einer Zukunft!
Nun befindet sie sich wenige Tastendrücke davon entfernt, alle verbleibenden Türme zur Detonation zu bringen und das Werk ihres Vaters zu vollenden.

Der Bildschirm verändert seine Farbe auf Rot, es fehlt nur noch eine Bestätigung...
"Halt!". Eine Stimme ertönt, die sie nicht kennt. Ein bärtiger Mann mit deformiertem Gesicht tritt ein. "Habe ich dich also gefunden!", sagt er, während er sanft lächelnd näher tritt. Sie blickt ihn wütend an, geht einen halben Schritt zurück, "Wer bist du? Glaube nicht, dass du mich aufhalten könntest!".
Er geht weiter auf sie zu, packt ihre geballte Faust, blickt ihr tief in die Augen und sagt: "Ich bin es: Rufus!". Sie löst ihre Hand aus seinem Griff und gibt ihm eine schallende Ohrfeige, "Du bist nicht Rufus - Rufus ist tot!". "Nein, bin ich nicht, ich bin damals im Scherbenmeer gelandet, war schwer verletzt, aber ein paar Fischer haben mich gerettet.". Sein Blick wird ernster, "Es dauerte Monate, bis ich genesen war...", er versucht wieder ihre Hand zu ergreifen, doch sie zuckt zurück, wendet sich von ihm ab, "...ich hatte viel Zeit, über mein Leben nachzudenken, darüber was ich sein will, darüber was mir wichtig ist.". Er greift ihre beiden Hände, dreht sie zu sich, sie sie hält ihr Gesicht von ihm fern, "Ich hatte es nicht so recht verstanden, aber ich wusste, dass du hier auf Deponia bist. Deswegen bereiste ich die Welt. Ich wollte dich wiedersehen und das erschien mir nur zu funktionieren, wenn ich mobil bin.". Sie blickt mit den Augen zu ihm, "Naja und ich habe mich als Barde verdingt, habe von unserer Geschichte gesungen, weil - trotz aller neuen Bescheidenheit, nunja... zumindest das braucht mein Ego noch!". Sie dreht ihr Gesicht zu ihm. "Als ich dann Gerüchte über eine verrückte Rothaarige hörte, die die Welt zerstören will, da habe ich eins und eins zusammengerechnet - hier bin ich nun!".
„Aber...“, stottert sie. „Es ist so viel geschehen. Du siehst so anders aus, ich sehe so anders aus...“. Er unterbricht sie „Das sind Äußerlichkeiten.“ Doch sie erwidert forsch „Äußerlichkeiten, die auch für eine enorme innerliche Veränderung stehen!“. Sie holt tief Luft: „Woher weiß ich, dass du der Selbe bist, in den ich mich verliebt hat? Woher weißt du, dass ich mich nicht zu sehr verändert habe? Es ist viel geschehen in der Zwischenzeit“. „Es geht nicht ums Wissen!“, er blickt sie entschlossen an, „Wir verändern uns zwangsläufig im Laufe unseres Lebens, von einer Sekunde auf die andere können wir Ideale, Überzeugungen und Glauben gewinnen oder ablegen! Ich bin nicht mehr der junge Idiot, du bist nicht mehr die stille Maus... Aber eines ist sicher: wir lieben einander, wir streben zusammen und das zählt!“.
Sie schließen Beide ihre Augen, ihre Münder bewegen sich aufeinander zu... doch als sie mit ihrem Mund auf seinen Bart stößt, schreckt sie wie vom Blitz getroffen zurück und schreit, "Du bist nicht Rufus! Du bist nicht der verrückte Großkotz, in den ich mich verliebt habe, du bist nicht unvorsichtig, überheblich und chaotisch, du bist einfach nur irgend ein Penner, der durch die Welt vagabundiert und sich zufällig gut ausdrücken kann!". Sie versucht sich loszureißen, doch er hält ihre Hände fest, "Was immer du warst, es ist vor sieben Monaten gestorben!". Sie befreit sich mit einem Tritt in die Weichteile von seinem Griff, springt zurück zur Konsole und brüllt, "Rufus, der Mann, den ich liebe, ist tot! Und diese Welt...", er versucht am Boden liegend und keuchend zu sagen: "Es gibt da noch eine Maschine, die...", doch sie lässt sich nicht ins Wort fallen, "...ist es jetzt auch!".

Sie hat ihre Hand auf die Leertaste der Tastatur geschlagen, ein Lichtblitz zerreißt das Zwielicht, dann Dunkelheit, Nichts.

Ein Streichholz erhellt ihr Antlitz, Rufus steht vor ihr, der Rufus von vor siebeneinhalb Monaten. Sie fragt ihn verblüfft, "Wie kann das sein? Du...", er erklärt, "Das wollte ich doch gerade sagen, es gibt da eine Maschine...", sie stoppt ihn, indem sie ihren Zeigefinger auf seinen Mund legt. "Genug Erklärungen für heute, darauf habe ich so lange gewartet!".
Ihre Köpfe bewegen sich aufeinander zu, "Das kann nicht wirklich sein, das weißt du, oder?", sie flüstert: "Ist mir egal!". Sie fahren fort, schließen die Augen, sie lächelt, das Streichholz geht aus, Stille.



Eine Stimme unterbricht die Stille: "Rufus? Rufus!". Die Stimme wird klarer; "Rufus, Junge wach auf!". Docs Stimme! Rufus wacht auf, Schmerz zieht sich durch seinen Körper, doch Doc hindert ihn, aufzustehen.
"Du warst sehr lange weg...", erklärt Doc dem noch recht benommenem Rufus, "...nachdem du von dem Turm in den Nadelhaufen gefallen bist!". Bozo fällt ins Wort, "Reife Leistung nochmal!". Doc fährt fort, "Naja, wie man es nimmt... Jedenfalls war es nötig, dich in ein künstliches Koma zu versetzen, du warst Monate weg.".
Rufus stemmt sich auf; "Künstliches Koma - wieso - was - ich!?". Doc beruhigt ihn, "Die Nadeln waren besser in dir verteilt, als Schrotkugeln, die Operation alleine hat Tage gedauert...".
Rufus versucht aufzustehen, doch es geht nicht, er fällt Bozo in die Arme, "Was ist los, ich muss doch... sie retten...", da fällt Doc ihm harsch in's Wort, "Du wirst erst einmal gar nichts machen, du hast dich Monate kaum bewegt und darum muss dein Körper sich erst einmal wieder daran gewöhnen, dass er sich wieder bewegen kann!".
"Aber - sie! Sie ist doch nicht mehr auf Elysium, sie braucht mich!". Bozo versucht, ihn zu verstehen: "Sie? Meinst du das Mädchen?". Doc ergänzt, "Sie ist zurück auf Elysium, dass die Kapsel dort angelegt hat, konnten wir mit meinem Fernglas sehen!".

Rufus begreift immer noch nicht; "Sie hat gesagt, sie liebt mich, ich muss zu ihr...".
"Die Hälfte der Zeit, die ich sie kannte, war sie bewusstlos, wie soll sie sich so schnell in dich verliebt haben!?", fragt Bozo und Doc haut nach, "Ist es nicht wahrscheinlicher, dass du das geträumt hast!?".
Rufus faucht sie an, "Ihr wollt mir sagen, dass ich mir die letzten Monate, die Abenteuer, die wir zusammen erlebt haben, die Liebesgeschichte meines Lebens nur eingebildet habe?". Er beginnt lauter zu werden, "Wenn sie mich nicht liebt, was soll ich dann denn noch hier? Nach Elysium komme ich nicht mehr, die Liebe meines Lebens werde ich nicht mehr wiedersehen und vielleicht sprengt der Organon uns bald allen den Planeten unter dem Arsch weg, warum habt ihr mich nicht einfach sterben gelassen?".
Bozo versucht, ihn zu beschwichtigen, "Naja, ich habe nur gesagt, dass alles seit dem 'Todessprung' nicht real war, vielleicht hast du ja noch Chancen...", doch Doc spottet, "Ja genau, vielleicht verliebt sie sich ja wegen dem, was du mit ihrem Implantat gemacht hast und vielleicht kommt sie dann auch freiwillig wieder runter auf Deponia - aber warte, wieso sagtest du noch einmal, dass der Organon den Planeten nun doch sprengen will? Ich dachte, du wolltest mit der Orbitelfe nach Elysium, um da die Wahrheit aufzudecken...".
Rufus erschrickt, er tastet seinen Anzug ab, "Moment, hatte ich die Datasetten etwa doch nicht ausgetauscht, ich wollte doch...". Doc stoppt ihn, "Falls du die Datasette meinst, auf der 'Backup' stand, die war in deiner Tasche, ist aber hinüber - um noch einmal auf den Organon zurückzukommen, was soll die Sprengung dieser Welt mit der Datasette zu tun haben?". Rufus schnauft aus, dann erklärt er die ganze Geschichte.

Doc und Bozo sind beide ein Wenig verblüfft, als Rufus die Geschichte fertig erzählt hat. Da übernimmt Doc das Wort, "Gut, die Geschichte, die dich bis zum Organon-Turm geführt hat, die ist ja schon etwas - äh... Besonderes, aber kommt dir nicht in den Sinn, dass das was du danach erzählt hast, irgendwie unrealistisch ist!?".
Rufus blickt trotzig auf seine Hände, Doc fährt fort, "Torpedodelfine? Ein Typ in Unterwäsche gründet eine echte Revolutionsmiliz? Und dass du eine künstliche Lebensform, die Blaupause des Organon bist, das ist wirklich unrealistisch - fast so unrealistisch, wie ich, der eine Operation vermasselt!".
Rufus mit leicht beleidigtem Unterton, "Es erklärt aber alles, zum Beispiel dass die Organons meine Stimme haben oder dass Cletus fast wie ich aussieht...". Bozo fällt ihm ins Wort, "Also erst einmal finde ich nicht, dass du dich genau so anhörst wie die Organonsoldaten, außerdem gäbe es dafür doch realistischere Alternativen – dass du ein verlorengegangenes Kind aus Elysium bist beispielsweise der Sohn von Ulysses und dass dieser Cletus eben dein (böser) Zwilling ist und dass der Organon aus Robotern besteht, die nach deinem Vorbild gebaut wurden, aus Trauer über deinen Verlust!".
Rufus blickt wieder trotzig auf seine Hände. "Hör mal, Rufus! Ich will ja nicht behaupten, dass es so wäre, aber ich will damit sagen, dass es doch durchaus andere Erklärungen gibt!". Doc ergänzt, "Die dazu noch überaus plausibler wären!".

Rufus atmet tief ein, senkt den Kopf und atmet mit geschlossenen Augen tief aus, "Na gut, tun wir einfach so, als würde ich jetzt schon akzeptieren, dass mein großes Abenteuer nur ein Traum war, dennoch wäre es tröstlich, wenn es doch irgend ein Happyend gäbe, so fiktional es auch wäre...". Doc streicht sich durch den Bart, "Naja... eine Schachfigur wäre da ja, theoretisch, noch im Spiel...".

Ortswechsel, ein laufendes Fließband, Donna steht auf dem Verbindungsweg über den Schreddern der Klonanlage. Sie zuckt auf: "Ahuap. Ahuapp!" und springt in den Schredder, noch bevor sie auf hindurch gefallen ist und zu organischem Material für den Klonprozess verarbeitet werden kann, wird das Bild schwarz _Ende_



Vielleicht hat es ja dem Einen oder Anderen gefallen,
bitte entschuldigt die Textzeichenfehler und den Satzbau
schöne Grüße
Markus Melder


In Nie wieder Elysium geht es übrigens weiter mit der Spinnerei!
Und dann kommen die Elysium Limerenzen

Und schließlich gibt es noch die Toni-Tribute, wo es dann noch einmal kurz ganz düster wird...

PS.: Mir ist klar, dass da jetzt viel Salbaderei bei war (besonders bei meiner Einleitung),
lasst in dieser Hinsicht bitte Milde walten! :lol:
Zuletzt geändert von Emares am Fr 11. Mär 2016, 22:14, insgesamt 4-mal geändert.
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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Screeny » Di 11. Feb 2014, 11:09

Habe noch nicht alles gelesen - ist ja doch recht viel Text :lol: - aber: cool! Bis jetzt gefällt es mir gut :)

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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Di 11. Feb 2014, 11:13

Vielen Dank,
ich habe mir viel Mühe gegeben,
da ist es schön, wenn es schon nach wenigen Minuten positive Resonanz bekommt! :)
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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Mi 12. Feb 2014, 12:19

Wow, erst ein Tag herum und schon über neunzig Klicks! :D

Hat's denn schon jemand durchgelesen?
Ich weiß, das dauert bei zehn bis zwanzig Seiten (je nach Schriftgröße) sehr langwierig...



Habe mir aber ein paar spielmechanische Gedanken gemacht, der Text ist natürlich, es ist eine Geschichte, linear, denkt man an Harvey und Co., kann man sich dagegen an einige Entscheidungsmöglichkeiten erinnern - ließe sich aber auch hier leicht einbauen:


Beispiel eins: während der Zeitsprünge, während Goal auf dem Flügel steht, ist man schnell, kann man Rufus retten, wartet man dagegen, fällt Rufus runter, dann könnte man entweder Cletus retten oder Rufus hinterher springen - es hätte storytechnisch keine Auswirkungen, da kurz darauf der nächste Zeitsprung stattfindet.


Beispiel zwei: am Ende der Zeitsprünge, als Goal in dem Wartungsschacht steht,
hier wäre ein Zeitintervall möglich, bis Hermes zurückkommt.
Da könnte man nichts tun, mit Goal interagieren (zusätzliche Dialogoptionen),
oder mehrfach auf die Rohre klicken, bis Goal wirklich dagegen schlägt und sich weh tut.
Es wäre egal was, nach einer bestimmten Zeit käme Hermes zurück,
aber es gäbe die Möglichkeit, mehr Story zu erfahren, etwas zu tun oder nichts zu tun,
einer der Hauptunterschiede zwischen Spiel und Film, der Ersteres interaktiv macht.


Beispiel drei: beim Sprung vom Hochboot gegen Ende.
Je nach dem, was man macht, wie viele Fallschirme man nimmt z.B.,
ob man den ersten, zweiten oder dritten Fallschirm im Inventar mit Rufus oder sich selbst benutzt,
das könnte das Ende beeinflussen.

Beispiel drei.eins: man greift sich alle drei Fallschirme,
wenn man beim Sturz den ersten im Inventar benutzt, zerreißt der Schirm von Rufus,
das Ende kennen wir.
Nimmt man den Zweiten, funktioniert der Fallschirm von Rufus,
aber kurz darauf reißt der von Goal, sie stürzt an Rufus vorbei, blickt ihm nach,
die Szene endet mit einem schwarzen Bild, kurz bevor Goal auf den Boden trifft.
Fallschirm Nummer drei wäre dann zufallsbestimmt.

Beispiel drei.zwei: man greift sich zwei Fallschirme, darauf würden wohl die wenigsten Spieler kommen,
beide überleben darauf hin, aber je nachdem, was Goal sagt, bevor sie sich von Rufus in der Luft trennt,
bleiben Beide ein Paar oder trennen sich.
Bleiben sie zusammen, endet es damit, dass sie Hand in Hand beobachten, wie Elysium auf Deponia stürzt bzw. notlandet,
trennen sie sich, sprengt Goal Deponia, nur eben ohne Unterbrechung und am Ende alleine.

Beispiel drei.drei: man greift sich nur einen Fallschirm, den kann man mit sich benutzen,
dann war aber alles umsonst wie das Ende, das ich geschrieben hatte,
oder man benutzt ihn mit Rufus, zieht selbst die Reißleine und fällt weiter,
Rufus löst seinen Fallschirm und sie sind für wenige Augenblicke zusammen, sterben aber auch gemeinsam.

Beispiel drei.vier: man springt ohne Fallschirme, das kann passieren, wenn der Spieler nicht dran denkt,
dann ist das Ende vom Lied, dass sie sich ähnlich wie beim zweiten Ereignis von drei.drei vereinen und gemeinsam sterben...


Was ich mit dem wirren Geschreibsel sagen will: Spieltechnische Umsetzungen sind gar nicht so schwer, Beispiel drei allein ermöglicht über sieben verschiedene Enden, der Spieler kann damit auch entscheiden, wie es endet und ob das Spiel an dieser Stelle zu ende ist (z.B. im Falle, dass beide sterben).

...

Vielleicht sollte ich aber auch einfach aufhören, die Internetspekulation über alternative Deponia-Enden zu lesen! :D
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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Di 15. Apr 2014, 22:24

So, gut zwei Monate später und nach rund vierhundert Klicks,
also hundert Klicks pro Antwort und achtzig Klicks pro Beitrag:
hat es jemand durchgelesen und eine Meinung dazu!?
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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Screeny » Di 15. Apr 2014, 22:25

Emares hat geschrieben:So, gut zwei Monate später und nach rund vierhundert Klicks,
also hundert Klicks pro Antwort und achtzig Klicks pro Beitrag:
hat es jemand durchgelesen und eine Meinung dazu!?

Die Klicks sind nicht repräsentativ, da alle Klicks gezählt werden. Egal ob vom selben User, vom Ersteller oder einem Bot ;)

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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Di 15. Apr 2014, 22:26

Ich weiß, ich erhoffe mir aber, dass wenigstens ein paar Leute oft genug geklickt haben, um die Geschichte zu Ende zu lesen! ^^
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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Fence » Mi 7. Jan 2015, 11:30

Als der Staub sich legt, rappelt sich Goal wieder auf. Der Blitz hat eine Stelle ihres weißen Anzuges verbrannt, knapp unterhalb der rechten Schulter ist der Stoff schwarz und raucht leicht. Sie blickt sich um; viele Tote liegen um sie herum, es waren neue und alte Freunde. Weggefährten auf ihrem langen Rückweg auf Elysium und natürlich solche, die sie von klein auf von der Station kannte. Innerhalb einer Sekunde war es vorbei mit ihnen, einige von Teilen der Maschine getroffen, andere von der Druckwelle selbst, natürlich ist nicht jeder tot, einige nur verletzt. Normalerweise würde sie versuchen, ihnen zu helfen, aber der Knall der Explosion, die Unwirklichkeit der Situation halten sie für einen Moment gefangen. Der Tinnitus, der beißende Rauch in den Augen und das tieforangene Licht des aus der Maschine austretenden, entflammten Öls, das das sanfte Blau der zerbrochenen Kristalle ersetzt, tauchen den Raum in eine unwirkliche Stimmung.
Sie steht wieder leicht gekrümmt auf ihren eigenen Beinen, kommt aber jetzt erst langsam wieder zu sich, sie hilft einem verletzten Elysianer auf, langsam trifft auch noch Hilfe ein, Organon betreten den Raum. Sie retten, verarzten die Verletzten und bergen die Toten, da sieht sie ihn. "Rufus" liegt unter einem Stahlträger, einem elysianischen Stahlträger, aus rostfreiem Stahl, ohne jede Spur einer Oxidation aber dennoch unbarmherzig – er winkt sie zu sich.

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Re: Elysium (Oder: meine eigene kleine Realitätsverweigerung

Beitragvon Emares » Mi 7. Jan 2015, 13:33

Das ist der Anfang des dritten Absatzes, aber was möchtest du damit ausdrücken? :?:
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Markus


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